Leserundenarchiv > Bernhard Jaumann – Steinland
3 – Kapitel 3 (S. 99 – 149)
Aldawen:
Hier könnt Ihr zum dritten Kapitel schreiben.
Spoilermarkierungen sind auf Grund der Beschränkung nicht vorgesehen.
Aldawen:
Es wird immer mysteriöser! Kausiku wurde nur befreit, um sofort beseitigt zu werden, da stellt sich also tatsächlich die Frage, wer dahintersteckt. Wahrscheinlich hätte er wirklich etwas ausplaudern können, vielleicht aber auch nicht und es handelt sich „lediglich“ um eine Vorsichtsmaßnahme aus Sicht der Täter. Unangenehm daran sind vor allem die Konsequenzen für Melvin. Das hilft Clemencias Nervenkostüm nun sicher überhaupt nicht. Und besonders ärgerlich, daß ihr die Typen zweimal knapp durch die Lappen gegangen sind. Dabei kann man den Tanten kaum einen Vorwurf machen, schließlich sind sie für solche Aufgaben auch nicht ausgebildet. Und wäre die Straße ordentlich abgeriegelt worden, wie von Clemencia angeordnet, dann wäre es vielleicht auch nicht schief gegangen.
Unterdessen macht Claus auch ein paar interessante Entdeckungen. Wenn er und Clemencia ihre Erkenntnisse zusammenwerfen und ihre unterschiedlichen Informationskanäle und -möglichkeiten weiter ausschöpfen, dann könnte das sehr nützlich sein. Daß der Minister über einen Verwandten als Strohmann bereits versucht hat, die Farm zu kaufen, ist zumindest auffällig. Historisch begründet kann das ja kaum sein, denn wenn der Fahrer Ovambo ist, ist es sein Ministeronkel ja wohl auch, und Ovamboland liegt schließlich ganz im Norden Namibias. Also liegt eher persönliche Bereicherung als Motiv nahe, aber dem Minister dürfte doch auch klar sein, daß die aktuelle Entwicklung seinem Ziel dann eher wenig förderlich ist. Gut, in seiner Position kann er sicher manches vertuschen, aber erst einmal muß dann doch einiges Gras darüber wachsen, daher kann die Gewalt und die Entführung eigentlich nicht in seinem Interesse liegen, aber wer weiß das schon? Nur, weil Kawanyama das „offiziell“ so sieht, muß es noch lange nicht wahr sein. Irgendwie hat er dann das Gespräch doch auch etwas arg abrupt beendet. Hm ...
Ein paar Dinge kann ich mir noch nicht erklären. Mit Clemencia frage ich mich, was die beiden Kausiku-Befreier bei der Gegendemonstration wollten und inwieweit sie vielleicht für diese verantwortlich waren. Ihr Auftauchen genau dort, aber so postiert, daß sie sich unauffällig aus dem Staub machen können, ist jedenfalls mehr als auffällig. Welche Rolle spielt Minister Shilongo in der ganzen Angelegenheit? Und wen will Elsa Rodenstein in der Nacht treffen? Andernfalls müßte sie nicht so darauf achten, daß Robinson schläft, und vor allem ergibt sonst der Satz Ob unter den Bäumen dort ein Mensch wartete, war noch nicht zu erkennen keinen Sinn. Wenn man es noch nicht erkennen kann, impliziert das für mich, daß man dort aber jemanden erwartet. Aber wen? Mit einem Nachbarfarmer würde sich Elsa doch auch tagsüber treffen können, ohne daß sich jemand darüber wundern würde, dafür ist solche Heimlichkeit nicht nötig. Aber wer ist es dann? Vielleicht Thomas, der gar nicht entführt wurde, sondern sich versteckt hält? Haben die Farmer vielleicht auch die Email „getürkt“, um Aufmerksamkeit zu erzielen? Dagegen spräche zwar der Anschein, den Elsa im Gespräch mit Claus erweckt hat, aber das kann schließlich auch Tarnung sein. Und irgendwie habe ich das Gefühl, daß Inke Rodenstein und besonders die Umstände um ihren Tod nicht einfach so erzählt wurden, auch wenn ich mir noch keinen Reim darauf machen kann, wie das zu den aktuellen Ereignissen in Beziehung steht.
irismaria:
Ich habe eben vorm Aufstehen den Abschnitt zuende gelesen - wieder waren Überraschungen dabei!
Du, Aldawen, hast alles ja schon so gut beschrieben, da schreibe ich am besten meine Anmerkungen direkt dazu:
--- Zitat von: Aldawen am 24. April 2012, 20:03:37 ---Es wird immer mysteriöser! Kausiku wurde nur befreit, um sofort beseitigt zu werden, da stellt sich also tatsächlich die Frage, wer dahintersteckt. Wahrscheinlich hätte er wirklich etwas ausplaudern können, vielleicht aber auch nicht und es handelt sich „lediglich“ um eine Vorsichtsmaßnahme aus Sicht der Täter. Unangenehm daran sind vor allem die Konsequenzen für Melvin. Das hilft Clemencias Nervenkostüm nun sicher überhaupt nicht. Und besonders ärgerlich, daß ihr die Typen zweimal knapp durch die Lappen gegangen sind. Dabei kann man den Tanten kaum einen Vorwurf machen, schließlich sind sie für solche Aufgaben auch nicht ausgebildet. Und wäre die Straße ordentlich abgeriegelt worden, wie von Clemencia angeordnet, dann wäre es vielleicht auch nicht schief gegangen.
--- Ende Zitat ---
Tja, die Befreiungsaktion Kalumas diente tatsächlich wohl dazu, einen Mitwisser auszuschalten. Für Melvin heißt das nichts Gutes. Er und der entführte Farmerssohn bleiben verschollen - auch das ist kein gutes Zeichen. Die Täter sind vermutlich in höheren Kreisen zu sehen und die ganze Aktion soll wohl die Farmer mürbe machen und zum Weggehen animieren.
--- Zitat von: Aldawen am 24. April 2012, 20:03:37 ---Unterdessen macht Claus auch ein paar interessante Entdeckungen. Wenn er und Clemencia ihre Erkenntnisse zusammenwerfen und ihre unterschiedlichen Informationskanäle und -möglichkeiten weiter ausschöpfen, dann könnte das sehr nützlich sein. Daß der Minister über einen Verwandten als Strohmann bereits versucht hat, die Farm zu kaufen, ist zumindest auffällig. Historisch begründet kann das ja kaum sein, denn wenn der Fahrer Ovambo ist, ist es sein Ministeronkel ja wohl auch, und Ovamboland liegt schließlich ganz im Norden Namibias. Also liegt eher persönliche Bereicherung als Motiv nahe, aber dem Minister dürfte doch auch klar sein, daß die aktuelle Entwicklung seinem Ziel dann eher wenig förderlich ist. Gut, in seiner Position kann er sicher manches vertuschen, aber erst einmal muß dann doch einiges Gras darüber wachsen, daher kann die Gewalt und die Entführung eigentlich nicht in seinem Interesse liegen, aber wer weiß das schon? Nur, weil Kawanyama das „offiziell“ so sieht, muß es noch lange nicht wahr sein. Irgendwie hat er dann das Gespräch doch auch etwas arg abrupt beendet. Hm ...
--- Ende Zitat ---
Dank Claus´ Kontakte wird klar, dass scheinbar sogar der Minister selbst mit drinhängt. Da wird Frau Rodenstein wenig Chancen haben, ihre Farm behalten zu können, denn der Minister hat sicher seine Mittel. Dieser Konflikt wird sicher nicht friedlich ausgetragen...
--- Zitat von: Aldawen am 24. April 2012, 20:03:37 ---Ein paar Dinge kann ich mir noch nicht erklären. Mit Clemencia frage ich mich, was die beiden Kausiku-Befreier bei der Gegendemonstration wollten und inwieweit sie vielleicht für diese verantwortlich waren. Ihr Auftauchen genau dort, aber so postiert, daß sie sich unauffällig aus dem Staub machen können, ist jedenfalls mehr als auffällig. Welche Rolle spielt Minister Shilongo in der ganzen Angelegenheit? Und wen will Elsa Rodenstein in der Nacht treffen? Andernfalls müßte sie nicht so darauf achten, daß Robinson schläft, und vor allem ergibt sonst der Satz Ob unter den Bäumen dort ein Mensch wartete, war noch nicht zu erkennen keinen Sinn. Wenn man es noch nicht erkennen kann, impliziert das für mich, daß man dort aber jemanden erwartet. Aber wen? Mit einem Nachbarfarmer würde sich Elsa doch auch tagsüber treffen können, ohne daß sich jemand darüber wundern würde, dafür ist solche Heimlichkeit nicht nötig. Aber wer ist es dann? Vielleicht Thomas, der gar nicht entführt wurde, sondern sich versteckt hält? Haben die Farmer vielleicht auch die Email „getürkt“, um Aufmerksamkeit zu erzielen? Dagegen spräche zwar der Anschein, den Elsa im Gespräch mit Claus erweckt hat, aber das kann schließlich auch Tarnung sein. Und irgendwie habe ich das Gefühl, daß Inke Rodenstein und besonders die Umstände um ihren Tod nicht einfach so erzählt wurden, auch wenn ich mir noch keinen Reim darauf machen kann, wie das zu den aktuellen Ereignissen in Beziehung steht.
--- Ende Zitat ---
Sollte die Regierung beteiligt sein, könnte sie auch die Gegendemo organisiert haben um die Farmer einzuschüchtern und Stimmung gegen sie zu machen.
Das nächtliche Treffen ist mir auch ein Rätsel - vielleicht hat der Entführer geheim Kontakt aufgenommen und plant etwas hinter dem Rücken der Polizei?
Ich finde das Buch übrigens weiterhin ganz klasse!
Bernhard Jaumann:
--- Zitat von: Aldawen am 24. April 2012, 20:03:37 --- Daß der Minister über einen Verwandten als Strohmann bereits versucht hat, die Farm zu kaufen, ist zumindest auffällig. Historisch begründet kann das ja kaum sein, denn wenn der Fahrer Ovambo ist, ist es sein Ministeronkel ja wohl auch, und Ovamboland liegt schließlich ganz im Norden Namibias. Also liegt eher persönliche Bereicherung als Motiv nahe, aber dem Minister dürfte doch auch klar sein, daß die aktuelle Entwicklung seinem Ziel dann eher wenig förderlich ist.
--- Ende Zitat ---
Völlig richtig, Ovamboland liegt im Norden, aber die Ovambos sind nun auch die absolut dominierende Ethnie in der SWAPO, und die anderen namibischen Stämme wie Hereros, Namas und Damaras beschweren sich oft darüber, dass sich unter dem Deckmantel allgemein-namibischer Interessen die Ovambos in Gebieten und Bereichen ausbreiten, in denen sie historisch nie etwas zu suchen hatten. Das ist ein Konflikt, der bei der dominanten Schwarz-Weiß-Problematik oft vergessen wird und auch mal einen Roman verdient hätte (wenn es denn jemanden in Deutschland interessieren würde).
--- Zitat von: Aldawen am 24. April 2012, 20:03:37 ---Und irgendwie habe ich das Gefühl, daß Inke Rodenstein und besonders die Umstände um ihren Tod nicht einfach so erzählt wurden, auch wenn ich mir noch keinen Reim darauf machen kann, wie das zu den aktuellen Ereignissen in Beziehung steht.
--- Ende Zitat ---
Ja, eine Rolle spielt das schon, aber vielleicht in einem viel indirekteren Sinne, als du das vermutest. Mit den kursiven Zwischenstücken ging es mir auch darum, die Familiengeschichte der Rodensteins (die sich aus Versatzstücken realer Deutsch-Südwester-Geschichten zusammensetzt) greifbar zu machen und damit auch zu erklären, wieso sie so an ihrem Land hängen und wie so ein Konzept wie Heimat eigentlich entsteht.
kaluma:
Dieser Abschnitt kam mir sehr lang vor, obwohl er eigentlich nicht länger als die anderen war.
Daß Tobias Kausiku gleich kurzerhand von seinen Befreiern ermordet wurde, hat mich überrascht. Damit er der Polizei nichts erzählt, hätte es doch gereicht, ihn zu befreien und untertauchen zu lassen. Dann muß er ja etwas sehr Brisantes wissen, wenn seine Kameraden ihm nicht trauen - vorausgesetzt, die beiden sind wirklich seine Kameraden. Ich finde die beiden ja sehr mysteriös - wie sie immer wieder auftauchen und verschwinden! So ein Pech, daß sie Clemencia immer wieder durch die Lappen gehen. (Allerdings erhöht das natürlich die Spannung.) Die Tanten haben hier nicht gerade geglänzt, ich wäre an Clemencias Stelle ziemlich genervt gewesen - freilich sind sie ja auch keine ausgebildeten Polizisten.
Daß die beiden Killer nach Melvin fragen, erhärtet die Vermutung, daß Melvin in die Sache verwickelt ist. Wo mag er sein? Langsam könnte es ein Lebenszeichen von ihm geben oder zumindest eine Spur seines Verbleibs. Er ist ja wie vom Erdboden verschluckt. Er muß sich doch mit seiner Bauchwunde in ärztliche Behandlung begeben haben, ansonsten könnte es gefährlich für ihn werden.
Claus´Recherchen fand ich sehr aufschlußreich. Dieser Minister wollte also die Farm Steinland kaufen. Als Claus diesen Mann befragte, der als "Nama" bezeichnet wurde, habe ich erstmal nachsehen müssen, was ein Nama ist, und mich ein bißchen über die verschiedenen Volksstämme in Namibia in Kenntnis gesetzt. Auch wieder so ein Thema, über das man nun stundenlang nachlesen könnte!
Überhaupt Claus: Wie er diesem Demonstranten im Krankenwagen vorgerechnet hat, was es konkret bedeuten würde, alle Weißen zu töten, fand ich herrlich. ;D 8) Ich mag Claus irgendwie.
Diese Rechnerei erinnerte mich an eine Stelle im Psalmenstreit von Maarten ´t Hart, wo die Hauptperson Roemer Stroombreker eine bestimmte Bibelstelle ganz ähnlich nachrechnet.
Dieser Kawanyama scheint ein aalglatter Typ zu sein. Aufgemerkt habe ich, als er sagte, nach dieser Entführungsgeschichte könnten die in der Erpressungsmail genannten Farmen nun nicht mehr enteignet werden (S. 125). Das ist ja ein höchst interessanter Aspekt - wäre es denkbar, daß doch die Farmer selber hinter der Sache stecken, mit dem Ziel, genau dies zu erreichen?
Aber wahrscheinlich gehe ich mit dieser Spekulation zu weit. Denn dann kann ich mir nicht erklären, wie diese beiden schwarzen Killer da hineinpassen sollten... etwa angeheuert von den Farmern? Das kann ich nicht wirklich glauben. ???
Allerdings würde diese Deutung zu dem Verhalten von Elsa Rodenstein passen, als sie nachts hinausgeht. Bei dem Satz Ob unter den Bäumen dort ein Mensch wartete..., mußte ich sofort an Thomas denken. Dann wäre auch klar, warum sie in der ersten Nacht (als sie an der Leiche ihres Mannes Wache hielt) keinen Gedanken an Thomas verschwendete.
Ob Inke Rodenstein vielleicht irgendwo da draußen einen Unterschlupf hatte, in dem Thomas sich jetzt versteckt? *spekulier*
Ich bin gespannt, wie das alles zusammenpaßt.
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