Autor Thema: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11  (Gelesen 5694 mal)

Offline sandhofer

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Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« am: 08. Dezember 2006, 09:21:01 »
Hier könnt ihr zu Teil 3, Kapitel 1 bis Kapitel 11  schreiben. Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.
« Letzte Änderung: 08. Dezember 2006, 12:29:08 von sandhofer »

Offline Flor

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #1 am: 15. Dezember 2006, 18:28:37 »
So, ich bin jetzt im 3. Teil.
Kapitel 1.
Pierre macht mir immer mehr sorgen. Er steht jetzt völlig unter dem Einfluss Deschamps.

Der ehemalige König sagte etwas, seine kräftige Stimme trug weit, war aber auf diese Entfernung trotzdem nicht zu verstehen.
Schade eigentlich, hätte ich gerne gehört ;)
So,der Kopf ist ab!
Alles Weitere ging ernüchternd schnell
Dies Hinrichtung hätte ich auch gut etwas dramatischer haben können. Ich war etwas enttäuscht das es so schnell ging.

Sophie hat Paris verlassen. Und die Wut der einfachen Menschen auf dem Dorf richtet sich auf alles was aus Paris kommt.
Man hat unseren König hinrichten lassen. Man hat uns unsere Pfarrer genommen! Die in Paris lassen uns in Sünde verkommen....

Hier wird der Prolog  jetzt aber aufgelöst.

Übrigens
1. Teil 1. Kapitel
der Bauer Chevillon läuft an einem  frühen Morgen im Mai 1769 mit einem Korb auf dem Rücken irgendwo hin.
Wenig später wird Sophie vor der Tür Fouquets gefunden.

Grüße
Flor

Offline Solas

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #2 am: 15. Dezember 2006, 19:44:51 »
Ich war etwas enttäuscht das es so schnell ging.

Da geht es Dir wie den Menschen damals.  ;) Die waren nämlich zu Anfang auch oft enttäuscht, dass das mit der Guillotine so schnell ging. Verglichen mit Methoden wie langsames Erhängen (ohne Falltür, die dir das Genick bricht) oder Vierteilen und so, ging das nämlich mit dem Fallbeil ratzfatz - es sei denn, es wurden viele hingerichtet - , da konnte es schon mal passieren, dass man kurz woanders hin schaut und die ganze  Sache verpasst.

Liebe Grüße

Kirsten

Aldawen

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #3 am: 16. Dezember 2006, 22:15:31 »
Hier ist's ja noch erstaunlich ruhig, dann will ich mal versuchen, für etwas Abhilfe zu sorgen ;)

Um mal mit dem Einfachsten anzufangen: Pierre ist ein richtiges Ekelpaket geworden. Entweder hat ihn Adriennes Tod noch mehr verhärtet, oder er hat einfach nichts von den Mechanismen begriffen, die ihm seine Liebe genommen haben. Letzteres ist - aus seinem weiteren Verhalten geschlossen - wohl wahrscheinlicher. Er kann Jules nicht mehr verstehen, als dieser ihm vorwirft, er hätte es sich früher nicht so einfach gemacht. Komplexität ist nun einmal schwer auszuhalten und noch schwerer ist es, sie zu erklären und darin abzuwägen. Diese Anstrengung kann und will Pierre offensichtlich nicht leisten, nicht einmal sich selbst gegenüber. Schade  :(

Daniel entwickelt sich geradezu zu einer "Tötungsmaschine", unter Ausschaltung aller menschlichen Regungen. Ich glaube aber nicht, daß er das noch lange durchhält, sein Gespräch mit dem Hauptmann in Kapitel 4 zeigt da schon in andere Richtung. Rache ist keine so dauerhafte Gefühlsregung, daß sie ihn noch weiter trägt. Aber hier muß ich auch mal etwas kritisieren. Es wurde mir bisher eigentlich schon zu viel geschmunzelt in diesem Buch, aber als der Hauptmann von unserer Sache spricht, ist das definitiv eine unpassende Reaktionen von Daniel. Ein zynisches Lächeln würde ich ihm in diesem Zusammenhang abnehmen, aber schmunzeln?  ??? Schmunzeln deutet - für mich - auf Belustigung in einer positiven, harmlosen Art, wenn ihr versteht was ich meine. Das paßt hier einfach nicht.

Der Prolog wird stückchenweise aufgelöst, das hat mir gut gefallen. Und ich hatte mit meiner Spekulation am Anfang fast ganz recht!  Nach dem Fund des Skeletts wissen wir, wer das Opfer war , und gleichzeitig erfahren wir, daß der Mann Jean-Marie gewesen muß. Auch ist er wirklich Sophies Vater, traut sich aber doch nicht, es ihr zu sagen. Das fand ich sehr schade, aber andererseits verständlich, vor allem in der Situation, in der Jean-Marie sich gerade befand. Chevillon hat also Sophie bei Fouquet vor die Tür gelegt, seine Beweggründe kann ich gut nachvollziehen: @Flor: Ja, jetzt wissen wir wohl auch, was er in dem Korb am Anfang getragen hat  ;D Natürlich hat Chevillon auch die Kirchentür für die Flucht geöffnet. Ich konnte auch einfach nicht glauben, daß er seine Enkeltochter opfern würde.

Jean-Marie ist wirklich ein tragischer Fall. Er durchschaut ja durchaus die Mechanismen der Revolution. In Kapitel 3 sagt er zu Ferrier:

"(...) Niemand, außer Verrätern, sagt man, könne die Aufmerksamkeit des Volkes fürchten, und die in Paris (...) müssen gegen die Verräter vorgehen, die am allgemeinen Elend schuld sind, denn irgendwo müssen ja Verräter sein. Die Mächtigen brauchen sie heute wie die Luft zum Atmen, denn das Elend, welches die Revolution hervorgerufen hat, kann sie genau so schnell beenden."

Allerdings zieht er daraus überhaupt keine Konsequenzen, erstaunlicherweise nicht einmal, um sich selbst zu retten. Das scheint mir sehr ungewöhnlich angesichts seiner bisher gezeigten Selbstliebe. Hat er schon resigniert? Will er weiter ein Auge auf Sophie haben, in der Hoffnung, er könne ihr zur Not irgendwie helfen?

Die Dörfler verstehe ich irgendwie auch nicht ganz. Sie sind gegen Paris, weil alles, was von dort kommt, schlecht ist. Ok. Royalisten sind sie aber nicht, denn sie verhaften im Namen der Republik. Fouquet, Sophie und den anderen wird vorgeworfen, daß sie Jakobiner seien. Also betrachten sie sich selbst nicht als solche. Für Girondisten gehen sie nach meinem Geschmack aber auch nicht durch. Ist das mit der Republik also nur eine Floskel? Oder machen sie ihre eigene Strömung auf, weil im allgemeinen Chaos sowieso kein Mensch mehr weiß, was gerade gilt? Und warum ausgerechnet gegen Fouquet? Der hat ihnen doch nie etwas getan und ist im Gegensatz zum Pfarrer nicht mal neu in der Gegend.  ???

Der Showdown kann jedenfalls kommen  ;D
Aldawen

Aldawen

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #4 am: 17. Dezember 2006, 10:38:42 »
Beim Gemüseschnipseln ist mir gerade noch etws aufgegangen: Der Steg ist doch nicht zufällig unter der Last zusammenbrochen, oder? Er war präpariert, und zwar von Chevillon. Im dritten Kapitel spricht er mit dem Pfarrer über persönliches Unrecht und sagt zwar, er sei nicht auf Rache aus, aber ich halte das nicht für glaubwürdig. Daß und wann Jean-Marie nach Paris transportiert werden würde, hat sich im Dorf sicher schnell herumgesprochen. Chevillon hatte bestimmt auch keine Mühe, Leute zu finden, die ihm helfen, es heißt doch, daß er im Dorf eine gewisse Autorität habe. Denn wenn die Aktion nicht geplant war, wie hätten dann so schnell alle Bauern mit einer Notbewaffnung zur Stelle sein können, um Malvaux und seine Leute zu "verhaften"?

Aldawen

Offline Bernard

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #5 am: 17. Dezember 2006, 10:56:50 »
Und ich hatte mit meiner Spekulation am Anfang fast ganz recht!
Ich auch!
Dass Chevillon der Großvater ist, darauf bin ich allerdings nicht gekommen. Die Art, die Gechichte nun mit dem Prolog zu verbinden, hat mir ausgesprochen gut gefallen. In der Rückschau wird Chevillon zu einem Bindeglied für die Handlung, denn er hat ja zwischendurch immer wieder kurze Auftritte.
Jean-Marie hat also all die Jahre in einem Dorf gelebt mit dem Mann, dessen Tochter er (versehentlich) umgebracht hat. Das ist schon starker Tobak. Ich hatte bislang immer vermutet, der Prolog hätte außerhalb des Dorfes gespielt, mit einer völlig Unbekannten. Diese Wendung verleiht dem Geschehen noch eine zusätzliche Tragik, finde ich.
Und dass Chevillon seine Tochter all die Jahre aufwachsen sieht, ohne sich ihr zu nähern, um ihr dann, im entscheidenden Moment, beizustehen ... herrlich!

Der Steg ist doch nicht zufällig unter der Last zusammenbrochen, oder? Er war präpariert, und zwar von Chevillon.
Das ist mir zwar nicht aufgefallen, klingt aber überzeugend, wie Du das herleitest.

Jean-Marie ist wirklich ein tragischer Fall. Er durchschaut ja durchaus die Mechanismen der Revolution.
...
Allerdings zieht er daraus überhaupt keine Konsequenzen, erstaunlicherweise nicht einmal, um sich selbst zu retten. Das scheint mir sehr ungewöhnlich angesichts seiner bisher gezeigten Selbstliebe.
Ich vermute, er ist vom Typ her einfach niemand, der in so einer Situation die Initiative ergreifen kann. Ich stelle ihn mir als Dandy vor - er tingelt durch Clubs, bricht Herzen, ist aber keiner, der zupackt. Er scheint mir mit der Situation überfordert.

Und warum ausgerechnet gegen Fouquet? Der hat ihnen doch nie etwas getan und ist im Gegensatz zum Pfarrer nicht mal neu in der Gegend.  ???
Das habe ich mich auch gefragt. Als der Lynchmob das erste Mal gegen den Pfarrer losgeschlagen hat, haben sich aber Fouquet, Sophie, Jeanne und Jean Marie alle engagiert, um diesen Pfarrer zu schützen, glaube ich. Vielleicht wird ihnen das jetzt zum Verhängnis. Oder, weil sie in Verbindung zu den Montforts stehen? Sicher bin ich mir auch nicht.
Gerade das Fehlen greifbarer Kausalitäten zeigt aber meines Erachtens besonders gut die Willkür, mit der damals verfahren wurde. Die Gruppe, die gerade die Macht hatte (und Macht wird immer aus Gewehrläufen geboren), hat einfach beliebig irgendwen eingesperrt oder vielleicht gar umgebracht.

Insgesamt hat mir dieser Leseabschnitt hervorragend gefallen. Die Schwäche des zweiten Teils mit den mangelnden Handlungssträngen taucht hier nicht auf, die Ereignisse um die Figuren entwickeln sich kontinuierlich fort. Und bei der Enthauptung des Königs ist das Reporterteam mit seinem Ü-Wagen diesmal auch rechtzeitig live vor Ort eingetroffen.
Es gibt auch einzelne Passagen, die für mich deutliche Glanzpunkte setzen. Bisher mein liebster Satz aus dem gesamten Buch:
Wissen Sie, wenn man einen Spiegel zerbricht und ihn neu zusammenfügt, die Risse bleiben doch. (Kapitel 4)
Das Bild ist sehr stark und trifft genau die Situation sowohl Daniels als auch eigentlich des gesamten Frankreich.

Auch beeindruckt hat mit Kapitel 5, wo Malvaux erst sagt:
Ich glaube, der größte Teil der Leute hier ist völlig vom Fanatismus korrumpiert ...
Und dann sagt der gleiche Malvaux:
Besser zehn Unschuldige töten als einen Schuldigen laufen lassen.
Das beschreibt perfekt die Erfahrungen, die ich persönlich mit Fanatikern gemacht habe. Ein Fanatiker empfindet sich selbst nicht als fanatisch, sondern als normal. Der Rest der Welt ist "dekadent". Wenn das Verhalten der eigenen Gruppe objektiv nicht mehr als "gut" zu bezeichnen ist, wird es durch philosophische Konstrukte abgedeckt, so wie auch Malvaux es später tut, als er sagt, er sei grausam, damit das Volk es nicht sein müsse. So wird jeder Terror damit gerechtfertigt, dass er noch größeres Leid verhindere. Schaurig - und leider glaubwürdig. Meisterlich beschrieben von der Autorin, ebenso wie überhaupt die gesamte Figur des Malvaux, der für mich sehr plastisch wird.

Die Art, wie Jules seine Sophie wieder in die Arme schließt - das ist dann wieder etwas für's Herz.  :herz: Nach dem vielen Blut in den Kapiteln davor bin jetzt sogar ich reif dafür.  ;)
« Letzte Änderung: 17. Dezember 2006, 13:49:04 von Bernard »

Aldawen

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #6 am: 17. Dezember 2006, 11:13:29 »
Moin,

Ich hatte bislang immer vermutet, der Prolog hätte außerhalb des Dorfes gespielt, (...)

nein, ich war immer davon ausgegangen, daß es mit dem Dorf zu tun hat. Schon im Prolog und im ersten Kapitel des ersten Teils (und dazwischen, glaube ich, noch mal irgendwann), war von Trockenmauern die Rede. Warum hätte das sonst so betont werden müssen?  ;D

Und dass Chevillon seine Tochter all die Jahre aufwachsen sieht, ohne sich ihr zu nähern, um ihr dann, im entscheidenden Moment, beizustehen ... herrlich!

Sophie ist aber seine Enkelin, und der kleine Joseph vom Anfang, der jetzt nur noch in Form eines Briefs an Chevillon aufgetaucht ist, ist Sophies Onkel. Wir sollten vielleicht mal einen Stammbaum malen  :D

Ich vermute, er ist vom Typ her einfach niemand, der in so einer Situation die Initiative ergreifen kann. Ich stelle ihn mir als Dandy vor - er tingelt durch Clubs, bricht Herzen, ist aber keiner, der zupackt. Er scheint mir mit der Situation überfordert.

Ja, vermutlich hast du da recht. Daher paßt er natürlich hervorragend in das Bild des adligen Schmarotzers, das so viele Revolutionäre aufbauen.

Das beschreibt perfekt die Erfahrungen, die ich persönlich mit Fanatikern gemacht habe. Ein Fanatiker empfindet sich selbst nicht als fanatisch, sondern als normal. Der Rest der Welt ist "dekadent". Wenn das Verhalten der eigenen Gruppe objektiv nicht mehr als "gut" zu bezeichnen ist, wird es durch philosophische Konstrukte abgedeckt, so wie auch Malvaux es später tut, als er sagt, er sei grausam, damit das Volk es nicht sein müsse. So wird jeder Terror damit gerechtfertigt, dass er noch größeres Leid verhindere. Schaurig - und leider glaubwürdig.

Dem habe ich leider nichts hinzufügen, und damit ist das Wesen des Fanatismus hervorragend beschrieben. Genauso habe ich es auch schon erlebt und ein Blick in den Nachrichtenteil der Zeitungen bestätigt das täglich auf das Intensivste.

Aldawen

Offline apassionata

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #7 am: 17. Dezember 2006, 13:43:29 »
Nun ja, was bleibt denn da noch hinzuzufürgen ?

Ja, ich habe auch gestutzt und glaube auch nicht, das die Szene mit dem Steg purer
Zufall war.
Doch dachte ich zunächst daran, das es eventuell eher eine Art Hilfestellung zur
Flucht sein sollte. Doch das Wie und das Warum fehlten mir hier.

Diese Etappe empfand ich als sehr bedrückend.
Irgendwie ist nichts mehr wie es war. Klar, diese Revolution hat alle Menschen verändert.
Misstrauen und Neid, sowie falschen Fantalismus oder Ra che stehen hier im Vordergrund.

Im Grunde tun mir die Charaktere alle leid.
Daniel ist zur gefühlskalten Kampfmaschiene geworden.
Auch Pierre hat sich in eine gänzlich andere Richtung entwickelt.
Adrienne haben wir schrecklich verloren.
Zu schade, aber dennoch verständlich, das Jean Marie Sophie nicht gestehen kann ihr Vater zu sein.
Die Handlungsweise von "Großvater" Chevillon ist für mich eher unverständlich.
Und dann ist da Malvaux, seine Art und Weise, wie er sich an Jean-Marie festbeißt.....
Komischwar  für mich auch, das es ganz plötzlich einen neuen Geistlichen gibt, welcher
das "Zepter" des Dorfes an sich gerissen hat ? (nicht Ferrierr)

Also ich gebe zu, das mich dieser Abschnitt am meisten verwirrt hat.
Vielleicht lag es aber auch daran, das alles unter einem für die Hauptdarsteller so gänzlich
verlorenen Stern niedergedrückt wurde.

Grüssle
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Aldawen

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #8 am: 17. Dezember 2006, 15:00:45 »
Komischwar  für mich auch, das es ganz plötzlich einen neuen Geistlichen gibt, welcher
das "Zepter" des Dorfes an sich gerissen hat ? (nicht Ferrierr)

Nein, das ist nicht Ferrier. Es war, ich weiß nicht mehr, ob nur in diesem Abschnitt oder davor schon mal, davon die Rede, daß die Dörfler zu irgendwelchem Aberglauben zurückfinden. Das kam mir merkwürdig vor. In Verbindung mit dem hier nicht näher bezeichneten Pfarrer, habe ich das so verstanden, daß sie sich einen "Untergrundpfarrer" zugelegt haben, einen, der sich geweigert hat, den Eid zu leisten, der aber früher zumindest der Region, vielleicht in einem Nachbardorf, aktiv war und den sie daher kennen.

Aldawen

Offline Solas

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #9 am: 17. Dezember 2006, 16:59:14 »
Aber hier muß ich auch mal etwas kritisieren. Es wurde mir bisher eigentlich schon zu viel geschmunzelt in diesem Buch, aber als der Hauptmann von unserer Sache spricht, ist das definitiv eine unpassende Reaktionen von Daniel. Ein zynisches Lächeln würde ich ihm in diesem Zusammenhang abnehmen, aber schmunzeln?  ??? Schmunzeln deutet - für mich - auf Belustigung in einer positiven, harmlosen Art, wenn ihr versteht was ich meine. Das paßt hier einfach nicht.

Gut, da werde ich mal darauf achten. Als Autor hat man oft so seine Lieblingsworte, deren häufigen Gebrauch man gar nicht mehr bemerkt. Für mich war Daniels Schmunzeln in diesem Moment ein eher wehmütiges, schließlich war für ihn vor nicht allzu langer Zeit etwas anderes "unsere Sache".

Jean-Maries Verhalten sehe ich wie Bernard. Er hat niemals Initiative ergriffen. Er hat niemals zugepackt, sondern sich immer durch laviert. Er hat sich ja noch nicht einmal getraut, Sophie die Wahrheit zu sagen. Das mag einerseits an seiner Situation gelegen haben, andererseits aber auch daran, dass er zwar weiß, was richtig und falsch ist, dann aber keine Position dazu einnimmt.

Was Fouquet angeht, so ist er bei allem immer der Fremde im Dorf geblieben. Man fürchtet, nicht genau zu wissen, auf welcher Seite er steht. Erst war er der Rechtsanwalt der Montforts, heute scheint er auf der Seite von denen aus Paris zu stehen. Das sind die, die Chaos schaffen, die alles umwerfen. Man weiß ja noch nicht einmal, ob er an Gott glaubt. Natürlich ist – wie Bernard bemerkt hat – auch sehr viel Willkür dabei.

Und Chevillon? Nun ja, ich befürchte, er hat die Rache dann doch nicht dem Herrn überlassen wollen und nachgeholfen ...

Zitat
Und bei der Enthauptung des Königs ist das Reporterteam mit seinem Ü-Wagen diesmal auch rechtzeitig live vor Ort eingetroffen.

Ja, man muss nur früh genug aufbrechen und auf den Staubericht hören.  ;D

@Bernard
Ach schön, dass mal jemand Malvaux erwähnt. Als Vorbild für diesen Herrn dienten mir Robespierre, Danton und Philippe Lebas. Letzterem haben ich das Schild gestohlen, auf dem steht: Wer hier für einen Gefangenen bittet, nimmt seine Stelle ein. Lebas hatte das in seinem "Büro" hängen.

"Großvater" Chevillon
@apassionata
Ich denke, er wollte ein besseres Leben für seine Enkelin. Was meinst Du?

Zitat
In Verbindung mit dem hier nicht näher bezeichneten Pfarrer, habe ich das so verstanden, daß sie sich einen "Untergrundpfarrer" zugelegt haben, einen, der sich geweigert hat, den Eid zu leisten, der aber früher zumindest der Region, vielleicht in einem Nachbardorf, aktiv war und den sie daher kennen.

Stimmt. Das gab es nämlich wirklich. Die Leute hatten Angst: Wie sollte man sicher sein, ob einen ein nicht von der katholischen Kirche  bestimmter Geistlicher (wie Ferrier) auch wirklich schützen kann?

Liebe Grüße

Kirsten

Offline Heimfinderin

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #10 am: 18. Dezember 2006, 09:59:18 »
Hallo zusammen,

ich habe gestern auch diesen düsteren Abschnitt zuende gelesen. Ja, ich finde, es wir d immer drückender, aber das ist ja auch das, was die Menschen gefühlt haben. Das Leben wurde nicht besser, es hersschte Chaos und Angst und das konnte ich beim Lesen gut nachempfinden. Ebenso aber auch die Apathie, die manche Menschen ergriffen hat.
Zumindest ging es mir bei Jean Marie so. Wie ihr schon gesagt habt, ist er kein Mensch, der je Initiative ergriffen hat. Er lebte zu seinem Genuss und das kommt ja auch bei seinen Gedanken während der Gefangenschaft immer wieder hoch. Kapitel 3 Er wollte leben. Er wollte sich vergnügen.. Kapitel 6 Ich habe doch alles nur aus Spaß getan. Mit wem ich spielte war mir gleich... Nun hat er Angst, dass ihn seine Unbekümmertheit das Leben kosten könnte. Kapitel 3 Wieviel Unbedachtes hatte er in die Welt hinausposaunt? Wo hatte  er sich welchen Scherz zuviel erlaubt?  Er denkt über vieles nach, besonders auch über Flucht, bleibt aber passiv, macht sich auvh gegeüber Malvaux ganz klein. Ich hatte beim Lesen der Abschnitte über Jean Marie immer das Gefühl von Zeitlupe. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll. Beim Lesen spürte ich irgendwie eine Langsamkeit, Müdigkeit, ja als wenn alles in Zeitlupe abläuft. Seltsam.
Zu schade, aber dennoch verständlich, das Jean Marie Sophie nicht gestehen kann ihr Vater zu sein.

Ja, das fand ich auch sehr schade. Ob Sophie jetzt noch eine Chance hat , zu erfahren, wer ihr Vater war? Vieleicht durch Chevillion?
Ich glaube jedenfalls, dass sie Jean Marie sehr gemocht hat.

JA, und der Prolog ist aufgelöst! Na an Chevillion habe ich ja überhaupt nicht gedacht! Aber immerhin war es doch tatsächlich Jean Marie, der der Mörder war, obwohl ich ja zwischenzeitlich auch mal an Henri gedacht habe. Zumindest war es wirklich so, dass es sich nicht um ein und die selbe Person handelte. Du hast uns wirklich geschickt an der Nase herumgeführt, Kirsten. Die allererste Szene mit dem Bauern habe ich gar nicht so beachtet oder für wichtig gehalten. Mehr so als allgemeines Stimmungsbild gedeutet. Toll gelöst!!

Ach ja, die Szene mit dem gebrochenen Steg: Sobald es hieß, es wäre so verdächtig ruhig und die Soldaten waren verschwunden, habe ich sofort an einen Hinterhalt gedacht. Allerdings verwirrte mich erst die Verhaftung im Namen der Rebublik eines auch schon bereists  im Namen der Rebublik verhafteten mitsamt seinen Bewachern.  Malvaux hatte sich ja sehr darüber aufgeregt  ;D

Malvaux war mir auch gleich unsympathisch. Seine Sebstgefälligkeit und die von Bernard schon genannten Beispiele seiner Aussagen haben mich mit den Zähnen knirschen lassen.

Daniel entwickelt sich geradezu zu einer "Tötungsmaschine", unter Ausschaltung aller menschlichen Regungen. Ich glaube aber nicht, daß er das noch lange durchhält, sein Gespräch mit dem Hauptmann in Kapitel 4 zeigt da schon in andere Richtung. Rache ist keine so dauerhafte Gefühlsregung, daß sie ihn noch weiter trägt. .......

Daniel geht mir irgendwie nah. Ich habe das Gefühl, er hat sich total aufgegeben und treibt nur vor sich her, lebt eigentlich wirklich nur noch für seine Rache.  Seite 352 Keine Erinnenrung wollte er aufkommen lassen ,er wollte nichts, nur diese unendliche Leere spüren Ich hoffe, er findet da wieder raus. Ein paar Ansätze kommen ja so langsam, er macht sich Gedanken, das Gespräch... Diesen Traum, den er hatte, fand ich auch sehr aufrüttelnd. Ob er jetzt wach wird? Jemand hat ihm im Traum ein Messer direkt unter das Herz gerammt. Aber Er würde nicht alleine sterben. Er nicht!

Es gibt auch einzelne Passagen, die für mich deutliche Glanzpunkte setzen. Bisher mein liebster Satz aus dem gesamten Buch:
Wissen Sie, wenn man einen Spiegel zerbricht und ihn neu zusammenfügt, die Risse bleiben doch. (Kapitel 4)
Das Bild ist sehr stark und trifft genau die Situation sowohl Daniels als auch eigentlich des gesamten Frankreich.

Diesen Satz habe ich mir beim Lesen auch gleich mit Ausrufezeichen auf meinen Block geschrieben. Das finde ich auch ein ganz eindringliches Bild und hat mich sehr berührt.

Jules und Sophie. Sie waren ja jetzt lange getrennt. Sehr toll beschrieben fand ich die Szene ihres Wiedersehens. Dieses Gegenüberstehen voller Anspannung, dieses langsame einander Wiederfinden nach diesem schlimmen Jahr. Kurzzeitig befürchtetet ich , sie hätten sich verloren, so habe ich die Spannung gespürt. Doch dann die erleichternde Umarmung. Ganz klasse!

Wie es Céciles in der Zwischezeit ergangen ist, davon haben wir leider nur Bruchstücke erfahren. Sie trauert jedoch sehr der alten Zeit, der Königin nach. Und ich befürchte, dass sie auch noch unter Deschamps leiden wird, so wie er sich ihr gegenüber verhält.
Liebe Grüße
Heimfinderin

Offline apassionata

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #11 am: 18. Dezember 2006, 10:54:49 »
"Großvater" Chevillon
@apassionata
Ich denke, er wollte ein besseres Leben für seine Enkelin. Was meinst Du?


Klar wollte er das. Ich hatte nur Probleme zu verstehen, wieso Chevillion es so zulassen
konnte, das Sophie mit den anderen eingesperrt wird und sozusagen dann auch noch
zu Tode verurteilt. Er hatte ja einen gewissen Einfluss im Dorf, hieß es.
Wie kommte er da einfach so handeln.
OK, ich denke es war Chevillon, der das Schloss zur Kapelle zur Flucht geöffnet hat,
doch wären alle auf einmal geflohen, hätte auch seine Enkelin keine Chance zu überleben
gehabt und wäre wie die jungen Soldaten gefasst und getötet worden.

Grüssle
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Offline Solas

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #12 am: 18. Dezember 2006, 13:22:03 »
Zitat
Ich hatte beim Lesen der Abschnitte über Jean Marie immer das Gefühl von Zeitlupe. Ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll. Beim Lesen spürte ich irgendwie eine Langsamkeit, Müdigkeit, ja als wenn alles in Zeitlupe abläuft. Seltsam.

@Heimfinderin
Das Gefühl hatte ich beim Schreiben.

Zitat
Ach ja, die Szene mit dem gebrochenen Steg: Sobald es hieß, es wäre so verdächtig ruhig und die Soldaten waren verschwunden, habe ich sofort an einen Hinterhalt gedacht. Allerdings verwirrte mich erst die Verhaftung im Namen der Rebublik eines auch schon bereists  im Namen der Rebublik verhafteten mitsamt seinen Bewachern.  Malvaux hatte sich ja sehr darüber aufgeregt   

Da trieb mich die Frage um, wer steht eigentlich für die Republik? Hat irgendjemand den Namen gepachtet? Natürlich wollen die Bauern einerseits nicht mehr ausgeplündert werden, andererseits kommen sie mit vielen Neuerungen nicht zurecht.

@apassionata
Ich denke, Chevillon war in einem (Gewissens)konflikt. Seine Enkelin zu retten, konnte schließlich bedeuten das ganze Dorf dem Henker auszuliefern. Es gibt da Berichte aus der Zeit über („antirevolutionäre“) Dörfer, die man einfach angezündet hat, mit allen Einwohnern drin.

Liebe Grüße

Kirsten

Offline apassionata

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #13 am: 18. Dezember 2006, 13:55:13 »
@apassionata
Ich denke, Chevillon war in einem (Gewissens)konflikt. Seine Enkelin zu retten, konnte schließlich bedeuten das ganze Dorf dem Henker auszuliefern. Es gibt da Berichte aus der Zeit über („antirevolutionäre“) Dörfer, die man einfach angezündet hat, mit allen Einwohnern drin.

Das klingt einleuchtend, so hab ich das bisher noch gar nicht gesehen.
Wie gut, das du diese Leserunde mit uns zusammen begehst.  ;)

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Aldawen

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Re: Teil 3, Kapitel 01 bis Kapitel 11
« Antwort #14 am: 18. Dezember 2006, 13:58:41 »
Da trieb mich die Frage um, wer steht eigentlich für die Republik? Hat irgendjemand den Namen gepachtet? Natürlich wollen die Bauern einerseits nicht mehr ausgeplündert werden, andererseits kommen sie mit vielen Neuerungen nicht zurecht.

Mit Sicherheit haben auch falsche Vorstellungen eine Rolle gespielt, was eine Republik sei und wie sie sich für den einzelnen bemerkbar macht. Die Gruppe Liederjan (kennt die hier eigentlich noch irgendjemand außer mir  ;)) hat vor vielen, vielen Jahren auf einer ihrer Platten mal ein Lied präsentiert, das auf einem Berliner Flugblatt von 1848 basierte und die überzogenen Erwartungen persiflierte. Da geht es dann darum, daß niemand mehr arbeitet, aber trotzdem Champagner und dick belegte Schinkenbrote konsumiert werden. Man wohnt nicht mehr zur Miete und läuft auch nicht mehr, dafür hält Kutschen, Bediente und Pferde (wobei natürlich offen bleibt, wo die Bedienten herkommen). Die Zeit vertreibt man sich vor allem mit Trinken, Essen, etwas Politik und Mätressen. An die Frauen wird auch gedacht, die nicht mehr nähen brauchen, sondern sich stattdessen auf Konzerten und Bällen amüsieren usw. Ähnliches dürfte Menschen zu allen Zeiten umgetrieben haben, wenn politische Umwälzungen mit dem Versprechen einer goldenen Zukunft für alle einhergingen.

Aldawen