Autor Thema: 1. Geschichte: Sündige Früchte  (Gelesen 1192 mal)

Offline Annabas

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1. Geschichte: Sündige Früchte
« am: 07. März 2012, 22:04:05 »

Hallo miteinander,     

hier treffen wir uns ab dem 9. März 2012 zur Leserunde mit dem Buch "Purpurne Lust".
Ich begrüße alle Teilnehmer/innen und natürlich ganz besonders die Autorin Aveleen Avide, die uns hier begleiten wird.

Bitte lest Euch kurz vorher nochmal die Leserunden FAQs durch. Postet hier bitte erst, wenn Ihr angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder Fragen habt. Die Beiträge „Buch liegt bereit, ich fange heute abend an“ ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.
 
Hier könnt Ihr zur ersten Geschichte "Sündige Früchte" schreiben.
Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.

Falls Ihr wegen der Anrede unsicher seid: Die Autorin darf mit "Du" angeredet werden.   :)

Ich wünsche uns allen viel Spaß beim Lesen!

Viele Grüße von Annabas  :winken:
:lesen:   "Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten." Rabindranath Tagore (1861-1941)

Offline Tobias O. Meißner

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #1 am: 09. März 2012, 08:33:50 »
So, dann presche ich mal jetzt voran (das muss dieses verdammte Testosteron sein ...  :D).

Ja, Aveleen, ich habe auch mit der Danksagung angefangen zu lesen und dabei auf der allerletzten Seite erfahren, dass das Papier, auf dem das Buch gedruckt wurde, Lux Cream heißt. Ich kann mir kaum einen passenderen Papiernamen für ein erotisches Buch vorstellen! Glückwunsch!

Zur Geschichte:
Das Setting ist touristisch und luxuriös. Man erwartet, Don Johnson und Philip Michael Thomas zur Tür reinschlendern zu sehen.
Die Menschen sind schön, die Männerbrüste glatt, die Sixpacks ausmodelliert. Die Schwänze gigantisch. Es ist lustig, dass Frauenphantasien in dieser Hinsicht auch nicht origineller sind als Männerphantasien. Da wären dann eben die Brüste gigantisch.
Mir gefällt, wie die Tropfen sich lösen, gleich miniaturisierten Orgasmen. Oder kondensierten Vorschauen auf Unermessliches.
Mir gefällt, wie das Kleid an ihren Nippeln reizt.
Mir gefällt Ethans Rücksichtnahme (wie er das Obst auf Zimmertemperatur vorwärmt, bevor er ihren Körper damit belegt.)
Die Früchte hätten aber ruhig etwas exotischer sein können. Wie wäre es mit Sternfrucht? Mit ihren beinahe fleischigen Zacken zwischen den Schenkeln drapiert? Mit aggressiv farbiger Drachenfrucht? Oder knistrig umhüllter Physalis, die man erst freilegen muss, bevor sie ihre "Perle" darbietet?  :banane:
Die Dialoge sind leider so unterirdisch, dass ich wünschte, niemand würde überhaupt etwas sagen. Hier könnte man literarisch deutlich mehr rausholen als das, was die Leute in Pornofilmen unter Anbahnung verstehen.
Gut finde ich, wie Du peinliche Umschreibungen der Geschlechtsteile umgehst. Das ist souverän. Selbst bei Norman Mailer habe ich mal absurden Quark gelesen wie (ich rekapituliere sinngemäß:) "sein Liebesobelisk drang vorwitzig in ihren gartenummantelten Schrein vor". Bei Dir ist das eine die Pussy und das andere der Schwanz. Und diese beiden verhalten sich zueinander. Müssen sich zueinander verhalten. Können halt nicht anders. Alles übertrieben/eitel/gespreizt Ziselierte wird dadurch vermieden. Bravo.
Die Überraschung am Ende mit Lea könnte stärker sein, erotisch kitzliger, wenn auch diese Person nicht einfach nur über ihr makelloses Aussehen, sondern über etwas geistreich Gesagtes wirken dürfte.
Mein Lektor hätte mich übrigens getadelt, wenn ich, wie Du auf S. 12 ganz unten, innerhalb von nur drei Zeilen dreimal das Wort "Blick" verwendet hätte ... ;)

Zusammenfassend:
Es geht viel um Macht. Das ist sehr interessant. Die Frau bestimmt über die Lust der Männer. Und obwohl diese voll erregt sind, verlieren sie nie ihre Contenance.
Ich fragte mich beim Lesen, was diese Geschichte eigentlich von Pornographie unterscheidet. Wo verläuft die Trennlinie Erotik/Porno? In der Darstellung erigierter Geschlechtsteile (wie es bei Filmen der Fall wäre) kann die Trennung offensichtlich nicht liegen.
Am Ende jedoch fiel mir auf, dass der eigentliche, konkrete "Akt" viel kürzer abgehandelt wird als das immense Vorspiel. Könnte das dann doch wieder eine Art von Anti-Pornographie sein? Weiblich geprägt? Und dann eben doch erotischer statt plumpes Rein-Raus?
Da bin ich auf die weiteren Geschichten gespannt, um das herauszufinden.

Und mein Lieblingssatz in dieser Geschichte:
S. 15: Die Lust blieb, auch ohne seine Hand, so als hätte sie eine Erinnerung.

 :winken:
Tobias 


Offline Annabas

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #2 am: 09. März 2012, 21:07:25 »
Die Dialoge sind leider so unterirdisch, dass ich wünschte, niemand würde überhaupt etwas sagen.

Ich bin zwar noch nicht fertig mit der ersten Geschichte, möchte aber doch schon fragen: was konkret gefällt dir denn nicht und warum? (Ja, hier ist es manchmal wie in der Schule.  ;) )

Grüße von Annabas  :winken:
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Offline Tobias O. Meißner

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #3 am: 09. März 2012, 22:24:31 »
S. 12: "Du weißt, wie schwer mir dann das Warten fällt."
"Ach ja."


S. 14: "Seit deinem Anruf vor einigen Tagen habe ich an nichts Anderes mehr gedacht."
"Ah ja, das ist gut so."


ebenfalls S. 14: "Heute geht es ganz allein um dich."
"Ach ja. Und worauf wartest du dann noch?"


oder S. 13: "Komm".
"Mit dir ... immer gerne."
"Dann ist's ja gut."


Ich finde, wenn die Figuren überhaupt nichts sagen, brauchen sie eigentlich gar nicht zu sprechen.  :plapper:
Ich gestehe ihnen ja gerne zu, dass ihnen die Lust ein wenig das Denken vernebelt, aber selbst wenn etwas Langweiliges passiert, sollte man als Autor/in immer darüber nachdenken, wie man das Langweilige möglichst interessant schildern kann.

 :belehren: : Tobias

Offline Annabas

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #4 am: 10. März 2012, 08:08:49 »
Moin moin,

so, jetzt meine Eindrücke zur ersten Geschichte:

Über den Handlungsort Miami war ich überrascht, aber fragt mich nicht, warum. Vermutlich denke ich bei erotischer Literatur eher an das alte, dekadente Europa als an die moderne USA. Aber nach ein paar Seiten hat das moderne Ambiente doch gut in die Geschichte gepasst und die Beschreibung z. B. von dem Blick vom Balkon herunter auf die Yachten hat mir sehr gut gefallen. Die Atmosphäre wirkte auf mich hell und frisch - auch wieder etwas, was ich zunächst von erotischen Geschichten nicht erwarte - ok, vielleicht denke ich da etwas klischeehaft und erwarte etwas "Schmutziges".  ;)

Da habe ich eine Frage an Aveleen: Wie kommst du auf Miami als Ort für die Handlung?

Aber immerhin hat Miami ein Klima, in dem frau an vielen Tagen leicht bekleidet herumlaufen kann, anderswo wäre man da doch eingeschränkter in der Jahreszeit. Also passt Miami immer besser, je länger ich darüber nachdenke.  ;D

Die erste Hälfte der Geschichte hat mir am besten gefallen, also die Zeit, in der sich der Sex nur im Kopf der Frau abspielt und sie ihre Erwartungen beschreibt. Das konnte ich sehr gut nachfühlen - es sind die Momente, in denen jeder Millimeter Haut kribbelt und alles, was man sagt oder tut, nur eine mehr oder weniger deutliche Hinführung auf den Akt ist. 

Die Strip-Szene fand ich sehr gekonnt beschrieben - das kann ganz schnell ins Billige abrutschen und mich zum Augenrollen bringen, aber in dieser Geschichte war die Passage angenehm knapp und man spürte, dass die Protagonistin selbst (und das ist ja das wichtigste hier) Spaß an der Sache hatte.    :daumen:

Als dann am Ende die zweite Frau auftaucht empfand ich das eher als kalte Dusche - ich würde meine vier Supermodels nur ungern mit jemand teilen. Aber wenn es der Protagonistin gefällt, ...  ;)

Was mir beim Lesen nicht aufgefallen ist, aber jetzt beim Schreiben: mir ist kein Name der Protagonistin in Erinnerung und ich habe gerade beim zweiten Durchblättern auch keinen gefunden. Hat sie tatsächlich keinen oder bin ich eine schlampige Leserin?  :-[
Und falls sie doch keinen hat, habe ich gleich die zweite Frage an Aveleen: Warum hast du dich dafür entschieden, sie "namenlos" zu lassen? Die vier Männer haben ja alle Namen.

Und nachdem ich jetzt meinen Senf losgeworden bin, lese ich erst einmal die anderen Postings genauer.
Grüße von Annabas  :winken:
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Online Nina2401

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #5 am: 10. März 2012, 08:27:03 »
Guten Morgen Ihr Lieben,

ich habe mir den ersten Abschnitt gestern zum Einschlafen gegönnt. Ich fand die 1. Geschichte sehr phantasievoll und sehr anregend. Das Obst erinnerte mich natürlich sofort an 9 ½ Wochen, aber diese Variante hat mir weitaus besser gefallen. Die Ich-Form finde ich gut gewählt, ich konnte mich sehr sehr gut in Grace hineinversetzen. Auch die Umgebung und dieser wahnsinnige Luxus entstand vor meinem inneren Auge. Das war schon fast zu viel des Guten, aber trotzdem eine gute Einstimmung. Ich war sehr gespannt, wie Aveleen bestimmte Dinge beschreiben und umschreiben würde und ich finde, das hat sie sehr gut gelöst. Das Wort „Pussy“ kam mir zwar ein bisschen zu oft vor, aber sie hatte ja auch die Hauptrolle ;).
Die glatten Männerbrüste fand ich auch toll, aber die Schwänze waren mir persönlich etwas zu groß. Aber da hat ja jede andere Vorlieben ;D. Sehr gut gefallen hat mir das rücksichtsvolle Verhalten der Jungs, wer möchte nicht auch mal wie eine Königin verwöhnt werden.

Die Dialoge fand ich jetzt nicht so unpassend, in solchen Situationen führt man nun mal keine hochtrabenden Gespräche und das erwarte ich in einer erotischen Geschichte auch nicht. Wenn ich mir einen meiner Lieblingsfilme „Dirty Dancing“ anschaue, achte ich auch nicht auf die Dialoge, die sind da eher Nebensache.

Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht und ich freue mich nun auf die nächste Geschichte  :)

Offline Annabas

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #6 am: 10. März 2012, 08:29:34 »
:banane:
Den Smiley habe ich jetzt nach dem Lesen auch kapiert.  ;)

Gut finde ich, wie Du peinliche Umschreibungen der Geschlechtsteile umgehst.
Das stimmt! Ich lese ab und zu Nackenbeißer und was einem da serviert wird, reizt oft zum Lachen (wobei das durchaus der Grund sein kann, warum ich es lese).

Ich fragte mich beim Lesen, was diese Geschichte eigentlich von Pornographie unterscheidet. Wo verläuft die Trennlinie Erotik/Porno?
Puh, gibt es hier überhaupt eine allgemein gültige Antwort? Ich denke, das ist sehr individuell und auch zeitbezogen - in den ersten Kinofilmen durfte kein Kuss gezeigt werden, heute im Internetzeitalter kommt jeder problemlos an die bizarrsten Bilder. Ich behaupte mal jetzt: für mich beginnt Pornografie, wenn eine/r der Protagonisten oder ich als Leserin keinen Spaß an der Sache haben.

Hier wäre ich aber auch auf andere Meinungen gespannt - das wäre eine interessante Diskussion.
Aveleen, ist das nicht auch für eine Autorin ein schmaler Grat? Machst du dir beim Schreiben Sorgen, ob etwas zu pornografisch wirkt? Oder wirft die Lektorin den strengen Blick darüber?

Ich finde, wenn die Figuren überhaupt nichts sagen, brauchen sie eigentlich gar nicht zu sprechen.  :plapper:
Ah, jetzt verstehe ich, was du meinst.
Für mich gehört das Geplänkel aber zum Spiel dazu, man kann doch nicht wortlos übereinander herfallen. Ok, kann man schon, aber da wären wir dann wieder im Nackenbeißerbereich, dort kommt das schon auch mal vor.
Und etwas Sinnvolles ist schwierig, wenn man sich unter diesen Voraussetzungen trifft. In solchen Situationen wie hier redet man ja nicht über Heidegger oder die Champions League.  ;)
Es ist ein leichter Flirt, und der ist selten inhaltsreich, dafür spielerisch und gehört mit ins Programm.

Aber ich bin seeeehr gespannt, was die übrigen Leserinnen sagen.  :)

Grüße von Annabas  :winken:
« Letzte Änderung: 10. März 2012, 08:36:26 von Annabas »
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Offline Annabas

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #7 am: 10. März 2012, 08:31:41 »
Grace
Danke. Also doch Schlamperei auf meiner Seite.  :-[
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Online Nina2401

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #8 am: 10. März 2012, 08:32:33 »

Da habe ich eine Frage an Aveleen: Wie kommst du auf Miami als Ort für die Handlung?

Da schließe ich mich direkt an. Ich hatte auch nicht damit gerechnet, dass die Geschichte in Amerika spielt, da Aveleen hat eine deutsche Autorin ist.

Als dann am Ende die zweite Frau auftaucht empfand ich das eher als kalte Dusche - ich würde meine vier Supermodels nur ungern mit jemand teilen. Aber wenn es der Protagonistin gefällt, ...  ;)

Das hätte mir persönlich auch nicht gefallen, aber als Ende der Geschichte fand ich es gelungen.

Was mir beim Lesen nicht aufgefallen ist, aber jetzt beim Schreiben: mir ist kein Name der Protagonistin in Erinnerung und ich habe gerade beim zweiten Durchblättern auch keinen gefunden. Hat sie tatsächlich keinen oder bin ich eine schlampige Leserin?  :-[
Und falls sie doch keinen hat, habe ich gleich die zweite Frage an Aveleen: Warum hast du dich dafür entschieden, sie "namenlos" zu lassen? Die vier Männer haben ja alle Namen.

Genau so ging es mir auch und ich musste auch blättern. Dann fiel mir aber ein, dass Ethan sie vorgestellt hat und da wurde dann ja auch ihr Name genannt :)


Offline Annabas

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #9 am: 10. März 2012, 08:40:43 »
Das Obst erinnerte mich natürlich sofort an 9 ½ Wochen,
Jetzt, wo du es sagst, stimmt.

in solchen Situationen führt man nun mal keine hochtrabenden Gespräche und das erwarte ich in einer erotischen Geschichte auch nicht.
Ich denke, das ist der Knackpunkt: Was erwarte ich als Leserin von diesen Geschichten.

Grüße von Annabas  :winken:
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Online Nina2401

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #10 am: 10. März 2012, 08:46:42 »

Die Früchte hätten aber ruhig etwas exotischer sein können. Wie wäre es mit Sternfrucht? Mit ihren beinahe fleischigen Zacken zwischen den Schenkeln drapiert? Mit aggressiv farbiger Drachenfrucht? Oder knistrig umhüllter Physalis, die man erst freilegen muss, bevor sie ihre "Perle" darbietet?  :banane:
Also für mich waren die Früchte bis auf die Bananen eine nette Nebensache und ich kann mich jetzt schon nicht mehr daran erinnern, welche es waren, aber noch an ihre Temperatur  ;D
Ich fragte mich beim Lesen, was diese Geschichte eigentlich von Pornographie unterscheidet. Wo verläuft die Trennlinie Erotik/Porno? In der Darstellung erigierter Geschlechtsteile (wie es bei Filmen der Fall wäre) kann die Trennung offensichtlich nicht liegen.
Am Ende jedoch fiel mir auf, dass der eigentliche, konkrete "Akt" viel kürzer abgehandelt wird als das immense Vorspiel. Könnte das dann doch wieder eine Art von Anti-Pornographie sein? Weiblich geprägt? Und dann eben doch erotischer statt plumpes Rein-Raus?

Ich finde, bei einem Porno geht es nur um den eigentlich Akt und das ganze Drumherum fehlt. Die erigierten Geschlechtsteile sind nun mal ein wichtiger Bestandteil, ohne sie würde doch etwas fehlen  :D Ich finde gerade das Vorspiel schön und wichtig und gerade dabei hat es doch am meisten geknistert. Vielleicht ist der Unterschied zwischen Porno und Erotik, dass beim Porno die Augen und bei der Erotik die Phantasie befriedigt wird.


Offline Mrs.Dalloway

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #11 am: 10. März 2012, 09:28:51 »
So, ich hab jetzt auch die erste Geschichte gelesen und schließe mich im Großen und Ganzen euren Meinungen an.

Zu den Dialogen: Die haben mich oftmals doch zum Schmunzeln gebracht und gerade bei "Komm." - "Mit dir immer gerne." musste ich doch ein wenig lachen. Ja, die Dialoge sind an der Grenze des Klischéehaften, aber irgendwie gehört das doch dazu, oder? Der Vergleich mit Dirty Dancing von Nina2401 hat mich amüsiert, denn gerade hier sind ja so großartige Sätze wie "Ich habe eine Wassermelone getragen" in die Geschichte der kitschigen Filmzitate eingegangen.  ;D

Besonders gefallen hat mir eigentlich der kurze Moment im verspiegelten Aufzug, weil sich hier die Spannung und das Kribbeln schon sehr deutlich aufbaut und mir die Protagonistin sofort als aufgeklärte, selbstbewusste, junge Frau vorkam.

Das Wort "Pussy" kam mir insgesamt auch ein wenig zu oft vor. Autoren wird ja erzählt, dass es nicht zu viele Wortwiederholungen geben soll, oder? Warum dann gerade bei den Geschlechtsteilen eine Ausnahme machen? Ich rede jetzt nicht von so schönen Euphemismen wie "ihr Lustgarten" oder so, aber es gibt ja noch andere ähnliche, auch im Alltagsgebrauch angesiedelte Bezeichnungen dafür. Ich bin gespannt, ob das bei den anderen Geschichten noch in eine andere Richtung verläuft und ob diese dann vielleicht komplett unterschiedlich sind vom Stil her. Sex ist ja doch etwas sehr subjektives und ich denke, dass die Charakteristik der Protagonistin stark mit dem Schreibstil und dem verwendetem Vokabular zu tun hat.

Zur Pornographie/Erotik-Debatte: Ich denke hier hat es viel damit zu tun, dass wir es mit einem Buch zu tun haben. Ich glaube, ich habe noch nicht gehört, dass jemand ein Buch als Pornographie bezeichnet (außer eventuell, wenn es bebildert ist). Bei einem Film würde ich die Grenze vielleicht da setzen, dass man bei einem Erotikfilm den eigentlichen Sex nicht sieht, sondern er nur angedeutet wird.

Die Frau am Ende hat mich schon überrascht, aber ich habe mir danach mal Gedanken gemacht, dass es sicher schwierig ist, ein passendes Ende für eine Erotikgeschichte zu finden. Lässt man es einfach mit dem Orgasmus enden, ist das vielleicht ein bisschen plump. Stattdessen regt Aveleen hier die Phantasie des Lesers weiter an und es hat so ein bisschen etwas voyeuristisches, dass man zuerst zusehen durfte und jetzt der Blick verwehrt bleibt: Als würde in diesen Pornoboxen das Geld aufgebraucht sein.  ;D

So, das waren meine ersten Kommentare. Ich freue mich schon sehr auf Aveleens Kommentare.  :)

Offline Tobias O. Meißner

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #12 am: 11. März 2012, 12:20:35 »
Ich behaupte mal jetzt: für mich beginnt Pornografie, wenn eine/r der Protagonisten oder ich als Leserin keinen Spaß an der Sache haben.

Das ist eine sehr interessante, geradezu poetische Definition.
Das würde nämlich bedeuten, dass professionelle Pornofilme deswegen pornographisch sind, weil die Darsteller in ihnen nur so tun, als würden sie furchtbar viel Spaß haben, während sie in Wirklichkeit eher an Performance, Bildausschnitte und Bezahlung denken.
Im Umkehrschluss könnten dann aber mitgefilmte und ins Netz gestellte Privatvideos niemals pornographisch sein, egal, wie heftig es in ihnen zur Sache geht. Und ich fürchte, das sehen die Sittenwächter anders.  ;)

Ansonsten schließe ich mich natürlich Nina 2401s Auffassung an, dass jede(r) andere Vorlieben hat.
Meine Grantelei über die Dialoge hat sicherlich damit zu tun, dass ich komplexe Gespräche bevorzuge, die langsam ins Sinnliche abdriften. Dass ich das eben viel erotischer finde als ein Geturtel, bei dem beide schon wissen, worauf es hinausläuft. Letzteres ist wie Leerlauf. In ersterem Falle aber gibt es noch Hindernisse zu überwinden und Grenzen zu überschreiten. Das finde ich viel spannender. Auch in der Literatur.

 :schwert:: Tobias


Offline nimue

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #13 am: 11. März 2012, 12:41:34 »
Das würde nämlich bedeuten, dass professionelle Pornofilme deswegen pornographisch sind, weil die Darsteller in ihnen nur so tun, als würden sie furchtbar viel Spaß haben, während sie in Wirklichkeit eher an Performance, Bildausschnitte und Bezahlung denken.

Ist es nicht meistens so, dass Frauen beim Sex an tausend andere Dinge denken?  ;D
Wenn Du keinen Menschen töten kannst - gut; kannst Du kein Vieh und keine Vögel töten - noch besser; keine Fische und Insekten - noch besser. Bemüh Dich, soweit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht. Tu, was Du mit Deinen Kräften zustande bringst. Darauf kommt alles an. (Leo Tolstoi)

Offline Tobias O. Meißner

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Re: 1. Geschichte: Sündige Früchte
« Antwort #14 am: 11. März 2012, 14:58:06 »
Ist es nicht meistens so, dass Frauen beim Sex an tausend andere Dinge denken?  ;D

Die Frage ist dann, ob "an tausend andere Dinge denken" bedeutet, dass man keinen Spaß hat, oder ob es nicht als wunderschön empfunden wird, dass man endlich mal wieder mehrere Stunden lang Zeit hat, seine Lieblingsgedichte zu rekapitulieren.  :P

 :winken:: Tobias