So, dann presche ich mal jetzt voran (das muss dieses verdammte Testosteron sein ...

).
Ja, Aveleen, ich habe auch mit der Danksagung angefangen zu lesen und dabei auf der allerletzten Seite erfahren, dass das Papier, auf dem das Buch gedruckt wurde,
Lux Cream heißt. Ich kann mir kaum einen passenderen Papiernamen für ein erotisches Buch vorstellen! Glückwunsch!
Zur Geschichte:
Das Setting ist touristisch und luxuriös. Man erwartet, Don Johnson und Philip Michael Thomas zur Tür reinschlendern zu sehen.
Die Menschen sind schön, die Männerbrüste glatt, die Sixpacks ausmodelliert. Die Schwänze gigantisch. Es ist lustig, dass Frauenphantasien in dieser Hinsicht auch nicht origineller sind als Männerphantasien. Da wären dann eben die Brüste gigantisch.
Mir gefällt, wie die Tropfen sich lösen, gleich miniaturisierten Orgasmen. Oder kondensierten Vorschauen auf Unermessliches.
Mir gefällt, wie das Kleid an ihren Nippeln reizt.
Mir gefällt Ethans Rücksichtnahme (wie er das Obst auf Zimmertemperatur vorwärmt, bevor er ihren Körper damit belegt.)
Die Früchte hätten aber ruhig etwas exotischer sein können. Wie wäre es mit Sternfrucht? Mit ihren beinahe fleischigen Zacken zwischen den Schenkeln drapiert? Mit aggressiv farbiger Drachenfrucht? Oder knistrig umhüllter Physalis, die man erst freilegen muss, bevor sie ihre "Perle" darbietet?

Die Dialoge sind leider so unterirdisch, dass ich wünschte, niemand würde überhaupt etwas sagen. Hier könnte man literarisch deutlich mehr rausholen als das, was die Leute in Pornofilmen unter Anbahnung verstehen.
Gut finde ich, wie Du peinliche Umschreibungen der Geschlechtsteile umgehst. Das ist souverän. Selbst bei Norman Mailer habe ich mal absurden Quark gelesen wie (ich rekapituliere sinngemäß:) "sein Liebesobelisk drang vorwitzig in ihren gartenummantelten Schrein vor". Bei Dir ist das eine die Pussy und das andere der Schwanz. Und diese beiden verhalten sich zueinander.
Müssen sich zueinander verhalten. Können halt nicht anders. Alles übertrieben/eitel/gespreizt Ziselierte wird dadurch vermieden. Bravo.
Die Überraschung am Ende mit Lea könnte stärker sein, erotisch kitzliger, wenn auch diese Person nicht einfach nur über ihr makelloses Aussehen, sondern über etwas geistreich Gesagtes wirken dürfte.
Mein Lektor hätte mich übrigens getadelt, wenn ich, wie Du auf S. 12 ganz unten, innerhalb von nur drei Zeilen dreimal das Wort "Blick" verwendet hätte ...

Zusammenfassend:
Es geht viel um Macht. Das ist sehr interessant. Die Frau bestimmt über die Lust der Männer. Und obwohl diese voll erregt sind, verlieren sie nie ihre Contenance.
Ich fragte mich beim Lesen, was diese Geschichte eigentlich von Pornographie unterscheidet. Wo verläuft die Trennlinie Erotik/Porno? In der Darstellung erigierter Geschlechtsteile (wie es bei Filmen der Fall wäre) kann die Trennung offensichtlich nicht liegen.
Am Ende jedoch fiel mir auf, dass der eigentliche, konkrete "Akt" viel kürzer abgehandelt wird als das immense Vorspiel. Könnte das dann doch wieder eine Art von Anti-Pornographie sein? Weiblich geprägt? Und dann eben doch erotischer statt plumpes Rein-Raus?
Da bin ich auf die weiteren Geschichten gespannt, um das herauszufinden.
Und mein Lieblingssatz in dieser Geschichte:
S. 15:
Die Lust blieb, auch ohne seine Hand, so als hätte sie eine Erinnerung. 
Tobias