Leserundenarchiv > Tobias O. Meißner – Barbarendämmerung
05 - SauFeN, BeGaFFeN, auFBeGeHReN, üBeRWäLTiGeN, uNTeRWaNDeRN, VeRWeiGeRN
Loomis:
OK, danke!
Magnhor:
Bei SauFeN dachte ich noch: Täusche ich mich, oder was? Der Barbar spricht? "Noch einen," waren das seine Worte?? Ich hatte schon den Eindruck, dass er dermaßen von der Rolle nach dem FReSSeN war und sich selbst, seine eiserne Disziplin, Haltung oder Überzeugung vergessen hatte.
In BeGaFFeN wunderte ich mich dann aber, warum sich Indencron die Frage nach der Sprachfähigkeit des Barbaren stellte. Er sollte ihn doch in SauFeN schon sprechen gehört haben - oder ist diese Frage aufgeführt, um das Kapitel wieder als eine für sich abgeschlossene Kurzgeschichte stehen lassen zu können?
Jedenfalls glaubte ich kaum mehr daran, dass es noch einmal jemand in den Roman zurück schafft. Und wenn es aber einer schaffen sollte, so dachte ich als erstes an diesen Menschenwissenschaftler. Mein zweiter Favorit in Sachen Wiederbegegnung war die Frau mit dem rot gemusterten Schwert - aber dann kam noch einmal Tleck und Eurese, und wie!!
Aber halt, ich greife vor!
BeGaFFeN zeigt für mich noch einmal, dass sich der Barbar noch lange nicht wieder im Griff hat. Ich konnte ihn überhaupt nicht wiedererkennen. Im Normalzustand hätte er sich doch erstens auf keinen Handel eingelassen (ein Handel nach dem Motto: Ich kümmere mich um dich und deinen Helm, dafür darf ich dich den Leuten zur Schau stellen und du hackst den Klotz).
Zweitens überraschte mich sein unsicheres Auftreten gegenüber seinem Publikum – als würde er sich im Normalzustand Gedanken darüber machen, ob er sich richtig bewegte, oder was man überhaupt von ihm halten würde. Der Gipfel war dann die Szene, als er den Klotz endlich durch hatte. Der Barbar lachte verlegen und entblößte eine vorher nicht zu erkennende Dümmlichkeit seines Gesichtes, die ihrerseits zum Lachen reizte.
Ich dachte schon, das ist das Ende unseres Barbaren, dass sich dieser vollkommen verloren hatte. Doch auFBeGeHReN belehrte mich eines besseren. Wieder konnte ich nicht so recht fassen, was hier passierte. Er war zurück! Als wäre nichts zuvor passiert.
Chaereon hatte sich spezialisiert auf eine Form der Begattung, die er nicht mochte. Ich wusste nicht, ob ich schmunzeln, oder mit der Nase rümpfen sollte, aber letztlich empfand ich die Formulierung und Umschreibung sehr amüsant.
Wie gesagt, war ich mir nach BeGaFFeN nicht sicher, was aus dem Barbaren werden sollte. Auch als der Stierling das Feld betrat, hatte ich noch die Befürchtung, dass der Barbar, da er immer noch nicht der Alte ist, den Kampf leichtfertig verliert. Aber im gesamten Kapitel ist kaum eine Schwäche des Barbaren zu erkennen.
Die Ruhe vor dem Sturm, sein Durchatmen, und dann der Augenblick des Alles-in-Eins gegen 25 gut formierte Soldaten … atemberaubend beschriebener Kampf!
Dass das Werk der Grafikerin zu seinem Verhängnis wird, damit hatte ich wieder nicht gerechnet, aber ist nur logisch.
Dass wir in üBeRWäLTiGeN dann Tleck und Eurese wiederbegegnen, überraschte mich, wie bereits geschrieben. Aber dass Eurese so stark ist, dass er den Barbaren überwältigen kann … wow! Hätte unser Barbar auch ein gutes Schwert zur Hand gehabt, oder wenn er nicht schon seit Wochen kaum Zeit zum Verschnaufen hatte, weil er immer wieder von jemanden verfolgt wurde, dann wäre der Kampf vielleicht noch anders ausgegangen.
Die Bogenschützin fand ich toll und erinnerte mich an Hellas Borgondi!!! (Nur bewies diese mehr Herz).
Diese Menschmaschine fand ich auch äußerst abartig, gruselig und beeindruckend. Diese Gestalt erinnerte mich ein klein wenig an Das Paradies der Schwerter … und an Trap Jaw.
In uNTeRWaNDeRN fühlte ich mich hin- und hergerissen, zwischen Realität und Traum. Ich konnte kaum mehr unterscheiden, was wirklich passierte, oder was dem Gefolterten in seiner Not in den Sinn als irrationale Bilder vorkam. Dieses Kapitel ist wirklich großartig. Und wäre dieses Kapitel noch länger gewesen, ich hätte selbst bald nicht gewusst, ob ich den Verstand verliere … :schwitzen:
Ich hoffte auf eine Rettung. Ichhoffte dass "Red Sonya" plötzlich auftaucht und ... na lassen wir das!
Ja, und das Ende mit VeRWeiGeRN? Erst war ich ein wenig enttäuscht (wegen einer sicherlich zu oberflächlich gehaltenen Sichtweise :boahnee: ). Da war kein so überwältigendes Ende wie bei Die Soldaten, oder Die Dämonen – FoF. Dennoch ließ ich es ein wenig wirken und muss sagen, das Ende ist fast ebenso großartig.
Mir gefällt die Idee, dass der Mensch mit all seinen künstlichen Strukturen niemals über das Natürliche siegen wird. Die Natur wird den Menschen überleben, sie wird sich alles zurück holen, wenn denn der Mensch nicht mehr sein wird, das Wilde wird sich durch Zivilisierung niemals gänzlich zähmen oder gar kontrollieren lassen.
Loomis:
--- Zitat von: Magnhor am 03. Mai 2012, 22:29:29 ---Bei SauFeN dachte ich noch: Täusche ich mich, oder was? Der Barbar spricht? "Noch einen," waren das seine Worte?? Ich hatte schon den Eindruck, dass er dermaßen von der Rolle nach dem FReSSeN war und sich selbst, seine eiserne Disziplin, Haltung oder Überzeugung vergessen hatte.
--- Ende Zitat ---
Da hatte ich auch erst gestutzt, aber nein, ich glaube das hat der Schiedsrichter oder der Saufgegner gesagt.
Allerdings gibt es im nächsten Kapitel, BeGaFFeN, den Satz "Er stellte sich posierend auf wie ein Sieger und sagte etwas, seinen Namen vielleicht, aber in dem Tumult und dem Gelächter ging das unter."
Das hielt ich zuerst für eine Schlüsselszene, aber wenn ich nichts übersehen habe, erfahren wir bis zum Schluss nicht, was er sagte.
--- Zitat von: Magnhor am 03. Mai 2012, 22:29:29 ---Mir gefällt die Idee, dass der Mensch mit all seinen künstlichen Strukturen niemals über das Natürliche siegen wird. Die Natur wird den Menschen überleben, sie wird sich alles zurück holen, wenn denn der Mensch nicht mehr sein wird, das Wilde wird sich durch Zivilisierung niemals gänzlich zähmen oder gar kontrollieren lassen.
--- Ende Zitat ---
Genau, deshalb sicher auch das Robert E. Howard-Zitat auf Seite 5.
Magnhor:
--- Zitat von: Loomis am 03. Mai 2012, 23:24:50 ---Allerdings gibt es im nächsten Kapitel, BeGaFFeN, den Satz "Er stellte sich posierend auf wie ein Sieger und sagte etwas, seinen Namen vielleicht, aber in dem Tumult und dem Gelächter ging das unter."
Das hielt ich zuerst für eine Schlüsselszene, aber wenn ich nichts übersehen habe, erfahren wir bis zum Schluss nicht, was er sagte.
--- Ende Zitat ---
Ja, dass er sprach, wurde in diesem Kapitel deutlich. Nach meiner Auffassung von SauFeN war es aber für mich nichts allzu neues! Ich bin gespannt wie die anderen es erlebt haben, wer also die Worte "Noch einen" gesprochen hatte. Der Schiri, der Saufgegner oder doch irgendwo mal der Barbar.
Inwiefern hattest du das für eine schlüsselszene gehalten?
--- Zitat von: Loomis am 03. Mai 2012, 23:24:50 ---
--- Zitat von: Magnhor am 03. Mai 2012, 22:29:29 ---Mir gefällt die Idee, dass der Mensch mit all seinen künstlichen Strukturen niemals über das Natürliche siegen wird. Die Natur wird den Menschen überleben, sie wird sich alles zurück holen, wenn denn der Mensch nicht mehr sein wird, das Wilde wird sich durch Zivilisierung niemals gänzlich zähmen oder gar kontrollieren lassen.
--- Ende Zitat ---
Genau, deshalb sicher auch das Robert E. Howard-Zitat auf Seite 5.
--- Ende Zitat ---
Richtig. Und der Roman ist damit fein abgerundet.
Loomis:
--- Zitat von: Magnhor am 04. Mai 2012, 16:46:50 ---Inwiefern hattest du das für eine schlüsselszene gehalten?
--- Ende Zitat ---
Jetzt mal angenommen, ich habe es richtig verstanden, dass er in Saufen noch nicht gesprochen hat, wäre das tatsächlich das erste Mal, dass er in dem Buch spricht. Da hätte ich gedacht, dass das eine Szene ist, die sehr sehr wichtig wird.
Wobei, jetzt während ich diesen Beitrag schreibe kommt mir da eine Idee...
Ich glaube es ist tatsächlich eine wichtige Szene:
Die Ganze Zeit ist es doch so, dass der Barbar für die Städter ein Kuriosum ist:
Wie kann man denn nur nicht reden? Wie teilt er sich denn mit? Wie äußert er seine Gedanken, wenn nicht durch reden? Reden ist doch unheimlich wichtig!
So sind dich die Gedanken der "Zivilisierten", wenn sie auf den selbsterwählt stummen Barbaren treffen. Und dann die große Ironie: Als er tatsächlich etwas sagt, geht es total unter und keiner bekommt es mit! :P
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