Nicole, weißt du, ob Emily mit ihren Kindern Deutsch oder Arabisch gesprochen hat?
Rosa sagte ja immer mein Kind zu ihrer Mutter und ich habe mich gefragt, ob sie das auf Deutsch oder in einer anderen Sprache macht.
Für mich klang alles danach, dass sie Deutsch mit ihnen sprach, wie sie auch ihre Aufzeichnungen auf Deutsch schrieb. Sie hatte sich für die deutsche Sprache und das Christentum entschieden, sowohl was ihre Kinder betraf, aber auch sich selbst, und das zog sie auch bis zu ihrem Lebensende durch. Da war sie sehr konsequent.
Das finde ich jetzt wirklich erstaunlich. Insbesondere wenn man bedenkt, wie spät Emily erst Deutsch gelernt hat.
Ohja, das fand ich auch.
Ich weiß nicht genau, ob es daran liegt oder das Salima sich so sehr verändert hat, auf jeden Fall denke ich nun nicht mehr an die sansibarische Frau Salima, sondern an die Europäerin Emily, wenn ich lese. Eine sehr interessante Entwicklung, die ich in meinem Leseverhalten beobachten kann.
Das finde ich jetzt auch ganz interessant! Es stimmt ja auch: sie ist zu diesem Zeitpunkt nicht mehr die, die sie mal auf Sansibar war, und das nicht nur von der Umgebung und vom Namen her.
Emily ... Ich hatte ja schon im vorigen Abschnitt ein wenig die Angst, dass sie sich da in etwas verrennt und es scheint sich ja wirklich bewahrheitet zu haben. Sansibar hat sich verändert, die Herrscher dort haben sich verändert. Aus ihrem Bruder ist das geworden, was vorauszusehen war, allerdings denkt sie immer noch, dass ihre Geschwisterbande ihr weiterhelfen. Warum? Auf welcher Tatsache basierend? Irgendwie ist mir das nicht so ganz einleuchtend.
Das ist auch auf eine Art irrational.
Andererseits stellen Familienbande einen sehr hohen Wert dar in der arabischen Welt.
Eigentlich.
Uneigentlich ist auch da Blut nicht immer dicker als Wasser, wie wir in den zurückliegenden Teilen des Buchs gesehen haben; trotzdem bleibt dieser Wert nach wie vor bestehen, sicher auch nochmal mehr in der Erinnerung.
Für mich ist es auch eine Tragik bei Salima / Emily, dass sie sich irgendwo zwischen den Werten ihrer Herkunft und denen Europas verstrickt (und sich selbst dabei verloren) zu haben scheint.
Interessant fand ich die Kommentare über Said. Er als Sultan. Vielen Leuten scheint dieser Gedanke Hoffnung zu machen, er selbst scheint sehr nachdenklich zu werden ... Vielleicht ist es auch besser, wenn er wieder in Deutschland ist.
Ich fand das sehr befremdlich, als ich das in den Quellen gelesen habe. An dieser Stelle habe ich das Sansibar aus Salimas Kindheit, über das ich zuvor geschrieben hatte, auf eine Art nicht mehr mit Emily und ihren Kindern zusammengebracht. Das waren wirklich zwei ganz verschiedene Welten, und gefühlt lagen da für mich auch mehr als nur ein paar Jahrzehnte dazwischen.
Zu den Sklaven-Gedanken, den Tammy am Anfang des Threads hatte, kann ich mich nur anschließen. Diese Überlegungen hatte ich ebenfalls, aber auch schon mal bei der Lektüre eines anderen Buches, und dort sogar noch viel mehr. Ich meine "Vom Winde verweht". Alle sprechen von der misslichen Lage der Sklaven und dass sie befreit werden müssen, ohne weiterzudenken und zu hinterfragen, wie schlecht es ihnen wirklich geht und ob sie nicht doch etwas für ihre Arbeit bekommen - und noch viel schlimmer ohne zu bedenken, dass sie die Sklaven selbst verachten und die Kinderpflege und Erziehung niemals in deren Hände legen würden ... Ich muss sagen, dass ich diesen Standpunkt mir auch selbst erarbeiten musste. In der Schule wird dieser historische Teil defintiv zu einseitig dargestellt und vermittelt. Zensur auf eine interessante Art und Weise ...
Bingo! Ich hatte auch schon die ganze Zeit überlegt, wo ich mir schon mal Gedanken über die Befreiung von Sklaven gemacht habe und jetzt wo du es schreibst, ist es mir auch wieder eingefallen: Vom Winde verweht, aber fast noch intensiver bei "Fackeln im Sturm" (ja, jetzt oute ich mich komplett!
). Und ich stimme dir auch zu, dass das Thema gerade auch in der Schule gar nicht thematisiert wird. Es geht immer um das hohe Ziel: Sklaverei abschaffen. Das ist auch richtig! Aber keiner denkt dann weiter. Was bietet man den freien Sklaven? Wie bindet man sie in die Gesellschaft ein etc.. Das ist genauso wie Liebesfilme, die damit aufhören, dass die Partner heiraten. Und dann? Dass NACH der Heirat die Ehe beginnt und da dann die eigentlichen Herausforderungen warten, wird gerne unter den Tisch gekehrt. Daher finde ich es spannend, dass Emily diese Diskrepanz schon entdeckt und sich darüber auch Gedanken gemacht hat!
Ich finde das ganz wichtige (und hochinteressante!) Gedanken, die ihr beide hier äußert. Ich sehe das genauso: was nach der Befreiung mit den Sklaven wird, war von untergeordnetem Interesse, wenn überhaupt - und das hat auch nach dem Ende des Sezessionskriegs viel Elend zur Folge gehabt.
Und der "gute" Norden hat die freigelassenen Sklaven ja auch nicht wirklich als gleichberechtigt angesehen ...
Ihre Kinder müssen wirklich einiges mitmachen und ich bin wirklich total überrascht, was sie alles so mitmachen und wie gut sie das anscheinend auffassen und ihre Mutter unterstützen. Emilys Kinder mussten vor ihrer Zeit erwachsen werden, wie sie selbst damals, nur dass sich nicht nur um sich sondern auch um ihre trauerende und verzweifelte Mutter kümmern müssen. So ist es vielleicht ganz niedlich, dass sie von ihrer Tochter "mein Kind" genannt wird, allerdings halte ich das pädagogisch für ziemlich fraglich und gar nicht amüsant. Emily müsste für ihre Kinder dasein und nicht umgekehrt. Stattdessen verrennt sie sich in die Erbsache und neidet ihrem Bruder, anstatt es hinzunehmen.
Da hast Du auf jeden Fall recht, Avila.
Ja, den Gedanken, dass ihre Kinder schon vor der Zeit erwachsen werden müssen, hatte ich auch. Daher finde ich es auch so spannend, dass die Kinder so bedingungslos hinter ihrer Mutter stehen und das alles mittragen! Das ist wirklich bewundernswert und auch nicht so unbedingt der Normalfall.
@Nicole: Weißt du, was später aus den Kindern geworden ist? (oder hatten wir das hier schon mal und ich habe es schon wieder vergessen?
)
So zwischen den Zeilen habe ich für mich rausgelesen, dass Tony nicht immer so bedingungslos hinter ihrer Mutter stand, sich aus dieser Situation lösen und abnabeln wollte, während Rosa ihr tatsächlich sehr nahe war, ihr den Rücken stärkte und eben manchmal auch etwas wie eine Mutterrolle übernahm.
Vorsichtige Gegenfrage, Tammy: wie weit bist Du mit dem Lesen? Im Epilog habe ich nämlich kurz skizziert, welche Lebenswege Tony, Said und Rosa später einschlugen. Nicht dass ich Dir da etwas vorwegnehme, wenn ich da gleich drauf antworte ...
Zu den Sklaven-Gedanken, den Tammy am Anfang des Threads hatte, kann ich mich nur anschließen. Diese Überlegungen hatte ich ebenfalls, aber auch schon mal bei der Lektüre eines anderen Buches, und dort sogar noch viel mehr. Ich meine "Vom Winde verweht". Alle sprechen von der misslichen Lage der Sklaven und dass sie befreit werden müssen, ohne weiterzudenken und zu hinterfragen, wie schlecht es ihnen wirklich geht und ob sie nicht doch etwas für ihre Arbeit bekommen - und noch viel schlimmer ohne zu bedenken, dass sie die Sklaven selbst verachten und die Kinderpflege und Erziehung niemals in deren Hände legen würden ... Ich muss sagen, dass ich diesen Standpunkt mir auch selbst erarbeiten musste. In der Schule wird dieser historische Teil defintiv zu einseitig dargestellt und vermittelt. Zensur auf eine interessante Art und Weise ...
Bingo! Ich hatte auch schon die ganze Zeit überlegt, wo ich mir schon mal Gedanken über die Befreiung von Sklaven gemacht habe und jetzt wo du es schreibst, ist es mir auch wieder eingefallen: Vom Winde verweht, aber fast noch intensiver bei "Fackeln im Sturm" (ja, jetzt oute ich mich komplett!
). Und ich stimme dir auch zu, dass das Thema gerade auch in der Schule gar nicht thematisiert wird. Es geht immer um das hohe Ziel: Sklaverei abschaffen. Das ist auch richtig! Aber keiner denkt dann weiter. Was bietet man den freien Sklaven? Wie bindet man sie in die Gesellschaft ein etc.. Das ist genauso wie Liebesfilme, die damit aufhören, dass die Partner heiraten. Und dann? Dass NACH der Heirat die Ehe beginnt und da dann die eigentlichen Herausforderungen warten, wird gerne unter den Tisch gekehrt. Daher finde ich es spannend, dass Emily diese Diskrepanz schon entdeckt und sich darüber auch Gedanken gemacht hat!
Ich mochte "Vom Winde verweht" total gerne und es hat ja auch überhaupt nicht viel liebesschnulziges an sich - der Film soll ja wohl nur so sein, wobei ich den nicht gesehen habe. Ist "Fackeln im Sturm" die Fortsetzung?
Sorry, ein wenig OFF-Topic grad ...
Ja, Emily denkt da wirklich sehr differenziert, was ich bei ihrer Verrennerei nach ihrem Erbe überhaupt nicht erlebe. Schade!
*hängt sich an das off-topic dran*
"Vom Winde verweht" ist eines meiner Lieblingsbücher, war es immer, wird es immer bleiben, gerade aufgrund der engen Verflechtung von Fakten und Fiktion - und weil Scarlett eine solch unverbesserliche, sperrige Heldin ist. So arg schnulzig finde ich den Film übrigens eigentlich gar nicht ...
"Fackeln im Sturm" (hat mit Mitchells Buch nichts zu tun, ist eine eigenständige Serie) fand ich die Bücher grottig - aber die Verfilmung, hach!!
Ich habe mir unlängst die DVD-Box gekauft ...

(P.S. und back to topic: das stimmt, Avila - diese Fähigkeit zur Differenzierung ist ihr seither verloren gegangen.)