Autor Thema: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN  (Gelesen 1969 mal)

Offline Old Fisherman

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #15 am: 22. April 2012, 15:50:03 »
@Maghnor: Anscheinend ist es der dritte Band, aber auch für den muss man mittlerweile knappe 100 Euronen berappen:

http://www.amazon.de/Conan-Original-Erz%C3%A4hlungen-Jahren-1943-1935/dp/3453520734


Offline Phy

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #16 am: 22. April 2012, 15:50:32 »
Auch ich kenne bisher kein Buch von Tobias aber habe nun auch die ersten Kapitel gelesen.

Mir ist es erst schwer gefallen mich in dem Buch einzufinden.
In SteHLeN hat es sich dann sehr verbessert allein durch den Satz: "Freiheit war das wertvollste Gut, das er jemals kennengelernt hatte."

Aber ich versuch es auch mal der Reihe nach (:

üBeRSCHReiTeN
Diesen Teil habe ich wohl zunächst nur zur Kenntnisgenommen, wie gesagt mir fiel es am Anfang schwer mich einzufinden. Während der Panik im Volk musste ich an die Loveparade 2010 denken. Das Volk stand sich selbst im Weg und hat sich gegenseitig tot getrampelt.
Hier wird schon deutlich dass die Stadtmenschen eher schlecht da stehen. Auch der 'kluge' Ausruf "Er hat die Axt!" lässt das Volk nicht unbedingt intelligent aussehn.
Das Gemetzel fand ich gut und die Betrachtungsweisen von Welw finde ich sehr interessant. Er sieht das ganze anders als das restliche Volk, scheint sich dabei auch gleichzeitig als etwas besonderes zu fühlen. Auch dass er an den Taten so fasziniert ist finde ich gut, Faszination des Grauens!? (:

MISSaCHTeN
Das Geschehen aus der Barbarensicht hat mir schon besser gefallen. Ich finde ihn im übrigen sehr intelligent, er weiß vielleicht nicht viel von dem Leben in Städten und den ganzen Regeln und Dingen die sich Stadtmenschen erdacht haben, aber dumm ist er sicherlich nicht.
Die Alte fand ich allerdings sehr komisch und weiß bis jetzt noch nichts damit anzufangen.

Ich vermute auch, dass es sich bei hell-dunkel-hell um eine Ohnmacht handelt. Der Barbar hat sicherlich auch irgendwo seine Grenzen und das zeigt sich dabei, auch wenn er nochmal davon kommt.

BeDRäNGeN
Die Frau am Fluss fand ich zwar nett, aber ich habe mich nicht länger damit beschäftigt ob sie nun tot ist oder nicht. Ich denke aber, dass sie es nicht überlebt hat.
Zuerst habe ich gedacht die Frau spinnt völlig, aber letztlich zeigte sich, dass der Barbar für sie doch eine echte Bedrohung war. Vielleicht hat sie ihn aber auch auf sich aufmerksam gemacht und erst sein Interesse geweckt dadurch dass sie geflüchtet ist?

STeHLeN
...hat mir bisher am besten Gefallen. Einblicke in die Gedanken des Barbaren. Stück für Stück erkundet er alles, nimmt alles in sich auf und ist neugierig und interessiert. Auch die Szene mit den Bildern fand ich toll und wie er anscheinend eine gewisse Angst oder zumindest ein Unwohlsein empfunden hat. Aber wer fühlt sich nicht komisch, wenn man sich beobachtet fühlt?
Die Szene mit dem Mädchen fand ich gut. Er hat sie befreit, weil es geht und er Freiheit als wichtig empfindet. Allerdings wollte er sie danach nicht an der Backe haben - was ich gut verstehen kann, Frauen sind bei solchen Geschichten (Cooler Typ rettet junges Mädchen) meist unfähig und hinderlich, bringen dabei sich und ihren Retter in weiter Gefahren.
Er lässt sie also zurück und lässt sie vorher noch ihre Schuld begleichen. Was ich auch wieder komisch fand. Aus heiterem Himmel wird sich ins Stroh geworfen.
Seine Überlegungen in dem Haus finde ich auch interessant, vorallem dass er sich für die leise Flucht entscheidet. Er hätte genauso gut ein erneutes Blutbad veranstalten können, aber es gibt einen anderen, einfacheren Weg, der weniger Tote fordert, so lässt er auch den Späher am Leben, er sieht keinen Sinn darin ihn zu töten.

----------

Ein namenloser Verurteilter, der seiner seiner eigenen Hinrichtung entgehen kann und auf seiner Flucht ein Blutbad anrichtet, damit ging es ja schon mal gut los. Aber bisher wurde ja noch nichts über den Hintergrund seiner Strafe geschrieben, und überhaupt wissen wir noch nicht viel ohn ihm, nur dass er sehr unberechenbar, gefühllos und unbeherrscht.

Nicht, dass sich seinen Weg in die Freiheit erkämpft hat, er überfällt eine Frau, missbraucht sie und bringt ihren Geliebten um. Bösartiger geht es wohl kaum. Wurde er deshalb eingesperrt? Weil er so ein "Monster" bzw. Barbar ist? Oder steckt er mehr dahinter und er wurde womöglich zu diesem Barbaren gemacht?

Hingerichtet werden sollte er doch wegen der Kneipenschlägerei wo vier Menschen zu Tode kamen oder?
Die Hintergründe warum er so ist, wie er ist würden mich auch interessieren, allerdings mag ich es auch darüber zu spekulieren und mir in Gedanken zu überlegen warum er so geworden ist.
Es wäre allerdings interessant zu wissen, warum er die Entwicklung der Zivilisation verpasst hat.

Er wirkt auf mich allerdings nicht Gefühllos, er empfindet vieles, beispielsweise ist er wütend darüber, dass Tleck ihn reingelegt hat und möchte sich dafür rächen. Auch scheint er eine sanfte Seite zu haben, was sich zeigt, als er das junge Reh berührt (hier überwiegt aber anscheinend wieder die grausame Seite in ihm).

Aber mich hat es schon etwas gewundert, dass der Namenlose einfach so in das Geschäft eingewilligt hat, an materiellen Dinge wie Geld, Schmuck und sowas scheint er ja kein großes Interesse zu haben.

Ich fand es zunächst auch eigenartig, aber vielleicht willigt er einfach ein weil es geht? Es wird ihm angeboten, er hat nichts besseres zu tun, er hat langeweile, es interessiert ihn vielleicht auch, was es mit dem ganzen Gelaber über Magie etc. auf sich hat, vielleicht macht er es einfach zum Vergnügen?

Die vielen Umschreibungen des Barbaren finde ich toll: der Delinquent, der Verurteilte, der Geflohene, der Fremde, der Eindringling und mein Favorit: der Unbefugte  :totlach:

Die Beschreibungen fand ich auch toll. Das zeigt doch nur, dass der Barbar ein wirklich vielseitiges Wesen ist und garnicht nur ein dummer Barbar. (: Auch wenn er nicht unbedingt positiv beschrieben wird *gg*

Offline odenwaldcollies

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #17 am: 22. April 2012, 16:06:48 »
Dann senfe ich jetzt auch mal dazu  ;D:

überschreiten:
Auch ich war nach wenigen Sätzen mitten in der Geschichte. Die detailliert beschriebene Volksfeststimmung angesichts der erwarteten Hinrichtung konnte ich mir lebhaft vorstellen (so viel zu Zivilisation  ;D).
Ich habe mich auch gefragt, ob der Barbar wohl zu Recht verurteilt wurde - oder hauptsächlich schnell als schuldig befunden wurde, weil er so fremd und "anders" ist (er wird ja öfters als blöde und zurückgeblieben bezeichnet, weil er fortwährend schweigt) und dazu noch durch seine große und kräftige Statur und Narben bedrohlich wirkt.
Auf jeden Fall bleibt sein Innenleben dem Leser zunächst fremd: wir sehen und nehmen ihn nur wahr durch Indencron.

Die Art seiner Flucht - und das raffinierte Ausschalten des zweiten Armbrustschützen - lassen auf einen versierten Krieger schließen. Was mich zu den gleichen Fragen wie Kati bringt: wer ist er? Woher kommt er? Was macht er dort in der Gegend, wenn seine Heimat offensichtlich woanders liegt und er den Städtern eher Verachtung entgegenbringt? Was ist wirklich in dem Gasthaus vorgefallen und warum? War er schon immer so rücksichtslos oder gibt es da Ereignisse, die ihn zu dem gemacht haben, der er nun ist?

Worüber ich auch nachdenke, warum dieses erste Kapitel "überschreiten" heißt? Was überschreitet der Barbar? Die Schwelle vom Menschen zum Barbaren (zugegeben, das liegt manchmal sehr nahe beieinander  ;))? Die scheint mir schon vorher überschritten worden zu sein.
Die Überschreitung des Gesetzes? Das scheint mir auch zuvor schon überschritten worden mit der Tötung der 4 Menschen.
Die Überschreitung der Grenze von der Gefangenschaft zur Freiheit? Das scheint mir noch am Naheliegendsten ...

missachten:
Hier bekommt man als Leser den ersten Einblick in das Innenleben des Barbaren: sein Schmerz durch die Verletzung, das Delirium (ich würde den Wechsel von hell zu dunkel auch als Ohnmacht, schwarz vor den Augen werden, interpretieren). Die Alte, die ihn rettet, fand ich auch ziemlich grotesk; wobei sie mit ihrem Satz "Du erkennst den Tod nicht an, mein hübscher Junge. Nur deshalb bist du noch am Leben." ziemlich recht hat: der Gedanke, daß er sterben könnte, kommt ihm überhaupt nicht, als ob das überhaupt nicht zur Debatte stünde.

bedrängen:
Also, mit diesem Kapitel sammelt der Barbar nicht unbedingt Sympathiepunkte. Das arme Mädchen, sie schien so zufrieden mit ihrem Leben ... Der Perspektivwechsel auf das Mädchen als Erzählerin fand ich auch sehr interessant: ihre Panik und Angst ist dadurch viel greifbarer, auch dadurch, daß sie ihr Angst sich über Stunden hienzieht. Und der Barbar erscheint noch emotions- und rücksichtsloser - auch durch das nachfolgende Töten des Liebhabers.
Ich bin auch gespannt, ob wir Leser noch erfahren, ob das Mädchen überlebt hat oder nicht; durch den Barbaren eher nicht, der hat das Kapitel scheinbar schon für sich abgehakt.
Und wenn ich ihn mir im Wickelrock und mit den Ohrringen vorstelle, naja, schon etwas absurd  ;D

stehlen:
Hey, das erste Kapitel, in dem kein Mensch oder Tier ermordet wird - nur ein Bild  ;D
Den Einbruch führt er sehr routiniert und erfahren durch; nur bei diesem Bild vergisst er jegliche Vorsicht und rastet aus, weil er das Gefühl hat, daß die gemalten Personen über ihn lachen, als er ihnen den Rücken zuwendet. Ist das der Grund, warum er ist, wie er ist? Wurde er früher irgendwie niedergemacht oder ausgegrenzt?

Überrascht hat er mich ja, daß er dem Mädchen befreit und geholfen hat - das hätte ich jetzt nicht von ihm erwartet. Aber anscheinend mußte er schon selber erfahren, daß "Freiheit das wertvollste Gut war, daß er jemals kennengelernt hatte".

Boah, was haben diese Typen mit dem Mädchen dort in dem Keller gemacht? Gruslig fand ich auch die Geschichtshaut einer Frau. Sowas nennt sich dann Zivilisation  ::)

Aber mich hat es schon etwas gewundert, dass der Namenlose einfach so in das Geschäft eingewilligt hat, an materiellen Dinge wie Geld, Schmuck und sowas scheint er ja kein großes Interesse zu haben.

Das wundert mich auch: an einer Bezahlung scheint er ja nicht interessiert zu sein. Warum läßt er sich von anderen für deren zwielichtige Geschäfte einspannen, wenn er die Freiheit doch so sehr schätzt? Naja, vielleicht hatte er gerade nichts besseres zu tun  ;D

Tobias, wie du das beschrieben hast, wie der Barbar durch das Haus tigert, die Zimmer und deren Inhalte inspiziert, ist dir super gelungen: ich wurde auch neugierig, was in den Schränken und Flaschen usw. ist.
Liebe Grüße
Karin

Offline Old Fisherman

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #18 am: 22. April 2012, 16:13:12 »
@odenwaldcollies: Vielleicht bedeutet es ja: "Über Leichen schreiten". Im STeHLeN-Kap. wird im Übrigen einer der Inspizienten von dem Barbaren ausgeschaltet.

Offline odenwaldcollies

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #19 am: 22. April 2012, 16:35:19 »
@odenwaldcollies: Vielleicht bedeutet es ja: "Über Leichen schreiten". Im STeHLeN-Kap. wird im Übrigen einer der Inspizienten von dem Barbaren ausgeschaltet.

Mist, den Inspizienten hatte ich ganz verdrängt - der wurde so nebenbei auf die Seite geschafft (siehste mal, jetzt beginnt die Verrohung des Lesers  :ohnmacht:)

"Über Leichen schreiten"? Das ist gut, das würde passen.
Liebe Grüße
Karin

Offline sandhofer

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #20 am: 22. April 2012, 16:54:55 »
Die vielen Umschreibungen des Barbaren finde ich toll: der Delinquent, der Verurteilte, der Geflohene, der Fremde, der Eindringling und mein Favorit: der Unbefugte  :totlach:

Eine Hommage an Robert E. Howard? Der hat Conan auch nie direkt einen Barbaren genannt, meist nur den Cimmerer. Allenfalls waren es Conans Instinkte oder seine ungeheure Reaktionsschnelligkeit, die Howard "barbarisch" nannte. "Barbar" im pejorativen Sinne wurde Conan immer nur von andern Figuren genannt. Wenn Conan von seiner Abstammung sprach, konnte das Wort "Barbar" oder "barbarisch" auch vorkommen, aber Conan war immer stolz darauf, ein Barbar zu sein.

Offline Myriel

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #21 am: 22. April 2012, 17:24:07 »
Hallo zusammen,

ich habe die ersten vier Kapitel eben gelesen und bin schon ganz gefangen in dem Buch.

üBeRSCHReiTeN:
Gleich zu Beginn die Beschreibung des Marktplatzes fand ich sehr gelungen. Die Aufzählung dessen, was sich auf dem Markt befindet und die Beschreibung der Menschen hat die jeweiligen Eigenheiten pointiert abgelichtet.

Dass meine Sympathien beim Barbaren lagen, kann ich so nicht behaupten, aber sehr wohl, dass ich mich über seine Flucht gefreut habe. Um Sympathie für ihn empfinden zu können, müsste ich erst mehr über ihn wissen. Wobei sich meine Neugierde in Grenzen hält. Ich muss nicht auf Teufel komm raus etwas über seine Vergangenheit und seine Person wissen - so, wie er stumm und plündernd/vergewaltigend/mordend durch die Geschichte zieht, wirkt er viel beeindruckender als mit vollständiger Vita.

Indencron fand ich übrigens ebensowenig sympathisch wie unsympathisch. Auf mich wirkt er eher wie ein interessierter, aber unbeteiligter Wissenschaftler, der die Details des Geschehens ins Versuchsprotokoll aufnimmt und daraus seine Rückschlüsse zieht - völlig emotionslos. Ich kann mir gut vorstellen, dass er den Barbaren als lohnenswertes Studienobjekt ansieht und wir ihn dementsprechend wiedersehen werden.


MiSSaCHTeN:
Der Erzählstil in diesem Kapitel war schlichter, aber deswegen nicht weniger wirkungsvoll. Die ständigen Wiederholungen von "es wurde dunkel ..." waren sehr eindringlich.

Die Szene mit dem Reh hat mein Bild vom Barbar etwas ins Wanken gebracht - das er erst so zart war und sich gegen den Drang gewehrt hat, das Reh zu töten, aber dann doch verliert.


BeDRäNGeN:
Die junge Frau als Erzählerin ist mir auf den wenigen Seiten sehr sympathisch geworden und ich habe mit ihr gehofft, dass ihre Vorsicht übertrieben ist und sie grundlos in Panik geraten ist. Und doch war ich sehr froh darüber, dass sie so vorsichtig war und nicht so schnell in ihrer Wachsamkeit nachgelassen hat - das Leben allein außerhalb eines schützenden Dorfes hat sie geprägt. Leider hat es ihr dann aber doch nicht geholfen.

Dass sie noch am Leben ist, glaube ich nicht. Da hätte ihr Geliebter in meiner Vorstellung anders reagiert, hätte vielleicht eine Truppe zusammengestellt und wäre besser vorbereitet gewesen. So aber wirkt sein Angriff wie eine Tat im Affekt, im Schock auf das, was seiner Geliebten zugestoßen ist.

Im Übrigen kann ich dem Barbaren seine Tat nicht übel nehmen. Dadurch, dass die Geschehnisse im Haus nicht erwähnt werden, fehlt mir irgendwie der Grund, dem Barbaren etwas vorzuwerfen. Es wirkt so surreal, unwirklich, als ob doch gar nichts passiert wäre. Verstörend!


STeHLeN:
In diesem Kapitel hat mir gefallen, dass man Einblick in die Gedanken des Barbaren erhält. Der Kontrast zwischen dem Eindruck, den man aus Tlecks Perspektive vom beschränkten Intellekt des Barbaren bekommt, und seinen Handlungen im Haus selbst, der Observation seiner Angreifer und seiner durchdachten Flucht, sprechen Bände.

Amüsant fand ich die Beschreibungen der "zivilisierten" Gegenstände und wie der Barbar mit ihnen umgeht. Dass er einige von ihnen wiedererkennt - wie die Bücher - sagen deutlich, dass er nicht zum ersten Mal mit der Zivilisation in Berührung gekommen ist, sondern vielleicht sogar in ihr aufgewachsen ist. Doch irgendwas hat ihn gehörig aus der Bahn geworfen.

VG Myriel

Offline Myriel

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #22 am: 22. April 2012, 17:42:16 »
Haben die Worte des Anklägers etwas zu bedeuten? Als er Vom Leben ZUM Tod betont, konnte ich noch einen Zusammenhang zu der Kapitelüberschrift herstellen, bei den nachfolgenden Worten aber weniger. Hat jemand von euch eine Ahnung?
Ich habe es so wahrgenommen, dass die in Großbuchstaben getippten Worte den Singsang des Anklägers und die Betonung der einzelnen, zufällig wirkenden Worte darstellen sollen. Ob die betonten Worte aber zufällig oder wirklich nur zufällig wirkend gewählt sind, hat sich mir nicht erschlossen, ebenso wenig wie ich einen tieferen Sinn in den betonten Wörtern entdeckt habe.

Ich hoffe der Barbar verreckt, aber wahrscheinlich wird dieser Wunsch gar nicht oder erst am Ende des Buches in Erfüllung gehen.  >:(
So merkwürdig es ist und so sehr es mich auch selbst irritiert, aber ich wünsche dem Barbaren nicht den Tod.  :o

Für mich hat sich mittlerweile das Bild manifestiert, dass er ein sehr simpler Mensch ist, der ausschließlich seinen grausamen Instinkten folgt: Wenn ihm etwas im Weg steht, zerstört er es. Wenn ihn jemand bedroht, tötet er ihn. Wenn er etwas braucht, nimmt er es sich. Wenn er geil ist, fickt er.
Das ist eine interessante Sichtweise und erklärt für mich auch, warum ich ihm nicht böse sein kann. Genauso wenig wie einer Katze, die instinktiv kratzt, wenn sie sich bedroht fühlt. Es sind Instinkte und keine bösen Absichten.  :-\

Vieles wurde schon gesagt, darum fasse ich mich kurz. Ich bin bis jetzt auch begeistert! Vor allem von der Poesie der Sprache, die in krassem Gegensatz zu den beschriebenen Geschehnissen steht.
Als besonderer Satz ist mir noch aufgefallen: Der Mond steckte fest in einem Morast aus Wolken Ich mag solche bildhaften Vergleiche.
Diesen Gegensatz zwischen Sprache und Handlung finde ich total faszinierend und den Satz mit dem Mond habe ich mir gleich markiert. So ungewöhnlich, unverbraucht und daher umso eindrucksvoller!

Ich habe mich auch gefragt, ob der Barbar wohl zu Recht verurteilt wurde - oder hauptsächlich schnell als schuldig befunden wurde, weil er so fremd und "anders" ist (er wird ja öfters als blöde und zurückgeblieben bezeichnet, weil er fortwährend schweigt) und dazu noch durch seine große und kräftige Statur und Narben bedrohlich wirkt.
Das kann ich mir leider sehr gut vorstellen - was uns fremd ist und was wir nicht kontrollieren können, ist automatische eine Gefahr und muss beseitigt werden.  >:(


Worüber ich übrigens in einigen Kommentaren hinweggelesen habe, waren die Anspielungen aufs Mammut. Ich habe die Reihe noch nicht gelesen, möchte es aber gern noch und dann möglichst unverspoilert. Daher die Bitte meinerseits, solche Vergleiche bitte deutlich zu kennzeichnen, damit ich gewarnt bin.  :danke:

Offline Loomis

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #23 am: 22. April 2012, 18:11:19 »
Bin jetzt auch mit dem Abschnitt durch.

Ihr habt ja schon vieles angesprochen. Die Flucht des Barbaren war toll beschrieben. Er hat seine Fesseln übrigens am Beil zerschnitten, nicht zerrissen, das wäre wahrscheinlich auch für seine Kräfte zu viel gewesen.
Wo er herkommt und wer er ist wäre vielleicht interessant zu erfahren, aber bei Conan waren die Hintergründe auch nie beleuchtet, er war aus Cimmerien und ging irgendwann von dort weg. Man erfährt nur, dass er einmal als junger Mann bei einem Überfall auf eine Siedlung der "Zivilisierten" dabei war. Aber ich schweife ab...

Ich fand toll, wie unser Protagonist sich die Würste um den Hals gehängt hat, da war richtig greifbar, dass er weiß, was wichtig ist, wenn man allein unterwegs ist.
Die Alte die sich um ihn gekümmert hat war sehr surreal, ich bin gespannt, ob wir noch mehr von ihr erfahren.

Dass der Barbar die Frau anscheinend überwältigt und bedrängt hat (ich lasse es mal bei dem Wort, denn wir wissen ja nicht, was genau er getan hat) fand ich sehr überraschend. Howards Conan ist zwar auch kein Zimperlicher, aber wenn ich mich recht erinnere hat er nie eine Frau einfach so schlecht behandelt, nur wenn eine ihm etwas Schlechtes wollte. Aber gut, "unser" Barbar ist ja nicht Conan, wahrscheinlich nicht einmal ein Cimmerier.

Das Stehlen-Kapitel erinnerte mich sehr an die Conan-Geschichte "Der Turm des Elefanten" von Howard, dort steigt Conan auch als Dieb in ein Gebäude ein und findet dort ein bedauernswertes Geschöpf, das er befreit. War diese Story von Howard eine direkte Inspiration zu diesem Kapitel, Tobias?

Offline Peinapfel

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #24 am: 22. April 2012, 18:21:30 »
Sehr interessant eure Eindrücke zu lesen!

Haben die Worte des Anklägers etwas zu bedeuten? Als er Vom Leben ZUM Tod betont, konnte ich noch einen Zusammenhang zu der Kapitelüberschrift herstellen, bei den nachfolgenden Worten aber weniger. Hat jemand von euch eine Ahnung?
Ich habe es so wahrgenommen, dass die in Großbuchstaben getippten Worte den Singsang des Anklägers und die Betonung der einzelnen, zufällig wirkenden Worte darstellen sollen. Ob die betonten Worte aber zufällig oder wirklich nur zufällig wirkend gewählt sind, hat sich mir nicht erschlossen, ebenso wenig wie ich einen tieferen Sinn in den betonten Wörtern entdeckt habe.

Ah richtig, darauf wollte ich auch noch antworten. Denke auch, dass die großgeschriebenen Wörter nur die, als eigenwillig beschriebene, Betonung des Anklägers verdeutlichen, ohne inhaltlichen Zusammenhang.

Worüber ich übrigens in einigen Kommentaren hinweggelesen habe, waren die Anspielungen aufs Mammut. Ich habe die Reihe noch nicht gelesen, möchte es aber gern noch und dann möglichst unverspoilert. Daher die Bitte meinerseits, solche Vergleiche bitte deutlich zu kennzeichnen, damit ich gewarnt bin. 

:stillgestanden: Aye aye und entschuldigung!


Noch eine Frage an Tobias, weil hier so unglaublich viel über Howards Conan gesprochen wird: Steht die Barbarendämmerung wirklich irgendwie im Zusammenhang mit Conan, also Vorlage, Inspiration oder ähnliches? Habe bisher nämlich noch nichts von Howard gelesen, was mir momentan bei den vielen Conan-Kommentaren ein bisschen stinkt. :-[

Offline Loomis

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #25 am: 22. April 2012, 18:23:54 »
Wer übrigens was über Conan lesen will:
Haltet euch an die Originalgeschichten von Robert Howard, nicht an irgendwelches Zeug von Lin Carter oder Sprague de Camp die nur Abklatsch vom Original sind!

Offline sandhofer

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #26 am: 22. April 2012, 18:30:43 »
Haltet euch an die Originalgeschichten von Robert Howard, nicht an irgendwelches Zeug von Lin Carter oder Sprague de Camp die nur Abklatsch vom Original sind!

 8)

Zu finden auf Englisch gesammelt in "Robert E. Howard: The Complete Chronicles of Conan". (Alle Conan-Stories von Howard, in chronologischer Reihenfolge der Veröffentlichung.)



So. Genug der Fremdwerbung.  ;)

Offline Llyren

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #27 am: 22. April 2012, 19:24:39 »
üBeRSCHReiTeN
Also anfangs hatte ich ja tatsächlich gedacht, dass Tobias seinen Barbaren gleich am Anfang sterben lässt, um uns dann im Rest des Buches zu beschreiben, wie es dazu gekommen ist.
Andererseits hätte es mich doch sehr gewundert, wenn der Barbar so vollkommen ohne Gegenwehr einfach hinrichten lässt. Hat er ja dann auch nicht  ;D
Indencrons (ein seltsamer Name, irgendwie. Klingt fast so, als müsste er eine Bedeutung haben) Perspektive fand ich dabei gut gewählt. Eher neutraler bis entsetzter Beobachter.
Und vielleicht bin ich dem Barbaren gegenüber auch noch zu positiv eingestellt, aber ich habe nichts explizit gefunden, wo er die Zuschauer abschlachtet. Die Bütten, klar. Den Henker, auch klar. Die Armbrustschützen natürlich auch. Es sterben mit Sicherheit auch eine ganze Reihe Menschen in der ganzen Panik und dem Gedränge und vielleicht auch zufällig von seiner Hand. Aber gezielt erschlagen? War nicht mein Eindruck.
Nicht, dass ich es verdenken könnte, ehrlich gesagt. Dieses ganze Hinrichtungs-Volksfest ekelt mich immer unheimlich an. Öffentliche Hinrichtung? Schlimm genug, aber als Abschreckung vermutlich effektiv. Aber dieses Vergnügen und sich ergützen am Sterben anderer Menschen? Nein, das finde ich einfach unmöglich.

MiSSaCHTeN
Dieses Kapitel fand ich insofern ganz interessant, als ich meinen Eindruck des Barbaren doch deutlich revidieren musste. Hier kommt ganz deutlich seine Wildheit und ein gewisses primitives Wesen (ohne das jetzt abfällig zu werten) durch. Allerdings war die Szene mit der alten Frau dann doch eher befremdlich...

BeDRäNGeN
Hm. Da hätte ich ja eigentlich gedacht, dass sie mit ihrer Sorge übertreibt. Mal abgesehen davon, dass eine verschlossene Tür dem Barbaren wohl ohnehin nicht standgehalten hätte. Und dann kommt er ihr doch noch nach. Allerdings erst nach einer ganzen Weile, oder habe ich das missverstanden?
Was genau er mit ihr angestellt hat, wird uns nicht geschildert und ehrlich gesagt bin ich darüber auch ganz froh.
Nur wo kommt denn auf einmal ihr Liebhaber her? Der wollte doch an diesem Tag gar nicht da sein? Oder hat er es sich anders überlegt?

STeHLeN
Okay, unser Barbar kann also doch um einiges taktischer denken, als ich bisher angenommen hatte. Aber sind wir mal ehrlich: Wenn ich einen Dieb anheure, nehme ich dann einen riesenhaften Hünen? Da würde ich doch eher auf einen unauffälligeren, geschickteren Typen tippen. Wobei der Barbar natürlich um einiges geschickter und lautloser ist als man ihm zutrauen möchte.
Sehr beeindruckt hat mich, dass er nicht sofort Rache übt, sondern einsieht, dass er im Moment mit einer Flucht besser bedient ist. Hätte ich so nicht erwartet. Üblich ist hier ja eher der stolze Narr, der, auf seine Ehre pochend, zur Vergeltung ausholt und dann dabei den Tod findet. Allerdings habe ich den Eindruck, dass er ein langes Gedächtnis hat, was Menschen angeht, die ihn mal hintergangen haben.
Und dass er das Mädchen befreit - besonders mit der Begründung im Hinterkopf - fand ich sehr schön glaubwürdig beschrieben.
Even when reading is impossible, the presence of books acquired produces such an ecstasy that the buying of more books than one can read is nothing less than the soul reaching towards infinity... We cherish books even if unread, their mere presence exudes comfort, their ready access reassurance.

Offline roulade

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #28 am: 22. April 2012, 22:28:02 »
Dass sie noch am Leben ist, glaube ich nicht. Da hätte ihr Geliebter in meiner Vorstellung anders reagiert, hätte vielleicht eine Truppe zusammengestellt und wäre besser vorbereitet gewesen. So aber wirkt sein Angriff wie eine Tat im Affekt, im Schock auf das, was seiner Geliebten zugestoßen ist.

Woher weiß er aber, wenn sie tot ist, wer es getan hat?

Deshalb meine Vermutung/Hoffnung: Sie wurde "nur" vergewaltigt, hat ihrem Geliebten erzählt, was passiert ist und der ist wutentbrannt dem Bedränger nachgeritten, um sie zu rächen.

Offline Peinapfel

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Re: 01 - üBeRSCHReiTeN, MISSaCHTeN, BeDRäNGeN, STeHLeN
« Antwort #29 am: 22. April 2012, 22:35:06 »
Dass sie noch am Leben ist, glaube ich nicht. Da hätte ihr Geliebter in meiner Vorstellung anders reagiert, hätte vielleicht eine Truppe zusammengestellt und wäre besser vorbereitet gewesen. So aber wirkt sein Angriff wie eine Tat im Affekt, im Schock auf das, was seiner Geliebten zugestoßen ist.

Woher weiß er aber, wenn sie tot ist, wer es getan hat?

Er sieht doch den Rock und die Ohrringe am Barbaren und erkennt ihn dadurch als Täter.

Ich denke er kam am nächsten Tag wieder zur üblichen Uhrzeit, hat ihre Leiche entdeckt und ist dann losgeritten in Richtung Stadt. Auf dem Weg entdeckt er den Barbaren mit der Kleidung seines Mädchens und rastet aus.

Nur wo kommt denn auf einmal ihr Liebhaber her? Der wollte doch an diesem Tag gar nicht da sein? Oder hat er es sich anders überlegt?

Der Liebhaber kommt ja erst am nächsten Morgen wieder. Mir kam es so vor als ziehe sich die Szene mit dem im Haus eingesperrten Mädchen über einen ganzen Tag und der Barbar dringt erst gegen Abend ins Haus ein.
« Letzte Änderung: 22. April 2012, 22:41:09 von Peinapfel »