Hallo ihr Lieben,
das Wochenende hat mir leider keine Zeit zum Posten gelassen (wohl aber zum Lesen

), aber hier bin ich jetzt!

Zum Inhalt des Abschnitts habt ihr ja schon eine Menge geschrieben, dem habe ich kaum etwas hinzuzufügen. Ich werde also lieber ein paar (für mich) wesentliche Eindrücke aufführen und zu einigen Fragen bzw. Diskussionspunkten Stellung nehmen.
Da wäre zuerst einmal die Frage nach meiner Sympathie für die Hauptfiguren (ich schrieb ja an anderer Stelle bereits, welche große Rolle Charaktere für mich spielen). Vorab muss ich sagen, dass ich keinen bisher besonders sympathisch finde, sondern vielmehr interessant. Ich habe sowohl bei Isabel als auch bei Ruven und Anna das Gefühl, dass wir von ihnen noch längst nicht alles wissen und sich hinter der bisher erlebten Fassade noch so manches Geheimnis finden wird. Außerdem hat jeder von ihnen (mindestens) ein massives Problem, das es zu lösen gilt. Diese Probleme oder Konflikte werden hoffentlich in den nächsten Abschnitten eine Rolle spielen und die Geschichte vorantreiben.
Ruven: Ein Mann mit einer ungeklärten Vergangenheit, an die er sich selbst nur bruchstückhaft erinnern kann. Hinzu kommt (für mich als Leserin) die Frage, zu welchen (kriminellen) Taten dieser junge Mann fähig ist bzw. wo er tatsächlich seine moralische Grenze zieht. Dass es ihm nicht leicht fällt Bing zu bestellen (obwohl der es ja nun wirklich verdient hat!), wird schnell deutlich. Doch warum nimmt Ruven dann dem Doktor gegenüber einen falschen Namen an? Irgendetwas steckt doch dahinter... Solange ich aber nicht weiß, was, halte ich mich hier mit Sympathiebekundungen zurück.
Isabel: Sie empfinde ich sowohl als sehr vielschichtigen als auch äußerst schwierigen Charakter. Gut, sie sitzt im Rollstuhl, was - insbesondere zur damaligen Zeit - kein leichtes Schicksal ist. Ihre Studien sprechen dafür, dass sie überdurchschnittlich intelligent ist. Und ein bisschen verwöhnt, denn mit 14 Jahren sollte sie den Ernst der Lage und die Notwendigkeit etwas zum Haushaltseinkommen beizusteuern, erkannt haben. Isabel ist vollkommen abhängig von Anna und Peter, doch gleichzeitig manipuliert sie diese beiden - insbesondere Peter - auch immer wieder gezielt. Gut, Peter scheint in sie verliebt zu sein und Anna fühlt sich ihr ebenfalls sehr verbunden. Doch wie wird ihre "Art" bei Ruven ankommen? In gewisser Weise erpresst sie ihn ja mit ihrem Wissen um den Diebstahl an Bing und seine falsche Indentität - ein ganz schönes "Früchtchen"! Und dann noch diese Sache, als sie sich bei der Fotosession in der Klinik absichtlich vor Ruven entblößt... für eine 14jährige fand ich das ganz schön heftig. An dieser Stelle habe ich mich kurzfristig gefragt, ob die gehbehinderte Isabel in der psychatrischen Klinik nicht vielleicht doch gut aufgehoben ist (wenn auch nicht ausgerechnet bei Doktor Greipel und seinen fiesen Behandlungsmethoden!). Ich schätze, Isabell wird noch mit der einen oder anderen Überraschung auswarten. Außerdem frage ich mich, an was für einer Krankheit sie nun wirklich leidet. Ganz sicher aber nicht, wie Doktor Greipel meint, an einer "wandernden Gebärmutter"...

Anna: Ihre Verbundenheit zu Isabel geht weit zurück. Doch wer ist sie wirklich? Ihre Tante? Ich glaube fast nicht, dass die beiden verwandt sind. Aber dennoch fühlt sich Anna dem Mädchen sehr verpflichtet. Auch das könnte noch zum Problem werden, denn Isabel braucht ihre Fürsorge. Doch Anna scheint nicht mehr die Jüngste zu sein, vom Leben schwer gezeichnet und gesundheitlich nicht sonderlich robust. Was geschieht mit Isabel, wenn Anna eines Tages nicht mehr für sie sorgen kann? Und woher kennt Anna Ruven? Und warum sagt sie ihm gegenüber nichts?
Dann sind da natürlich noch Peter und seine Mutter Elfie, die einzigen Figuren, von denen ich momentan sagen kann, dass ich sie sympathisch finde. Dafür sind sie aber auch nicht besonders geheimnisvoll.

Ich finde es sehr gelungen, wie Karla mit einem Mindestmaß an Beschreibungen die Szenerie für ihre Geschichte kreiert. Sie erspart und ellenlange Beschreibungen und doch kann ich mir die Welt, in der Isabel und die anderen Leben, richtig gut vorstellen.
Darauf dass "Die Seelenfotografin" ein Jugendbuch sein könnte, wäre ich nie gekommen. Allein schon, weil sich zuviel Sex zwischen den Seiten verbirgt.

Aber auch vom Schreibstil, der Thematik und den Charakteren finde ich die Geschichte für Jugendliche völlig ungeeignet.
Auch Tintenherz' andere Einwände kann ich überhaupt nicht nachvollziehen. Natürlich kann es passieren, dass einem eine Geschichte nicht zusagt, warum auch immer. Aber in einer Leserunde würde ich dann doch erwarten, dass man - schon aus Respekt für den Autor und seine Mitleser - das Buch, das ja in diesem Fall nicht sehr umfangreich ist, trotzdem zuende liest und seine Einwände in die Diskussion einstreut. Ich erwähnte an anderer Stelle schon, dass ich auch gelegentlich Bücher, die mir nicht gefallen, nicht zuende lese. In einer Leserunde handhabe ich das aber nie so, denn auch negative Kommentare können für eine Diskussion sehr belebend und, wenn sie konstruktiv vorgebracht werden, für den Autor sehr hilfreich sein.
Aber genug dazu.
Jetzt bin ich jedenfalls sehr auf den nächsten Abschnitt gespannt und erwarte insgeheim, dass wir vielleicht das eine oder andere Geheimnis lüften, sich unsere Figuren aber weiter in ihre Schwierigkeiten verstricken werden. Ich bin gespannt!

Geez,
Imlammenien
