Hallo,
dann will auch schon mal ein erstes Fazit ziehen. Ich habe
Die Weltenwandlerin durchaus gerne und mit einigem Vergnügen gelesen, kann mich aber der Begeisterung nicht in gleichem Maße anschließen. Natürlich werde ich versuchen zu begründen, warum. Dafür muß ich wieder auf meinen "Dreisprung" zurückgreifen, nach dem ich Bücher für mich bewerte:
1. ein mich in irgendeiner Form fesselnder Plot
2. interessante Charaktere
3. eine mitreißende Sprache
Wie sieht das hier aus? Zunächst als "Gesamtbewertung", damit es nicht zu negativ rüberkommt: Ich war nie versucht, das Buch mittendrin abzubrechen und womöglich nicht zu Ende zu lesen, es hat mich gut unterhalten, aber ich konnte es auch gut zuklappen, ohne der nächsten Lesemöglichkeit entgegenzufiebern.
Die Idee des Weltenwechsels ist schön gemacht und mit witzigen Details wie dem Gestaltwandler umgeben. Abgesehen von den Längen bei den Lebensläufen, die ich schon angemerkt hatte, fand ich die Geschichte auch durchaus spannend, aber als "Warmlaufzeit" war mir das etwas zu viel. Auch im späteren Verlauf nehmen manche Szenen (ich sag nur: Höhle) zuviel Raum ein, andere zu wenig. Außerdem sind für mein Empfinden (da mag ich manches überlesen oder falsch verstanden haben) logische Brüche darin, das betrifft im wesentlichen Shawns Gedächtnis und vor allem die Verteilung der "Reiseutensilien", aber auch das manchmal unlogische Verhalten der Protagonisten, was ich ja in den entsprechenden Threads auch angemerkt habe.
Die Charaktere blieben mir in ihrem Verhalten über Strecken fremd, das betrifft vor allem Grace und ist daher besonders schade, da sie eigentlich die Identifikationsperson wäre. Sie ist diejenige, die eine kulturelle Transferleistung beim Weltenwechsel erbringen muß, das aber nur bedingt glaubwürdig schafft. Damit meine ich nicht, daß ihr manchmal Wörter durchrutschen, die die Tybayaner nicht kennen (können), sondern z. B. ihre Reaktion als sie von der Beeinflussung erfährt, die man an ihr vorgenommen hat. Entweder hätte sie es verstehen müssen (wenn sie ihre Freunde gut genug kennengelernt hat) oder härter reagieren. So war es irgendwie "halbgar". Zudem ist mir auch zu perfekt in der Kombination von Äußerem, Intelligenz usw. Bei den Tybayanern sehe ich das nicht so problematisch, da diese sich im Rahmen ihrer Sozialisation nachvollziehbar bewegen (und nur manchmal die im Krieg notwendige Vorsicht außer Acht lassen).
Sprachlich fand ich den Anfang (damit meine ich v. a. die Lebensläufe von Grace und Necom) gewöhnungsbedürftig, weil es mir zu distanziert war und irgendwie gekünstelt auf mich wirkte. Diese Kapitel passen auch nicht zum Rest des Buches, der sich in einem ganz anderen Grundton liest, der mir auch besser gefallen hat. Zugegebenermaßen bin ich aber gerade durch das Buch aus meiner vorherigen Leserunde hier sprachlich extrem verwöhnt, was meine Beurteilungsmaßstäbe bestimmt etwas verschoben hat ...
In Summe kann ich mir ohne weiteres vorstellen, noch mehr von Tybay zu lesen.

An dieser Stelle auch schon mal ein dickes "Danke" an Tanja für die Begleitung dieser Leserunde. Es macht mir immer viel Spaß, mich in Leserunden nicht nur mit Mitlesern, sondern auch mit dem Autor auszutauschen, da es doch oftmals ganz andere Blickwinkel eröffnet.
Aldawen