Leserundenarchiv > Arno Strobel – Der Trakt
01 - Anfang bis Ende Kapitel 8 (S.69)
Scorch:
--- Zitat von: irismaria am 08. Oktober 2011, 14:25:47 ---Letzlich - was macht jemanden zu dieser Person? Was meint ihr?
--- Ende Zitat ---
Ui das ist ja philosophisch, aber ich würde mich auch für die DNA entscheiden.. denn ansonsten hat die Justiz überhaupt keine Anhaltspunkte über die wahre Identität von Menschen. Und wie wir gerade sehen, kann man die Erinnerungen scheinbar mühelos (?) ein wenig verfälschen und schwupps bist du nicht mehr du selbst. :o
Luinil:
Hallo ihr Lieben,
ich habe das Buch letztes Jahr bereits gelesen, beteilige mich aber trotzdem nochmal an der Lesereise. Jedoch ist es deshalb bei mir mit Spekulationen etwas schlecht, da ich ja weiß, wie es weiter-/ ausgeht.
Das Buch hat mich ebenfalls sofort gepackt. Die Darstellung von Sibylle, die natürlich von ihrem Leben zunächst überzeugt ist, und um ihren Sohn fürchtet und dann nach und nach gesagt bekommt, dass sie nicht die ist, die sie zu sein glaubt, fand ich sehr spannend, aber das hat mich auch mitgenommen. Ich habe mir vorgestellt, wie einsam sie sich fühlen muss, wenn man vor dem Menschen steht, von dem man glaubt, dass er der Partner ist, aber man nicht erkannt wird, oder wenn man seinen Sohn finden will, finden muss und alle sagen, man habe gar keinen Sohn...
Ich dachte auch zunächst, dass man Sibylle verändert hat, und sie deshalb nicht von ihrer Umgebung erkannt wurde. Aber als es hieß, dass sie größer sei, als die „alte“ Sibylle, dachte ich dann, dass es eine Art Gehirnwäsche sein muss.
Rosie ist zwar nett, aber ich war trotzdem skeptisch, ob sie nicht ein doppeltes Spiel spielt.
--- Zitat von: irismaria am 08. Oktober 2011, 14:25:47 ---Mich beschäftigt gerade eine andere Frage: Stellt euch vor, es wäre tatsächlich so, dass jemand die Erinnerungen von Sibylle Aurich und die einer anderen Frau ausgetauscht hätte (ohne die Möglichkeit, es rückgängig machen zu können)?
Wer könnte dann behaupten, die richtige Sibylle Aurich zu sein? Die mit dem Aussehen, den Fingerabdrücken und der DNA von Sibylle oder die mit den Erinnerungen? Letzlich - was macht jemanden zu dieser Person? Was meint ihr?
--- Zitat von: butterfly am 08. Oktober 2011, 18:05:12 ---Ich denke, beides macht einen zu dem Menschen, der man ist: das Äußere und das Innere. Das Äußere beeinflusst das Innere und umgekehrt.
--- Ende Zitat ---
--- Zitat von: apassionata am 08. Oktober 2011, 19:08:05 ---Für mich macht alles zusammen im gemeinsamen Zusammenspiel den Menschen aus. Klar wiegen auch für mich die inneren Werte sehr viel mehr als das Äußeren. Doch manchmal sind wir, zum Beispiel in unserem Selbstbewusstsein oder der Fähigkeit auf andere Zuzugehen, gerade so wie es ist, weil wir ein gewisses Äußeres, eine gewissen Wirkung auf unser Umfeld haben. [...] Es ist ein ständiger Lernprozess, denn wir werden nicht mit unseren inneren Eigenschaften geboren. Jeder Mensch hat durch gute, schlechte oder falsche Erziehung und Erfahrungen stets die Möglichkeit zu wählen oder auszubrechen. Aber auch hier ist stest das Umfeld entscheidend. Rechtlich betrachtet für mich also nicht zu trennen. Wir sind wer wir sind weil wir leben. Ein ständiger Prozess.
--- Ende Zitat ---
--- Ende Zitat ---
Eine sehr gute und wichtige Frage, die Butterfly und Apassionata schon sehr gut beantwortet haben.
Ich finde auch, dass man rechtlich gesehen nach der DNA entscheiden würde. Darin sieht man eine gewisse Sicherheit. Allerdings zählt dies nicht alleine. Die inneren Werte, die Gedanken und Erinnerungen machen einen Menschen ebenso stark aus.
Die inneren Werte werden durch das Umfeld ausgebildet. Eine große Rolle spielt hier die Kindheit, aber das kann auch später noch einmal beeinflusst werden. Und ebenso wichtig sind für mich die Erinnerungen. Das, was ein Mensch erlebt hat, jeder Stein der einem im Weg lag, oder jedes schöne Erlebnis, formt die Person und beeinflusst sie ein Leben lang und macht sie zu dem, was wiederum andere wahrnehmen.
Bei einem Alzheimerpatienten geht diese Erinnerung verloren, Stück für Stück, bis derjenige seine Umgebung und sich selbst nicht mehr kennt. Rechtlich gesehen und auch mit einem normalen Menschenverstand, sieht man diese Person immer noch als den an, der er ist. Aber emotional ist dies schwierig, da alles das, was die Person einmal ausgemacht hat, nach und nach ins Nichts verschwindet und plötzlich ein anderer Mensch vor einem sitzt.
@edit: Zitatstruktur bereinigt.
smyrill:
--- Zitat von: Scorch am 09. Oktober 2011, 16:46:13 ---
--- Zitat von: irismaria am 08. Oktober 2011, 14:25:47 ---Letzlich - was macht jemanden zu dieser Person? Was meint ihr?
--- Ende Zitat ---
Ui das ist ja philosophisch, aber ich würde mich auch für die DNA entscheiden.. denn ansonsten hat die Justiz überhaupt keine Anhaltspunkte über die wahre Identität von Menschen. Und wie wir gerade sehen, kann man die Erinnerungen scheinbar mühelos (?) ein wenig verfälschen und schwupps bist du nicht mehr du selbst. :o
--- Ende Zitat ---
Rein rechtlich MUSS es die DNA sein... anders geht es ja gar nicht.
Zumal ja Frau X wenn sie ihr Gedächtnis verliert immer noch Frau X ist. Also, bei Unfall, Demenz oder so.
Aber wenn man mir meinen Mann mit gleicher DNA aber anderem "Innenleben" hier vor die Tür stellen würde, könnte ich mit dem wohl nciht viel anfangen.
Wenn es aber um Demenz, Alzheimer, Unfälle geht, kommen die Angehörigen ja auch damit klar, das sie also WISSEN es ist ihr Mann/Vater/Sohn (...) und eben auch wissen, das er sich an nichts erinnern kann, aber sie erkennen ihn als ihren Angehörigen und versuchen mit ihm so "klarzukommen".
D.h. es gibt außer den... ich sag mal Erinnerungen einerseits und der DNA andererseits auch noch die Komponente der.... hm.. Einstellung der Umwelt".
Würden jetzt alle anderen Personen Sibylle so annehmen wie sie ist (weil ihnen jemand eine plausible Erklärung dafür gegeben hat, warum sie jetzt anders ist) dann würde das leben für Sibylle so funktionieren.
Das hat jetzt aber nicht mehr viel mit dem Buch zu tun ;)
apassionata:
--- Zitat von: smyrill am 11. Oktober 2011, 09:35:47 ---Aber wenn man mir meinen Mann mit gleicher DNA aber anderem "Innenleben" hier vor die Tür stellen würde, könnte ich mit dem wohl nciht viel anfangen.
--- Ende Zitat ---
;D
--- Zitat von: smyrill am 11. Oktober 2011, 09:35:47 ---Wenn es aber um Demenz, Alzheimer, Unfälle geht, kommen die Angehörigen ja auch damit klar, das sie also WISSEN es ist ihr Mann/Vater/Sohn (...) und eben auch wissen, das er sich an nichts erinnern kann, aber sie erkennen ihn als ihren Angehörigen und versuchen mit ihm so "klarzukommen".
D.h. es gibt außer den... ich sag mal Erinnerungen einerseits und der DNA andererseits auch noch die Komponente der.... hm.. Einstellung der Umwelt".
Würden jetzt alle anderen Personen Sibylle so annehmen wie sie ist (weil ihnen jemand eine plausible Erklärung dafür gegeben hat, warum sie jetzt anders ist) dann würde das leben für Sibylle so funktionieren.
Das hat jetzt aber nicht mehr viel mit dem Buch zu tun ;)
--- Ende Zitat ---
Ich finde es schon interessant und zugehörig zum Buch. Schließlich stellt sich ja auch bei Sibylle die Frage: Wer bin ich noch? Was macht mich aus? ;)
smyrill:
Stimmt, richtig OT ist es nicht ;)
Und es schließt sich dann ja auch die Frage an, wie aus Sybille wieder ein "komletter und echter" Mensch wird.
Denn es gibt ja den Körper "Jane" und die Erinnerungen Sybille.
Irgendwo müßte zumindest noch ein Körper von Sibylle rumlaufen. Der dann evtl mit den Erinnerungen von "Jane" .
oder wer weiß, aus wievielen Komponenten das zusammengesetzt wird :o
Und evtl gibt es ja auch noch quasi "künstliche Komponenten", also, die mit Lukas zB.
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