Autor Thema: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler  (Gelesen 380 mal)

Offline Imlammenien

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Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« am: 22. September 2011, 19:30:12 »
Hier ist Platz für Fragen an Nicole C. Vosseler, die nicht direkt etwas mit dem Buch "Sterne über Sansibar" zu tun haben.

Offline Luinil

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #1 am: 26. September 2011, 22:27:24 »
Ich habe mir Pendant zu diesem Thread bei Unter dem Safranmond durchgelesen, damit ich nicht grundlegendes doppelt frage ;)

Nicole, du hattest geschrieben, dass du schon immer Autorin werden wolltest. Wann hast du denn angefangen zu schreiben?

Wann wusstest du, dass du deine Romane mit wahren Begebenheiten und Details untermauern möchtest? Was war zuerst? Die Idee Romane über historische Geschehnisse zu schreiben oder die Geschichten, die dich zu Romanen inspiriert haben?


Offline Luinil

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #2 am: 26. September 2011, 22:42:32 »
Nachdem ich grade weiter das Internet nach deinen Büchern durchsuche, gleich die nächste Frage:

Du hast unter einem Pseudonym Das Vermächtnis Shivas geschrieben. Ist das richtig?
Was bewegte dich dazu, hier nicht deinen Namen aufs Buch setzen zu lassen?

Offline Nicole C.

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #3 am: 26. September 2011, 23:17:02 »
Hallo Luinil,  :winken:

Ich habe mir Pendant zu diesem Thread bei Unter dem Safranmond durchgelesen, damit ich nicht grundlegendes doppelt frage ;)

Och, das wäre von meiner Seite aus auch nicht weiter schlimm gewesen!  ;)

Nicole, du hattest geschrieben, dass du schon immer Autorin werden wolltest. Wann hast du denn angefangen zu schreiben?

Abgesehen von allerersten Gehversuchen mit Gedichten als Grundschülerin nach dem Motto "Reim dich oder ich fress dich"  ;D hab ich so mit 17, 18 angefangen, Kurzgeschichten und ein bisschen "ernsthaftere" Gedichte zu schreiben, weil mir das machbarer erschien als einen ganzen Roman stemmen zu wollen, obwohl Roman immer das langfristige Ziel war.
Zwei dieser Gedichte sind dann auch bei (zugegebenermaßen recht kleinen  ;) ) Wettbewerben ausgezeichnet worden. So um das Abitur herum habe ich dann an einem Lyrik-Workshop teilgenommen, an dem meine Werke und ich dermaßen zerpflückt wurden, dass ich erstmal lange keine Zeile mehr schrieb. Aber ich bekam mit den besten Ratschlag meines Lebens mit auf den Weg (von Albert Ostermaier himself; seither lächel ich immer in mich hinein, wenn ich irgendwo im Feuilleton was über ihn lese): "Du hast durchaus was zu sagen - du hast nur noch nicht deine Form gefunden."
Ich hab dann halbherzig mit Romananfängen herumprobiert, bis mir klar wurde, ich hab einfach den Stoff noch nicht gefunden, über den ich wirklich schreiben WILL.
Mit 24 hatte ich ihn dann, den Stoff zu meinem Erstling, "Südwinde", und eigentlich wollte ich erst mal nur probieren, ob ich das kann, einen ganzen Roman zu Ende zu schreiben, und herausfinden, wie das überhaupt geht - und dann wurde er tatsächlich nicht nur fertig, sondern sogar veröffentlicht.

Wann wusstest du, dass du deine Romane mit wahren Begebenheiten und Details untermauern möchtest? Was war zuerst? Die Idee Romane über historische Geschehnisse zu schreiben oder die Geschichten, die dich zu Romanen inspiriert haben?

Das wusste ich sehr früh - hm, ich will nicht lügen, aber ich schätze mal, seit ich so 15 war, plusminus ein, zwei Jährchen vielleicht?  :-\
Ich bin in einem geschichtsbegeisterten Elternhaus aufgewachsen und habe da auch schon recht bald historische Romane in die Finger bekommen. Das war gleich irgendwie "meins"; vor allem, wenn der Autor es verstand, dass ich in die Roman-Welt komplett abtauchen und die Vergangenheit mit-erleben konnte. Mir ist das bis heute ein Kummer, dass Zeitreisen nicht möglich sind; historische Romane sind da immerhin eine ganz gute Alternative.

Aber ich hatte eben sehr lange keinen Stoff, der mich so packte, dass ich die Energie und die Disziplin für ein ganzes Manuskript aufgebracht hätte, das hat ja dann doch noch ein paar Jahre gedauert. 

Andererseits sehe ich heute, dass doch einige meiner Romanideen damals ihren Ursprung haben. Spontan denke ich dabei an mein Jugendbuch "Das Haus der Spione" / "Der jüngste Spion der Königin", das durchaus seine Wurzeln darin hat, dass bei uns zuhause die Tudorzeit ein großes Thema war.

Nachdem ich grade weiter das Internet nach deinen Büchern durchsuche, gleich die nächste Frage:

Du hast unter einem Pseudonym Das Vermächtnis Shivas geschrieben. Ist das richtig?
Was bewegte dich dazu, hier nicht deinen Namen aufs Buch setzen zu lassen?


Ja, das stimmt, "Charlotte Wolf" bin auch ich.  :winken:
(und über alle Maßen froh, dass da auch nie ein Geheimnis draus gemacht wurde!)

Ich hatte die Idee zu diesem Buch schon länger im Kopf; mich hatte es in den Fingern gejuckt, mal etwas Anderes zu schreiben, etwas Leichteres, mit Zeitebenen und Erzählformen zu experimentieren. Zu Lübbe wollt ich's nicht bringen, einerseits, weil das Experiment ja auch gnadenlos hätte schiefgehen können, andererseits, weil es für mein Empfinden komplett aus der Reihe der bisherigen Bücher herausfiel - und da sich die Möglichkeit ergab, das bei fredebold herauszubringen, haben wir's dort gemacht.
Das Pseudonym sollte vor allem für die Leser ein deutliches Signal sein: Achtung, ist zwar von derselben Autorin, aber etwas ganz anderes, als das, was ihr sonst von ihr kennt. Für mich ist es das auch, es ist mein "Kleines", das viel leichter und spritziger daherkommt (weshalb wir es im Bekanntenkreis den "Prosecco-Roman" getauft haben  ;D ) - nicht zuletzt, weil ich da meinem Hang zu skurrilen Charakteren völlig freien Lauf lassen konnte.  :)
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Offline Luinil

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #4 am: 27. September 2011, 08:59:15 »
Nicole, du hattest geschrieben, dass du schon immer Autorin werden wolltest. Wann hast du denn angefangen zu schreiben?

Abgesehen von allerersten Gehversuchen mit Gedichten als Grundschülerin nach dem Motto "Reim dich oder ich fress dich"  ;D hab ich so mit 17, 18 angefangen, Kurzgeschichten und ein bisschen "ernsthaftere" Gedichte zu schreiben, weil mir das machbarer erschien als einen ganzen Roman stemmen zu wollen, obwohl Roman immer das langfristige Ziel war.
Zwei dieser Gedichte sind dann auch bei (zugegebenermaßen recht kleinen  ;) ) Wettbewerben ausgezeichnet worden. So um das Abitur herum habe ich dann an einem Lyrik-Workshop teilgenommen, an dem meine Werke und ich dermaßen zerpflückt wurden, dass ich erstmal lange keine Zeile mehr schrieb. Aber ich bekam mit den besten Ratschlag meines Lebens mit auf den Weg (von Albert Ostermaier himself; seither lächel ich immer in mich hinein, wenn ich irgendwo im Feuilleton was über ihn lese): "Du hast durchaus was zu sagen - du hast nur noch nicht deine Form gefunden."
Ich hab dann halbherzig mit Romananfängen herumprobiert, bis mir klar wurde, ich hab einfach den Stoff noch nicht gefunden, über den ich wirklich schreiben WILL.
Mit 24 hatte ich ihn dann, den Stoff zu meinem Erstling, "Südwinde", und eigentlich wollte ich erst mal nur probieren, ob ich das kann, einen ganzen Roman zu Ende zu schreiben, und herausfinden, wie das überhaupt geht - und dann wurde er tatsächlich nicht nur fertig, sondern sogar veröffentlicht.

Oh, dass der erste Roman direkt veröffentlicht wurde, ist toll. Das ist ja nicht immer der Fall. :)
Ich habe immer Respekt, wenn jemand früh anfängt und schreibt, Gedichte oder Geschichten. Ich habe leider nie die Geduld gehabt, an einer Geschichte dran zu bleiben. Aber wahrscheinlich hatte ich einfach noch nie die fesselnde Idee, die mich nicht mehr loslässt.

Wann wusstest du, dass du deine Romane mit wahren Begebenheiten und Details untermauern möchtest? Was war zuerst? Die Idee Romane über historische Geschehnisse zu schreiben oder die Geschichten, die dich zu Romanen inspiriert haben?

Das wusste ich sehr früh - hm, ich will nicht lügen, aber ich schätze mal, seit ich so 15 war, plusminus ein, zwei Jährchen vielleicht?  :-\
Ich bin in einem geschichtsbegeisterten Elternhaus aufgewachsen und habe da auch schon recht bald historische Romane in die Finger bekommen. Das war gleich irgendwie "meins"; vor allem, wenn der Autor es verstand, dass ich in die Roman-Welt komplett abtauchen und die Vergangenheit mit-erleben konnte. Mir ist das bis heute ein Kummer, dass Zeitreisen nicht möglich sind; historische Romane sind da immerhin eine ganz gute Alternative.

Aber ich hatte eben sehr lange keinen Stoff, der mich so packte, dass ich die Energie und die Disziplin für ein ganzes Manuskript aufgebracht hätte, das hat ja dann doch noch ein paar Jahre gedauert. 

Andererseits sehe ich heute, dass doch einige meiner Romanideen damals ihren Ursprung haben. Spontan denke ich dabei an mein Jugendbuch "Das Haus der Spione" / "Der jüngste Spion der Königin", das durchaus seine Wurzeln darin hat, dass bei uns zuhause die Tudorzeit ein großes Thema war.

Jaa, Zeitreisen wären super!

Woher kommt denn deine Begeisterung für den Orient? Hast du die Gegenden, von den du schreibst, auch schon besucht?
Ich selbst finde, dass aus den arabischen Geschichten und dem Orient etwas sehr magisches ausgeht, das einen schnell gefangen nimmt. Dort gibt es viel zu entdecken. Selbst dort war ich aber noch nicht.

Nachdem ich grade weiter das Internet nach deinen Büchern durchsuche, gleich die nächste Frage:

Du hast unter einem Pseudonym Das Vermächtnis Shivas geschrieben. Ist das richtig?
Was bewegte dich dazu, hier nicht deinen Namen aufs Buch setzen zu lassen?


Ja, das stimmt, "Charlotte Wolf" bin auch ich.  :winken:
(und über alle Maßen froh, dass da auch nie ein Geheimnis draus gemacht wurde!)

Ich hatte die Idee zu diesem Buch schon länger im Kopf; mich hatte es in den Fingern gejuckt, mal etwas Anderes zu schreiben, etwas Leichteres, mit Zeitebenen und Erzählformen zu experimentieren. Zu Lübbe wollt ich's nicht bringen, einerseits, weil das Experiment ja auch gnadenlos hätte schiefgehen können, andererseits, weil es für mein Empfinden komplett aus der Reihe der bisherigen Bücher herausfiel - und da sich die Möglichkeit ergab, das bei fredebold herauszubringen, haben wir's dort gemacht.
Das Pseudonym sollte vor allem für die Leser ein deutliches Signal sein: Achtung, ist zwar von derselben Autorin, aber etwas ganz anderes, als das, was ihr sonst von ihr kennt. Für mich ist es das auch, es ist mein "Kleines", das viel leichter und spritziger daherkommt (weshalb wir es im Bekanntenkreis den "Prosecco-Roman" getauft haben  ;D ) - nicht zuletzt, weil ich da meinem Hang zu skurrilen Charakteren völlig freien Lauf lassen konnte.  :)

Oh, Experimente mit Zeitebenen und Erzählformen? Dann wandert das Buch noch etwas höher auf meine Wunschliste, das mag ich sehr. (Skurrile Charaktere auch) :) Ich bin gespannt ;)

Ja, für etwas komplett anderes ein Pseudonym zu verwenden, ist eine gute Möglichkeit zu zeigen, dass man hier etwas anderes macht und der Leser etwas anderes zu erwarten hatte. Ein amerikanischer Autor, den ich sehr gerne lese, macht das auch so, er schreibt unter seinem echt Namen Thriller, unter einem Pseudonym Fantasy. Und da gibt es sicher noch viele andere Fälle. Ich finde es auch immer gut, wenn da kein Geheimnis daraus gemacht wird.

Offline Nicole C.

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #5 am: 27. September 2011, 15:33:11 »
Oh, dass der erste Roman direkt veröffentlicht wurde, ist toll. Das ist ja nicht immer der Fall. :)

Nein, das ist es wirklich nicht - und hätte meine beste Freundin, die das Manuskript lesenderweise in seinem Entstehen begleitet hat, nicht immer Nachschub eingefordert und mich danach kräftig angestupst, hätte ich es wohl weder fertiggeschrieben noch mich je getraut, es irgendwo hinzuschicken. Bücher zu schreiben, das war immer ein Traum für "später mal", dass das doch recht früh dazu kam, hat mich selbst sehr überrascht - und noch mehr, was in den letzten zehn Jahren daraus geworden ist.

Ich habe immer Respekt, wenn jemand früh anfängt und schreibt, Gedichte oder Geschichten. Ich habe leider nie die Geduld gehabt, an einer Geschichte dran zu bleiben. Aber wahrscheinlich hatte ich einfach noch nie die fesselnde Idee, die mich nicht mehr loslässt.

Obwohl ich sehr oft eine ziemliche Trödeliese bin, hat mich der Herrgott vergessen, als er Geduld ausgeteilt hat - ich bin ganz und gar kein geduldiger Mensch, dafür ein Dickschädel, der sehr unleidig wird, wenn was nicht so läuft, wie er es will. Eigentlich keine sonderlich guten Voraussetzungen für's Bücherschreiben, aber da bringe ich zu meinem eigenen Erstaunen dann doch immer wieder die Geduld auf. Es gibt zwar durchaus Tage, da könnte ich das bislang Geschriebene an die Wand werfen, weil ich einfach nimmer mag, aber danach geht's dann doch weiter. Ich glaube aber auch, dass das nur funktioniert, solange ich an einer Geschichte schreibe, die mich wirklich gepackt hat, deren Charaktere mir am Herzen liegen - anders könnte ich mir das nicht vorstellen.


Woher kommt denn deine Begeisterung für den Orient? Hast du die Gegenden, von den du schreibst, auch schon besucht?
Ich selbst finde, dass aus den arabischen Geschichten und dem Orient etwas sehr magisches ausgeht, das einen schnell gefangen nimmt. Dort gibt es viel zu entdecken. Selbst dort war ich aber noch nicht.

Ich kann das eigentlich gar nicht konkret an etwas festmachen, da war gefühlt schon immer eine gewisse Grundfaszination da. Ja, etwas Magisches, auch die Extreme, und mich reizt immer wieder aufs Neue, den Zusammenprall unterschiedlicher Welten zu schildern. In Nordafrika habe ich gemerkt, dass mir die arabische Mentalität (ich nenn das jetzt ganz pauschal mal so, obwohl es bei allen Gemeinsamkeiten doch erhebliche Unterschiede gibt) sehr liegt; damit fühle ich mich wohl, dafür habe ich auf eine Art ein ganz intuitives Verständnis, obwohl es trotzdem spürbar nicht "meine" Kultur ist. Und irgendwann während der Arbeit am "Safranmond" war für mich auch das Bedürfnis da, mich mit dem Islam zu beschäftigen und am Rande der eigentlichen Geschichte über ihn zu schreiben. Gerade in der heutigen Zeit.

Ich reise unheimlich gerne, aber nicht zwingend zu den Schauplätzen meiner Romane, das ist recht unterschiedlich, vermutlich nicht einmal logisch, wie ich das handhabe.
Ich versuche mit meinem Büchern so dicht wie möglich am Zeitgeist der jeweiligen Epoche zu bleiben, und dazu gehört für mich, Orte mit den Sinnen der Menschen wahrnzunehmen, die damals dort waren; die Reiseberichte, die damals geschrieben wurden, erscheinen mir wesentlich sinnvoller und vor allem auch authentischer als meine eigene Wahrnehmung, die ja doch sehr durch mein Leben im 21. Jahrhundert eingefärbt ist. Auch auf Sansibar war ich nicht, das wollte ich ganz aus Salimas Perspektive schildern und mich, Nicole, so weit wie möglich dabei heraushalten.

Manchmal spielen die Bücher auch an Orten, in die man auch heutzutage besser nicht reist. Und so sehr es mir widerstrebt, das zu sagen, so ist es leider halt doch Realität: schon gar nicht als Frau. Beim "Safranmond" war es so und auch bei meinem nächsten Buch - ich halte mich zwar durchaus für abenteuerlustig, aber allzu leichtfertig mag ich damit auch nicht sein.

Allerdings war ich vor zwei Jahren in Nordafrika und habe ein paar meiner Eindrücke sowohl in "Sterne über Sansibar" als auch in das kommende Buch eingeflochten; das war aber mehr eine Reise "für mich" und nicht "für ein Buch" und diese Eindrücke musste ich auch erst einmal noch daraufhin überprüfen, ob man die im 19. Jahrhundert auch gehabt haben könnte. Und mir war es persönlich sehr wichtig, in Hamburg die Wege Salimas zu gehen und vor allem an ihrem Grab zu stehen - auch für mich. Von einer Reise habe ich eine Idee mitgebracht, von der ich hoffe, dass ich sie mal noch schreiben werde - und dieses Jahr geht es noch für mich nach Asien, nicht direkt an den Schauplatz des Romans, an dem ich gerade arbeite, aber doch in die Nähe. Auch wieder "für mich".  :)
(Also - zumindest war's so gedacht gewesen. Vielleicht bringe ich auf Verlagswunsch aber nun doch eine Geschichte von dort mit, so mich eine findet.  ;))

Komplett anders verhält es sich für mich mit Geschichten, die in der Jetztzeit angesiedelt sind. Ich habe mir letztes Jahr in einer ganz anderen Ecke der Welt die Hacken abgelaufen, um Schauplätze für das Jugendbuch zu finden, das ich im kommenden Jahr schreiben werde, und Hunderte von Fotos mitgebracht, und ich werd da auch nächstes Jahr wieder hin, um eine zweite Idee zu bebrüten, die mir im Nachhinein kam. Bei diesen beiden Geschichten ist mir das Jetzt so unglaublich wichtig, diese aktuelle Perspektive, dass mir definitiv etwas fehlen würde, wäre ich nicht dort gewesen.

Einen Besuch Cairos kann ich jedem nur ans Herz legen - vielleicht nicht unbedingt in der nächsten Zeit, sondern erst, wenn aus dem "arabischen Frühling" weitestgehend ein stabiler Dauerzustand geworden ist. Die Stadt verlangt einem viel ab, gerade, wenn man aus unserem beschaulichen Deutschland kommt, aber man bekommt ungleich mehr zurück, wenn man sich darauf einlässt.

Oh, Experimente mit Zeitebenen und Erzählformen? Dann wandert das Buch noch etwas höher auf meine Wunschliste, das mag ich sehr. (Skurrile Charaktere auch) :) Ich bin gespannt ;)

Wenn Du es je lesen solltest, wäre ich auch sehr gespannt - wie es Dir überhaupt damit geht und ob es für Dich spürbar anders ist als das, was Du bisher von mir kennst!  :winken:

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Offline mamasein2009

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #6 am: 03. Oktober 2011, 13:36:31 »
Fragen, die mir seit gestern im Kopf umher geistert   ;D

Nicole, wenn du mitten im Verfassen eines Romanes bist, kann es dann mal vorkommen, dass du wie die Protagonistin denkst? Dass Du Dich in sie hineinversetzt?

Zur Geschichte von Sansibar. Hast Du zur Recherche englische Literatur und/oder auch arabische Literatur verwendet?

Offline Nicole C.

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #7 am: 03. Oktober 2011, 15:02:58 »
Hallo mamasein2009  :winken:,

Nicole, wenn du mitten im Verfassen eines Romanes bist, kann es dann mal vorkommen, dass du wie die Protagonistin denkst? Dass Du Dich in sie hineinversetzt?

Sich so weit in die Protagonisten hineinzuversetzen, so zu denken und so zu fühlen wie sie, die Welt mit ihren Sinnen wahrzunehmen, ist für mich die Grundvoraussetzung, um überhaupt erst schreiben zu können. Meist beginne ich schon damit, während ich noch am vorangegangenen Roman schreibe - auch wenn's vielleicht ein bisschen seltsam klingt: das ist dann für mich Entspannung in der Freizeit oder nach einem langen Arbeitstag. Intensiver wird's dann während der Feinrecherche, und deshalb dauert's bei mir auch immer relativ lange, bis ich den ersten Satz eines Romans schreibe, weil ich wirklich erst dann mit Schreiben anfange, wenn ich ein Gespür für meine Protagonisten habe und auch der Roman als solcher schon gut bebrütet ist. Obwohl ich die Protagonisten im Laufe des Schreibens natürlich noch wesentlich besser kennenlerne und dann auch zunehmend in ihnen und ihrer Welt abtauche. Ist ein Manuskript fertiggeschrieben, brauche ich dann wieder eine gewisse Zeit, bis ich nicht mehr so mit meinen Protagonisten verwachsen bin und mich wieder auf neue einlassen kann.

Mich in Salima hineinzuversetzen fand ich einerseits schwierig, weil sie tatsächlich gelebt hat und noch dazu in einer ganz anderen Kultur aufgewachsen ist als ich; andererseits hat sie uns zum Glück Aufzeichnungen hinterlassen, die uns Einblick in ihr Denken und Fühlen geben, und die haben es mir wiederum erleichtert, mich mit ihr vertraut zu machen.

Zur Geschichte von Sansibar. Hast Du zur Recherche englische Literatur und/oder auch arabische Literatur verwendet?

Die Rechercheliteratur war auf Englisch und Deutsch, eine Quelle auf Französisch.

Mein aktives Arabisch beschränkt sich leider auf einzelne Brocken und solch immens wichtige Sätze wie "Der Tisch ist groß"  ;D.

Bei jedem Buch beschäftige ich mich unabhängig von der eigentlichen Rechercheliteratur immer auf einer etwas abstrakten Ebene mit den Sprachen, die zu der Geschichte gehören, wie sie klingen, wie sie aufgebaut sind, wo sie herkommen, was sie besonders auszeichnet, weil ich davon überzeugt bin, dass Sprache immer mit einer bestimmten Weltsicht, einer bestimmten Art des Denkens einhergeht. Ihr werdet sicher im Lauf des Buches feststellen, dass der erste Teil in einem wesentlich blumigeren Stil geschrieben ist als der zweite, der weniger üppig, weniger bunt ist. Dieses Blumige war mein Versuch, dem Arabischen und dem Suaheli und damit Salimas Kulturraum gerecht zu werden, während der zweite Teil wesentlich "europäischer" und damit geradliniger erzählt  ist.
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Offline Luinil

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #8 am: 04. Oktober 2011, 11:29:50 »
deshalb dauert's bei mir auch immer relativ lange, bis ich den ersten Satz eines Romans schreibe, weil ich wirklich erst dann mit Schreiben anfange, wenn ich ein Gespür für meine Protagonisten habe und auch der Roman als solcher schon gut bebrütet ist.

Es klingt so, als würdest du deine Romane von Anfang bis zum Ende, also chronologischschreiben. Stimmt das? Oder fängst du in der Mitte an und baust später einen Anfang?
Änderst du im Nachhinein nochmal viel an deinem Manuskript?

Offline Nicole C.

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #9 am: 04. Oktober 2011, 15:30:50 »
Hallo Luinil,  :winken:

deshalb dauert's bei mir auch immer relativ lange, bis ich den ersten Satz eines Romans schreibe, weil ich wirklich erst dann mit Schreiben anfange, wenn ich ein Gespür für meine Protagonisten habe und auch der Roman als solcher schon gut bebrütet ist.

Es klingt so, als würdest du deine Romane von Anfang bis zum Ende, also chronologischschreiben. Stimmt das? Oder fängst du in der Mitte an und baust später einen Anfang?

Das stimmt schon - ich schreibe strikt chronologisch von der ersten bis zur letzten Seite durch. Ich denke zwar schon im Vorfeld viel über Szenen in der Mitte oder am Ende der Handlung nach, schreibe sie aber erst, wenn sie an der Reihe sind. Einzige Ausnahme: wenn ein Roman zwei Handlungssträge enthält, die sich abwechseln, schreibe ich durchaus erst den einen Kapitel für Kapitel, dann den anderen und bastel danach erst beide zusammen.

Änderst du im Nachhinein nochmal viel an deinem Manuskript?

Ich überarbeite eigentlich ständig; mein Arbeitstag beginnt grundsätzlich damit, dass ich die vorangegangenen Seiten nochmal gründlich durchsehe und poliere, bevor ich weiterschreibe, und in regelmäßigen Abständen gehe ich noch einmal über den gesamten bislang geschriebenen Text (und finde dabei eigentlich immer noch etwas, was ich verbesserungswürdig finde oder ändere oder einfüge oder streiche). Daher ist das Manuskript von meiner Seite eigentlich auch "fertig", sobald ich die letzte Seite geschrieben und den gesamten Roman anschließend noch ein-, zweimal durchgesehen habe, bevor er dann ins Lektorat geht.

« Letzte Änderung: 04. Oktober 2011, 15:34:01 von Nicole C. »
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Offline allegra

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #10 am: 16. Oktober 2011, 11:11:51 »
Hallo Nicole,

auf die Gefahr hin, dass das schon mal gefragt wurde und ich es überlesen habe, frage ich jetzt trotzdem.

Wie ist es dazu gekommen, dass ein Sultan aus Sansibar Frauen aus dem Kaukasus geheiratet hat. Das liegt ja nicht gerade am Weg. Gab es da geschichtliche Verflechtungen?

lg,
allegra

Offline Nicole C.

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #11 am: 16. Oktober 2011, 18:07:53 »
Hallo allegra,  :winken:

auf die Gefahr hin, dass das schon mal gefragt wurde und ich es überlesen habe, frage ich jetzt trotzdem.

Nein, das wurde noch nicht gefragt (und wenn dem so gewesen wäre, wär's auch kein Problem gewesen   :) )!

Wie ist es dazu gekommen, dass ein Sultan aus Sansibar Frauen aus dem Kaukasus geheiratet hat. Das liegt ja nicht gerade am Weg. Gab es da geschichtliche Verflechtungen?

Das stimmt, das liegt wirklich nicht gerade ums Eck, und meines Wissens hatten die beiden Regionen sonst auch nichts miteinander zu tun. Die einzige Verbindung ist ebenso einfach wie brutal: internationaler Frauen- und Kinderhandel. Die Nebenfrauen des Sultans wurden meist als Sklavinnen gekauft, nicht selten bereits im Kindesalter, und blieben auch als Nebenfrauen im Grunde "Eigentum" des Sultans, wenn auch mit besonderem Rang und Stand. Erst mit dem Tod des Sultans erhielten sie offiziell ihre Freiheit.

Tscherkessische Frauen galten damals als besonders schön; ich habe im vergangenen Jahr über Prostitution in Cairo um 1880 recherchiert, und auch da wurden tscherkessische Frauen erwähnt.


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Offline Luinil

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #12 am: 16. Oktober 2011, 20:26:44 »
Ich habe Emily Ruete mal gegooglet, in einem Beitrag wurde erwähnt, ihr Vater hatte 74 Nebenfrauen? Dass es viele sind, das dachte ich mir, aber ich dachte nicht, dass die Zahl so groß ist. Kannst du so eine Zahl bestätigen?

Offline Nicole C.

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Re: Allgemeine Fragen an Nicole C. Vosseler
« Antwort #13 am: 16. Oktober 2011, 21:13:02 »
Hallo Luinil,  :winken:

es ist natürlich schwierig, das genau festzumachen, weil konkrete Belege häufig fehlen. Auch über die Zahl der Kinder gibt es keine hundertprozentig verlässlichen Angaben; manche Quellen berichten pauschal von ingesamt rund einhundert Kindern, die der Sultan im Lauf seines Lebens gezeugt haben soll.
Nimmt man die Kinder, von denen man sicher weiß und schließt aufgrund der Verwandtschaftsverhältnisse auf die Zahl der Nebenfrauen, kommt man immer noch auf knapp 30, kinderlos gebliebene nicht mit eingerechnet.
Die Zahl von plusminus 75 Nebenfrauen (sowohl auf Sansibar als auch im Oman) ist aber tatsächlich die, die am häufigsten berichtet wird, und die halte ich auch für absolut wahrscheinlich.



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