Na, hier ging's ja jetzt drunter und drüber! Also, mal sehen ...
Shilongo hat irgendwelche Interessen in Bezug auf Steinland, sonst hätte er auf Claus' Fragen nicht so cholerisch reagieren müssen. Auch wenn er vielleicht einfach so veranlagt ist und weiße Journalisten sowieso zum Kotzen findet, wäre diese Reaktion doch übertrieben. Daß er seinen Neffen für ein Verkaufsangebot vorgeschickt hat, ist denkbar und naheliegend. Aber damit hat er eine so breite Spur zu sich gelegt, daß ich fast gewillt bin zu vermuten, daß er nicht hinter den Killern steckt, die Tobias und Operi auf dem Gewissen haben. Ich würde darauf zwar keine größeren Beträge verwetten, aber irgendwie ergäbe das für mich keinen Sinn, damit machte der Minister sich, SWAPO hin oder her, doch extrem angreifbar. Wenn es also nicht Shilongo ist, der hinter den Killern steht, wer dann?
Die Erklärung, daß Tjikundu die undichte Stelle ist, klingt auf Grund der Zusammenhänge zunächst einmal plausibel. Ich würde Robinson sogar zutrauen, daß er tatsächlich versucht, wie von Clemencia verlangt, Tjikundus Handy zu kontrollieren, wenn auch nicht, um ihr einen Gefallen zu tun, sondern weil es ihm einfach Spaß machen würde, einen Schwarzen in die Pfanne zu hauen. Und weil er damit natürlich nach dem verpatzten Abliefern bzw. Nicht-Abliefern von Clemencia bei Oshivelo wieder ein paar Punkte gut machen könnte, wenn sich der Verdacht bestätigt. Das hielte ich nicht für abwegig. In diesem Zusammenhang habe ich, nicht zum ersten Mal aber besonders, Angula schmerzlich vermißt. Der fehlt hier einfach an allen Ecken und Enden. Wahrscheinlich hätte er mit seiner ruhigen Beobachtungsgabe schon früher so etwas geahnt.
Die Farmer versteifen sich auf ihre Geschichte. Das ist natürlich verständlich, denn ihr Verhalten ist nicht nur für sie sondern auch die übrigen weißen Farmer keineswegs hilfreich. Trotzdem stellt sich die Frage, warum sie angesichts der Beweislage bei der vorgetäuschten Entführung so krampfhaft daran festhalten? Was haben sie damit noch zu gewinnen? Oder: Wen müssen sie decken? Drei Leichen, alle so aus nächster Nähe erschossen, daß man das Gehirn im Umkreis aufsammeln muß ... Sollte da vielleicht eine Verbindung bestehen? Sollten die beiden Killer auch Gregor Rodenstein umgebracht haben? Wer würde daran und warum ein Interesse haben, davon profitieren? Der Minister nicht, das würde also durchaus dafür sprechen, daß meine obige Vermutung ihn betreffend stimmt. Also vielleicht doch eine geplante Gemeinschaftsaktion der Farmer, weil Gregor zum „Verräter“ zu werden drohte? Dann würde auch der Telefonanruf mit der Warnung ins Bild passen, der dann nämlich von den beiden Killern gekommen wäre. Und das würde auch erklären, warum diese beiden so dahinter her sind, die drei Jungs umzubringen: Die könnten sie ja identifizieren. Stellt sich aber die Frage: Würden weiße Farmer tatsächlich Schwarze für so eine Aktion anheuern und sich vor allem vorab selber mit Überfällen drangsalieren lassen? Wie ich es auch drehe und wende, irgendein Aspekt ist immer dabei, der nicht ins Bild paßt.
Naja, wenigstens hat Clemencia Melvin wiedergefunden und im letzten Abschnitt muß sich ja jetzt klären, wie das alles zusammenhängt und auseinanderfällt

Was mich im übrigen auch beruhigt hat: Claus hat seinen Denkapparat wieder in Betrieb genommen und sich klar gemacht, warum er eher bereit ist, weißen Farmern als einem SWAPO-Minister (und auch wenn er es in dem Moment nicht gedacht hat: erst recht einem Tsotsi) zu glauben. Tja, Rassismus ist ein Übel, in das auch wohlmeinende und vernünftige Leute verfallen können.
Was mir noch aufgefallen ist, für die Handlung zwar nicht von sonderlicher Relevanz, mich aber interessiert: Clemencias Nachname wird immer als Garises angeben und Melvins als Gariseb. Ist das eine Besonderheit, daß zwischen männlichen und weiblichen Formen von Nachnamen unterschieden wird? Dabei ist mir bewußt geworden, daß ich mich noch gar nicht gefragt habe, zu welcher Volksgruppe Clemencia und ihre Familie eigentlich gehören ...?