Die Entwicklung von Emily ist wirklich interessant. Hatte ich anfangs mit Heinrich noch das Gefühl, dass Emily in Deutschland wirklich heimisch werden kann, verliere ich dieses Gefühl immer mehr. Sie kommt mir total entwurzelt rüber und ist rastlos, wird nirgends wirklich sesshaft.
Ich bin auch davon überzeugt, dass sie an Heinrichs Seite eine reelle Chance gehabt hätte, in Deutschland heimisch zu werden; mit seinem Tod hat sie mehr verloren als ihre große Liebe. Damit brach auch das gerade noch härtende neue Fundament unter ihr weg.
Emilys starkes Verlangen nach einer Rückkehr nach Sansibar ist einerseits zu beneiden, wie sehr sie ihre Heimat vermisst und sich nach ihr sehnt. Andererseits wird sie sich wohl, solange sie sich so nach Sansibar sehnt, nie wirklich in Deutschland wohlfühlen. Das ist doch ganz schrecklich, oder?
Ja, das finde ich auch wirklich schrecklich. Irgendwie kann sie sich auf nichts wirklich einlassen. Wobei ich auch verstehen kann, dass sie sich in Deutschland unwohl fühlt, aber ich hatte manchmal auch das Gefühl, dass sie vielleicht mehr hätte machen können, damit das Wohlfühlsein sich einstellt.
Genauso habe ich es auch empfunden.
Man kann sich halt auch immer schwierig in einen anderen Menschen hineinversetzen und man weiß nie, wie es einem selbst gegangen wäre.
Die verschiedenen Kulturen waren ja sicherlich mit ausschlaggebend, dass Emily sich in Deutschland nicht einleben konnte. Irgendwie gab sie aber doch damit auch ihren Kindern immer wieder das Gefühl, Deutschland sei nicht ihr Zuhause, oder nicht?
Na ja, vermutlich urteile ich da zu hart. Manchmal finde ich ihr Verhalten, gerade auch dieses Nomadenleben, als ziemlich egoistisch.
Als Barghash sie abweist und auch sagt, sie sei für ihn gestorben, meint Emily ja, sie schließe mit ihm ab. Ob sie das wirklich so kann? Da bin ich ja gespannt, wie es weitergeht.
Da habe ich auch meine Zweifel, sie hat es ja auch nie geschafft, mit Sansibar abzuschließen oder mit dem Tod ihres ersten Kindes. Sowas ist natürlich alles sehr hart, aber ich glaube, Emily bzw Salima ist ein Mensch, der sich sehr schwer mit Veränderungen in ihrem Leben tut. Ähnlich habe ich eigentlich auch bei dem Tod ihrer Eltern empfunden. 
Das gleiche Gefühl hatte ich auch. Leider. Vermutlich stand sie sich selbst auch oft im Weg.
Ihre Sehnsucht nach Sansibar hat sie ja auch irgendwo daran gehindert, sich in Deutschland wohlzufühlen.
Mir stellte sich da die Frage: konnte sie ab einem gewissen - diesem - Zeitpunkt das überhaupt noch, sich in Deutschland einleben? In dem, was sie noch hatte, Wurzeln schlagen? Oder war ihr diese Fähigkeit inzwischen verloren gegangen?
Mit dem Tod der Eltern, dem völligen Zerbrechen der Familie, wie Klein-Salima sie kannte, begann eine ganze Aneinanderreihung von Umbrüchen und Neuanfängen - und von Verlusten, einer nach dem anderen. Das hinterlässt Spuren in der Seele.
Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass "Sansibar" irgendwann für Salima / Emily gar nicht mehr in erster Linie die Insel an sich bezeichnete oder ihre Heimat. "Sansibar" und die Rückkehr dorthin wurde zu einem Phantasiebild, zu einer nostalgisch verbrämten Idee. Einem erträumten Fluchtpunkt.
Meine Mutter hat mir ihre eigenen Reisen in ihre ursprüngliche Heimat einmal so erklärt: "Ich weiß zwar, dass es dort nicht mehr so ist wie früher, ich bin jedes Mal enttäuscht, wenn ich dort bin. Aber ich muss einfach immer wieder hinfahren, ich kann einfach nicht anders."
Na ja, vermutlich urteile ich da zu hart. Manchmal finde ich ihr Verhalten, gerade auch dieses Nomadenleben, als ziemlich egoistisch.
Aus unserer heutigen Sicht betrachtet ist es das sicher auch. Wir erwarten von Eltern, dass sie Rücksicht auf das Wohl und Seelenleben ihrer Kinder nehmen und ggf. auch ihr eigenes Wohlergehen dahinter zurückstellen. Das war zu Salimas/Emilys Zeiten aber sicherlich nicht so.
Spannender Punkt. Und ein sehr diffiziler.
Aus Salimas / Emilys Sicht hat sie sicherlich alles ihr Mögliche getan, um sich nach Heinrichs Tod in Deutschland noch einmal ein neues Leben für sich und die Kinder aufzubauen. Sicher hätte sie aus unserer Sicht auch noch mehr tun können - aber aus ihrer persönlichen Sicht?
Davon einmal abgesehen redet sie sich sicherlich auch ein, dass sie ja nicht anderes tut, als das berechtigte Erbe ihrer Kinder auf Sansibar einzufordern (ob die Kinder es nun haben wollen oder nicht).
Auf jeden Fall, ja.
Ich bin gerade wirklich sehr langsam, und immer wieder kommt etwas dazwischen, ich hoffe ihr seid mir nicht böse!
Ich ganz gewiss nicht!

Menno, jetzt sind wir gerade an einem solch spannenden Punkt in der Leserunde angelangt - und ich muss mich leider ab morgen erstmal ausklinken zwecks Urlaub. Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen, dass ich mich ausgerechnet jetzt einfach so verkrümel ...

Ganz dickes Sorry für dieses ungeschickte Timing; ich hoffe, ihr seid mir deshalb nicht böse! Ich hole alles nach, sobald ich wieder da bin.
