Hallo zusammen,
nachdem ich ja spontan zu Beginn der Leserunde eingestiegen bin, kamen mir leider einige unangenehme Dinge dazwischen, so dass ich dann gar nicht zum Lesen kam.

Nun habe ich das Buch also doch weitestgehend für mich gelesen, aber anhand der Abschnittseinteilung dann Eure Beiträge gelesen. Und Eure Spekulationen und Eindrücke fand ich trotz allem großartig. Und dankenswerterweise habt Ihr Fragen gestellt, die auch mich interessiert haben und die Wulf dann sogleich beantwortet hat. Herzlichen Dank dafür!
Die Idee mit den Vorableserunden gefällt mir übrigens auch sehr gut.
Mein böses Herz ist ein Jugendbuch, ja, und es ist sogar ein Pageturner, aber - und das ist ein fettes ABER - : dieses Buch hinterlässt Spuren! Denn es macht nachdenklich - über das eigene Leben und die Verantwortung, die man trägt, jeden Tag, immer. Und es beschäftigt sich auch mit der Ernsthaftigkeit, mit der man anderen begegnen sollte...
Doro ist gerade mal 17 Jahre und hat schon einiges durchgemacht. Nach dem plötzlichen Tod ihres kleinen Bruders erlitt sie einen Schock, der sie auf die Jugendstation einer Psychiatrie gebracht hat. Nun, nach ihrer Entlassung, zieht sie mit ihrer Mutter, die mittlerweile von Doros Vater für eine andere Frau verlassen wurde, in eine Kleinstadt. Doch Doro hat immer noch Wahnvorstellungen - sie sieht ihren kleinen Bruder Kai und hört Stimmen, obwohl sie sich selbst an die Nacht vor Kais Tod nicht erinnern kann. Schon in ihrer letzten Schule wurde sie nach ihrer Wiederkehr wie ein Freak behandelt und nun ist ihre Mutter in Sorge, dass es wieder so geschehen könnte... Doch Doro weiß, dass sie kein Freak ist, auch wenn ihr in ihrem neuen Zuhause bald schon keiner mehr so richtig glauben will - nicht einmal ihre Mutter.
Mir hat dieses Buch ausgesprochen gut gefallen, da es einerseits wirklich super spannend ist und zum Miträtseln einlädt, andererseits aber deutlich gehaltvoller ist, als man auf den ersten Blick vielleicht meint. Wulf Dorn erzählt eine Geschichte um einen Teenager, deren Welt im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht aus den Fugen gerät. Die Gefühle des Mädchens, die der Autor beschreibt, die Geräusche in ihrem Kopf, aber auch die Erlebnisse in den ersten Tagen, sind so atmosphärisch geschildert und teilweise auch düster, dass ich so manches Mal schlucken musste. Ich habe mich wirklich "im Buch" befunden, war mit Doro auf der Suche nach ihrem Ich, aber auch nach dem Jungen aus dem Gartenhäuschen, und habe nicht nur einmal dem Mädel auf die Schulter klopfen möchten um dabei laut zu rufen, dass sie weitermachen, weitersuchen soll. Kurzum, ich habe Doro vom ersten Moment gemocht und sie auch gerne in ihren dunklen Momenten begleitet, auch wenn es manchmal richtig gruselig wurde...
Naja, und zu guter letzt gibt es ein Ende, das mich zwar nicht glücklich gemacht hat, aber zufrieden, weil es rund und stimmig ist.
Fazit: Ein richtig tolles Buch, das zum Nachdenken anregt und eine ordentliche Portion Spannung bereithält, so dass ich behaupten mag, dass auch die größten Ratefüchse so manches Mal ins Grübeln kommen... Ein Jugendthriller nicht nur für Jugendliche!
