Autor Thema: 6 - Seite 417 bis Seite 497 („Nomadenjahre“ bis „Die versunkene Welt")  (Gelesen 747 mal)

Offline Imlammenien

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Offline Tammy1982

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Hallo Ihr Lieben,

und mit Hochs und Tiefs geht es weiter!

Emily wird zur Nomadin: Von Dresden nach Rudolfstadt und von dort nach Berlin, immer in der Hoffnung endlich nach Sansibar zurückkehren zu können. Einerseits verstehe ich ihren unbedingten Willen in ihre Heimat zurückkehren zu können, andererseits habe ich schön langsam das Gefühl - und es wird ja auch angedeutet - dass sie sich so darin verrennt, dass sie unbedingt zurück nach Sansibar möchte, dass sie gar nicht mehr wirklich glücklich werden kann.

Ich verstehe, dass es schwer ist in einem fremden Land, aber sie lebt sich ja doch ganz gut ein, hat Freunde und dank der Baronin sogar Kontakt zu ziemlich hochgestellten Persönlichkeiten. Darüber hinaus hat sie 3 wunderbare Kinder, die anscheinend wirklich in allen Lebenslagen zu ihr halten. Aber sie sieht das alles irgendwie gar nicht - zumindest nach meinem Gefühl - und das finde ich richtig traurig!

Ich muss mich da fast den Gedanken von Bismarck anschließen - auch wenn ich nicht weiß, ob er die wirklich hatte  ;) - dass ich nicht weiß, ob ich ihre Sturheit bewundern oder eher abschreckend finden soll?  :-\

Die Kinder finde ich klasse und dass Rosa "mein Kind zu ihrer Mutter sagt, hat mich jedesmal aufs Neue zum Schmunzeln gebracht!  ;D ;)

Traurig finde ich auch, dass sich Emily nach so vielen Jahren auch auf keine neue Liebe einlassen kann, sondern nur noch ein Ziel hat: zurück nach Sansibar. Dabei nimmt dieses "zurück" für mich aber schön langsam auch sehr "kapitalistische" Züge an. Die Gedanken von ihr, als sie den Prunk von ihrem Bruder bewundert, gingen fast alle in die Richtung, dass sie gefälligst den ihr zustehenden Anteil haben möchte. Ich weiß, dass das fast schon normal ist und sich Familien standardmäßig wegen Geld zoffen, trotzdem finde ich das total schlimm. Erlebe das quasi live in meiner Familie mit und versuche mich da nur einfach heraus zu halten. Dann kriege ich eben nichts von dem "großen Kuchen", aber bei so viel Missgunst, Streit und Zankereien, habe ich auch gar keinen Nerv dazu. Und wie gesagt, habe ich das Gefühl, dass Emily vor lauter Verbissenheit selber verbittert und gar nicht mehr wahrnimmt, dass sie trotz allem doch ein schönes Leben hat! Sehr traurig!  :'(

Tief getroffen hat mich die Nachricht, dass ausgerechnet Khaduj auf "Pilgerfahrt" geschickt wurde! Wie grausam!  :o Da rettet sie ihre Schwester und erleidet schließlich genau das Schicksal vor dem sie Emily bewahrt hatte...  :'( Nach dieser Geschichte vermute ich aber auch, dass Khaduj wohl auch eine Beziehung gepflegt hat, die nicht ihrem Stand entsprochen hat. Unter Majid hatte sie dann entweder das Glück, dass der davon nichts bemerkt hat oder es einfach still geduldet hat. Aber Barghash ist da eindeutig anders gestrickt!  :o

Diese kurzen Sätze über die Grausamkeiten von Barghash haben mir schon gereicht: Frau ausgepeitscht, das sie an ihren Verletzungen stirbt, eigene Schwester vergiftet, die andere in den Tod geschickt, den eigenen Bruder in Ketten legen lassen... Nein, zimperlich ist der gute Barghash nicht und Salima will das wohl alles nicht wirklich wahr haben, so wie es aussieht. Nach den ganzen Geschichten über ihren Bruder denkt sie wirklich, dass er sie empfängt und ihr vergibt? Sie kann, denke ich, von Glück sagen, dass er sie und ihre Kinder nicht auf der Stelle umbringen lässt...  :o
Wie gesagt, Salima driftet für mich mittlerweile ganz stark in ihre Verbissenheit ab und sieht einfach nicht mehr rechts und links... Schade!  :( Nicht einmal die Erwähnung, dass ihr Bruder die Menschen, die ihr zuwinken bestrafen lässt, berührt sie richtig...

Und dabei wird auch noch klar, dass sie eigentlich gar nicht mehr richtig heimisch in Sansibar ist. Für mich ist Emily - daher nenne ich sie jetzt auch wieder so - schon mehr europäisch, als ihr lieb ist. Aber irgendwie belügt sie sich immer noch selber bzw. findet wohl einfach nicht ihren Frieden!

Bin gespannt auf den letzten Abschnitt!

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Offline Nicole C.

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Emily wird zur Nomadin: Von Dresden nach Rudolfstadt und von dort nach Berlin, immer in der Hoffnung endlich nach Sansibar zurückkehren zu können. Einerseits verstehe ich ihren unbedingten Willen in ihre Heimat zurückkehren zu können, andererseits habe ich schön langsam das Gefühl - und es wird ja auch angedeutet - dass sie sich so darin verrennt, dass sie unbedingt zurück nach Sansibar möchte, dass sie gar nicht mehr wirklich glücklich werden kann.

Ja, so ist es. Das findet sich sehr oft als Nachwirkung von Menschen, die ihre Heimat und damit ihre Wurzeln verloren haben.

Ich verstehe, dass es schwer ist in einem fremden Land, aber sie lebt sich ja doch ganz gut ein, hat Freunde und dank der Baronin sogar Kontakt zu ziemlich hochgestellten Persönlichkeiten. Darüber hinaus hat sie 3 wunderbare Kinder, die anscheinend wirklich in allen Lebenslagen zu ihr halten. Aber sie sieht das alles irgendwie gar nicht - zumindest nach meinem Gefühl - und das finde ich richtig traurig! 

Das ist es auch.

Ich muss mich da fast den Gedanken von Bismarck anschließen - auch wenn ich nicht weiß, ob er die wirklich hatte  ;) - dass ich nicht weiß, ob ich ihre Sturheit bewundern oder eher abschreckend finden soll?  :-\

Genau weiß ich es auch nicht - aber aufgrund dessen, was er schriftlich oder mündlich geäußert hat, lag das für mich nahe.  ;)

Die Kinder finde ich klasse und dass Rosa "mein Kind zu ihrer Mutter sagt, hat mich jedesmal aufs Neue zum Schmunzeln gebracht!  ;D ;)

Ich fand das auch so süß, dass ich es unbedingt in den Roman aufnehmen musste.

Tief getroffen hat mich die Nachricht, dass ausgerechnet Khaduj auf "Pilgerfahrt" geschickt wurde! Wie grausam!  :o Da rettet sie ihre Schwester und erleidet schließlich genau das Schicksal vor dem sie Emily bewahrt hatte...  :'( Nach dieser Geschichte vermute ich aber auch, dass Khaduj wohl auch eine Beziehung gepflegt hat, die nicht ihrem Stand entsprochen hat. Unter Majid hatte sie dann entweder das Glück, dass der davon nichts bemerkt hat oder es einfach still geduldet hat. Aber Barghash ist da eindeutig anders gestrickt!  :o

Als ich das in den Quellen gefunden hatte, war es mir noch plausibler, dass Khaduj die Fluchthelferin Salimas war - und ich hatte dabei den Hintergedanken, dass Khaduj offenbar doch noch einmal eine Liebe gefunden hatte, sicher auch ermuntert durch das Beispiel Salimas. Nur leider mit ungleich unglücklicherem Ausgang...

Diese kurzen Sätze über die Grausamkeiten von Barghash haben mir schon gereicht: Frau ausgepeitscht, das sie an ihren Verletzungen stirbt, eigene Schwester vergiftet, die andere in den Tod geschickt, den eigenen Bruder in Ketten legen lassen... Nein, zimperlich ist der gute Barghash nicht und Salima will das wohl alles nicht wirklich wahr haben, so wie es aussieht. Nach den ganzen Geschichten über ihren Bruder denkt sie wirklich, dass er sie empfängt und ihr vergibt? Sie kann, denke ich, von Glück sagen, dass er sie und ihre Kinder nicht auf der Stelle umbringen lässt...  :o
Wie gesagt, Salima driftet für mich mittlerweile ganz stark in ihre Verbissenheit ab und sieht einfach nicht mehr rechts und links... Schade!  :( Nicht einmal die Erwähnung, dass ihr Bruder die Menschen, die ihr zuwinken bestrafen lässt, berührt sie richtig...

Verblüffend ist, dass die Quellen von damals absolut einstimmig ein solch negatives Bild von Barghash zeichnen; darin ist kein einziges gutes Wort über ihn zu finden, fast ausschließlich solche Schauergeschichten. Durchstöbert man Berichte neueren Datums, steht Barghash in ungleich besserem Licht dar: da ist er der gute Sultan, der viel für die Insel getan hat und endgültig die Sklaverei abschaffte. Dass er das nur tat, weil Großbritannien das von ihm verlangte und nicht etwa aus Menschenfreundlichkeit, fällt dabei fast immer unter den Tisch.
Finde ich sehr interessant, wie sich die Wahrnehmung über die Zeit verändert.


Traurig finde ich auch, dass sich Emily nach so vielen Jahren auch auf keine neue Liebe einlassen kann, sondern nur noch ein Ziel hat: zurück nach Sansibar. Dabei nimmt dieses "zurück" für mich aber schön langsam auch sehr "kapitalistische" Züge an. Die Gedanken von ihr, als sie den Prunk von ihrem Bruder bewundert, gingen fast alle in die Richtung, dass sie gefälligst den ihr zustehenden Anteil haben möchte. Ich weiß, dass das fast schon normal ist und sich Familien standardmäßig wegen Geld zoffen, trotzdem finde ich das total schlimm. Erlebe das quasi live in meiner Familie mit und versuche mich da nur einfach heraus zu halten. Dann kriege ich eben nichts von dem "großen Kuchen", aber bei so viel Missgunst, Streit und Zankereien, habe ich auch gar keinen Nerv dazu. Und wie gesagt, habe ich das Gefühl, dass Emily vor lauter Verbissenheit selber verbittert und gar nicht mehr wahrnimmt, dass sie trotz allem doch ein schönes Leben hat! Sehr traurig!  :'(

Diese Anmerkung von Dir, Tammy, finde ich ganz wichtig. Ich glaube nämlich, da bieten Emilys persönliche Entwicklung und ihr Verhalten einiges an Diskussionsstoff ...  :winken:
The Bay Area is so beautiful I hesitate to preach about Heaven while I'm here.
- Billy Graham

Offline Tammy1982

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Verblüffend ist, dass die Quellen von damals absolut einstimmig ein solch negatives Bild von Barghash zeichnen; darin ist kein einziges gutes Wort über ihn zu finden, fast ausschließlich solche Schauergeschichten. Durchstöbert man Berichte neueren Datums, steht Barghash in ungleich besserem Licht dar: da ist er der gute Sultan, der viel für die Insel getan hat und endgültig die Sklaverei abschaffte. Dass er das nur tat, weil Großbritannien das von ihm verlangte und nicht etwa aus Menschenfreundlichkeit, fällt dabei fast immer unter den Tisch.
Finde ich sehr interessant, wie sich die Wahrnehmung über die Zeit verändert.

Das ist wirklich immer sehr spannend, manchmal auch erschreckend, wie sich die Wahrnehmung verändert im Laufe der Zeit und Menschen Dinge auf einmal ganz anders sehen.  :o
Ich kann mir aber gut vorstellen, dass im Laufe der Zeit v. a. wichtig war, dass Barghash "der Gute" die Sklaverei, die "böse, böse Sklaverei" abgeschafft hat! Zumindest aus europäischer Sicht. Interessant fand ich dazu aber die Gedanken von Salima, als sie in Hamburg die Menschen sieht, die im Elend leben und zwar frei sind, denen es aber schlechter geht, als den Sklaven auf Sansibar... Diese Gedanken fand ich ganz spannend, da sie auch wieder sehr gut zeigen, dass sich die Europäer für "etwas besseres" gehalten haben und immer noch halten und dabei aber nur aufgrund einer oberflächigen Betrachtung urteilen. Keiner hat sich wirklich die Mühe gemacht sich die "böse Sklaverei" im Detail anzusehen und darüber nachzudenken, ob es den Menschen teilweise nicht sogar besser geht... Ich möchte dabei bestimmt keinesfalls das gut heißen, nur finde ich es wichtig, dass man doch immer 2 Seiten einer Medaille betrachtet... Was leider viel zu oft nicht getan wird...  :(

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Offline Imlammenien

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Ich muss sagen, dass ich diesem Abschnitt ein wenig das Verständnis für Emily bzw. für ihre Handlungen verloren habe. Aber eines nach dem anderen!
Denn dass sie damit beginnt ihre Erinnerungen aufzuschreiben, finde ich sehr gut nachvollziehbar und glaube außerdem, dass ihr dies auch seelisch gut tut, um das Erlebte zu verarbeiten. Und auch ihren Kindern hinterläßt sie auf diese Weise wertvolle Erinnerungen, über die sie ja anscheinend noch immer nicht sprechen kann oder will.
Außerdem versucht sie mit allen Mitteln von Bargash die Erlaubnis zur Rückkehr nach Sansibar zu erhalten. Und insbesondere diese Mittel sind es, die mich ziemlich verständnislos haben werden lassen. Natürlich begreife ich Emilys Sehnsucht in ihre Heimat zurückkehren zu wollen. Doch finde ich ihre Wahl der Mittel gelinde gesagt ungeschickt.
Zum einen muss es ihr doch klar sein, dass ihre persönliche Lage KEIN Politikum und damit nichts ist, in das sich die gekrönten und gewählten Häupter der Weltgeschichte drüber in eine schwierige Lage bringen lassen würden. Zum anderen unterschätzt sie ihre Lage in dem Augenblick, in dem sie sich zum Politikum machen läßt!
Auch ihren Brief an Bragash (ich nehme an, hier gab es eine entsprechende Vorlage, Nicole?) finde ich nicht sehr geschickt. Auf der einen Seite versucht Emily zu betonen, welch tollen Status sie in Deutschland hat, auf der anderen Seite bettelt sie ihren Bruder an ihr die Rückkehr zu erlauben. Ich habe manche ihrer Formulierungen als anmaßend empfunden (und als nicht der Wahrheit entsprechend) und habe schon beim Lesen sehr bezweifelt, dass der Sultan ihrem Ersuchen nachgeben wird. Dass sie aber dann noch versucht Bargash und die Engländer gegeneinander auszuspielen, ist schon extrem ungeschickt!
Natürlich funktioniert ihre Taktik dann auch nicht und die Briten sind alles andere als "amused" als sie von diesem Brief erfahren.
Im Grunde verlaufen alle Versuche Emilys, den Sultan zu erweichen, im Sande. Da hilft es wenig, dass sie sich auf die Seite der Deutschen schlägt und mit einem Militärschiff nach Sansibar reist. Bargash will sie trotzdem nicht sehen und Emily wird nach Deutschland zurück befohlen.

Besonders schwierig fand ich aber die Stellen, an denen Emily ihrem Halbbruder seinen Wohlstand neidet. Zentral ist hier wohl der Begriff der Eigenverantwortung. Emily hatte sich damals für Heinrich und ihre Freiheit entschieden. Damit hat sie meiner Meinung nach auch den Anspruch auf das Leben im Sultanspalast sowie die damit verbundenen Annehmlichkeiten aufgegeben. Sie selbst scheint das aber anscheind ganz anders zu sehen, denn immer wieder klingt an, dass sie den sansibarischen Wohlstand als ihr gutes Recht betrachtet und nicht begreift, dass sie diesen damals ein für alle Mal aufgeben hat - und das Kraft ihrer eigenen Entscheidung.
Das ist für mich sehr schwer nachzuvollziehen. Die Erbitterung, die Emily zunehmend erfüllt, ist nur schwer zu ertragen, auch wenn sie natürlich grundsätzlich nachzuvollziehen ist.  :(

Offline Imlammenien

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Und wie gesagt, habe ich das Gefühl, dass Emily vor lauter Verbissenheit selber verbittert und gar nicht mehr wahrnimmt, dass sie trotz allem doch ein schönes Leben hat! Sehr traurig!  :'(
Ja, genauso habe ich das auch empfunden. Ich finde nämlich auch, dass es durchaus Gutes und Schönes in Emilys Leben gibt, sie aber keinen Blick dafür (mehr) hat, weil sie ihre fixe Idee von der unbedingten Rückkehr nach Sansibar innerlich auffrisst. Das ist wahrlich mehr als traurig! :(

Offline Tammy1982

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Besonders schwierig fand ich aber die Stellen, an denen Emily ihrem Halbbruder seinen Wohlstand neidet. Zentral ist hier wohl der Begriff der Eigenverantwortung. Emily hatte sich damals für Heinrich und ihre Freiheit entschieden. Damit hat sie meiner Meinung nach auch den Anspruch auf das Leben im Sultanspalast sowie die damit verbundenen Annehmlichkeiten aufgegeben. Sie selbst scheint das aber anscheind ganz anders zu sehen, denn immer wieder klingt an, dass sie den sansibarischen Wohlstand als ihr gutes Recht betrachtet und nicht begreift, dass sie diesen damals ein für alle Mal aufgeben hat - und das Kraft ihrer eigenen Entscheidung.
Das ist für mich sehr schwer nachzuvollziehen. Die Erbitterung, die Emily zunehmend erfüllt, ist nur schwer zu ertragen, auch wenn sie natürlich grundsätzlich nachzuvollziehen ist.  :(

Hier sprichst du mir richtig aus der Seele: Genau das habe ich mir auch gedacht. Salima hat ihre Entscheidung getroffen: Für Heinrich und gegen die Konventionen von Sansibar und ich habe so das Gefühl, dass ihr anscheinend nie so wirklich bewusst war, was sie da tut! Ihre Flucht von der Insel war natürlich nicht mehr so ganz die eigene Entscheidung, jedoch hatte sie sich schon vorher für Heinrich entschieden, obwohl ihr doch klar war, dass sie damit auf Sansibar eine ganz furchtbare Tat begeht. Schon da hatte ich so das Gefühl, dass da doch so ein bisschen die verwöhnte Prinzessin durchblitzt, der in ihrer Kindheit doch alles durchgewinkt wurde.
Und das zeigt sich hier finde ich dann richtig deutlich: Sie pocht auf ihr Erbe, als ihr gutes Recht, denkt aber keinen Augenblick darüber nach, dass sie dieses Recht verspielt hat. Klar ist es aus Liebe geschehen und natürlich ist das nicht gerecht, aber das hätte ihr doch klar sein müssen, oder? Ich finde es auch einfach nur furchtbar, wie sie ihr Leben, in meinen Augen wegwirft, nur um ihrem Erbe hinterher zu jagen. Finde ich auch sehr traurig. Am meisten tuen mir ihre Kinder leid, die das zu meiner Überraschung alles mitragen!  :(

Auch ihren Brief an Bragash (ich nehme an, hier gab es eine entsprechende Vorlage, Nicole?) finde ich nicht sehr geschickt. Auf der einen Seite versucht Emily zu betonen, welch tollen Status sie in Deutschland hat, auf der anderen Seite bettelt sie ihren Bruder an ihr die Rückkehr zu erlauben. Ich habe manche ihrer Formulierungen als anmaßend empfunden (und als nicht der Wahrheit entsprechend) und habe schon beim Lesen sehr bezweifelt, dass der Sultan ihrem Ersuchen nachgeben wird. Dass sie aber dann noch versucht Bargash und die Engländer gegeneinander auszuspielen, ist schon extrem ungeschickt!

Als ich die Briefe gelesen habe, musste ich auch nur noch den Kopf schütteln. Dass sie auch noch versucht England und ihren Bruder auszuspielen, hat mir wirklich die Haare zu Berge stehen lassen. Da kann sie noch von Glück sagen, dass das alles so glimpflich ausgegangen ist. Die Engländer hätten ihr auch noch Landesverrat oder ähnliches vorwerfen können. Damit hausiert man doch nicht einfach so! Nein, ich konnte da auch nur noch den Kopf schütteln.

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Offline irismaria

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Besonders schwierig fand ich aber die Stellen, an denen Emily ihrem Halbbruder seinen Wohlstand neidet. Zentral ist hier wohl der Begriff der Eigenverantwortung. Emily hatte sich damals für Heinrich und ihre Freiheit entschieden. Damit hat sie meiner Meinung nach auch den Anspruch auf das Leben im Sultanspalast sowie die damit verbundenen Annehmlichkeiten aufgegeben. Sie selbst scheint das aber anscheind ganz anders zu sehen, denn immer wieder klingt an, dass sie den sansibarischen Wohlstand als ihr gutes Recht betrachtet und nicht begreift, dass sie diesen damals ein für alle Mal aufgeben hat - und das Kraft ihrer eigenen Entscheidung.
Das ist für mich sehr schwer nachzuvollziehen. Die Erbitterung, die Emily zunehmend erfüllt, ist nur schwer zu ertragen, auch wenn sie natürlich grundsätzlich nachzuvollziehen ist.  :(

Hier sprichst du mir richtig aus der Seele: Genau das habe ich mir auch gedacht. Salima hat ihre Entscheidung getroffen: Für Heinrich und gegen die Konventionen von Sansibar und ich habe so das Gefühl, dass ihr anscheinend nie so wirklich bewusst war, was sie da tut! Ihre Flucht von der Insel war natürlich nicht mehr so ganz die eigene Entscheidung, jedoch hatte sie sich schon vorher für Heinrich entschieden, obwohl ihr doch klar war, dass sie damit auf Sansibar eine ganz furchtbare Tat begeht. Schon da hatte ich so das Gefühl, dass da doch so ein bisschen die verwöhnte Prinzessin durchblitzt, der in ihrer Kindheit doch alles durchgewinkt wurde.
Und das zeigt sich hier finde ich dann richtig deutlich: Sie pocht auf ihr Erbe, als ihr gutes Recht, denkt aber keinen Augenblick darüber nach, dass sie dieses Recht verspielt hat. Klar ist es aus Liebe geschehen und natürlich ist das nicht gerecht, aber das hätte ihr doch klar sein müssen, oder? Ich finde es auch einfach nur furchtbar, wie sie ihr Leben, in meinen Augen wegwirft, nur um ihrem Erbe hinterher zu jagen. Finde ich auch sehr traurig. Am meisten tuen mir ihre Kinder leid, die das zu meiner Überraschung alles mitragen!  :(

Auch ihren Brief an Bragash (ich nehme an, hier gab es eine entsprechende Vorlage, Nicole?) finde ich nicht sehr geschickt. Auf der einen Seite versucht Emily zu betonen, welch tollen Status sie in Deutschland hat, auf der anderen Seite bettelt sie ihren Bruder an ihr die Rückkehr zu erlauben. Ich habe manche ihrer Formulierungen als anmaßend empfunden (und als nicht der Wahrheit entsprechend) und habe schon beim Lesen sehr bezweifelt, dass der Sultan ihrem Ersuchen nachgeben wird. Dass sie aber dann noch versucht Bargash und die Engländer gegeneinander auszuspielen, ist schon extrem ungeschickt!

Als ich die Briefe gelesen habe, musste ich auch nur noch den Kopf schütteln. Dass sie auch noch versucht England und ihren Bruder auszuspielen, hat mir wirklich die Haare zu Berge stehen lassen. Da kann sie noch von Glück sagen, dass das alles so glimpflich ausgegangen ist. Die Engländer hätten ihr auch noch Landesverrat oder ähnliches vorwerfen können. Damit hausiert man doch nicht einfach so! Nein, ich konnte da auch nur noch den Kopf schütteln.

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Ich denke hier ganz ähnlich wie ihr. Vielleicht geht es ihr aber nicht nur um den besitz, sondern sie hofft insgeheim, doch noch von ihrem Bruder anerkannt zu werden ... wenn das mal icht schief geht!
Andererseits ist es doch blauäugig von ihr, wenn sie denkt, die hohe Politik würde sich um eine Witwe aus Sansibar kümmern, sie wird da leicht zwischen die Fronten geraten.

Offline Imlammenien

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Andererseits ist es doch blauäugig von ihr, wenn sie denkt, die hohe Politik würde sich um eine Witwe aus Sansibar kümmern, sie wird da leicht zwischen die Fronten geraten.
Im besten Fall wird sie die hohe Weltpolitik ignorieren. Im anderen Fall... ich mag es mir gar nicht genauer vorstellen!  :o

Offline Sookie

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Hallo ihr Lieben!

Mir geht es in diesem Abschnitt ganz ähnlich wie euch. Ich bewundere zwar Emilys Ehrgeiz und Durchhaltevermögen und die Tatsache, dass sie nicht aufgeben will, weil sie es sich in den Kopf gesetzt hat, ihr Erbe zurückzubekommen und nach Sansibar zurückzukehren. So war sie ja schon als Kind. Aber es wird langsam wirklich nervig, dass sie nicht einsieht, dass es einfach nicht möglich ist und ihr Leben vermutlich besser und angenehmer verlaufen würde, wenn sie es einfach gut sein lassen würde. Das ist bestimmt leichter gesagt als getan, aber ich glaube, es würde ihr (auch gesundheitlich) deutlich besser gehen, wenn sie dieses Kapitel einfach ein für alle Mal abschließen würde.

Ich kenne genug solcher Menschen, die nur in der Vergangenheit leben, nur sehen, was sie verloren haben oder nicht haben und daher verbissen, verbittert und unglücklich sind, obwohl sie eigentlich keinen Grund (mehr) dazu haben. Das sind teilweise Ereignisse, die schon Jahrzehnte zurückliegen und auf denen immer noch herumgeritten wird. Oder wenn es um Geld geht, da wird irgendwie jeder vernünftige Mensch zum Irren.  :vogelzeigen:
Versteh ich nicht. Und verstehe ich, ähnlich wie ihr, auch bei Emily nicht.

Ich merke das an mir selbst ja. Ich bin zwar erst zwanzig aber auch ich denke schon manchmal "Ach, damals...". Aber dann muss man eben mal wieder sein Gehirn aus dem Standby-Modus holen und sich die Gegenwart und die Zukunft angucken. Das ist ja das, was eigentlich zählt...

Dass Emily nach Heinrich keinen andere Mann mehr heiraten will, finde ich zwar sehr traurig, aber nachvollziehbar. Wirklich schlimm ist meiner Meinung nach nur, dass sie so gar niemanden mehr an sich heranlässt.  :(

Grundsätzlich ist mir Emily aber nicht weniger sympathisch als vorher. Besonders berührt hat mich die Stelle, als sie nach Mtoni zurückkehrt und den Palast so völlig zerstört und verlassen vorfindet. Da musste ich direkt wieder mitweinen. Nicht einmal die Orangenbäume stehen noch...
Ob Emily dann aber wirklich noch einmal zurückkehrt, wie sie sagt, bezweifle ich ja...

LG,
Sookie

Offline Imlammenien

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Aber es wird langsam wirklich nervig, dass sie nicht einsieht, dass es einfach nicht möglich ist und ihr Leben vermutlich besser und angenehmer verlaufen würde, wenn sie es einfach gut sein lassen würde. Das ist bestimmt leichter gesagt als getan, aber ich glaube, es würde ihr (auch gesundheitlich) deutlich besser gehen, wenn sie dieses Kapitel einfach ein für alle Mal abschließen würde.
Ja, da hast du absolut Recht! In gewisser Weise zerstört sich Emily so selbst...  :(
« Letzte Änderung: 13. Oktober 2011, 16:41:57 von Imlammenien »

Offline Tammy1982

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Grundsätzlich ist mir Emily aber nicht weniger sympathisch als vorher. Besonders berührt hat mich die Stelle, als sie nach Mtoni zurückkehrt und den Palast so völlig zerstört und verlassen vorfindet. Da musste ich direkt wieder mitweinen. Nicht einmal die Orangenbäume stehen noch...
Ob Emily dann aber wirklich noch einmal zurückkehrt, wie sie sagt, bezweifle ich ja...

Ja, die Stelle hat mich auch sehr berührt! Für mich hat das aber auch wieder gezeigt, wie egal Barghash die Vergangenheit ist und wie wenig Wert er darauf legt das Erbe seines Vaters zu erhalten. Emily ist tief getroffen, was ich verstehen kann, wobei ich aber auch das Gefühl habe, dass sie v. a. wieder "der guten alten Vergangenheit" hinter her trauert und wieder mal nicht sich an der Gegenwart erfreuen kann!  :'(

Aber es wird langsam wirklich nervig, dass sie nicht einsieht, dass es einfach nicht möglich ist und ihr Leben vermutlich besser und angenehmer verlaufen würde, wenn sie es einfach gut sein lassen würde. Das ist bestimmt leichter gesagt als getan, aber ich glaube, es würde ihr (auch gesundheitlich) deutlich besser gehen, wenn sie dieses Kapitel einfach ein für alle Mal abschließen würde.
Ja, da hast du absolut Recht! In gewisser Weise zerstört soch Emily so selbst...  :(

Ja, das Gefühl habe ich auch...

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Offline Nicole C.

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Verblüffend ist, dass die Quellen von damals absolut einstimmig ein solch negatives Bild von Barghash zeichnen; darin ist kein einziges gutes Wort über ihn zu finden, fast ausschließlich solche Schauergeschichten. Durchstöbert man Berichte neueren Datums, steht Barghash in ungleich besserem Licht dar: da ist er der gute Sultan, der viel für die Insel getan hat und endgültig die Sklaverei abschaffte. Dass er das nur tat, weil Großbritannien das von ihm verlangte und nicht etwa aus Menschenfreundlichkeit, fällt dabei fast immer unter den Tisch.
Finde ich sehr interessant, wie sich die Wahrnehmung über die Zeit verändert.

Das ist wirklich immer sehr spannend, manchmal auch erschreckend, wie sich die Wahrnehmung verändert im Laufe der Zeit und Menschen Dinge auf einmal ganz anders sehen.  :o

Das ist es. Zufällig habe ich heute etwas Interessantes gehört, was dazu passt: dass es niemals eine objektive Betrachtungsweise gibt. Alles, was wir als Menschen betrachten, hat immer eine rein subjektive Perspektive - und ich möchte ergänzen: das ist auch immer durch die Zeit, in der wir uns befinden, eingefärbt.
(Auch etwas, das mich immer wieder fasziniert: wenn man sich eingehend über Bücher unterhält, langt man irgendwann bei ganz grundsätzlichen philosophischen Fragen an.)

Ich kann mir aber gut vorstellen, dass im Laufe der Zeit v. a. wichtig war, dass Barghash "der Gute" die Sklaverei, die "böse, böse Sklaverei" abgeschafft hat! Zumindest aus europäischer Sicht. 

Das denke ich auch.

Interessant fand ich dazu aber die Gedanken von Salima, als sie in Hamburg die Menschen sieht, die im Elend leben und zwar frei sind, denen es aber schlechter geht, als den Sklaven auf Sansibar... Diese Gedanken fand ich ganz spannend, da sie auch wieder sehr gut zeigen, dass sich die Europäer für "etwas besseres" gehalten haben und immer noch halten und dabei aber nur aufgrund einer oberflächigen Betrachtung urteilen. Keiner hat sich wirklich die Mühe gemacht sich die "böse Sklaverei" im Detail anzusehen und darüber nachzudenken, ob es den Menschen teilweise nicht sogar besser geht... Ich möchte dabei bestimmt keinesfalls das gut heißen, nur finde ich es wichtig, dass man doch immer 2 Seiten einer Medaille betrachtet... Was leider viel zu oft nicht getan wird...  :(

Ich fand diese Gedanken von ihr auch so spannend. Klar, kein Mensch sollte je Eigentum eines anderen Menschen sein, darüber gibt es nichts zu diskutieren, und ebenso, dass ein solcher "Besitz" von Menschen Jahrhunderte lang die Hemmschwelle für Grausamkeit, Misshandlung und Vernachlässigung sehr niedrig gelegt hat, die statistisch sicher wesentlich häufiger die Regel waren denn die Ausnahme. Aber gerade wenn man sich die düsteren Seiten der Industrialisierung im 19. Jahrhundert betrachtet (oder heute mal in die sogenannte Dritte Welt schaut), dann kann man schon anfangen, über den Begriff "Freiheit" vor dem Hintergrund extremer materieller Not und dem Machtgefälle zwischen Arm und Reich nachzugrübeln.

Ich muss sagen, dass ich diesem Abschnitt ein wenig das Verständnis für Emily bzw. für ihre Handlungen verloren habe. Aber eines nach dem anderen!
Denn dass sie damit beginnt ihre Erinnerungen aufzuschreiben, finde ich sehr gut nachvollziehbar und glaube außerdem, dass ihr dies auch seelisch gut tut, um das Erlebte zu verarbeiten. Und auch ihren Kindern hinterläßt sie auf diese Weise wertvolle Erinnerungen, über die sie ja anscheinend noch immer nicht sprechen kann oder will.

Ich persönlich bin davon überzeugt, dass ihr dieses Aufschreiben tatsächlich sehr gut getan hat. Über der Arbeit an diesem Buch habe ich mir sehr gewünscht, Emily hätte heute gelebt und die Möglichkeit gehabt, therapeutische Hilfe - in welcher Form auch immer - in Anspruch zu nehmen. Eben auch, weil ich immer wieder den Eindruck hatte, sie litt unter dem, was wir heute unter psychosomatischen Erkrankungen verstehen.

Die Erbitterung, die Emily zunehmend erfüllt, ist nur schwer zu ertragen, auch wenn sie natürlich grundsätzlich nachzuvollziehen ist.  :(

Das ist auch schwer zu ertragen, das ging mir bei der Recherche und beim Schreiben genauso.

Besonders schwierig fand ich aber die Stellen, an denen Emily ihrem Halbbruder seinen Wohlstand neidet. Zentral ist hier wohl der Begriff der Eigenverantwortung. Emily hatte sich damals für Heinrich und ihre Freiheit entschieden. Damit hat sie meiner Meinung nach auch den Anspruch auf das Leben im Sultanspalast sowie die damit verbundenen Annehmlichkeiten aufgegeben. Sie selbst scheint das aber anscheind ganz anders zu sehen, denn immer wieder klingt an, dass sie den sansibarischen Wohlstand als ihr gutes Recht betrachtet und nicht begreift, dass sie diesen damals ein für alle Mal aufgeben hat - und das Kraft ihrer eigenen Entscheidung.
Das ist für mich sehr schwer nachzuvollziehen. Die Erbitterung, die Emily zunehmend erfüllt, ist nur schwer zu ertragen, auch wenn sie natürlich grundsätzlich nachzuvollziehen ist.  :(

Hier sprichst du mir richtig aus der Seele: Genau das habe ich mir auch gedacht. Salima hat ihre Entscheidung getroffen: Für Heinrich und gegen die Konventionen von Sansibar und ich habe so das Gefühl, dass ihr anscheinend nie so wirklich bewusst war, was sie da tut! Ihre Flucht von der Insel war natürlich nicht mehr so ganz die eigene Entscheidung, jedoch hatte sie sich schon vorher für Heinrich entschieden, obwohl ihr doch klar war, dass sie damit auf Sansibar eine ganz furchtbare Tat begeht. Schon da hatte ich so das Gefühl, dass da doch so ein bisschen die verwöhnte Prinzessin durchblitzt, der in ihrer Kindheit doch alles durchgewinkt wurde.
Und das zeigt sich hier finde ich dann richtig deutlich: Sie pocht auf ihr Erbe, als ihr gutes Recht, denkt aber keinen Augenblick darüber nach, dass sie dieses Recht verspielt hat. Klar ist es aus Liebe geschehen und natürlich ist das nicht gerecht, aber das hätte ihr doch klar sein müssen, oder? Ich finde es auch einfach nur furchtbar, wie sie ihr Leben, in meinen Augen wegwirft, nur um ihrem Erbe hinterher zu jagen. Finde ich auch sehr traurig. Am meisten tuen mir ihre Kinder leid, die das zu meiner Überraschung alles mitragen!  :(

Es ist sicher schwer, nach einer solch sorglosen, materiell gut gestellten Kindheit und Jugend und sogar noch jungen Erwachsenenjahren permanent materielle Not zu leiden. Noch dazu, wenn man das Gefühl hat, nichts Unrechtes getan zu haben, das einen in diese Not gebracht hat - während jemand wie Barghash im Luxus schwelgt. Da ist es dann auch nicht allzu weit weg, das als ungerecht zu empfinden.


Auch ihren Brief an Bragash (ich nehme an, hier gab es eine entsprechende Vorlage, Nicole?) finde ich nicht sehr geschickt. Auf der einen Seite versucht Emily zu betonen, welch tollen Status sie in Deutschland hat, auf der anderen Seite bettelt sie ihren Bruder an ihr die Rückkehr zu erlauben. Ich habe manche ihrer Formulierungen als anmaßend empfunden (und als nicht der Wahrheit entsprechend) und habe schon beim Lesen sehr bezweifelt, dass der Sultan ihrem Ersuchen nachgeben wird. Dass sie aber dann noch versucht Bargash und die Engländer gegeneinander auszuspielen, ist schon extrem ungeschickt!

Als ich die Briefe gelesen habe, musste ich auch nur noch den Kopf schütteln. Dass sie auch noch versucht England und ihren Bruder auszuspielen, hat mir wirklich die Haare zu Berge stehen lassen. Da kann sie noch von Glück sagen, dass das alles so glimpflich ausgegangen ist. Die Engländer hätten ihr auch noch Landesverrat oder ähnliches vorwerfen können. Damit hausiert man doch nicht einfach so! Nein, ich konnte da auch nur noch den Kopf schütteln.

Ja, Imlammenien, die Briefe im Buch basieren allesamt auf den entsprechenden Originaldokumenten.  :winken:
Ich habe mich bei diesem Brief an Barghash auf eine englische Übersetzung gestützt; weil er viele Wiederholungen sehr ähnlicher Passagen (ein typisch arabisches Stilmittel) enthielt, habe ich ihn gestrafft und im Stil leicht an das Deutsch angepasst, das Emily selbst in ihren Aufzeichnungen verwendet hat.

Aus sansibarischer Sicht hat Emily eigentlich alles richtig gemacht; wenn ihr daran zurückdenkt, wie ihr Vater regiert hat, wie Majid sich Hilfe während der Revolte Barghashs holte - so weit entfernt davon ist das nicht, was Emily da tut.
Ich habe mich oft gefragt, ob sie auch so gehandelt hätte, hätte sie Sansibar früher verlassen, wenn die Prägung durch das Leben dort nicht so stark gewesen wäre. Wenn sie länger in Deutschland gelebt und mehr von den Werten, dem Verhalten in Europa in sich aufgenommen hätte. Ich meine ja.

Ich denke hier ganz ähnlich wie ihr. Vielleicht geht es ihr aber nicht nur um den besitz, sondern sie hofft insgeheim, doch noch von ihrem Bruder anerkannt zu werden ... wenn das mal icht schief geht!
Andererseits ist es doch blauäugig von ihr, wenn sie denkt, die hohe Politik würde sich um eine Witwe aus Sansibar kümmern, sie wird da leicht zwischen die Fronten geraten.

Das halte ich für einen ganz wichtigen Punkt, irismaria! Denn dieser Erbteil, den sie da - berechtigt oder nicht - anstrebt, in den sie sich da buchstäblich verbeisst, ist untrennbar damit verbunden, wieder in einem Bezug zu ihrer Herkunftsfamilie zu stehen, innerhalb dieser einen Platz zu haben.
Für mich hat sich da die Frage nach der Identität gestellt: wer ist Emily Ruete in dieser Phase ihres Lebens? Wie definiert ihre Umwelt sie, wie die Deutschen, die Engländer, die Sansibaris - und wie sie sich selbst? Wo ist ihr Platz? Wo gehört sie hin?

Grundsätzlich ist mir Emily aber nicht weniger sympathisch als vorher. Besonders berührt hat mich die Stelle, als sie nach Mtoni zurückkehrt und den Palast so völlig zerstört und verlassen vorfindet. Da musste ich direkt wieder mitweinen. Nicht einmal die Orangenbäume stehen noch...
Ob Emily dann aber wirklich noch einmal zurückkehrt, wie sie sagt, bezweifle ich ja...

Ja, die Stelle hat mich auch sehr berührt! Für mich hat das aber auch wieder gezeigt, wie egal Barghash die Vergangenheit ist und wie wenig Wert er darauf legt das Erbe seines Vaters zu erhalten. Emily ist tief getroffen, was ich verstehen kann, wobei ich aber auch das Gefühl habe, dass sie v. a. wieder "der guten alten Vergangenheit" hinter her trauert und wieder mal nicht sich an der Gegenwart erfreuen kann!  :'(

Ich finde, hier kann man Barghashs Verhalten zu Recht so deuten, dass er der Insel seine eigene Prägung aufdrücken, sich so weit wie möglich von der Herrschaft seines Vaters, seines Bruders absetzen will wie möglich.

Aber es wird langsam wirklich nervig, dass sie nicht einsieht, dass es einfach nicht möglich ist und ihr Leben vermutlich besser und angenehmer verlaufen würde, wenn sie es einfach gut sein lassen würde. Das ist bestimmt leichter gesagt als getan, aber ich glaube, es würde ihr (auch gesundheitlich) deutlich besser gehen, wenn sie dieses Kapitel einfach ein für alle Mal abschließen würde.
Ja, da hast du absolut Recht! In gewisser Weise zerstört soch Emily so selbst...  :(

Ja, das Gefühl habe ich auch...

Damit trefft ihr den Kern der Sache. Sie müsste loslassen - aber wie schwer muss das einem Menschen fallen, der bereits so viel verloren hat? Und wie gut sind wir, in der Regel tief verwurzelt, darin, loszulassen? Das waren Fragen, die mich dabei beschäftigt haben.
The Bay Area is so beautiful I hesitate to preach about Heaven while I'm here.
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Offline Luinil

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 :winken: Da bin ich auch wieder. Ich habe den Roman mittlerweile fertig, kam nur noch nicht zu, hier was zu den letzten Abschnitten zu schreiben.

Nicole, weißt du, ob Emily mit ihren Kindern Deutsch oder Arabisch gesprochen hat?
Rosa sagte ja immer mein Kind zu ihrer Mutter und ich habe mich gefragt, ob sie das auf Deutsch oder in einer anderen Sprache macht.

Mir hat es gut gefallen, dass im Roman erwähnt wird, dass Emily ihre Erlebnisse und Erinnerungen aufschreibt. :)

Ich hätte nicht gedacht, dass sie damals im ganzen Land so viel Aufsehen erregt hat, dass sogar in der kleinen Thüringischen Stadt die Leute von ihr wussten und ihre Kinder das Geheimnis ihrer Mutter in der Schule erfahren.

Wie gesagt, Salima driftet für mich mittlerweile ganz stark in ihre Verbissenheit ab und sieht einfach nicht mehr rechts und links... Schade!  :( Nicht einmal die Erwähnung, dass ihr Bruder die Menschen, die ihr zuwinken bestrafen lässt, berührt sie richtig...
Und wie gesagt, habe ich das Gefühl, dass Emily vor lauter Verbissenheit selber verbittert und gar nicht mehr wahrnimmt, dass sie trotz allem doch ein schönes Leben hat! Sehr traurig!  :'(
Ja, genauso habe ich das auch empfunden. Ich finde nämlich auch, dass es durchaus Gutes und Schönes in Emilys Leben gibt, sie aber keinen Blick dafür (mehr) hat, weil sie ihre fixe Idee von der unbedingten Rückkehr nach Sansibar innerlich auffrisst. Das ist wahrlich mehr als traurig! :(

Ja, da stimme ich euch zu! Verbissenheit trifft es in Emilys Fall sehr gut, ebenso wie die Tatsache, dass sie den Blick für das verliert, was wichtig ist oder sein sollte. Ich muss sagen, dass mir Emily mit diesem Abschnitt irgendwie fremd wurde.
Natürlich verstehe ich, dass sie Heimweh hat und sich in Deutschland nicht ganz angenommen fühlt. Das ist bestimmt besonders seit Heinrichs Tod sehr schwierig für sie. Allerdings hat sie durch die Baronin und die Kontakte die entstanden sind, eine unglaubliche Unterstützung bekommen, sodass sogar ihr Sohn eine gute militärische Ausbildung bekommt (war das nicht sogar durch den Kanzler? Ich hab mein Buch grad nicht bei mir, deswegen kann ich das nicht nachschauen)
Als dann die Möglichkeit besteht, nach Sansibar zurückzukehren, habe ich mich einerseits gefreut, andererseits war ich aber von der Art wie sie heimkehrt, nicht angetan.
Als sie dann wieder in ihrer Heimatstadt ist, merkt man, wie europäisch Emily ist. Sie merkt zwar selbst auch, dass es dreckig und kaputt ist und sie nicht richtig anzukommen scheint, aber sie verdrängt es.


Aber es wird langsam wirklich nervig, dass sie nicht einsieht, dass es einfach nicht möglich ist und ihr Leben vermutlich besser und angenehmer verlaufen würde, wenn sie es einfach gut sein lassen würde. Das ist bestimmt leichter gesagt als getan, aber ich glaube, es würde ihr (auch gesundheitlich) deutlich besser gehen, wenn sie dieses Kapitel einfach ein für alle Mal abschließen würde.
Ja, da hast du absolut Recht! In gewisser Weise zerstört soch Emily so selbst...  :(

Ja, das Gefühl habe ich auch...

Damit trefft ihr den Kern der Sache. Sie müsste loslassen - aber wie schwer muss das einem Menschen fallen, der bereits so viel verloren hat? Und wie gut sind wir, in der Regel tief verwurzelt, darin, loszulassen? Das waren Fragen, die mich dabei beschäftigt haben.

Ja, sie zerstört sich wirklich selbst. Das ist sehr traurig. :( Sie kann Sansibar, ihr Erbe und somit den Zugang zu ihrer Familie, nicht loslassen, da sie dann alles verlieren würde, was sie noch hat, was ihr noch Identität spendet. Nachdem sie Heinrich verloren hat, ist ihre Welt zusammengebrochen und nun klammert sie sich an das letzte bisschen Heimat. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, dass Emily zwar ihre Kinder liebt, aber nicht so den Zugang zu ihnen hat, bzw. ihnen nie „ganz nah“ war. Ich hätte gedacht, dass sie in ihren Kindern neuen Lebensmut schöpfen kann, aber das hat sie leider nicht geschafft.

Offline Nicole C.

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Nicole, weißt du, ob Emily mit ihren Kindern Deutsch oder Arabisch gesprochen hat?
Rosa sagte ja immer mein Kind zu ihrer Mutter und ich habe mich gefragt, ob sie das auf Deutsch oder in einer anderen Sprache macht.

Für mich klang alles danach, dass sie Deutsch mit ihnen sprach, wie sie auch ihre Aufzeichnungen auf Deutsch schrieb. Sie hatte sich für die deutsche Sprache und das Christentum entschieden, sowohl was ihre Kinder betraf, aber auch sich selbst, und das zog sie auch bis zu ihrem Lebensende durch. Da war sie sehr konsequent.

Mir hat es gut gefallen, dass im Roman erwähnt wird, dass Emily ihre Erlebnisse und Erinnerungen aufschreibt. :)

Schön.  :) Ohne wäre es für mich auch nicht vollständig gewesen.

Ich hätte nicht gedacht, dass sie damals im ganzen Land so viel Aufsehen erregt hat, dass sogar in der kleinen Thüringischen Stadt die Leute von ihr wussten und ihre Kinder das Geheimnis ihrer Mutter in der Schule erfahren.

Ja, das ist schon erstaunlich, nicht?

Ja, da stimme ich euch zu! Verbissenheit trifft es in Emilys Fall sehr gut, ebenso wie die Tatsache, dass sie den Blick für das verliert, was wichtig ist oder sein sollte. Ich muss sagen, dass mir Emily mit diesem Abschnitt irgendwie fremd wurde.

Das kann ich gut nachvollziehen. Und möchte ergänzend sagen: ich bin davon überzeugt, sie sich selbst auch.

Natürlich verstehe ich, dass sie Heimweh hat und sich in Deutschland nicht ganz angenommen fühlt. Das ist bestimmt besonders seit Heinrichs Tod sehr schwierig für sie. Allerdings hat sie durch die Baronin und die Kontakte die entstanden sind, eine unglaubliche Unterstützung bekommen, sodass sogar ihr Sohn eine gute militärische Ausbildung bekommt (war das nicht sogar durch den Kanzler? Ich hab mein Buch grad nicht bei mir, deswegen kann ich das nicht nachschauen)

Der Kaiser war's.   :winken:
(ich musste aber selbst erst mal nachgucken ...  :-[ )

Als dann die Möglichkeit besteht, nach Sansibar zurückzukehren, habe ich mich einerseits gefreut, andererseits war ich aber von der Art wie sie heimkehrt, nicht angetan.
Als sie dann wieder in ihrer Heimatstadt ist, merkt man, wie europäisch Emily ist. Sie merkt zwar selbst auch, dass es dreckig und kaputt ist und sie nicht richtig anzukommen scheint, aber sie verdrängt es.

Das ist auch keine gute Art, wieder in die alte Heimat zu reisen. Aber wie man so oft sagt: in der Not...
Ihr Gedanke auf S. 479 unten übrigens, "Bin ich tatsächlich schon so deutsch geworden?" - der stammt wirklich von ihr.


Ja, sie zerstört sich wirklich selbst. Das ist sehr traurig. :( Sie kann Sansibar, ihr Erbe und somit den Zugang zu ihrer Familie, nicht loslassen, da sie dann alles verlieren würde, was sie noch hat, was ihr noch Identität spendet. Nachdem sie Heinrich verloren hat, ist ihre Welt zusammengebrochen und nun klammert sie sich an das letzte bisschen Heimat. Ich hatte beim Lesen oft das Gefühl, dass Emily zwar ihre Kinder liebt, aber nicht so den Zugang zu ihnen hat, bzw. ihnen nie „ganz nah“ war. Ich hätte gedacht, dass sie in ihren Kindern neuen Lebensmut schöpfen kann, aber das hat sie leider nicht geschafft.

Identität finde ich in diesem Zusammenhang ein ganz wichtiges Stichwort.

Einen Abschnitt weiter, auf S. 502, habe ich geschrieben:

"Nein. Ich will mich wieder aufgenommen wissen. Ich will wissen, wo ich hingehöre."
Zu uns, lag es Rosa auf der Zunge. Aber sie hatte schon vor einiger Zeit begriffen, dass der Verlust der Heimat in der Seele eine Leere hinterließ, die auch die eigenen Kinder nicht zu füllen vermochten.


Dieser Gedanke stammt von mir; eine ganz ähnliche Erfahrung habe ich mit meiner Mutter gemacht und das auch oft von Personen beschrieben gefunden, von denen ein Elternteil oder gar beide ihre Heimat verloren hatten. Da bleibt selbst bei viel Nähe immer ein Rest Fremdheit - als ob ein Teil der Persönlichkeit von Mutter oder Vater nie ganz angekommen wäre.
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