Autor Thema: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)  (Gelesen 748 mal)

Offline Tammy1982

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3187
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #15 am: 22. Oktober 2011, 19:08:03 »
Hallo Ihr Lieben,

in diesem ersten Abschnitt lernen wir zuerst Ruven, dann Peter und Isabel kennen. Von allen Lebensumständen bin ich ganz schön entsetzt: Zum einen Ruven, der in einem Heim groß geworden ist und seit nun 10 Jahren bei Hr. Bing arbeitet. Die Arbeit da ist v. a. schmuddelig und Ruven erkennt wohl schon intuitiv, dass sein Boss die Not der Frauen ausnutzt und sie mit diesen Bildern teilweise noch mehr erniedrigt. Davon abgesehen, dass er sich wohl auch ziemlich viele der Frauen ins Bett mitnimmt...  ::)

Dass Ruven Bing sein ganzes Hab und Gut stiehlt, ist vielleicht moralisch nicht wirklich richtig, aber andererseits hat er ja anscheinend kein eigenes Geld von Bing bekommen, oder? Irgendwie habe ich mich dann auch ein bisschen gefreut, dass Hr. Bing ins Gefängnis kommt, nachdem sie die Bilder bei ihm finden...  :P

Isabel war dann noch mal ein ganz schöner Schlag: An was leidet sie eigentlich genau? Ist sie nach dem Feuer querschnittsgelähmt geblieben oder ist das bei ihr wirklich seelisch bedingt? Das kann ich mir aber fast gar nicht vorstellen, oder? Die Geschichte mit dem Brand, bei dem die gesamte Familie, bis auf Isabel und ihre Tante ums Leben kamen, finde ich ja furchtbar. Bin dabei gespannt, ob wir noch mehr über den Brand erfahren. Saßen sie im Zug als das passiert ist, da sich Anna genau dann an das Feuer erinnert, als sie mit der S-Bahn fährt?

Ich muss gestehen, dass mir Isabel noch nicht wirklich sympathisch ist. Im Moment macht sie mir noch den Eindruck eines verwöhnten Mädchens, das noch nicht so ganz begriffen hat oder nicht begreifen möchte, dass sie nicht mehr genug Geld hat und sie ihrer Tante auch ein bisschen helfen muss. Gerade auch bei dem "Anfall", den sie vor der Klinik hatte, weil sie ihren Willen nicht bekommen hat, hatte ich eher das Gefühl, dass sie ihre Krankheit auch bewusst einsetzt?  :-\ Aber vielleicht tut sie das nicht bewusst, sondern reagiert nur so? Keine Ahnung, kann sie wie gesagt noch nicht richtig einschätzen, aber sympathisch ist sie mir wie gesagt noch nicht.

Jedoch finde ich die Behandlung, die der Doktor sie unterzieht, auch einfach nur gruselig!  :o Eisbäder, warme Bäder, Fotografien mit quasi nichts an... Und dann die Erklärung sie leide an einer "umherwandernden Gebärmutter" hat mich ja nur noch entsetzt! Das haben die wirklich geglaubt??? Hilfe!  :o

Peter finde ich dagegen super! Wie er sich um Isabel kümmert und auch gleich Ruven hilft, finde ich klasse! Ich habe zuerst ganz schön gerätselt, was mit Ruven los ist, aber das sind die Dämpfe, die er eingeatmet hat, die ihn krank werden lassen, oder?

Wieso Anna so einen Schock bekommt, als sie Ruven auf der Treppe sieht, hätte mich ja auch sehr interessiert...

So, dann lese ich mal eure Kommentare!

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Offline Tammy1982

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3187
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #16 am: 22. Oktober 2011, 19:13:53 »
Hallo Ihr Lieben,

Wie alt ist Peter eigentlich? Ich hätte ihn gleich alt wie Isabel geschätzt, also 14 Jahre.

Wenn ich mich richtig erinnere, steht irgendwo, dass er ein Jahr älter als Isabel ist!

Ah, ich hätte am Anfang der Geschichte eher auf ca. 1850 getippt ... schade, dass die Jahreszahl rausgefallen ist, ich habe immer gerne einen Anhaltspunkt, wann eine Handlung spielt.
Ich habe übrigens den Klappentext bewusst nicht gelesen, da hier oft schon so viel verraten wird - muss ja aber sein, um uns Käufern das Buch schmackhaft zu machen...

Danke für den Hinweis mit der Jahreszahl, Karla:winken: Ich finde es auch immer gut, wenn ich in Büchern irgendwo eine Jahreszahl bekomme, dann kann ich die Geschichte besser einordnen. Meine Schätzung lag hier so Anfang 1900, da bin ich ja gar nicht so weit weg gewesen...  ;)

ich konnte das Bett unter der Küchenbank vor mir sehen, den Hausflur riechen, die Gesichter der Menschen, die sich auf dem Rummelplatz herumtreiben, sehen.
Das hat mir auch sehr gut gefallen, irgendwie hat mich die Atmosphäre an die der Zeichnungen von Heinrich Zille erinnert. Die Bilder sind mir beim Lesen sofort in den Sinn gekommen. Es gefällt mir, dass diese Kopfbilder ohne ausufernde Beschreibungen entstehen, das finde ich sehr gekonnt.   :daumen:

Ja, ich finde die Beschreibungen hier auch klasse gemacht. Obwohl nicht ausufernd beschrieben wird, habe ich die Bilder auch sofort in meinem Kopf und bin quasi überall live dabei. Ob auf dem Rummelplatz, in der Wohnung von Peter oder in dem Krankenhaus... Das ist echt gut gemacht!

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Offline Annabas

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1136
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #17 am: 22. Oktober 2011, 21:32:17 »
Dass Ruven Bing sein ganzes Hab und Gut stiehlt, ist vielleicht moralisch nicht wirklich richtig, aber andererseits hat er ja anscheinend kein eigenes Geld von Bing bekommen, oder? Irgendwie habe ich mich dann auch ein bisschen gefreut, dass Hr. Bing ins Gefängnis kommt, nachdem sie die Bilder bei ihm finden...  :P
Ich stehe auch eher auf dem Standpunkt: "geschieht Bing ganz recht".    ;)
Immerhin wurde Ruven vom Waisenhaus an Bing mehr oder weniger verkauft - ich glaube nicht, dass er eine Art Arbeitsvereinbarung hat oder überhaupt einen eigenen Lohn bekommt.
Ich fürchte, die moralische Seite ist bei dieser Sache an mir völlig vorbei gegangen ... irgendwie habt ihr zwar recht wenn ihr sagt, das Klauen war auch nicht in Ordnung, aber gefühlsmäßig bin ich trotzdem auf Ruvens Seite.

Grüße von Annabas   :winken:
:lesen:   "Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten." Rabindranath Tagore (1861-1941)

Offline starone

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 2840
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #18 am: 23. Oktober 2011, 09:29:47 »

Jedoch finde ich die Behandlung, die der Doktor sie unterzieht, auch einfach nur gruselig!  :o Eisbäder, warme Bäder, Fotografien mit quasi nichts an... Und dann die Erklärung sie leide an einer "umherwandernden Gebärmutter" hat mich ja nur noch entsetzt! Das haben die wirklich geglaubt??? Hilfe!  :o

Also ich sehe da eher eine natürliche Behandlung dahinter ;). Denn was wird heute mit möglicherweise solch kranken Menschen gemacht erst mal werden  Pillen, Pillen und wieder Pillen verschrieben. Ist das eine bessere Lösung ???. Pillen mehr fällt heutigen Medizinern doch gar nicht mehr ein oder?
Mir kommt da eher die Kneippkur in den Sinn, da wird  im wirklich eiskalten Wasser herumgetreten und  es hilft die Abwehr zu stärken. Vielleicht hat der gute Doktor es eher auch als Schocktherapie gesehen damit Isabels-Beine wieder Gefühl bekommen damit Nerven stimuliert  werden und man möglicherweise so diese Blockade nach dem Unglück brechen kann.

Mit Gleichberechtigung hatten die Leute da sicherlich wenig am Hut :(. Deshalb wohl auch dieser Ausspruch und gleichzeitig normale Bestimmung der Frau.

LG..starone :winken:

Offline starone

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 2840
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #19 am: 23. Oktober 2011, 09:43:35 »
Dass Ruven Bing sein ganzes Hab und Gut stiehlt, ist vielleicht moralisch nicht wirklich richtig, aber andererseits hat er ja anscheinend kein eigenes Geld von Bing bekommen, oder? Irgendwie habe ich mich dann auch ein bisschen gefreut, dass Hr. Bing ins Gefängnis kommt, nachdem sie die Bilder bei ihm finden...  :P
Ich stehe auch eher auf dem Standpunkt: "geschieht Bing ganz recht".    ;)
Immerhin wurde Ruven vom Waisenhaus an Bing mehr oder weniger verkauft - ich glaube nicht, dass er eine Art Arbeitsvereinbarung hat oder überhaupt einen eigenen Lohn bekommt.
Ich fürchte, die moralische Seite ist bei dieser Sache an mir völlig vorbei gegangen ... irgendwie habt ihr zwar recht wenn ihr sagt, das Klauen war auch nicht in Ordnung, aber gefühlsmäßig bin ich trotzdem auf Ruvens Seite.

Zumindest hat Ruven eine eigene Büchse für sich gehabt Seite 21 steht so was ganz unten auf der Seite davon zu lesen. Muss aber  ein Neustart gleich mit  Diebstahl und seinen Namenänderung beginnen?  Das kann schon zum Problem werden/oder auch sein.

Ich möchte in dieser Beziehung nicht unbedingt Dankbarkeit erhoffen/erwarten, aber Herr Bing hat ihn aus dem Waisenhaus befreit und ich denke mir, dass war auch kein schöner Ort für einen Jungen in dieser Zeit. Durch Herrn Bing, mag er auch noch so schlecht sein hat er einen Beruf ge/erlernt. Möchte ich an dieser Stelle gerne auch mal zu bedenken geben.

LG..starone... :winken:

Offline Tintenherz

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #20 am: 23. Oktober 2011, 12:22:59 »
Hallo liebe Leserunde,
ich habe noch einige Seiten weitergelesen und möchte mich gerne aus dieser Runde verabschieden. Mir sagt der Stil, in dem das Buch geschrieben ist, leider gar nicht zu. Ich komme nicht in die Geschichte rein und habe immer noch das Gefühl ein Kinder/- Jugendbuch zu lesen. Die Geschichte ist zu eindimensional geschrieben, irgendwie "bemüht" um Spannung und guten Ausdruck, der dann aber nicht erreicht wird.
Bitte seid mir nicht böse, aber es warten noch soo viele Bücher auf meinem SUB, die gelesen werden möchten.
Liebe Grüße
Tintenherz

Offline Tammy1982

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3187
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #21 am: 23. Oktober 2011, 12:34:44 »
Hallo Ihr Lieben,

@Tintenherz: Sehr schade, aber danke, dass du Bescheid gegeben hast!

Dass Ruven Bing sein ganzes Hab und Gut stiehlt, ist vielleicht moralisch nicht wirklich richtig, aber andererseits hat er ja anscheinend kein eigenes Geld von Bing bekommen, oder? Irgendwie habe ich mich dann auch ein bisschen gefreut, dass Hr. Bing ins Gefängnis kommt, nachdem sie die Bilder bei ihm finden...  :P
Ich stehe auch eher auf dem Standpunkt: "geschieht Bing ganz recht".    ;)
Immerhin wurde Ruven vom Waisenhaus an Bing mehr oder weniger verkauft - ich glaube nicht, dass er eine Art Arbeitsvereinbarung hat oder überhaupt einen eigenen Lohn bekommt.
Ich fürchte, die moralische Seite ist bei dieser Sache an mir völlig vorbei gegangen ... irgendwie habt ihr zwar recht wenn ihr sagt, das Klauen war auch nicht in Ordnung, aber gefühlsmäßig bin ich trotzdem auf Ruvens Seite.

Zumindest hat Ruven eine eigene Büchse für sich gehabt Seite 21 steht so was ganz unten auf der Seite davon zu lesen. Muss aber  ein Neustart gleich mit  Diebstahl und seinen Namenänderung beginnen?  Das kann schon zum Problem werden/oder auch sein.

Ich möchte in dieser Beziehung nicht unbedingt Dankbarkeit erhoffen/erwarten, aber Herr Bing hat ihn aus dem Waisenhaus befreit und ich denke mir, dass war auch kein schöner Ort für einen Jungen in dieser Zeit. Durch Herrn Bing, mag er auch noch so schlecht sein hat er einen Beruf ge/erlernt. Möchte ich an dieser Stelle gerne auch mal zu bedenken geben.

Gefühlsmäßig bin ich auch klar auf Ruven's Seiten. Trotz allem, gebe ich dir natürlich Recht starone, dass ein Diebstahl und eine Namensänderung nicht so die optimalen Bedingungen für einen Neustart sind. Und ich denke auch, dass es Ruven bei Bing besser gegangen ist, als noch im Heim vorher. Ich denke aber, dass ich genauso wie Ruven gehandelt hätte: Weg von Bing! Ob ich ihm sein ganzes Geld gestohlen hätte, weiß ich nicht. Aber ich hoffe auch, dass ich mich nie in so einer Situation wie Ruven wieder finden werde... :o

Also ich sehe da eher eine natürliche Behandlung dahinter ;). Denn was wird heute mit möglicherweise solch kranken Menschen gemacht erst mal werden  Pillen, Pillen und wieder Pillen verschrieben. Ist das eine bessere Lösung ???. Pillen mehr fällt heutigen Medizinern doch gar nicht mehr ein oder?
Mir kommt da eher die Kneippkur in den Sinn, da wird  im wirklich eiskalten Wasser herumgetreten und  es hilft die Abwehr zu stärken. Vielleicht hat der gute Doktor es eher auch als Schocktherapie gesehen damit Isabels-Beine wieder Gefühl bekommen damit Nerven stimuliert  werden und man möglicherweise so diese Blockade nach dem Unglück brechen kann.

An eine Kneipkur habe ich ehrlich gesagt nicht gedacht, aber da hast du Recht. Wechselbäder sollen ja gesund sein. Na gut, vielleicht sehe ich den Doktor doch nicht mehr als kompletten Folterer an, aber unsympathisch bleibt er mir trotzdem!  :P ;) Ich denke die Ärzte hatten damals genauso wie heute das Problem, dass seelische Leiden sehr schwer zu behandeln sind. Auch heute gibt es wirklich nur selten gute Ärzte. Oft ist es leider wirklich der Fall, dass man einfach eine Menge Pillen verschrieben bekommt und dann gefälligst gesund zu sein hat! Bei Isabel frage ich mich jedoch immer noch, ist das wirklich seelisch bedingt oder liegt da doch mehr vor?  :-\

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Offline starone

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 2840
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #22 am: 23. Oktober 2011, 18:21:05 »
Hallo Tammy,  :winken:

schön , dass ich deine Einstellung zum Doktor etwas zu positiven beeinflussen konnte. Aber ich denke mir,  er versucht sein Bestes und seiner Zeit entsprechende behandelt der Doktor mit seinen zur Verfügung stehenden Mittel ;).

Mit Isabel habe ich persönlich auch so meine Probleme, denn ich bin mir nicht wirklich sicher was mit dem Mädel wirklich los ist ???. Denn eigentlich hat sie ein gutes Leben...O.K. bis auf die Beingeschichte. Genug zu essen, Kaffee, Zucker, ich glaube das konnte sich nicht jeder leisten. Und dauert diese wechselnden Launen ::). Ich glaube hier hat jemand schon mal etwas von verwöhnter Göre geschrieben so kommt sie mir z.Z. leider eher auch vor.

Schade, finde auch ich den Ausstieg  von  " Tintenherz" aus dieser LR.

LG..starone... :winken: :lesen:

Offline Karla

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 36
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #23 am: 23. Oktober 2011, 18:53:30 »
Hallo liebe Leute,

leider ist mir gerade ein dickes, langes Posting im Nirvana des Internets verschwunden ... also nochmal, diesmal knapper:

Ich finde es immer noch sehr spannend, wie unterschiedlich Ihr die Figuren seht und bewertet!!!
Und dass @Tintenherz ausgestiegen ist, finde ich auch schade.

Bei Rezis und so gehört sich das ja nicht, dass man als Autor schnippisch auf Kritik reagiert. Da wir uns hier in einer Diskussionsrunde befinden, traue ich mich mal, nachzufragen.

Geht Euch das auch so, dass Euch die Sprache "Jugendbuchartig" erscheint? Wenn ja, woran liegt das?
Mir ist Sprache durchaus wichtig, sie dient nicht nur dem Transport von Handlung, sondern auch der Charakterisierung der Figuren, der Zeit, der Stimmung, dem Tempo und noch etlichen anderen Sachen.
Mir ging es weniger um "guten" als um "glaubwürdigen" Ausdruck, und genau das scheint bei Tintenherz nicht hinzuhauen.
Es ist mir bewusst, dass die meisten Romane heute versuche, die Sprach hinter der Geschichte zu "verstecken" - sie soll möglichst nicht auffallen.
Wenn sie es doch auf irgendeine Weise tut, kann es natürlich sein, dass das manche Leute einfach nicht mögen ... Pech für mich.

Es gibt aber diesen einen Kritikpunkt, dass die Geschichte eindimensional sei, und den kann ich tatsächlich nicht nachvollziehen.
Ich bin mir sehr sicher, dass es allein durch die Figuren mindestens immer zwei Dimensionen gibt - einfach, weil Leser sich immer uneins in ihrer Beurteilung sind:
Manche Leser bewerten Ruvens Handlungen als unmoralisch, manche finden, er könnte ruhig mal seine moralischen Bedenken aufgeben.
Manche Leser sehen in Isabel eher ein Opfer ihrer Zeit, manche sehen in ihr eine manipulative Göre.
Für manche ist Greipel ein selbstgefälliger Affe, manche sehen in ihm einen für seine Zeit fortschrittlichen Arzt, dem es um das Wohl seiner Patienten geht.
Ich hoffe, das ist so, weil die Figuren tatsächlich mehrere Seiten haben, widersprüchlich und zerrissen sind und in Beziehung zu anderen widersprüchlichen, zerrissenen Figuren stehen.
Auch der Plot hat Bezugspunkte, die über die pure Handlung hinausgehen. Aber dazu sage ich jetzt nichts, dann müsste ich ja zugeben, dass das Buch sich nicht selbst erschließt.  ;D
Und letztlich stimmt es ja, wenn ein Buch sich nicht erschließt und man in die Geschichte nicht reinkommt, kann man auch nichts darin entdecken, schon gar keine Mehrdimensionalität ... insofern, nichts für ungut, ich hoffe, Tintenherz hat mehr Glück mit dem nächsten Buch auf ihrem SUB.  :)

LGK
 

Offline Annabas

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1136
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #24 am: 23. Oktober 2011, 20:06:04 »
Hallo Karla,

mich erinnert weder die Geschichte noch die Sprache an ein Jugendbuch. Das einzige was mich am Anfang überrascht hat, war, dass Isabel erst 14 Jahre alt ist. Aufgrund des Textes auf der Rückseite hätte ich gedacht, dass Isabel und Ruven im Alter einander näher sind. Aber gestört hat mich das überhaupt nicht.

Ich habe erst die Hälfte des Buches gelesen, aber die sexuellen Anspielungen bisher deuten für mich auch nicht so auf ein Jugendbuch. Wobei man da natürlich anderer Ansicht sein kann - tatsächlich lese ich keine Jugendbücher, kann es also nicht aufgrund von Erfahrungswerten sagen. Reine Jugend- oder All-Age-Romane sind mir oft etwas zu schlicht gestrickt. 

Und eindimensional finde ich die Personen überhaupt nicht, im Gegenteil, gerade im zweiten Leseabschnitt hat sich für mich alles gedreht und ich kann noch nicht einschätzen, wer nun zu den "Guten" und wer zu den "Bösen" gehören wird. Nur Bing ist bisher eindeutig negtiv besetzt, so wie Elfi bisher eindeutig positiv ist. Aber ob das bis zum Ende hin so bleiben wird und vor allem: wohin sich die Geschichte selbst entwickelt, weiß ich ja jetzt noch nicht.

Grüße von Annabas  :winken:
:lesen:   "Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten." Rabindranath Tagore (1861-1941)

Offline starone

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 2840
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #25 am: 24. Oktober 2011, 07:51:41 »
mich erinnert weder die Geschichte noch die Sprache an ein Jugendbuch. Das einzige was mich am Anfang überrascht hat, war, dass Isabel erst 14 Jahre alt ist.

Hallo Karla, :winken:

da stimmte ich "Annabas" gerne zu. Einzig und alleine  das Alter von Isabel ist ein Knackpunkt, da könnte man auf Jugendbuch tippen. Aber da sollte man  einfach nicht die Zeit in der Dein Roman spielt vergessen und nicht versuchen das Alter der Isabel 1:1 in unsere heutige Zeit umwandeln, dass wäre meiner Meinung einfach ein Fehler.

Sicherlich hast du dir bei der Altersangabe der Isabel schon Gedanken gemacht, ob das Alter der Zeit entspricht ist ;). Dein Buch" hat Hand und Fuß ", denn es ist sehr vielschichtig und macht nicht nur auf Liebe, wie oft in Jugendbüchern. Es zeigt uns Lesern gesellschaftliche Einblicke in eine andere Zeit, eben die des Jahres ab 1870  und darauf sollte man sich einfach einlassen ;). Auch sind  Deine Personen sind gar nicht so einseitig, wie bemängelt worden ist, denn jeder hier von uns Lesern empfindet sie anderster was schon zu gutem Diskussionsstoff geführt hat.

LG..starone... :winken:

Offline Imlammenien

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3040
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #26 am: 24. Oktober 2011, 11:28:40 »
Hallo ihr Lieben,

das Wochenende hat mir leider keine Zeit zum Posten gelassen (wohl aber zum Lesen  :)), aber hier bin ich jetzt!  :winken:

Zum Inhalt des Abschnitts habt ihr ja schon eine Menge geschrieben, dem habe ich kaum etwas hinzuzufügen. Ich werde also lieber ein paar (für mich) wesentliche Eindrücke aufführen und zu einigen Fragen bzw. Diskussionspunkten Stellung nehmen.

Da wäre zuerst einmal die Frage nach meiner Sympathie für die Hauptfiguren (ich schrieb ja an anderer Stelle bereits, welche große Rolle Charaktere für mich spielen). Vorab muss ich sagen, dass ich keinen bisher besonders sympathisch finde, sondern vielmehr interessant. Ich habe sowohl bei Isabel als auch bei Ruven und Anna das Gefühl, dass wir von ihnen noch längst nicht alles wissen und sich hinter der bisher erlebten Fassade noch so manches Geheimnis finden wird. Außerdem hat jeder von ihnen (mindestens) ein massives Problem, das es zu lösen gilt. Diese Probleme oder Konflikte werden hoffentlich in den nächsten Abschnitten eine Rolle spielen und die Geschichte vorantreiben.

Ruven: Ein Mann mit einer ungeklärten Vergangenheit, an die er sich selbst nur bruchstückhaft erinnern kann. Hinzu kommt (für mich als Leserin) die Frage, zu welchen (kriminellen) Taten dieser junge Mann fähig ist bzw. wo er tatsächlich seine moralische Grenze zieht. Dass es ihm nicht leicht fällt Bing zu bestellen (obwohl der es ja nun wirklich verdient hat!), wird schnell deutlich. Doch warum nimmt Ruven dann dem Doktor gegenüber einen falschen Namen an? Irgendetwas steckt doch dahinter... Solange ich aber nicht weiß, was, halte ich mich hier mit Sympathiebekundungen zurück.

Isabel: Sie empfinde ich sowohl als sehr vielschichtigen als auch äußerst schwierigen Charakter. Gut, sie sitzt im Rollstuhl, was - insbesondere zur damaligen Zeit - kein leichtes Schicksal ist. Ihre Studien sprechen dafür, dass sie überdurchschnittlich intelligent ist. Und ein bisschen verwöhnt, denn mit 14 Jahren sollte sie den Ernst der Lage und die Notwendigkeit etwas zum Haushaltseinkommen beizusteuern, erkannt haben. Isabel ist vollkommen abhängig von Anna und Peter, doch gleichzeitig manipuliert sie diese beiden - insbesondere Peter - auch immer wieder gezielt. Gut, Peter scheint in sie verliebt zu sein und Anna fühlt sich ihr ebenfalls sehr verbunden. Doch wie wird ihre "Art" bei Ruven ankommen? In gewisser Weise erpresst sie ihn ja mit ihrem Wissen um den Diebstahl an Bing und seine falsche Indentität - ein ganz schönes "Früchtchen"! Und dann noch diese Sache, als sie sich bei der Fotosession in der Klinik absichtlich vor Ruven entblößt... für eine 14jährige fand ich das ganz schön heftig. An dieser Stelle habe ich mich kurzfristig gefragt, ob die gehbehinderte Isabel in der psychatrischen Klinik nicht vielleicht doch gut aufgehoben ist (wenn auch nicht ausgerechnet bei Doktor Greipel und seinen fiesen Behandlungsmethoden!). Ich schätze, Isabell wird noch mit der einen oder anderen Überraschung auswarten. Außerdem frage ich mich, an was für einer Krankheit sie nun wirklich leidet. Ganz sicher aber nicht, wie Doktor Greipel meint, an einer "wandernden Gebärmutter"...  ::)

Anna: Ihre Verbundenheit zu Isabel geht weit zurück. Doch wer ist sie wirklich? Ihre Tante? Ich glaube fast nicht, dass die beiden verwandt sind. Aber dennoch fühlt sich Anna dem Mädchen sehr verpflichtet. Auch das könnte noch zum Problem werden, denn Isabel braucht ihre Fürsorge. Doch Anna scheint nicht mehr die Jüngste zu sein, vom Leben schwer gezeichnet und gesundheitlich nicht sonderlich robust. Was geschieht mit Isabel, wenn Anna eines Tages nicht mehr für sie sorgen kann? Und woher kennt Anna Ruven? Und warum sagt sie ihm gegenüber nichts?

Dann sind da natürlich noch Peter und seine Mutter Elfie, die einzigen Figuren, von denen ich momentan sagen kann, dass ich sie sympathisch finde. Dafür sind sie aber auch nicht besonders geheimnisvoll.  ;)

Ich finde es sehr gelungen, wie Karla mit einem Mindestmaß an Beschreibungen die Szenerie für ihre Geschichte kreiert. Sie erspart und ellenlange Beschreibungen und doch kann ich mir die Welt, in der Isabel und die anderen Leben, richtig gut vorstellen.

Darauf dass "Die Seelenfotografin" ein Jugendbuch sein könnte, wäre ich nie gekommen. Allein schon, weil sich zuviel Sex zwischen den Seiten verbirgt.  ;D Aber auch vom Schreibstil, der Thematik und den Charakteren finde ich die Geschichte für Jugendliche völlig ungeeignet.

Auch Tintenherz' andere Einwände kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Natürlich kann es passieren, dass einem eine Geschichte nicht zusagt, warum auch immer. Aber in einer Leserunde würde ich dann doch erwarten, dass man - schon aus Respekt für den Autor und seine Mitleser - das Buch, das ja in diesem Fall nicht sehr umfangreich ist, trotzdem zuende liest und seine Einwände in die Diskussion einstreut. Ich erwähnte an anderer Stelle schon, dass ich auch gelegentlich Bücher, die mir nicht gefallen, nicht zuende lese. In einer Leserunde handhabe ich das aber nie so, denn auch negative Kommentare können für eine Diskussion sehr belebend und, wenn sie konstruktiv vorgebracht werden, für den Autor sehr hilfreich sein.
Aber genug dazu.

Jetzt bin ich jedenfalls sehr auf den nächsten Abschnitt gespannt und erwarte insgeheim, dass wir vielleicht das eine oder andere Geheimnis lüften, sich unsere Figuren aber weiter in  ihre Schwierigkeiten verstricken werden. Ich bin gespannt!  :lesen:

Geez,
Imlammenien  :winken:

Offline Imlammenien

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3040
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #27 am: 24. Oktober 2011, 11:32:20 »
Gerade auch bei dem "Anfall", den sie vor der Klinik hatte, weil sie ihren Willen nicht bekommen hat, hatte ich eher das Gefühl, dass sie ihre Krankheit auch bewusst einsetzt?  :-\ Aber vielleicht tut sie das nicht bewusst, sondern reagiert nur so? Keine Ahnung, kann sie wie gesagt noch nicht richtig einschätzen, aber sympathisch ist sie mir wie gesagt noch nicht.
Ich habe es so verstanden, dass Isabel nicht zum ersten Mal in Doktors Greipels Klinik zu "Gast" ist. Und bei den erschreckenden Behandlungsmethoden halte ich es eigentlich für ausgeschlossen, dass sie sich absichtlich in diese Situation bringt. Ich an ihrer Stelle würde um diese zweifelhafte Klinik den größtmöglichen Bogen machen!  :o
Aber ansonsten stimmte ich dir zu, Tammy. Ich habe auch den Eindruck, dass Isabel ihre Mitmenschen manipuliert, wann immer sie eine Gelegenheit dazu sieht. Vielleicht liebt sie das Gefühl der Macht über andere? Vielleicht steht es aber auch nur im Gegensatz zu der Ohnmacht, die sie tagtäglich in ihrem Rollstuhl und mit ihrer Krankheit erlebt?  :-\

Offline Jakob Schmidt

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 5
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #28 am: 24. Oktober 2011, 12:09:49 »
Ich bin leider ein bisschen vorinformiert, weil ich einen Großteil der Vorüberlegungen zu dem Roman schon kenne, aber trotzdem versuche ich mal, nicht zu spoilern ...

Also, prinzipiell erst mal zu den Dingen, die mir erwartungsgemäß positiv auffallen: Die Zeitatmosphäre ist wirklich sehr dicht, Hintergrundinformationen werden größtenteils sehr dezent vermittelt. Insbesondere wird dabei die Figurenperspektive immer genau eingehalten - was auch bedeutet, das die Erzählperspektiven alle nicht ganz zuverlässig sind. Das merkt man schon an Kleinigkeiten, z.B. daran, dass Peter Isabels Zimmer als unglaublich groß beschreibt, Anna dagegen als winzig. Man darf hier sicher keinen Standpunkt als ganze Wahrheit nehmen.
Insofern denke ich auch, dass Bing deshalb so ausschließlich negativ erscheint, weil wir ihn nur aus Ruvens Perspektive kennen. Wenn man Ruvens Selbstbild als "sittsamer Mann" infrage stellt (und Anlass genug geben seine sexuellen Fantasien dazu ja), dann erscheint er eigentlich als prüder, selbstgerechter Meister in der Kunst der Verdrängung. Seine eigene sexuellen Wünsche leugnet er vor sich selbst und schiebt stattdessen alles "Unreine" Bing zu - womit er dann gleich die Rechtfertigung hat, Bing zu ruinieren.

Was Isabel betrifft: Stimmt, sie ist manipulativ, daran besteht kein Zweifel. Aber andererseits hat sie kaum andere Möglichkeiten, zu ihren Zielen zu gelangen, als andere Menschen für sich einzuspannen. Insofern ist ihr verhalten zwar für andere Menschen oft verletzend und schädlich, aber von ihrer Warte aus legitim. Ansonsten könnte sie sich nur in die Rolle des hilfsbedürftigen Opfers ihrer Krankheit fügen. In meinen Augen muss man ihren Willen, die eigenen Ziele mit den ihr zu Gebote stehenden geringen Mitteln zu verfolgen, zumindest respektieren.

Offline starone

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 2840
Re: 1. Abschnitt - S. 5 - 95 (Teil I)
« Antwort #29 am: 24. Oktober 2011, 16:30:32 »
Gerade auch bei dem "Anfall", den sie vor der Klinik hatte, weil sie ihren Willen nicht bekommen hat, hatte ich eher das Gefühl, dass sie ihre Krankheit auch bewusst einsetzt?  :-\ Aber vielleicht tut sie das nicht bewusst, sondern reagiert nur so? Keine Ahnung, kann sie wie gesagt noch nicht richtig einschätzen, aber sympathisch ist sie mir wie gesagt noch nicht.
Ich habe es so verstanden, dass Isabel nicht zum ersten Mal in Doktors Greipels Klinik zu "Gast" ist. Und bei den erschreckenden Behandlungsmethoden halte ich es eigentlich für ausgeschlossen, dass sie sich absichtlich in diese Situation bringt. Ich an ihrer Stelle würde um diese zweifelhafte Klinik den größtmöglichen Bogen machen!  :o
Aber ansonsten stimmte ich dir zu, Tammy. Ich habe auch den Eindruck, dass Isabel ihre Mitmenschen manipuliert, wann immer sie eine Gelegenheit dazu sieht. Vielleicht liebt sie das Gefühl der Macht über andere? Vielleicht steht es aber auch nur im Gegensatz zu der Ohnmacht, die sie tagtäglich in ihrem Rollstuhl und mit ihrer Krankheit erlebt?  :-\

Hallo ihr Beiden,

also ich sehe die Behandlung gar  nicht als so schlimm an, denn Kneipp-Kuren..Wasserkuren... sind noch etwas eher natürliches oder? O.K. die Sache mit dem Strom, der wird heute abgeschwächt, aber gerne immer  noch zur Reizung der Nerven/Reizstrom benutzt  und vielleicht will gerade der Doktor diese erreichen und hoffe, dass sich möglicherweise bestimmte Blockaden dadurch öffnen. Seite 64 stehen da ein paar interessante Sachen dazu ;). Das der Doktor sagt ihre Beine wären gesund und das Problem  wäre rein seelisch Natur.

Ich glaube Isabel spielt gerne mit ihren Mitmenschen  ;). Denn sie ist weder dumm , noch ungeschickt mit zum Beispiel ihren  Händen oder? Auch sonst hat Isabel Hilfe wo immer sie welche braucht oder? Sie wird nicht versteckt vor der Welt und muss ihr Leben in einem einsamen Kämmerchen fristen, wie manch andere ihrer Zeit. Ich werde nicht schlau aus ihr ::).

LG..starone... :winken: :lesen: