Leserundenarchiv > Bernard Craw – Sanguis B. Vampire erobern Köln
Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)
nimue:
Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen über die Leserunde allgemein, die Ihr vielleicht im Anschluss schreiben wollt.
Peter Lancester:
Ich bin zwar noch nicht ganz durch, aber es muß schon sehr viel passieren, damit sich meine Meinung noch ändert:
Das ist das beste Buch, das ich in den vergangenen 36 Monaten gelesen habe. Nicht nur, daß es thematisch genau in dem Genre arbeitet, das ich so liebe (Phantastik mit psychologisch-sozialkritischem Hintergrund), es ist auch noch gut geschrieben und bringt mich dazu, es in die Hand zu nehmen und zu lesen an Orten und zu Zeiten, in denen ich eigentlich anderes zu tun hätte.
Und ich finde es jetzt schon schade, daß ich es bald aus habe.
Peter
Peter Lancester:
So, JETZT bin ich durch. Meine ursprüngliche Meinung bleibt bestehen, das war absehbar. Das Buch gehört gekauft, gelesen und in großen Feuilletons besprochen.
Zum Ende hin muß ich einen Teil meiner anfänglichen Kritik zurücknehmen: Die Vampire haben doch mehr als genug Menschliches in sich behalten, um die Story absolut interessant zu gestalten.
Jetzt kann ich auch die Frage nach Sympathie und Interessanz besser beantworten:
- Der interessanteste Charakter war Epi. Ihr Forschungsdrang und ihre Versuche, alles zu ratonalisieren, waren mir in dieser Geschichte sehr wichtig.
- Der sympathischte Charakter war Camilla. Weil sie romantisch war. Weil sie die Kultur als hoch erachtete und bewahren wollte. Weil sie eine bessere Welt wollte. Ihre Rolle war leider nur sehr klein.
Ich hätte aus Epi keine Medizinstudentin gemacht. Das war ein bißchen der falsche Beruf. Medizinstudenten sind keine kleinen Wissenschaftler.
Ich hätte ganz zu Beginn die spätere Gruppe der Hauptfiguren nicht miteinander bekannt sein lassen. Das hat dich letztlich gezwungen, die 16%-Quote zu erhöhen. Besser, du hättest ihre Werdegänge voneinander unabhängig geschildert und dann zusammentreffen lassen.
Ich habe das Buch in einem wahnsinnigen Tempo durchgelesen, was für die Qualität und die erzielte Spannung spricht. Es hätte jedoch an manchen Stellen etwas ausführlicher, insgesamt dicker, sein können. Und die Sache mit Buthan läßt mich jetzt nicht mehr los. Du hast die Spannung kontinuierlich gesteigert und irgendwann war das Buch einfach zu Ende. Das ist schon fast fahrlässige Körperverletzung. ;)
Peter
Imlammenien:
So, nun möchte ich ebenfalls mein Fazit zu Bernards großartiger Geschichte anbringen! ;D
Eine rätselhafte Mordserie erfasst die Stadt Köln. Die Behörden und Ordnungskräfte sind zunächst ratlos, die brutalen Morde jedoch nehmen mit jeder weiteren Nacht zu. Und mittendrin stecken der Student Thomas und seine Freunde Doro und Epi sowie deren Bruder Christoph... und sie werden viel tiefer in die Ereignisse verstrickt, als ihnen lieb sein kann...
Bernard Craws Vampir-Thriller ist rasant und spannend geschrieben. Seine Charaktere sind lebendig (auch wenn sie zumeist untot sind *g*) und facettenreich ausgearbeitet. Die vom Autor kreierte Atmosphäre ist düster und bedrohlich, aber dennoch realistisch und nachvollziehbar. Auch spart Craw nicht mit Vergleichen und Realitätsbezügen, die das Werk auch für einen Leser bzw. eine Leserin interessant machen, der / die für gewöhnlich mit Vampir-Geschichten weniger anfangen kann.
Besonders hervorzuheben ist die ausgefeilte und exzellent eingesetzte Sprache des Autors. Bernard Craw spielt nicht nur mit Worten, oftmals malt er regelrecht mit ihnen – ohne dass auch nur einen Augenblick Kitsch oder überladene Klischees aufkommen.
A propos Klischees! Craw bricht mit vielen der in Vampir-Romanen sonst üblichen Darstellungen. Seine Vampire sind nicht sinnlich-erotisch, sondern triebgesteuerte Raubtiere, denen man nicht mit Knoblauch oder Kreuzen beikommen kann. Das ist erfreulich und macht die Handlung spannend und abwechslungsreich!
Auch spart der Roman nicht mit gesellschaftskritischen und naturwissenschaftlichen Gedanken bzw. Theorien, die den Leser / die Leserin nicht nur zum Weiterlesen in der von Craw kreierten Welt animieren, sondern auch zum Nachdenken über die Welt anregen, in der er / sie tatsächlich lebt.
Leider nimmt im letzten Drittel des Buches der Anteil der ‚Action-Szenen’ zu – ein wenig zu Lasten der sonstigen Handlung, wie ich finde. Doch das sei dem Autor verziehen, denn auch hier bietet er noch immer großartige Unterhaltung mit oftmals unerwarteten Handlungsfortgängen bzw. –ausgängen.
FAZIT: ‚Sanguis B – Vampire erobern Köln’ sei jedem Leser und jeder Leserin wärmstens empfohlen, der / die anspruchsvolle, aber dennoch in erster Linie unterhaltsame Romane mögen. Man muss nicht unbedingt ein Freund von Vampir- bzw. Horrorszenarien sein, um Gefallen an Craws Werk zu finden.
Zu zart beseitet sollte das jeweilige Gemüt allerdings nicht sein, denn Bernard Craw macht wahr, was sein Untertitel verspricht: VAMPIRE erobern Köln!
Bernard, vielen Dank für diese spannende Geschichte und deinen riesigen Einsatz in dieser Leserunde!!! :klatschen: :klatschen: :klatschen:
HoldenCaulfield:
Leider konnte ich in der Leserunde nicht so aktiv sein wie ich das vorgehabt hatte... es kommt eben immer wieder anders als man denkt :(
Eine Rezension habe ich aber dennoch geschrieben. Vorab danke an Bernard für seine Interessanten Fragen, Antworten und überhaupt!
Grüße
HC
Meine Meinung:
Dies ist sicher keine Vampirgeschichte wie viele sie erwarten würden. Hier gibt es keine Vampire a la Lestat und Armand (aus der Chronik der Vampire von Anne Rice). Vielmehr haben Crwas Vampire viel menschlichere und nicht so abgehobene Züge. Sie werden nicht verklärt sondern als das gezeigt was sie sind: Vampire, die sich von Menschenblut ernähren. Für zimperliche Leser sind die Beschreibungen teilweise sicher nichts. Ich persönlich finde das der Roman gerade zu Anfang gerade zu poetische Momente hat wenn einer der Vampire einen Menschen tötet um an sein Blut zu gelangen (aber dies ist wie immer Geschmackssache). Ab etwas der Hälfte des Romanes wurde es mir persönlich zu militärisch. Oft fühlte ich mich an Comuterspiele erinnert. Das hat mir nicht so gut gefallen. Ich bin nicht so der Actionleser und da war mir manchmal ein bissl zuviel dabei.
Die Figuren fand ich interessant und toll ausgearbeitet. Auch ihre Handlungen sind meist nachvollziehbar. Außerdem gibt es mir so mancher Figur die ein oder andere Überraschung... Eine richtige Beziehung konnte ich jedoch nicht zu ihnen aufbauen. Was vielleicht an den zahlreichen Hauptcharakteren gelegen haben könnte...
Der Stil liest sich flüssig und angenehm.
Mir selbst hat sicher Gruselfaktor gefehlt. Auch der gewisse Vampircharme fehlte mir. Mag sein das ich hier von meinem bisherigen Vampirbild (Dracula, Lestat etc.) geprägt bin. Einerseits ist dies durchaus die Stärke des Romans sich eben nicht der ewigen Klischees zu bedienen. Andererseits hat mir das doch irgendwie gefehlt.
Im großen und Ganzen hatte ich Spaß am Lesen und fand den Roman in sich schlüssig und spannend. Den Schluss fand ich gelungen auch wenn mir gerade das letzte Drittel zeitweise nicht mehr so gut gefallen hat.
Ich empfehle diesen Roman allen "Vampirfreunden" die mal etwas anderes als den Standard Vampirroman lesen möchten. Wie gesagt mir hat der Roman gefallen. Aber mir haben eben auch Elemente gefehlt. Ein neues Buch des Autors würde ich jedenfalls sicher lesen!
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