Autor Thema: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN  (Gelesen 1545 mal)

Offline nimue

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3884
    • Literaturschock
04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« am: 20. April 2012, 05:55:07 »
Hier könnt ihr zu den Kapiteln STöReN, ZeRSTöReN und FReSSeN schreiben. Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.
Wenn Du keinen Menschen töten kannst - gut; kannst Du kein Vieh und keine Vögel töten - noch besser; keine Fische und Insekten - noch besser. Bemüh Dich, soweit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht. Tu, was Du mit Deinen Kräften zustande bringst. Darauf kommt alles an. (Leo Tolstoi)

Offline Magnhor

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 439
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #1 am: 28. April 2012, 21:21:08 »
StöReN

Überflüssig empfand ich zu Beginn: „[…]auch sein Schwert war ihm abhanden gekommen.“ Das war nach PLüNDeRN doch mehr als deutlich, oder?

Und wieder: Ist es nicht ein Wahnsinn, wie schnell sich der Barbar von Strapazen und Verletzungen erholt? Ich hatte den Eindruck, dass der Barbar noch keinen Aufenthalt auf dem Festland hatte, um sich zu regenerieren, sondern vielleicht nach stundenlangem Schwimmen auf das Boot gestoßen ist, dort hochklettert und kämpft, als hätte er zuvor nichts besonderes durchgemacht.
Setepenre, war irgendwie witzig mit ihrem immer wiederkehrendem „Ich will euren Schwanz sehen!“
Auf mich wirkte sie anfangs wie auf Drogen, aber scheinbar lebt tatsächlich eine Barbarin in ihr!
Unser Antiheld(?) zeigt, dass er dazu lernt, so gibt er sich nicht in das Reich Setepenres, weil er vermutet, ähnliche Verhältnisse bei ihr vorzufinden, wie schon bei Ionie.


ZeRSTöReN

Das war meines Erachtens eines der bislang anspruchsvollsten Kapitel, das schon einen philosophischen Einschlag hat. Über dessen Inhalte möchte ich mir noch einmal sorgfältiger Gedanken machen. 
Der Barbar wird tiefsinnig! „Je mehr er von der Welt erfuhr, desto weniger begriff er.“ (S.258); „Das Leben ist ein ewiger Kreislauf aus Werden und Vergehen“ (S.259); „Er zerschlug ihren Kreis, indem er aufstieg, wie ein Falke.“ (S.279)
Der Barbar scheint tatsächlich ein Überwinder zu sein. Wir hatten das schon in der Leserunde zu Die Dämonen 3 – den Vergleich zu Nietzsches Philosophie, der da auch sprach: „Der Mensch ist etwas, das überwunden werden muss.“ Ich bin mir nicht so sicher, ob Nietzsches Übermensch dann dem Barbaren entsprechen würde (aber eher noch dem, als einem Asket!).

Das war auch stark: Kelwor = dienen und enden = Opfer!

Der Barbar wird in diesem Kapitel zum Gott. Er überwindet nicht nur das Menschsein, vielmehr schafft er eine Nachhaltigkeit durch sein Tun, durch sein Wesen und seiner Art. Man wird an ihn denken, an ihn glauben, auch wenn er dieses Buch nicht überleben wird! (Ob es diesen humanoiden Falken wohl auch einst gab?)

(Ach, und wir erfahren, dass er zuletzt als Kind gesprochen hatte! S.267)


FReSSeN

 
Schon wieder ein an ein Prognosticon erinnerndes Kapitel!
Beim Buckligen, der die Vier zu seinem Herren, in das große Haus bringt, musste ich unweigerlich an Dracula denken. Die kalten Finger vom Oligarchen am Nacken des Barbaren bestärkten den Verdacht, dass er ein Vampir sein könnte.
Dass die Kinder nackt waren und in Sachen Nahrung nichts außer heißem Öl in einem riesigen Topf vorhanden waren ließ in mir einen äußerst diffusen Verdacht aufkeimen. Dennoch traf mich der Sprung vom ersten, vor Vorfreude überglücklichen Kind wie ein harter Schlag in den Magen! Ich wollte am liebsten das Buch weg legen. So erging es mir bislang nur ein einziges Mal, nämlich bei der Manifestation in Hiob 1, als der Säugling …
Und absolut unerwartet: Sogar der Barbar verlor seine Fassung! Dass ihn mal was aus der Bahn haut, hätte ich kaum für möglich gehalten! Er fühlte Ohnmacht und Entsetzen, flohvor diesem Erlebnis, weil er nicht fassen konnte, was er da mitbekommen hatte. Analytisch betrachtet: Einen Sinn für Moral hat der Barbar!!!

Es gab ja schon Andeutungen im letzten Kapitel, dass Gesetze bei zivilisierten Menschen nur bis zu einem bestimmten Maß auch eingehalten werden. Hier ist auch eine Grenze für den Barbaren überschritten worden. Da stellt sich die Frage, wer denn der wirkliche Wilde ist, der Barbar, oder privilegierte Menschen, wie den Oligarchen und dessen Anhänger. Der Barbar handelt triebhaft, aus Neugier, nach dem Motto, „survival of the fittest“. Der Oligarch handelt auch triebhaft, aber im Sinne der menschlichen Moral  :krank:

Offline sandhofer

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1815
    • sandhofer's den
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #2 am: 29. April 2012, 06:55:11 »
Ich komme später noch auf mehr zurück, jetzt nur ganz kurz dies, weil ich den Teil auch schon gelesen haben:

StöReN

Überflüssig empfand ich zu Beginn: „[…]auch sein Schwert war ihm abhanden gekommen.“ Das war nach PLüNDeRN doch mehr als deutlich, oder?

Uns, den Lesern, ja. Ich hatte den Eindruck, dass wir hier

einerseits dem Barbaren quasi über die Schulter gucken, wie er von neuem realisiert, dass das Ding weg ist
andererseits auch einer Hilfe begegnen für Leser, die das Buch nicht so wie wir hier in einem Rutsch durchlesen, sondern kurzgeschichtenmässig von Zeit zu Zeit eine lesen, vielleicht nicht einmal in der chronologischen Reihenfolge.

 :winken:

Offline Tobias O. Meißner

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 682
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #3 am: 30. April 2012, 18:49:29 »
andererseits auch einer Hilfe begegnen für Leser, die das Buch nicht so wie wir hier in einem Rutsch durchlesen, sondern kurzgeschichtenmässig von Zeit zu Zeit eine lesen, vielleicht nicht einmal in der chronologischen Reihenfolge.

Genau so ist das auch gemeint. Die Geschichten sollen in sich funktionieren, und nicht Vorwissen aus der vorhergehenden Geschichte benötigen.
In der falschen Chronologie könnten sie allerdings verwirrend sein.

 :five:: Tobias


Offline Loomis

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 450
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #4 am: 02. Mai 2012, 10:49:29 »
STöReN
Der Barbar kann sich also auf ein Boot retten, auf dem all die Dekadenz, Arroganz und der Sadismus der Zivilisation zusammentreffen. Der Barbar dürfte durch das Schwimmen zwar geschwächt gewesen sein, im Kampf gegen Borr aber vielleicht doch nicht im Nachteil, da der ja schon ordentlich Wein intus hatte und sich auch schon mit den Frauen verausgabt hat.
Setepenre fand ich sehr unsympathisch und hatte gehofft, dass sie auch noch eine kleine Lektion lernt, aber so ist halt das Leben, die Schlechten kommen halt oft ungeschoren davon.

ZeRSTöReN
Das könnte eine ganz klassische Conan-Story sein. Großartig! Auch an "The Jade Man’s Eyes", eine Elric-Geschichte von Moorcock erinnert mich ZeRSTöReN. Sehr gut geschrieben, wie der Barbar zweifelt, ob die Statue nun nur ein Stück Stein ist, oder ob doch mehr dahinter steckt. Interessant auch, wie er durch seine Taten selbst zu einem "Gott" wird, aber erst noch von den Waldbewohnern "geprüft", dann aber doch für würdig erachtet wird.
Ironie, dass sich die Situation für den Kommandanten der Soldaten - obwohl der Barbar seinen Auftrag wie gewünscht ausgeführt hat - keineswegs verbessert.

FReSSeN
Eine sehr gruselige Story. Als die nackten Kinder da stehen und das Öl im Kessel blubbert hatte ich schon den Verdacht, auf was das hinausläuft. Allerdings hätte ich zuerst erwartet, dass der Barbar aufspringt, den Oligarchen und seine Leute niedermetzelt und so die Kinder rettet. Aber es gibt also auch Situationen, in denen der Barbar überfordert ist und einfach das Weite sucht. Eine tolle, aber verstörende Geschichte, wie Magnhor schon erwähnte eines Prognosticon würdig.

Offline Räubertochter

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 465
    • Bücher Bär
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #5 am: 02. Mai 2012, 12:45:11 »
Das war ja ein schlimmes Abschnitts-Ende :o Aber der Reihe nach.

Die Geschichte auf dem Boot war irgendwie völlig absurd. Setepenre ist völlig verrückt. Dass das dem Barbar gefällt, war ja abzusehen. Sogar so gut, dass er sich von ihr den Ohhring aus dem Kreuz leiern lässt.

Trotz aller Verrücktheit (oder gerade deswegen?) musste ich lachen, als es hieß "das Manöver war nicht ungefährlich" (beim Versuch Borr zu Fall zu bringen) - ist nicht die ganze Situation "nicht ungefährlich" gewesen? ;D Oder bei dem Schicksal, dass die Speere an Bord zu teilen hatten: Durchschnitten werden. ;D

Vor diesem Hintergrund und der Waldgott-Geschichte im nächsten Abschnitt sind die Gedanken des Barbaren ja schon regelrecht philosophisch (warum man die Wälder überhaupt verlassen hat - S. 258)
Auch den Gedanken, dass es ohne Menschen die Götter gar nicht gäbe. (S. 262) - Da fühlte ich mich an klitzekleines bisschen an die geringen Götter von Pratchett erinnert.

Der Kampf mit den jeweils sechs Waldmännern war skurril. Die ganze Szenerie erinnerte mich an ein Computerspiel, wo man herausfinden muss, mit welchem Trick man diesen Kampf gewinnen kann, denn gewinnt man ihn "herkömmlich", tauchen stets neue Gegner auf.

Der Schluss von ZeRSTöReN lässt viele Fragen offen. Kelwor heißt Opfer, der Barbar ist jetzt Kelwor. Oder ist Kelwor jetzt der Barbar? Was bedeutet das? Muß man Kelwor Opfer bringen? Ist Kelwor ein Opfer? Opfert sich Kelwor für seine Anhänger (siehe Christus). Oder ist der Barbar durch ein Opfer zu Kelwor geworden? Fragen über Fragen ...

Die erste Frage, die sich mir zum nächsten Kapitel FReSSeN stellt, ist die: Was war Nuyens Idee? Nur das Szenario, das Grundgerüst? Oder habt ihr über den Barbaren gesprochen und sie hat die Geschichte schon recht ausgeformt in den Raum geworfen? Da bin ich ja sehr neugierig. ;D (Vielleicht hat der Thread die Frage ja schon beantwortet, aber die anderen Postings lese ich immer erst, nachdem ich meine Antwort gepostet habe)

Sehr interessant war hier der sprachliche Aspekt - der Sänger redet in Reimen (was sich ja in der Leserunde trotz vielversprechender Vorarbeit nicht so recht durchgesetzt hat ;D) und besonders gut hat mir gefallen, wie der Raum beschrieben wurde, in seiner PRACHT. Ich muss aber zugeben, dass mir das sicher nicht aufgefallen wäre, wenn die Buchstaben nicht fettgedruckt gewesen wären. :-[

Als ich dann die Kinder und das siedende Öl gesehen habe, da habe ich nicht nur gedacht, sondern auch laut gesagt: Oh nein, bitte nicht. Das ist wirklich die schlimmste Szene im ganzen Buch :'(
Und der, der eigentlich der Barbar ist, rennt völlig entsetzt davon (was ich ihm ausnahmsweise absolut uneingeschränkt nachfühlen kann).
Liebe Grüße,
Verena

"Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben?" Gandalf in "Die Gefährten", J.R.R. Tolkien

Offline odenwaldcollies

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1114
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #6 am: 02. Mai 2012, 14:40:36 »
Ich kommentiere jetzt erstmal das Kapitel "Stören", da ich das vor ein paar Tagen schon gelesen habe, nicht daß ich die Hälfte unter den Tisch fallen lasse  :-[

Unser Barbar muß eine ja eine ziemliche Strecke geschwommen sein, wenn die Menschen auf dem Schiff den Drachen-Absturz gar nicht mitbekommen haben (wobei er selber vor dem Absturz das Segelschiff wahrgenommen hat und auch, daß es abendrotfarbene Segel hat).

Mein Gott, diese Setepenre (irgendwie will mir der Name nicht in den Kopf, da verschlingen sich meine Hirnwindungen  ;D) nervt ja total mit ihrem blödsinnigen Gelaber und ihrem bescheuerten Verhalten. Ich glaube, ich hätte dieser Nervensäge ziemlich schnell den Hals umgedreht  ::) Ganz knusper ist sie jedenfalls nicht, wie sie Valenzio noch zutextet, als dieser darmlos vor sich hin krepiert.

Hier kommt auch nochmal ein Verweis auf das Brandschatzen-Kapitel: "Er würde sich nach den Wäldern sehnen und etwas niederbrennen müssen, um sich wieder lebendig zu fühlen."

Achja, die anderen "Gäste" des Schiffes scheinen sich ja nicht besonders darüber zu stören, was auf dem Schiff vorgefallen ist.
Liebe Grüße
Karin

Offline Loomis

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 450
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #7 am: 02. Mai 2012, 14:47:37 »
Achja, die anderen "Gäste" des Schiffes scheinen sich ja nicht besonders darüber zu stören, was auf dem Schiff vorgefallen ist.
Wieso? Die erbrechen sich doch bei dem Anblick und versuchen teilweise zu fliehen, indem sie ins Wasser springen...

Offline odenwaldcollies

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1114
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #8 am: 02. Mai 2012, 17:13:36 »
Achja, die anderen "Gäste" des Schiffes scheinen sich ja nicht besonders darüber zu stören, was auf dem Schiff vorgefallen ist.
Wieso? Die erbrechen sich doch bei dem Anblick und versuchen teilweise zu fliehen, indem sie ins Wasser springen...

Zuerst ja, aber als dann Ruhe einkehrt (S. 250), hört man nicht mehr viel von ihnen. Obwohl, wenn ich den Abschnitt nochmal so lese, in dem steht, daß einige der männlichen Gäste am nächsten Tag das quengeln anfingen, könnte das auch so gedeutet werden, daß sie lieber nicht aufmucken, damit sie nicht auch noch nähere Bekanntschaft mit dem Barbaren machen, sie aber schnellstmöglich vom Schiff runter wollen. O.k., beim zweiten Lesen "fühlt" sich das doch etwas anders an. 

Liebe Grüße
Karin

Offline Magnhor

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 439
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #9 am: 02. Mai 2012, 20:23:22 »
Achja, die anderen "Gäste" des Schiffes scheinen sich ja nicht besonders darüber zu stören, was auf dem Schiff vorgefallen ist.
Wieso? Die erbrechen sich doch bei dem Anblick und versuchen teilweise zu fliehen, indem sie ins Wasser springen...

Zuerst ja, aber als dann Ruhe einkehrt (S. 250), hört man nicht mehr viel von ihnen. Obwohl, wenn ich den Abschnitt nochmal so lese, in dem steht, daß einige der männlichen Gäste am nächsten Tag das quengeln anfingen, könnte das auch so gedeutet werden, daß sie lieber nicht aufmucken, damit sie nicht auch noch nähere Bekanntschaft mit dem Barbaren machen, sie aber schnellstmöglich vom Schiff runter wollen. O.k., beim zweiten Lesen "fühlt" sich das doch etwas anders an.
Na und außerdem gibt es allen Anschein nach genügend Leute, die weiterhin an der Orgie aktiv teilnehmen - obwohl die Leiche während der ganzen Zeit noch an Bord war. Was müssen das für Menschen sein, die nach so einem Erlebnis noch derartige Lusttriebe befriedigen wollen? Und zudem mit dem Übeltäter selbst. Da gibt es noch intimsten Verkehr statt Distanz und Vorsicht vor dem Unhold.

Offline odenwaldcollies

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1114
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #10 am: 02. Mai 2012, 21:28:07 »
Zerstören:
Und wieder ein Gott, wenn auch eine Statue, die der Barbar zerstören soll - was ihm selber auch auffällt, daß schon das zweite Mal darum gebeten wird. Schön fand ich, daß es nochmal in die Wälder der Waldmenschen geht, in denen er schon mal war.
Irritiert haben mich die Gedanken zu sich und der Welt, die der Barbar hegt, als er durch den Wald rennt - das fand ich nun außergewöhnlich. Wobei er mit der Schlußfolgerung, daß sich die Gesetze der Menschen den Gesetzen der Wälder und Steppen wieder annähern, je wohlhabender jemand ist und der Frage, warum man die Wälder dann überhaupt verläßt, nicht so falsch liegt - die sogenannte Zivilisation ist häufig keinen Deut besser als die sog. Wilden ;D

Überrascht war ich auch über den Satz: "Wenn er versuchte, nicht alleine zu sein, fühlte er sich einsamer als sonst." Das heißt ja, daß er nicht völlig ungesellig ist und es ihm manchmal nach menschlicher Nähe ist, das dann aber irgendwie nicht richtig klappt. Oder meint er dann, wegen der beiden folgenden Sätze, ab und an braucht er Menschen um sich rum, um Ortschaften zu vernichten  ???

Ob er sich die Geräusche im Wald bei Beschädigen der Statute und das Zittern bzw. Vibrieren nur einbildet oder ob das wirklich ist? Er macht eher den Eindruck, als glaubt er nicht an übernatürliche Dinge, aber sicher scheint er doch nicht zu sein.
Auf jeden Fall gelingt es ihm auch, diesen Falkengott zu beschädigen und ich denke mal, damit auch zu besiegen. Die Waldbewohner sind wohl auch der Meinung, wenn sie einen neuen Kelwor mit den Zügen des Barbaren erbauen.

Was hat es damit auf sich, daß es immer sechs Waldbewohner sind, die sich ihm zum Angriff stellen? Wenn sie alle zusammen ihn angegriffen hätten, hätten sie ihn sicherlich besiegen können - daher habe ich den Eindruck, als ob sie das nicht wollten, sondern ihn eher "prüfen" wollten. Irgendwie erinnert mich das an die Spiele, bei denen man nur weiterkommt, wenn man ein Level gewonnen hat - auch daß die Gegner schwieriger und gefährlicher werden.

Für den Kommandanten war die ganze Aktion eigentlich umsonst, wenn die nächste Statue schon wieder aufgebaut wird und alles wieder von vorne beginnt.

Fressen:
Was für ein Kapitel  :o
Sehr gelungen fand ich die Einschübe zwischen dem sich wiederholenden End- und Anfangssatz, in denen man erfährt, warum die 3 anderen Gäste die Einladung angenommen haben. Und auch die folgende beschriebene PRACHT.

Als die nackten Kinder und die mit Öl gefüllten Becken beschrieben wurden, hat mich auch schon eine böse Ahnung beschlichen.
Und dann noch dieser schleimig-freundliche Oligarch mit seinen kalten Fingern ... grusel ...

Und was dann mit den Kindern geschieht bzw. sie freiwillig tun, uff, trotz aller Vorahnungen war das ziemlich heftig. So was Krankes und Perverses. Welcher Gehirnwäsche werden die Kinder unterzogen, daß sie sich freiwillig frittieren lassen? Der Gipfel der Zivilisation oder wie?

Und außer der Kartenlegerin zeigt keiner der anderen Gäste irgendwelches Mitgefühl - wozu braucht der Oligarch überhaupt Gäste dabei, die von dem Kreis (dieser Kreis ist mir im Gegensatz zum Mammut-Kreis äußerst unsympathisch  ;)) würden doch reichen?

Daß dieses Grillen von Kindern eindeutig zu viel für den Barbaren ist, läßt ihn deutlich menschlicher erscheinen als den Rest der Sippschaft (außer der Kartenlegerin). Er hat eine immense Wut im Bauch, die er - leider - nicht rauslassen kann, weil er nicht bewaffnet ist. Ich hätte fast erwartet, daß er nun rot sieht und einfach anfängt zu wüten, ganz gleich, wie gut seine Chancen sind. Er ist dann so geschockt, daß er nur noch fliehen will vor dem ganzen Irrsinn.
Liebe Grüße
Karin

Offline odenwaldcollies

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1114
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #11 am: 02. Mai 2012, 22:07:53 »
(Ach, und wir erfahren, dass er zuletzt als Kind gesprochen hatte! S.267)

Gut, daß du die Seite hier nochmal aufgeschrieben hast, ich habe eben diesen Abschnitt gesucht und nicht mehr gefunden  :-[
Liebe Grüße
Karin

Offline Tobias O. Meißner

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 682
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #12 am: 02. Mai 2012, 23:32:46 »
Die erste Frage, die sich mir zum nächsten Kapitel FReSSeN stellt, ist die: Was war Nuyens Idee? Nur das Szenario, das Grundgerüst? Oder habt ihr über den Barbaren gesprochen und sie hat die Geschichte schon recht ausgeformt in den Raum geworfen? Da bin ich ja sehr neugierig. ;D

Okay, das war so:
Wir saßen unter einer außergewöhnlich flammendroten Abenddämmerung am Spreeufer, sahen Paaren beim Tangotanzen zu und teilten uns eine Pizza.
Ich sagte: "Kann sein, dass die BARBARENDÄMMERUNG vom Umfang her ein bisschen zu dünn wird. Du hast nicht zufällig eine Idee, was dem Barbaren noch widerfahren könnte?"
Jenny aß ruhig weiter und sagte nur: "Erzähl mir alles über ihn."
Also erzählte ich alles, was ich über ihn wusste. Alles, was er bis jetzt (ich schrieb gerade an auSLöSCHeN) bereits erlebt und durchlitten hatte. Alles, was ihn ausmachte.
Jenny hörte ungerührt zu und aß. Nachdem ich geendet hatte, schwieg sie noch etwa eine halbe Minute lang mit gesenktem Blick. Vielleicht waren es auch nur zwanzig Sekunden. Dann sah sie mich an und erzählte mir seelenruhig die komplette Geschichte eines Oligarchen, seines schrecklichen Festes, und wie der Barbar dort eingeladen ist.
Ich war sprachlos. Fand die Geschichte zu heftig. Ich sagte: "Sowas kann ich höchstens in HIOBS SPIEL machen, wahrscheinlich aber nicht in BARBARENDÄMMERUNG."
Jenny zuckte die Schultern. "Mach damit, was du willst", sagte sie. "Ich schenke es dir."
Ich schlief zwei Nächte lang darüber. Dann kam ich zu dem Schluss, dass ich es unmöglich nicht machen konnte. Es war einfach viel zu gut.

besonders gut hat mir gefallen, wie der Raum beschrieben wurde, in seiner PRACHT. Ich muss aber zugeben, dass mir das sicher nicht aufgefallen wäre, wenn die Buchstaben nicht fettgedruckt gewesen wären. :-[

Wenn die Buchstaben nicht fettgedruckt gewesen wären, hätte das niemandem auffallen können.  :trost:

 :winken:: Tobias
« Letzte Änderung: 02. Mai 2012, 23:37:39 von Tobias O. Meißner »

Offline Räubertochter

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 465
    • Bücher Bär
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #13 am: 03. Mai 2012, 09:49:07 »
Eine schöne Anekdote, danke Tobias, für das Plaudern aus dem Nähkästchen. :) Um solche Neugierden zu befriedigen sind Leserunden mit Autorenbegleitung einfach unbezahlbar 8)

Ich war sprachlos. Fand die Geschichte zu heftig. Ich sagte: "Sowas kann ich höchstens in HIOBS SPIEL machen, wahrscheinlich aber nicht in BARBARENDÄMMERUNG."

Heftig ist die Geschichte tatsächlich. Aber sie passt trotzdem ins Geschehen, besonders durch die Reaktion des Barbaren.

Wenn die Buchstaben nicht fettgedruckt gewesen wären, hätte das niemandem auffallen können.

Höchstens vielleicht dem Hellseher Magnhor ;D
Liebe Grüße,
Verena

"Viele, die leben, verdienen den Tod. Und manche, die sterben, verdienen das Leben. Kannst du es ihnen geben?" Gandalf in "Die Gefährten", J.R.R. Tolkien

Offline odenwaldcollies

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1114
Re: 04 - STöReN, ZeRSTöReN, FReSSeN
« Antwort #14 am: 03. Mai 2012, 11:16:37 »
Eine schöne Anekdote, danke Tobias, für das Plaudern aus dem Nähkästchen. :) Um solche Neugierden zu befriedigen sind Leserunden mit Autorenbegleitung einfach unbezahlbar 8)

Das stimmt - gut, daß du gefragt hast, Räubertochter  ;D
Liebe Grüße
Karin