Die Reise nach Schweden verschafft uns wieder eine kleine Atempause in puncto Action und Bangen um die Protagonisten.
Den Vater in seiner Erkrankung finde ich sehr einfühlsam dargestellt und es rührt mich, wie gut Anna auf ihn eingehen kann.
Die Entführung Annas kommt nicht wirklich überraschend. Ich hoffe, sie übersteht sie lebend. Der vorrausschauende Hinweis auf S. 205
Es dauerte Tage bis ich Anna wiedersah, und als es so weit war, war das Sterben in vollem Gang.
lässt mich hoffen.... Aber immerhin wird auch ein Sterben angekündigt.
Weiterhin hat es mich nicht überrascht, dass Geldorf Nyström festsetzt. Ich hatte vielleicht eher erwartet/erhofft, dass Observation, Rettung und Beistand von seiner Seite kommen würde. Das hätte für MICH das Geschehen des Romans in den Bereich der Realität gerückt, aber so lese ich mit großem Erstaunen, dass Nyström sich Geldorf nicht offenbart. S. 213
Eigentlich hatte ich vorgehabt, Geldorf die ganze Geschichte zu erzählen und die Karten auf den Tisch zu legen. Schließlich war das der Kompromiss gewesen, den Anna und ich auf der Fahrt nach Lettland ausgehandelt hatten. Dass er mich an der Grenze hatte abfangen lassen und sein inniger Wunsch, mich mit dem Toten auf dem Bahnhofsklo in Verbindung zu bringen, das hatte meinen Entschluss ins Wanken gebracht.
Die Motive dafür, Nyström verletzte Eitelkeit wegen der Festsetzung an der Grenze oder wegen Geldorfs Ermittlungsversuch in Sachen Bahnhofsklo, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Die Schuss auf dem Bahnhofklo war Notwehr, was sicher nicht schwer zu beweisen wäre.
Bei der polizeilichen Befragung überrascht mich, wie gut Nyström sich als Nicht-Jurist mit seinen Rechten auskennt und auch alle Fallen seiner eindeutigen Identifizierung (Fingerabdrücke, Stimmprotokoll) vermeiden kann.
Was ich mich frage: Woher wissen die Verfolger eigentlich von der CD? Ist hier irgendwas meiner (diesmal sowieso eingeschränkten) Leseraufmerksamkeit entgangen?
Am Schluss des 3. Leseabschnitts schließt sich allmählich der Kreis und wir werden zurückgeführt zum Prolog. Ich finde es faszinierend und nachvollziehbar wie Nyström sich bei der Ausübung von Gewalt selbst beobachtet, die Gewalt und Macht genießt und sich gleichzeitig verachtet. Überhaupt sind für mich die Protagonisten in ihrer Authenzität (bis auf das nicht nachvollziehbare, todesmutige Ermittlerverhalten) das große Plus dieses Romans.
Ich bin nun sehr gespannt, auf das Showdown.