Hallo Ihr Lieben,
wie ich gehofft hatte, hat Blueskin das Feuer tatsächlich überlebt und ein armer Penner wurde mit ihm verwechselt. Überrascht, aber sehr erfreut, war ich dann aber auch zu lesen, dass auch Hope das Feuer unbeschadet überstanden hat, auch wenn mir bei der Erwähnung, dass sie jetzt in Bedlam ist, fast schlecht geworden ist. Zum Glück scheint es ihr da aber wirklich gut zu gehen. Mr Wild hat wohl tatsächlich auch eine weiche Seite...
Vielleicht ist er ja manchmal auch wirklich ganz nett. Sein Verhalten Geoffrey gegenüber (nachdem das Bein ab war) war ja auch ganz in Ordnung. (Nein, ich finde ihn nicht wirklich nett, aber gestehe ihm durchaus ein paar nette Momente zu) Selbst der Bösewicht des Buches verhält sich ab und zu anständig, schön, dass hier keine Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird. 
Ich finde das auch super, dass hier keine Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird, sondern auch die "Bösewichte" ihre "netten" Seiten haben. Dass Wild Hope anständig behandelt, finde ich schon mal wirklich sehr nett von ihm. V. a. angesichts der Tatsache, dass er ja denkt, dass Blueskin tot ist. Also hat er eigentlich gar keinen Nutzen mehr davon sich gut um Hope zu kümmern!
Die Geschichte von Geoff und Wild hat mich trotz allem schmunzeln lassen. Ja, der Überbringer der schlechten Nachrichten ist oft nicht sonderlich beliebt! Obwohl die Aktion von Wild schon krass ist: Geoff mal kurzerhand das Bein abzuhacken. Die "aufopfernde Pflege" von Blueskin's Mutter zeigt dann auch wieder ihr wahres Gesicht: Hauptsache ihr Geldbeutel stimmt...

Interessant und sehr gut aufgebaut fand ich, dass der Lebenslauf von Joseph Blake erläutert wurde und man sich ein Bild von seiner Jugend machen kann.
Das ist sowieso etwas, was mir an Toms Bücher immer sehr gut gefällt. Ich finde es einfach interessant, mögliche Lebensläufe aus den unteren Gesellschaftsschichten nachzuvollziehen. Nicht jeder ist ja schon in diesem Milieu geboren (wie bspw. Bess) oder nimmt es einfach klaglos hin. Blueskin hatte sicher auch andere Vorstellungen, aber die Möglichkeiten sind natürlich arg beschränkt. Trotzdem hätte er sein Leben auch anders führen können, er hatte schon Entscheidungsspielräume, daher geht es für ihn wohl auch in Ordnung. Sonst hätte er schlußendlich vielleicht länger gelebt, aber ob er glücklicher gewesen wäre?
Ja, die Einblicke in die Lebensläufe finde ich auch total spannend und sehr interessant. Spannend auch, dass alle Charaktere trotz widriger Umstände doch das Beste versuchen aus ihrem Leben zu machen und interessanterweise nicht aufgeben. Z. B. Bess hätte ja wirklich allen Grund zu verzweifeln, aber sie tut es nicht. Auch Blueskin hat keine besonders liebevolle Mutter und führt nicht gerade ein tolles Leben, aber er macht das Beste daraus und ich glaube bis zu dem Zeitpunkt, als er erfährt, dass Jack ein Verräter ist, hat ihm sein Leben auch sehr gut gefallen. Der Verrat von Jack sitzt, denke ich, schon tief.
Aber es gibt ja einen kleinen Hoffnungsschimmer durch Poll. Sie und Blueskin finde ich auch ein sehr schönes Paar!

Was ich mich sofort gefragt habe, als Bess Blueskin berichtete, man habe Henry krank weggebracht: Ist das echt oder schauspielert er? Das weiß man bei ihm ja nie so genau. Ich könnte mir vorstellen, daß er sich auch darüber im Klaren ist, daß aus der Krankenstation oder was immer das ist, eher ein Entkommen möglich ist, als aus dem Rohbau, so wie dieser beschrieben wurde. Doch, je länger ich darüber nachdenke, desto sicherer bin ich mir dabei.
Schauspielert er? Natürlich könnte es durchaus sein, dass sein Körper mit dem Wasser dort oder mit ihm unbekannten Viren nicht klar kommt und eine leichte Erkältung oder Magen-Darm-Geschichte sich ziemlich heftig äussert, aber angesichts der aktuellen Seitenzahl wäre das vermutlich ein Problem zuviel. Also doch eher Schauspielerei 
Ich muss gestehen, dass ich hier an Schauspielerei gar nicht gedacht habe... Alleine bei der Vorstellung, dass man in so einem Horror-Gebäude eingesperrt wird und da wohl eher nicht mehr lebend heraus kommen wird, wird mir ja schon ganz schlecht, von daher könnte ich mir schon gut vorstellen, dass Henry durchdreht. Andererseits ist die Argumentation, dass Henry nur über die Krankenstation wenn überhaupt eine Fluchtmöglichkeit hat, nicht von der Hand zu weisen... Lassen wir uns überraschen, ob er wirklich so abgebrüht ist...
Dass Blueskin mit seiner eiternden und entzündeten Brandwunde durch Kot und Abfälle stampft, hat mich auch nur schaudern lassen... Ein Wunder, dass er wirklich noch überleben soll, bis zu seiner Hinrichtung...

Und die Frage der Fragen: Was will Wild für einen Brief haben?

Liebe Grüße
Tammy
