So, der zweite Abschnitt ist gelesen oder besser gesagt verschlungen! Ich mußte mich bremsen, um nicht gleich weiterzulesen. Hier meine Eindrücke:
Das Gänsehautfeeling ist nun auch bei mir angekommen: besonders bei der Szene, in der Doro das Mädchen in ihrem Zimmer zu sehen glaubt.

Insgesamt wird mir Doro immer sympathischer, sie hat Biß! Wie sie beschließt, ihrer Mutter die 300 Euro zu ersetzen und dafür eine Stelle sucht, das fand ich toll und sehr tatkräftig von ihr. Auch wie sie mit ihren Ängsten umgeht und sich ihnen stellt, also immer wieder den Dingen, die sie zu sehen und zu hören glaubt, auf den Grund geht (das Licht anmacht, die entsprechende Tür öffnet) finde ich sehr mutig für ein Mädchen in dem Alter und mit ihrer Vergangenheit.
Warum Julian so traurig war als er aus dem Haus kam, und später normal wirkte, ist für mich nun erklärt: durch den Zustand seiner Mutter.
Als Doro Kevin auf diesem Plakat erkennt, war für mich klar, daß es nicht Kevin sein kann, der in dem Auto verbrannt ist. Selbst wenn Doro Halluzinationen haben sollte, dann wäre es wohl kaum möglich, daß sie einen Menschen halluziniert, der existiert und den sie nicht kennt. Und da es Geister nicht gibt, ist die einzige Erklärung, daß es wirklich Kevin war, den sie im Gartenhaus gesehen hat. Daß Julian auch in dieser Band ist, verstärkt meinen Verdacht, daß er mit Kevins Verschwinden zu tun hat.
Kurz schoß mir der Gedanke durch den Kopf, daß Kevin vielleicht das passende Herz für Julians Mutter hatte und deshalb gefangengehalten wurde, um ihn zum richtigen Zeitpunkt "auszuweiden"... er war ja sowieso ein potentieller Selbstmörder... das wäre allerdings ziemlich heftig und schließlich war ja das fehlende Spenderherz gar nicht das Problem bei Julians Mutter, sondern eine Virusinfektion.
Ich gehe doch recht in der Annahme, dass der Abend, an dem Doro auf die Geburtstagsparty wollte und ihre Eltern ausgehen wollten und sie auf ihren kleinen Bruder aufpassen musste, der Vorabend des Todes ihres Bruders ist, oder?
Ja, das denke ich auch!
Ist das Röcheln und Keuchen, dass Doro immer wieder hört, der Atem ihres Bruders, als sie an jenem verhängnisvollen Abend / Nacht nach Hause kommt?
Das ist auch meine Vermutung. Ist sie denn weggegangen an dem Abend? Sie ist doch nach dem Telefonat nach oben gestürmt. Vielleicht hat sie ihren Bruder geschüttelt, er bekam diesen Krampf und sie hat keinen Arzt gerufen, entweder aus Schreck und Schuldgefühl oder weil sie ihren Bruder nicht mehr ertragen konnte oder beides?
Übrigens finde ich das Verhaltne der Eltern echt unmöglich...
Ich auch. Schon im ersten Leseabschnitt war die Mutter mir irgendwie suspekt, sie wirkte nicht wie jemand, der vor einem reichlichen Jahr ein Kind verloren hat... Und wie sie in Doros Erinnerung mit ihrer Tochter spricht, war für mich völlig unverständlich! So würde ich mit meiner Tochter niemals umspringen (und ich würde mich nicht als deren
beste Freundin bezeichnen). Die Eltern wollen wegen ihres
Hochzeitstages ausgehen?

Ja kann man den denn nicht zuhause feiern, wenn ein Kleinkind im Haus ist?? Erst recht wenn die Tochter, die kaum fünfzehn ist, an dem Abend zu einer Party eingeladen ist. In einer solchen Situation einen wütenden Teenager mit einem schreienden Kleinkind alleine zu lassen, und in aller Ruhe das Haus zu verlassen, ist für mich ein völllig unklares Verhalten der Mutter. Da hätte ich keine ruhige Minute zum Feiern, ganz abgesehen davon, daß ich ein schreiendes Kind nie einfach verlassen würde, das geht gegen alle Instinkte.
Und auch ich finde, daß die Eltern für ein Kleinkind verantwortlich sind und sonst niemand.
Warum waren die Eltern eigentlich um 23.19 Uhr, als das Telefon klingelte, noch nicht zurück? Warum haben sie zwischendurch nicht angerufen? Irgendwie paßt das für mich alles noch nicht zusammen. Es sei denn, entweder stimmt Doros Erinnerung an den Abend nicht, oder Kai ist ein unerwünschtes, ungeliebtes Kind (dagegen sprechen aber Doros andere Erinnerungen, was für ein Bohei um Kai gemacht wird).
Und nun zum Therapeuten, auch den finde ich seltsam. Ganz besonders die Stelle, als er auf Doros Frage antwortet, was er tun würde, wenn ihm jemand sagt er sei nackt: Dann würde er einen Mantel anziehen und seine Tabletten nehmen.

Hä? was ist denn das für eine Antwort? Das möchte ich ja bezweifeln, daß er das wirklich tun würde.

So ganz unvoreingenommen ist er also nicht Doro gegenüber, denn ganz offensichtlich geht er davon aus, daß sie in der Regel spinnt. Anstatt gemeinsam mit ihr herauszufinden, wie sie Einbildung und Realität zuverlässig voneinander unterscheiden kann, lautet seine Lösung: Tabletten. Das ist sicher nicht schön für Doro und daß sie ihm nicht ganz traut und ihm nicht alles erzählt, finde ich da ganz folgerichtig.

Und warum, verdammt noch mal, macht Doro das Licht nicht an, wenn sie Nachts durchs Haus stoplert? 
Das frage ich mich auch. Ich habe mich schon in der Gartenhaus-Szene gefragt, wieso sie keine gescheiten Taschenlampen im Haus haben. Heutzutage hat doch jeder diese LED-Lampen zuhause, ich habe davon allein drei Stück im Flur und eine im Schlafzimmer griffbereit.
Im Buch befinden wir uns übrigens in der Zukunft, deute ich das richtig? Kai ist im Dezember 2009 geboren, also müssen wir uns zur Handlungszeit des Buches im Sommer 2012 befinden.