In dieser Geschichte bekommen wir endlich einmal einen Mann zu sehen, der kein Ken(rique) ist!
Damit möchte ich Deine Frage nach den "schönen Protas" beantworten, Aveleen: Ich finde Schönheit irgendwie langweilig, weil sie ganz und gar oberflächlich ist. Da Erotik aber naturgemäß UNTER die Oberfläche geht, müsste es eigentlich mehr um "Attraktivität" gehen, nicht nur um "Schönheit".
Warum also nicht mal einen Mann mit einem einnehmenden Gesicht, aber einer großen, markanten Nase? (Französischer Typus?) Oder eine Frau mit ein paar Pfunden zuviel, die aber ihre Weiblichkeit und Sinnenfreude nur noch mehr betonen? Oder mit einem interessanten Mund, die Zähne vielleicht mit Überbiss? Es gibt so unendlich viele Variationen von Attraktivität, es gibt sogar Komponenten, die überhaupt nicht zusammenzupassen scheinen, und dennoch eine faszinierende Gesamtwirkung haben - einfach nur "schön", "glatt" und "gepflegt" reicht mir einfach nicht, um mich zu reizen.
Und hier haben wir Ryan Lord, und sein Name ist zwar kitschig, aber seine Beschreibung auf S. 130/1 hebt ihn von allen anderen Männern in Deinem Buch ab: "Sein Gesicht war nicht glatt, sondern mindestens so uneben wie seine Stimme". Endlich, dachte ich, ein dreidimensionaler Mann!
Leider aber wieder nur eine unspannende Frau. Aber man kann nicht alles haben. Zumindest nicht im echten Leben.

Ich mochte das Lokalkolorit.
Ich dachte nach über den Luxus, der fast alle Deine Geschichten umweht. Macht Luxus Frauen erregter? Macht er Vorfreude? Verheißt er ein schönes Leben auch zwischen den sexuellen Vergnüglichkeiten? Oder handelt es sich hierbei eher um eine Konvention dieser Art von Literatur, die eben nur Angenehmes erzählen möchte? Nur
Traumhaftes vermitteln? Musst Du Dich eigentlich manchmal beim Schreiben zügeln oder sogar zensieren, oder bist Du so ein rundherum positiver Mensch, dass Du ausschließlich Angenehmes darstellen möchtest? In keiner Deiner Geschichten ist irgendjemand unglücklich. Keiner hat irgendein Problem. Alles schnurrt wie ein gutgeölter Motor.
Auf S. 135 wunderte ich mich über den Namen Lenno Frings. Der ist so dezidiert, und gleichzeitig würde nie ein Weltstar so heißen. Ist das jemand, den Du persönlich kennst, und dem Du als Insidegag hier mal eben zu Weltruhm verhilfst?
Insgesamt gefiel mir diese Geschichte von allen bislang am besten, und zwar aus rein persönlichen Gründen.
Ich kenne die von Dir beschriebene Situation nämlich ziemlich gut, bin schon mehrmals von extrem attraktiven Frauen interviewt worden, kann mich also mit "Ryan Lord" ein wenig identifizieren, auch wegen der viel zu langen Haare, denen ein Friseur guttun würde ...

Meine inzwischen zwölf Jahre währende Beziehung mit Melanie hat genau so angefangen: Sie kam zu mir nach Hause, um mich zu interviewen. Allerdings sind wir nicht schon während des Interviews übereinander hergefallen. Das Aufrechterhalten eines gewissen Scheins von Professionalität muss schon sein ...

Deine Prota dagegen scheint ihren Beruf nicht allzu ernst zu nehmen. (Man kann sich doch hinterher privat verabreden, doch erstmal sollte man das Interview in trockene Tücher bekommen ...)
Mein Lieblingssatz findet sich auf S. 149 unten:
Heute morgen hatten sich ihre Beine nahezu hölzern angefühlt. Das ist toll, weil er doch Holzbildhauer ist und Füße schnitzt, und ich hatte hier die Assoziation, dass seine Kunst darin besteht, sagenhafte Frauenbeine in Holz zu verwandeln, vermittels seines ...
Weidenruten-Zauberstabs. Dass sie ihn mit ihren Füßen befriedigte, passte dazu auch.
mir fällt auf, dass in dieser Leserunde ganz viele Smileys neue Bedeutungen bekommen, schaut mal den hier:

Tobias