Oh, dass der erste Roman direkt veröffentlicht wurde, ist toll. Das ist ja nicht immer der Fall. 
Nein, das ist es wirklich nicht - und hätte meine beste Freundin, die das Manuskript lesenderweise in seinem Entstehen begleitet hat, nicht immer Nachschub eingefordert und mich danach kräftig angestupst, hätte ich es wohl weder fertiggeschrieben noch mich je getraut, es irgendwo hinzuschicken. Bücher zu schreiben, das war immer ein Traum für "später mal", dass das doch recht früh dazu kam, hat mich selbst sehr überrascht - und noch mehr, was in den letzten zehn Jahren daraus geworden ist.
Ich habe immer Respekt, wenn jemand früh anfängt und schreibt, Gedichte oder Geschichten. Ich habe leider nie die Geduld gehabt, an einer Geschichte dran zu bleiben. Aber wahrscheinlich hatte ich einfach noch nie die fesselnde Idee, die mich nicht mehr loslässt.
Obwohl ich sehr oft eine ziemliche Trödeliese bin, hat mich der Herrgott vergessen, als er Geduld ausgeteilt hat - ich bin ganz und gar kein geduldiger Mensch, dafür ein Dickschädel, der sehr unleidig wird, wenn was nicht so läuft, wie er es will. Eigentlich keine sonderlich guten Voraussetzungen für's Bücherschreiben, aber da bringe ich zu meinem eigenen Erstaunen dann doch immer wieder die Geduld auf. Es gibt zwar durchaus Tage, da könnte ich das bislang Geschriebene an die Wand werfen, weil ich einfach nimmer mag, aber danach geht's dann doch weiter. Ich glaube aber auch, dass das nur funktioniert, solange ich an einer Geschichte schreibe, die mich wirklich gepackt hat, deren Charaktere mir am Herzen liegen - anders könnte ich mir das nicht vorstellen.
Woher kommt denn deine Begeisterung für den Orient? Hast du die Gegenden, von den du schreibst, auch schon besucht?
Ich selbst finde, dass aus den arabischen Geschichten und dem Orient etwas sehr magisches ausgeht, das einen schnell gefangen nimmt. Dort gibt es viel zu entdecken. Selbst dort war ich aber noch nicht.
Ich kann das eigentlich gar nicht konkret an etwas festmachen, da war gefühlt schon immer eine gewisse Grundfaszination da. Ja, etwas Magisches, auch die Extreme, und mich reizt immer wieder aufs Neue, den Zusammenprall unterschiedlicher Welten zu schildern. In Nordafrika habe ich gemerkt, dass mir die arabische Mentalität (ich nenn das jetzt ganz pauschal mal so, obwohl es bei allen Gemeinsamkeiten doch erhebliche Unterschiede gibt) sehr liegt; damit fühle ich mich wohl, dafür habe ich auf eine Art ein ganz intuitives Verständnis, obwohl es trotzdem spürbar nicht "meine" Kultur ist. Und irgendwann während der Arbeit am "Safranmond" war für mich auch das Bedürfnis da, mich mit dem Islam zu beschäftigen und am Rande der eigentlichen Geschichte über ihn zu schreiben. Gerade in der heutigen Zeit.
Ich reise unheimlich gerne, aber nicht zwingend zu den Schauplätzen meiner Romane, das ist recht unterschiedlich, vermutlich nicht einmal logisch, wie ich das handhabe.
Ich versuche mit meinem Büchern so dicht wie möglich am Zeitgeist der jeweiligen Epoche zu bleiben, und dazu gehört für mich, Orte mit den Sinnen der Menschen wahrnzunehmen, die damals dort waren; die Reiseberichte, die damals geschrieben wurden, erscheinen mir wesentlich sinnvoller und vor allem auch authentischer als meine eigene Wahrnehmung, die ja doch sehr durch mein Leben im 21. Jahrhundert eingefärbt ist. Auch auf Sansibar war ich nicht, das wollte ich ganz aus Salimas Perspektive schildern und mich, Nicole, so weit wie möglich dabei heraushalten.
Manchmal spielen die Bücher auch an Orten, in die man auch heutzutage besser nicht reist. Und so sehr es mir widerstrebt, das zu sagen, so ist es leider halt doch Realität: schon gar nicht als Frau. Beim "Safranmond" war es so und auch bei meinem nächsten Buch - ich halte mich zwar durchaus für abenteuerlustig, aber allzu leichtfertig mag ich damit auch nicht sein.
Allerdings war ich vor zwei Jahren in Nordafrika und habe ein paar meiner Eindrücke sowohl in "Sterne über Sansibar" als auch in das kommende Buch eingeflochten; das war aber mehr eine Reise "für mich" und nicht "für ein Buch" und diese Eindrücke musste ich auch erst einmal noch daraufhin überprüfen, ob man die im 19. Jahrhundert auch gehabt haben könnte. Und mir war es persönlich sehr wichtig, in Hamburg die Wege Salimas zu gehen und vor allem an ihrem Grab zu stehen - auch für mich. Von einer Reise habe ich eine Idee mitgebracht, von der ich hoffe, dass ich sie mal noch schreiben werde - und dieses Jahr geht es noch für mich nach Asien, nicht direkt an den Schauplatz des Romans, an dem ich gerade arbeite, aber doch in die Nähe. Auch wieder "für mich".
(Also - zumindest war's so gedacht gewesen. Vielleicht bringe ich auf Verlagswunsch aber nun doch eine Geschichte von dort mit, so mich eine findet.

)
Komplett anders verhält es sich für mich mit Geschichten, die in der Jetztzeit angesiedelt sind. Ich habe mir letztes Jahr in einer ganz anderen Ecke der Welt die Hacken abgelaufen, um Schauplätze für das Jugendbuch zu finden, das ich im kommenden Jahr schreiben werde, und Hunderte von Fotos mitgebracht, und ich werd da auch nächstes Jahr wieder hin, um eine zweite Idee zu bebrüten, die mir im Nachhinein kam. Bei diesen beiden Geschichten ist mir das Jetzt so unglaublich wichtig, diese aktuelle Perspektive, dass mir definitiv etwas fehlen würde, wäre ich nicht dort gewesen.
Einen Besuch Cairos kann ich jedem nur ans Herz legen - vielleicht nicht unbedingt in der nächsten Zeit, sondern erst, wenn aus dem "arabischen Frühling" weitestgehend ein stabiler Dauerzustand geworden ist. Die Stadt verlangt einem viel ab, gerade, wenn man aus unserem beschaulichen Deutschland kommt, aber man bekommt ungleich mehr zurück, wenn man sich darauf einlässt.
Oh, Experimente mit Zeitebenen und Erzählformen? Dann wandert das Buch noch etwas höher auf meine Wunschliste, das mag ich sehr. (Skurrile Charaktere auch)
Ich bin gespannt 
Wenn Du es je lesen solltest, wäre ich auch sehr gespannt - wie es Dir überhaupt damit geht und ob es für Dich spürbar anders ist als das, was Du bisher von mir kennst!
