Ich gebe gerne ein paar Antworten:
Wer wie was warum hat Tilko von der Sekte in die Werbeagentur gewechselt?
Wer in einer Werbeagentur arbeitet, hat irgendwann keine Freizeit mehr, um Sektentreffen zu besuchen.
Was hatte die Sekte am Ende mit dem Ganzen zu tun? Stand sie nun in Zusammenhang mit der Werbeagentur oder hat sie einfach die Gelegenheit ergriffen, sich selbst und ihre kruden Ideen zu vermarkten?
Ja, ganz genau. Die Sekte ist ein Trittbrettfahrer.
Wie kam sie mit der Bombe in die Gottesfigur? Wie haben sie von der erfahren? Über Tilko?
Genau. Kurz bevor ihm die Zeit fehlte, zu Sektentreffen zu gehen, hat er es irgendwie verraten.
Warum Kerbil sie austricksen konnte, habe ich auch nicht verstanden. Den Abschnitt habe ich sogar zweimal gelesen. Warum glaubt ihm der Oberguru, der doch ganz genau wissen müsste, was in seinem Großen Fahrplan steht? Und was ist nicht von 1979? Was ist denn der "Große Fahrplan" jetzt überhaupt?
Kennt ihr noch die dicken Kursbücher, die es früher mal gab, und in denen alle Züge standen? So eins ist der "Große Fahrplan", hübsch in Leder gebunden. Nur der Hohepriester kann darauf Botschaften lesen - mit anderen Worten, er denkt sie sich aus. Wer hier Parallelen zu realen Religionen und deren heiligen Schriften sieht, dem kann ich nur sagen: Hey, von mir habt ihr das aber nicht!
Der Hohepriester wird von Kerbil einen Moment lang an der Nase rumgeführt (wenn das Böse keine Schwächen hätte, wäre es unbesiegbar - Beweis siehe jeden beliebigen Thriller oder Krimi), aber diese Zeitspanne genügt.
Warum haben sich Tilko und Walpar getrennt? Was sollte mir die Szene mit und seiner Oma sagen? Die empfinde ich im Nachhinein als vollständig überflüssig.
Sie dient der Einführung der zerrissenen Figur Tilko, außerdem hat es mir Spaß gemacht, die Sache mit dem Seniorenzentrum zu zeigen

Vieles in der Szene kann man erst im Nachhinein verstehen, denn der arme Mann kommt ja kaum zu Wort.
Noch mehr Anspielungen auf noch mehr Filme, mit denen ich nichts anfangen kann und langsam bekomme ich ein Gefühl dafür, wie es schokotimmi mit dem Rest des Buches ging.
"Hat jemand Marvin gesehen?" ist garantiert auch aus einem Film. "Stunde der Falken", "Tote schlafen fest" etc. kenne ich nicht. Und so ist auch die Auflösung mit Mr X (=der Namenlose) als MacGuffin (=der eigentlich unwichtige) für mich so naja, während ein Hitchcock-Fan sich vermutlich vor Lachen wälzen würde.
Das Buch enthält so viele Anspielungen an die Popkultur, dass 1. nicht jeder alles kennen kann und 2. jeder aber ein bisschen was wiedererkennt. Dieser Spagat ist unvermeidbar; mein Ziel war es aber natürlich, dass das Buch selbst dann lesenswert ist, wenn man nicht alle Anspielungen versteht.
Um ehrlich zu sein: Ihr habt hier im Laufe der Leserunde Anspielungen gefunden, die ich gar nicht reingeschrieben habe, d.h. die Ähnlichkeiten sind Zufall.
Ziel des Lesens sollte es m.E. nicht sein, eine möglichst hohe Prozentzahl auf der "na, alles erkannt?"-Skala zu erreichen. Das Buch soll unterhalten (und an den satirischen Stellen zum Nachdenken anregen).
Übrigens ist nicht Lang X der McGuffin, sondern sein "dunkles Geheimnis". Dies ist eine der Meta-Anleihen bei der Popkultur, die die Verwendung von MacGuffins aufs Korn nimmt. Das sind ja Einrichtungen der künstlichen Spannungserzeugung, die ein guter Autor nicht nötig haben sollte. Deshalb ist das dunkle Geheimnis auch am Ende tatsächlich irrelevant.
Viele von euch stellen fest, dass das Buch eine hohe Geschwindigkeit hat. Ein Hochgeschwindigkeits-SciFi-Abenteuer zu schreiben war genau meine Absicht, deshalb fehlt ein ausführlicher Blick auf persönliche Beziehungen zwischen Walpar und Tilko, aber auch auf Nera (die eigentlich eine sehr vielschichtige, verrückte Person ist), ja sogar auf Kerbil und seine Eltern, und nicht zuletzt auf Emmali Costello, die sich nach einem unfreiwilligen Quatling-Bad einbildet, einen Exterminierungsauftrag mit Ziel Walpar erhalten zu haben. Dass dieses Tempo nicht jedermanns Sache ist, kann ich gut nachvollziehen. Positioniert Walpar am entgegengesetzten Ende einer Skala, deren obere Regionen mit "George R. R. Martin" und "Tad Williams" markiert sind. Natürlich zeigt sich in dieser Grundanlage auch eine Ansicht des Autors bezüglich unseres Zeitgeistes. Schnell, schneller, bloß nicht nach hinten schauen, nach vorne schon gar nicht, bloß keine Zeit mit Tiefgang verschwenden, wir konsumieren immer nur Popkultur, die sich die ganze Zeit selbst zitiert. Daher ist der Roman auch im Präsens geschrieben (was ich ehrlich gesagt als gewagtes Experiment empfunden habe, aber keiner von euch hat sich dran gestört). Deshalb beginnt das Buch auch mit Popkultur-Zitaten und endet mit einem der berühmtesten überhaupt.
Tja, was soll ich noch sagen... vielleicht hier gar nix, sondern im Fazit-Thread?
