Ich habe meine absolute Lieblingsstelle im Buch gefunden.
Ich finde die Beschreibung von Aden so gelungen! (S. 269 unten bis 270 oben)
Ich habe das zweimal gelesen und konnte mir die Stadt so gut vor meinem inneren Auge vorstellen. Als ich Bilder davon angeschaut habe, hat es genau übereingestimmt.
*freu*
Da merkt man meiner Meinung nach den Unterschied, zwischen einem Autoren, der einen Roman zu einem historischen Inhalt aufschreibt und einer talentierten Autorin, die ihr Handwerk so richtig versteht! Ganz großes Kompliment, liebe Nicole!
Awwww ... Dankeschön.

Dass der kleine Heinrich gestorben ist, ist natürlich schon sehr traurig. Aber man muss auch bedenken, dass es schon ein sehr großes Risiko war, so eine Reise mit einem Kleinkind anzutreten. Es ist ja heute noch einigermaßen Stress, wenn man auf einer Reise ständig Flaschen sterilisieren muss und die richtige Babynahrung auftreiben muss. Das war zu der Zeit ungleich schwieriger und es gab tausend Gelegenheit, wo so ein Kind eine schlimme Infektion auflesen konnte.
Das stimmt.
Wir wissen nicht, woran der kleine Heinrich gestorben ist, da Emily tatsächlich nie darüber gesprochen oder geschrieben hat. Ich halte (in Absprache mit meiner Fachfrau für das Medizinische in Büchern) den plötzlichen Kindstod für sehr wahrscheinlich; der kleine Heinrich war da zwar schon am oberen Rand des typischen Altersspektrums, aber durchaus noch im kritischen Bereich.
Was mich glaube ich am meisten beeindruckt hat ist, dass Salima für Heinrich zum christlichen Glauben übertritt. Das ist wohl der beste/einzige Weg, aber leicht ist es bestimmt nicht. Das wird ja auch immer wieder deutlich, wenn sie sich Gedanken darüber macht, ob das Fleisch vom Schwein ist, und als sie als Christin in die Moschee in Cairo geht. Auch wenn es vielleicht besser wäre, wenn sie mit Heinrich darüber reden würde, kann ich voll und ganz nachvollziehen, dass sie es nicht tut. Vielleicht würde es ihm auch schwerfallen, zu verstehen, was sie fühlt, weil ihm Religion, wie Salima ja auch anmerkt, zwar wichtig ist, aber sein Leben nicht so sehr durchdringt, wie es bei ihr der Fall war. Ich hoffe für sie, dass sie sich mit dem christlichen Glauben noch irgendwie besser arrangieren kann.
Nein, das ist sicher ganz und gar nicht leicht. Ich habe anlässlich dieses Buchs viel darüber nachgedacht - und obwohl ich überhaupt kein eifriger Christ, anderen Religionen gegenüber sehr offen bin, empfinde ich mich doch als sehr durch das Aufwachsen in der christlichen Kultur geprägt.
Ich muss sagen, dass mir das durch die Lektüre auch nochmal bewusst geworden ist. Die Religion schlägt sich in vielen Kleinigkeiten des Alltags nieder, dass wir sie, glaube ich, oft übersehen und gar nicht mehr bemerken. So etwas stellt man dann erst fest, wenn es fehlt und das, obwohl man dachte, die Religion ist jetzt nicht so übermässig wichtig für einen. Ich kann mir vorstellen, dass es Salima da ganz ähnlich ergeht.
Ja, das dachte ich mir eben auch. Zumal die Sultansfamilie zwar gläubig war, dabei aber nicht übereifrig oder gar fanatisch.
In diesem Abschnitt passiert in Emilys Leben wirklich eine ganze Menge: Ihr Sohn wird geboren, Heinrich kehrt zu ihr zurück, sie läßt sich taufen und heiratet die Liebe ihres Lebens - soweit der Inhalt von "Niemandsland".
In "Neuland" wird es dann ungleich dramatischer und bedrückender, denn ein um das andere Mal verliert Salima/Emily Personen und Dinge, die sie zuvor sehr glücklich gemacht haben. Da wäre zu einen die Erkenntnis, die sie beim Besuch der Moschee hat und sie begreifen macht, was sie tatsächlich alles für Heinrich und ihre Freiheit aufgegeben hat. Ja, und dann verliert sie auch noch ihren Sohn!
Diese Szene im Zug fand ich wirklich schlimm!!! Und dass owbohl Nicole sie wirklich zurückhaltend, ja fast schon mit "Understatement" erzählt. Arme Emily...
Eigentlich habe ich mit dieser Szene das Unmögliche versucht: etwas, das im Grunde gar nicht in Worte zu fassen ist, doch in Worten zu erzählen. Für mich ging das nur so skizzenhaft, in Bruchstücken, einzelnen Bildern, um das Unfassbare nur anzureißen und einfach so stehenzulassen.
Besonders gut gefallen hat mir das Beinahe-Auftauchen von Maya Greenwood aus dem "Safranmond"! 
*freu*
Das war's nicht einmal - hätte ich gekonnt, hätte ich die beiden einander treffen lassen, unbedingt sogar! Dummerweise steht aber im "Safranmond", dass Maya jeden Sommer Cairo verlässt und ihre Familie in England besucht. Was habe ich da in die Tischkante gebissen!

(Aber im Nachhinein denke ich: war gut so. Dieses "Vielleicht-beinahe" ist womöglich für den Leser sogar noch schöner.)
Wenigstens gehörst du zu den Autoren, die noch genau wissen, was sie im vorherigen Roman geschrieben haben. 
Aber ich finde auch, dass dieses "Beinahe" noch effektvoller ist, als ein wirkliches Aufeinandertreffen - insbesondere weil Maya ja eine fiktive Person ist und Emily nicht (wobei ich das in Mayas Fall immer gern mal verdränge
).
Ich hatte das zwar noch im Kopf, habe dann aber doch noch fieberhaft den "Safranmond" nach einem Schlupfloch abgesucht - vergeblich.
Mitten im Manuskript habe ich es bedauert, dass diese Begegnung nicht möglich war - jetzt, mit dem zeitlichen Abstand, finde ich es aber auch besser so.
Majid scheint zu tun, was er im Rahmen als Sultan tun kann, ohne seinen Rug zu verlieren. Er würde Salima zurück nach Sansibar lassen, sie müsste aber ihre Kontakte abreißen. Ob sie damit glücklich wäre? Dann würde es ihr wohl wieder genauso gehen wie vorher. Denn ob sie die Liebe von früher wirklich wieder erfahren würde von Majid, ist die große Frage. Ich denke, da ist einfach zu viel passiert. Das gewohnte Band der Vertrautheit ist wohl unwiederbringlich gerrissen.
Das ist natürlich die Frage - lässt sich das wieder soweit flicken, dass wieder Nähe möglich ist, wenn auch nicht mehr so innig wie früher?
Was mich bei diesem Buch immer wieder sehr beschäftigt hat: wie viele Hätte, Sollte, Wäre, Wenn Salimas Leben im Rückblick aufweist - und die Frage nach Zufall und nach Schicksal.
Der Part in Aden erinnert mich total an den Safranmond und Maya. Was für ein Déjà-Vu!
Die Beschreibungen Adens sind aber ja schon sehr unterschiedlich. Aber auch Salima geht zum Turm des Schweigens (wenn ich mich recht erinnere, wurde Maya dort entführt, oder?). Jedenfalls ist es sehr interessant, wie unterschiedlich die Empfindungen zweier junger Frauen doch sein können.
In Salima ist wohl auch einfach die ganze Aufregung. Ihre Schwangerschaft, Vorfreude auf das Leben mit Heinrich...
Ja, das stimmt - am Turm des Schweigens trifft Maya auf ihre Entführer, und das Silberplättchen, das Salima dort zwischen die Finger kommt, ist damals von der Kleidung einer der Männer abgerissen und all die Jahre über dort liegengeblieben; ich wollte Salima dort etwas "Greifbares" finden lassen, ohne dass sie weiß, woher es stammt.

Ich fand das selbst höchst reizvoll, denselben Ort im Abstand von elf Jahren aus zwei verschiedenen Perspektiven zu schildern: zwei verschiedene Personen aus unterschiedlichen Kulturen, die sich an unterschiedlichen Stationen ihres Lebensweg befinden. Für Salima war Aden Zuflucht und Hoffnung, für Maya Verbannung und buchstäblich Ent-Täuschung, und das prägt natürlich sehr die jeweilige Wahrnehmung.
Gemeinsam ist ihnen jedoch, dass der Turm sie wie magisch anzieht, weil es eben ein ganz besonderer Platz ist ...
In Kairo hatte ich mich ja schon auf ein Wiedersehen mit Maya gefreut. Gibt es hier einen bestimmten Grund, wieso du Maya "in den Urlaub geschickt" hast? Ich hätte sie so gern getroffen
*)
(...)
*) Habe den Grund gerade gelesen ;-)

Über das Ende dieses Teils gibt es wohl nicht viel zu sagen. Es muss schrecklich gewesen für sein für Salima, als ihr Sohn einfach starb. Ich hatte immer so ein bisschen das Gefühl, Heinrich jr. ist für sie auch noch eine Verbindung zu ihrer Heimat. Wie findet man nach so etwas sein Lachen wieder? Das muss Salima sicherlich erst einmal verdauen...
Dass ihr Sohn eine Art Verbindung zu ihrer Heimat war - das finde ich einen ebenso schönen wie schmerzlichen Gedanken Danke dafür, liebe tjaa!
