Ich habe es auch gerade eben zuende gelesen und muß es wohl erst mal setzen lassen - für ausführlichere Gedanken bin ich im Moment zu müde.
Darauf, daß Gregor Rodenstein Selbstmord begangen hat, wäre ich nicht gekommen. Im Nachhinein gesehen ist es die plausibelste Variante und erklärt auch die Verbissenheit, mit der die Farmer an ihrer Lügengeschichte festhielten: es war der Zorn, der sie antrieb.
Der Showdown an dem Grab war ja sehr spannend, und alles war haarscharf: wie Tjikundu noch im letzten Moment die Seiten gewechselt hat. Als er sagte, Robinson würde jederzeit für Recht und Gesetz sterben, läuteten bei mir alle Alarmglocken.
Die SIM-Karten aus den Handys muß er ja wahnsinnig schnell entfernt haben, er hat sich doch nur ganz kurz zu den beiden Toten heruntergebeugt. Ich schätze mal, ich würde dafür mindestens eine halbe Stunde brauchen. Ziemlich kaltblütig von ihm.
Der Handel und die allgemeine Vertuschung am Ende gefällt mir genausowenig wie dir, Aldawen. Aber ich sehe keine Möglichkeit für Clemencia, daran etwas zu ändern und ob das am Ende irgendwem etwas nutzen würde, ist auch fraglich. Für die wahrheitsliebende Clemencia ist das schon sehr hart.
Daß Claus so gehandelt hat, ist für mich verständlich, er hat ja einen anderen Blickwinkel als Clemencia. Vielleicht hat er auch geahnt, daß sie es ihm übelnehmen würde, und es trotzdem getan, weil er es für das Richtige hielt letztlich auch für sie. Wenn die Beziehung der beiden darüber in die Brüche geht, nun, dann ist es halt so. Besser so, als würde sich einer von beiden ewig verbiegen müssen.
Der aalglatte neue Minister Kawanyama ist mir zwar persönlich unsympathisch, aber in einer Sache muß ich ihm Recht geben. Nach dem, was ich weiß, halte ich diese Enteignungsaktionen auch nicht wirklich für geeignet, um die Lage der vielen Mittellosen im Land zu verbessern. Wenn das Land nicht geeignet ist, in Parzellen aufgeteilt viele zu ernähren, muß man eben andere Möglichkeiten finden. Daß er wirklich vorhat, etwas zu verbessern, nehme ich ihm ab und daß er zu seiner unpopulären Meinung steht, finde ich auch gut.
In der Geschichte, die Schroeder am Anfang aufgetischt hat, heißt es: „Der Tsotsi, der einen halben Kopf kleiner war, stand schräg hinter ihm, hielt ihm das Gewehr an die Schläfe und brüllte: »Ich knalle ihn ab, wenn ihr nicht ...« Er beendete seinen Satz nicht einmal, oder?“ (S. 19 f.) Wenn der Tsotsi Gregor also tatsächlich von schräg hinten gegen die Schläfe erschossen hätte, müßte das Ergebnis nicht anders aussehen als ein Schuß von unten durch Kinn und Mundhöhle selbst bei Schüssen auf praktisch keine Entfernung? Und wenn es „nur“ Schmauchspuren auf der Kleidung sind. Hätte das nicht den Polizisten, also auch Clemencia, auffallen müssen/können/sollen?
Das könnte möglich sein, aber dazu müßte man wohl forensischer Experte sein. Vielleicht wurde auch zuviel vom Schädel zerstört, ich weiß es nicht. Oder Schroeder hätte nachträglich einfallen können, daß Gregor sich in letzter Sekunde zu seinem "Mörder" umgedreht hat und halb von vorn erschossen wurde.
Eines ist Clemencia ja aufgefallen, nämlich daß Gregor Rodenstein viel zu nahe an dem Gestell mit dem Solarpaneel lag, als es nach Schroeders Geschichte hätte liegen müssen. Interessant, wie solche Details nachträglich noch einen Sinn ergeben.