Leserundenarchiv > Wolfram Fleischhauer – Die Frau mit den Regenhänden
Die Frau mit den Regenhänden (Kapitel XV bis Ende)
wolves:
Hallo,
gestern abend habe ich erschüttert und mit Tränen in den Augen das Buch beendet. Jetzt sind mir so viele Andeutungen klarer geworden und ich sehe Zusammenhänge, wo ich vorher keine gesehen habe.
Wenn ich mir überlege, dass AIDS heute so gut wie kein Thema mehr ist. Als wenn es diese Krankheit überhaupt nicht mehr gäbe. Und täglich sterben Menschen daran :( Ich meine in letzter Zeit mal die eine oder andere Werbung gesehen zu haben, dass Kondome vor Aids schützen, aber im Moment glaube ich darüber nichts mehr gesehen oder gelesen zu haben.
Über all diese Einzelheiten von der Entdeckung der Krankheit bis hin über andere Infos habe ich gar nichts gewusst. Umso wütender bin ich darüber, dass Geld wichtiger wie Leben ist. Geld regiert die Welt! Ein Satz der leider immer wieder bestätigt wird. Es ist so wichtig, dass es Bücher wie dieses hier gibt, wo einem wieder sensibilisiert. Aufmerksam macht.
Ich bin irgendwie noch ganz aufgewühlt von dem Buch und schreibe wahrscheinlich nur Unsinn. Mir ist auch wieder bewußt geworden, wie gut es mir eigentlich geht. Und wie nah Tod und Leben ist. Ihr wißt bestimmt was ich meine.
Vielleicht liege ich falsch, aber vielleicht liegt uns allen Gaetane einfach auch deshalb näher, weil wir viel mehr von ihr und von ihrem Denken erfahren haben?
Liebe Grüße
von einer sehr sehr nachdenklichen wolves
Jaqui:
--- Zitat von: wolves am 11. Januar 2007, 14:25:20 ---Vielleicht liege ich falsch, aber vielleicht liegt uns allen Gaetane einfach auch deshalb näher, weil wir viel mehr von ihr und von ihrem Denken erfahren haben?
--- Ende Zitat ---
Ich denke sie liegt uns näher, weil wir mit Aids mehr anfangen können, als mit Cholera. Und sie lebt in einer Zeit, die wir verstehen, weil sie unsere ist.
Katrin
Karthause:
Gerade habe ich das Buch beendet. Was für ein Ende. Eigentlich neige ich nicht zu Tränen beim Lesen, aber bei Gaetanes letzten Worten, was es um meine Fassung dann geschehen.
Nach der letzten Seite las ich noch einmal den Prolog. Der Brief liest sich jetzt ganz anders. Auch mir geht Gaetanes Schicksal sehr viel näher als das der Marie. Ich glaube wolves hat schon die richtige Begründung dafür geschrieben. Ich empfinde ebenso.
Beim Lesen dieses Buches fiel mir auch auf, dass AIDS, außer am Welt-AIDS-Tag, kein Thema mehr ist. Wiegen wir uns alle in Sicherheit, weil wir kein Opfer persönlich kennen? Warum sind die Medikamente so sündhaft teuer, dass sie sich z.B. in Afrika kaum einer leisten kann? Das Thema der Pharmaindustrie ist schon ein ganz spezielles. Ich bin auch über Creatives Ausführungen entsetzt. Das Schlimme dabei ist nur, dass Wolfram keine Bücher schreibt, in denen er sich irgendwelcher an den Haaren herbei gezogener Thesen bedient. Ich bin mir sicher, alles, was ich beklemmendes über die AIDS-Thematik gelesen habe, stimmt. Es passt nur zu gut in unsere Zeit und schon fällt mir die Gesundheitsreform in Deutschland ein. Geld ist eben der alles entscheidende Faktor, damals wie heute.
An Wolfram geht mein Dank für dieses Buch und dafür, dass er uns in dieser Leserunde begleitet hat. Ich bin froh dieses Buch gelesen zu haben. Es war ein furioser Beginn des Lesejahres 2007.
resca:
--- Zitat von: Karthause am 11. Januar 2007, 21:49:07 ---
Nach der letzten Seite las ich noch einmal den Prolog. Der Brief liest sich jetzt ganz anders. Auch mir geht Gaetanes Schicksal sehr viel näher als das der Marie. Ich glaube wolves hat schon die richtige Begründung dafür geschrieben. Ich empfinde ebenso.
--- Ende Zitat ---
Den Brief habe ich zum Schluss auch nochmal gelesen. Erst da versteht man ihn komplett und macht das Ganze nocxhmal eine Ecke trauriger!
dubh:
Hallo zusammen,
was für eine Ende! Auch wenn es äußerst beklemmend war, so finde ich trotzdem mehr als gelungen, dass Gaetane souzusagen das letzte Wort hat. Sie schreibt das Ende für Bruno, obwohl sie vorher der Meinung war, dass kein Mensch sein eigenes Ende schreiben kann...
Und es gibt ihr unglaubliche Würde, ebenso wie es ihrer Figur Marie Lazès Würde gibt: man denkt an sie!
Und vielleicht gibt sie Bruno auch eine Art Hilfestellung, eine Hilfestellung für einen später möglichen Neustart. Bruno weiß nun, was auch er ihr bedeutet hat, dass sie ihn geliebt hat und vor allen Dingen auch, dass er ihr eine Hoffnung war - trotz des nahenden Todes.
An einen Skandal um massenhaft HIV-infizierte und eingesetzte Blutkonserven erinnere ich mich auch noch dunkel. Ich weiß es vor allem deshalb noch, weil es auch Thema in meiner Schulklasse war: in dieser Runde schockte mich eine Mitschülerin, die den Zeugen Jehovas angehörte, mit ihrem lapidar formulierten Satz, sie akzeptiere ja glücklicherweise eh keine Bluttransfusionen.
Zurück zu den beiden "Enden": ich kann nicht sagen, dass mich eine der beiden Ausgänge mehr schockt: ja, okay, Marie Lazès wird immerhin freigelassen, doch ihr Kind kann ihr keiner mehr wiederbringen. Gaetane wird unwissentlich mit einem tödlichen Virus (und einer modernen Geißel der Menschheit) infiziert, zu einem Zeitpunkt, an dem sie Hilfe nötig hat und geheilt wird, schleicht sich der spätere Tod ein... Das ist furchtbar! Aber was mich noch viel mehr geschockt hat, ist, wie sie mit Bruno als Bittstellerin an alle möglichen Stellen reist, Anstrengungen unternimmt, sich immer wieder ihrer Angst stellt und letztendlich überall abgewiesen wird: sei es wegen der Bürokratie, sei es wegen der nicht erfüllten Anforderungen, irgendwelcher konkurrierender Ärzte-Gockel oder einfach und schlicht nur des Scheiß-Geldes wegen. Unfassbar!
Vielen Dank an Wolfram für ein etwas anderes Buch - nämlich ein intelligentes, beklemmendes und nachdenklich machendes.
Liebe Grüße
dubh
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln