Hier kommt auch endlich mein Fazit:
Zum Buch: Wie bereits
Die Stunde des Schakals ist dieses Buch nicht nur ein sehr spannender Krimi, sondern es verbergen sich hinter der kriminalistischen Handlung politische Gegebenheiten aus Namibia. Im Brennpunkt steht diesmal eine aktuelle, aber umstrittene Landreform, die das Besitzgefälle in Namibia zugunsten der Armen verändern soll. Deutschstämmige Farmer sollen enteignet werden, wehren sich dagegen und sind Opfer von Sabotageakten, deren Ziel offenbar die Beschleunigung der Enteignung ist. Bei einem dieser Sabotageakte kommt der Besitzer der Farm
Steinland zu Tode...
Sehr geschickt und einfühlsam gelingt es Bernhard Jaumann, das Geflecht der Interessen der unterschiedlichen Beteiligten nach und nach zu beleuchten. Auch der Leser, der sich mit den Verhältnissen in Namibia nicht so gut auskennt, kann Verständnis für beide Seiten entwickeln: einerseits die besitzlosen Schwarzen, die noch 20 Jahre nach der Unabhängigkeit ihr Leben in dem ehemaligen Township Katutura fristen und mehr schlecht als recht über die Runden kommen. Auf der anderen Seite stehen die weißen Farmer, die mittlerweile in der 3. oder 4. Generation auf ihrem Land leben und es inzwischen als ihre Heimat ansehen. Die kursiv gedruckten Rückblicke, die Einblicke in die Familiengeschichte der Rodensteins geben, machen diesen Teil der Geschichte des Landes deutlich und tragen dabei zum Verständnis für die weißen Farmer bei, die das karge, trockene Land durch harte Arbeit zumindest so bewirtschaften, daß sie davon leben und einen Beitrag zu Versorgung des Landes leisten können. Das erweckt die Begehrlichkeit von gewissen Elementen, die die Landreform offenbar nur benutzen wollen, um sich selbst zu bereichern.
Das Buch wird keinen Moment langweilig und hält jede Menge unerwartete Wendungen bereit. Die Einblicke in verschiedene Aspekte des Lebens in Namibia sind wieder sehr interessant. Diesmal liegt der Fokus auf dem Leben der weißen Farmer. Das Leben in Katutura und in Clemencias Familie spielt nicht ganz so eine große Rolle wie in
Stunde des Schakals. Dafür erhält ihre Beziehung zu Claus Tiedtke (der eine meiner Lieblingsfiguren ist) mehr Gewicht und Dynamik. Auch die Gemengelage zwischen Clemencia und ihren Kollegen wartet mit einigen Überraschungen auf. Offenbar gibt es bei der Polizei einen Maulwurf und Clemencia weiß nicht, wem sie noch trauen kann. Aus diesem Grund kann sie den Fall nicht aus der Hand geben, wie sie eigentlich sollte, da sie persönlich tiefer in die Ermittlungen verstrickt ist, als sie es für möglich hielt. Die Einblicke in die Arbeitsweise der namibischen Polizei sind auch wieder sehr lesenswert.
Alle Details rund um den Todes- und Entführungsfall Rodenstein und die nachfolgenden Mordfälle sind so genau und sparsam geschildert, daß der Leser Raum für Spekulationen bekommt, immer wieder Vermutungen hegt, aber dennoch nicht unbedingt auf die richtige Spur gebracht wird. Am Ende wird alles plausibel aufgelöst und obwohl man als Leser gemeinsam mit Clemencia möglicherweise mit der Art der Lösung ein wenig unzufrieden ist, scheint das Ende doch pragmatisch-realistisch und diese Unzufriedenheit gilt keineswegs für das Buch als solches.
Zur Leserunde:Zwar hat mir das Lesen und der Meinungsaustausch wie immer Spaß gemacht. Allerdings hätte ich gern noch ein paar mehr Meinungen zum Buch gelesen. Ich finde es extrem schade, daß diese Leserunde so klein war!

Ich weiß ja nicht, was das für widrige Umstände sind, die Aldawen erwähnt, aber ich finde es sehr unschön, wenn von den anfangs angemeldeten Lesern (die sowieso nicht viele waren) dann nur noch dreieinhalb übrigbleiben...

Gerade bei so einer kleinen Runde fehlt mir dafür ehrlich gesagt ein bißchen das Verständnis. Dieses Buch hätte wesentlich mehr Leser verdient.
Umso mehr möchte ich mich bei Bernhard bedanken, der sich trotzdem Zeit für uns genommen hat. Und zwei Bitten hätte ich noch an Bernhard: 1.) ich würde gern noch einen weiteren Clemencia-Krimi lesen und 2.) etwas länger darf er auch sein, denn dieser war zwar rund und perfekt, aber ich hätte sehr gern noch mehr Zeit mit Clemencia in Namibia verbracht!

Viele Grüße, kaluma