Leserundenarchiv > Wolfram Fleischhauer – Die Frau mit den Regenhänden

Allgemeine Fragen an Wolfram Fleischhauer

(1/8) > >>

nimue:
Hier ist Platz für Fragen an Wolfram Fleischhauer, die nicht direkt etwas mit dem Buch "Die Frau mit den Regenhänden" zu tun haben.

Jaqui:
Ich habe eine Frage, die zwar schon mit dem Buch, aber auch mit allen anderen Büchern zu tun hat.
Ich habe bisher nur "Das Buch in dem die Welt verschwand" gelesen und fand die ganzen Details aus der Zeit einfach sehr faszinierend.

Wie lange hat es eigentlich gedauert, die ganzen Fakten für diesen Roman nun zusammen zu tragen? Die ganzen Figuren, wie Verne, Darwin, die Situation der damaligen Zeit... wie lange muss man dafür Bücher wälzen?

Und noch eine Frage: Wolltest du schon einmal einen Roman in einer Zeit schreiben und hast dann einfach zu wenig Fakten über die Zeit gefunden, dass du ihn kurzerhand in eine andere verlegt hast?
Oder andersrum: Was ist erster da, die Idee des Romans oder die Zeit in der sie spielt?
Zwar etwas verwirrend, aber ich hoffe, es ist klar, was ich meine.

Katrin

Flor:
Ich habe auch eine Frage. In welchen Sprachen sind deine Bücher bisher erschienen. Von der "Purpurlinie" und "Drei Minuten mit der Wirklichkeit" gibt es portugiesische Versionen. Zumindest sollte es sie geben. Ich habe allerdings noch nichts gefunden. Auf dem brasilianischen Markt gibt es die Bücher noch nicht. Kommt das noch?

Grüße
Sabrina

wolfram:
Für "Die Frau mit den Regenhänden" habe ich etwa ein Jahr lang recherchiert. Geschrieben habe ich das Buch in sechs Monaten, was mir heute selber unglaublich vorkommt. Das lag daran, daß mir mein Verlag ein tolles Angebot gemacht hatte, das aber an die Bedingung geknüpft war, das Buch innerhalb von sechs Monaten abzuliefern. Ich habe vor allem Nachts und am Wochenende geschrieben, denn ich war damals ja hauptberuflich als Dolmetscher in Brüssel beschäftigt. Das war also eine sehr intensive Schreibphase, ganz anders als "Die Purpurlinie", die über sieben Jahre hinweg entstanden ist, dafür aber auch so eine Art Schreibschule für mich war, wo ich sehr viel ausprobiert habe.
"Das Buch in dem die Welt verschwand" habe ich sehr viel schneller recherchiert, hatte allerdings auch keinen Beruf nebenher, da ich damals frei genommen hatte. Dafür war der Schreibprozess viel mühsamer , weil der Stoff so abstrakt ist.
Nun zu Deiner Frage bezüglich der Zeit, in der ein Roman spielt: das ist ein interessantes Thema, denn bei meinem letzten Roman ist es mir so gegangen, daß die Zeit, die ich mir für die Geschichte ausgedacht hatte, einfach nicht funktionierte. Erst als ich den Stoff in die 20´er Jahre verlegte, begann er,  lebendig zu werden. An den Fakten liegt das nicht. Interessante Fakten gibt es jede Menge. Da ist es gleichgültig, welche alten Kartons man aus den Archiven holt. Man findet immer völlig unerwartete Dinge.
Zur Frage, was zuerst da ist? Ich denke, zuerst ist das immer eine Frage. Bei der Purpurlinie war das Gemälde der Auslöser. Bei der Frau mit den Regenhänden diese Anekdote über den vertuschten Kindsmord und die völlig aberwitzige Wiederholung der Geschichte auf einer anderen Ebene. Beim Tango-Roman war es die Musik, der Tango, diese Welt voller Codes und Zeichen.  Beim Buch in der die Welt verschwand war der Auslöser der 11. September und die Frage, was das eigentlich geschehen war. Den Einstieg in die Geschichte fand ich durch Heines Aufsatz über Kant.
Jetzt arbeite ich gerade an einem Buch über Erzählen und Moral, über den merkwürdigen Umstand, daß große Geister oft so schäbige Menschen sind. Das hängt mit einer Geschichte zusammen, die ich in Amerika erlebt habe, als ich dort studiert habe. Seit vielen Jahren treibt mich das um, und jetzt ist es irgendwie soweit, daß es aus mir herauswill. Und dann geht es los.

Zum Titel des Romans: das war ein langer Kampf. Titel sind immer das Schwierigste, denn sie sind Teil der Verpackung und damit eigentlich Sache des Verlages. Doch in diesem Fall habe ich wirklich Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um den Titel durchzusetzen, was sehr schwierig war. Aber ich bin noch immer überzeugt, daß es keinen besseren gibt, wenn er auch ein wenig verstörend klingt.

wolfram:
Zu den Übersetzungen: wie Du sagst, gibt es die Purpurlinie und Drei Minuten auf Portugiesisch. Allerdings werden die Romane in Brasilien wohl nicht angeboten. Eine Brasilianische Freundin sagte mir heute, sie würde ein Buch auf portugiesischem Portugiesisch nur ungern lesen. Vielleicht ist der Abstand mittlerweile tatsächlich so groß? Ich kann das nicht beurteilen. Beide Romane sind jedenfalls bei Difel lieferbar. Ob man sie in Brasilien bekommen kann, weiß ich allerdings nicht.
Den Stand der Übersetzungen kann man am besten auf der Webseite meiner Agentur nachlesen: www.ava-international.de.
Da gibt es ein Kapitel über mich mit allen diesbezüglichen Informationen.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln