Leserundenarchiv > Wolfgang Burger – Eiskaltes Schweigen
01: Beginn bis einschl. Kapitel 5 (bis Seite 56)
Annabas:
Hallo miteinander,
hier treffen wir uns ab dem 22.04.2011 zur Leserunde zu dem Buch "Eiskaltes Schwegen" und ich begrüße alle Teilnehmerinnen und natürlich ganz besonders den Autoren Wolfgang Burger, der uns hier begleiten wird.
Bitte lest Euch kurz vorher nochmal die Leserunden FAQs durch. Postet hier bitte erst, wenn Ihr angefangen habt und etwas zu dem Buch zu sagen oder Fragen habt. Die Beiträge „Buch liegt bereit, ich fange heute abend an“ ziehen das Ganze zu sehr in die Länge und passen besser in den Buchvorschlag.
Hier könnt Ihr vom Anfang bis Seite 56 schreiben.
Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.
Falls Ihr wegen der Anrede unsicher seid: Der Autor darf mit "Du" angeredet werden. :)
Ich wünsche uns allen viel Spaß beim Lesen!
Viele Grüße von Annabas :winken:
lesegrete:
Liebe Leserunde, lieber Autor,
Dies ist mein erster "Wolfgang Burger" und damit mein erster Fall mit Kriminalrat Alexander Gerlach.
Der erste Satz eines Textes hat immer eine ganz besondere Bedeutung. In Buchhandlungen lese ich oft ein paar Sätze (mitunter auch das Ende – nein, bei einer LR natürlich NIE!!! 8) ) und bin entweder für den Kauf motiviert oder lege das Buch zur Seite. In diesem Fall hätte ich das Buch sicher zur Kasse getragen.
Ich fühlte mich gleich mitten unter den Polizeibeamten und den jungen, pickeligen Burschen, der
nicht nur in seine Uniform, sondern auch in seinen Beruf wohl noch hineinwachsen muss, sah ich bildlich vor mir. Ein bisschen überfüllt kam mir dieser Hochhausflur vor (ich habe 11 Personen gezählt) und ich hatte Bedenken, ob ich den Überblick behalten könnte, weil mir ja sämtliche Protagonisten des Ermittlerteams unbekannt waren. Da der Fokus jedoch auf wenige Personen begrenzt war, hatte ich keinerlei Problem.
Als Krimivielleserin ist es eine ungewöhnliche Perspektive für mich, einen Kriminalroman aus der Sichtweise eines Kriminalrats zu lesen. In den meisten Krimis geben diese eher eine Nebenfigur als uneinsichtige Vorgesetzte, die wichtigen Ermittlungen eher hinderlich als dienlich sind und sich hinter ihren Schreibtischen und Verwaltungskram verstecken.
Nicht so Alexander Gerlach, dem Verwaltungskram ein Greuel ist, der seine untergebenen Kollegen um ihre Ermittlungsarbeit beneidet und es nicht lassen kann, selbst mitzuermitteln.
Was wissen wir über ihn?
- er ist ein erfahrener Fuchs im Job und verfügt deshalb
- über eine messerschaarfe Beobachtungsgabe, so stuft er seine Zeugin in Rosarot aufgrund ihres exakten Grammatikgebrauchs als Deutschlehrerin ein;
- die Konkurrenzkämpfe seiner Untergebenen Sven Balke und Evalina Krauss
entgehen ihm nicht ebenso wenig wie
- jeder Unterlassungsfehler in der Ermittlungsarbeit (Analyse des Erbrochenen,
Befragung des Hausmeisterns nach Schlüsselausleihe)
Privat dagegen
- kann er sich an den Laden, wo er den gut schmeckenden Rioja gekauft hat , nicht erinnern. (Das machte ihn mir noch sympathischer, denn mir geht es da oft genauso),
- ist Vater von pubertierenden Zwillingstöchtern und
- hat eine Geliebte, Theresa, die gleichzeitig die Frau seines Vorgesetzten ist
- und die er immer am einem Jour Fixe trifft, nämlich dienstagabends, wenn der Gatte die Rotarier beehrt…
Über die Identität des Opfers, mit dem mysteriösen Namen Anja Bovary, wissen wir bisher nicht viel.
- Anscheinend war sie auf der Flucht. Ihre Bleibe, ein überteuertes Hostess-Appartement, hat sie möbliert angemietet und Kleidung offensichtlich in Mannheim erstanden.
- Sie hat nicht einmal einen Telefonanschluss und das Handy, falls vorhanden, ist mit der geraubten Handtasche entsorgt worden.
- Sie verfügt über reichlich Bargeld,
- leistet sich hin und wieder einen Lover
- hat offensichtlich Angst (beobachtet Tür im Restaurant, neue Riegel an der Tür, überheizte Wohnung - ich zumindest neige zum Frösteln, wenn ich mich fürchte).
- Ihr Vorname könnte tatsächlich Anja sein(er kam ihr, laut Hausmeister flüssig aus der Feder) und der Nachname mit B beginnen
Ich vermute, wir können ihr über ihr Pseudonym näher kommen. Madame Bovary im Roman von Flaubert ist aus einer langweiligen Ehe ausgebrochen, ließ sich auf Liebesabenteuer ein und hatte einen gewissen Hang zum Luxus. Letzteres wissen wir auch vom Opfer – und ich glaube, dies wird nicht die einzige Parallele bleiben.
Damit stellen sich folgende Fragen:
- Wer ist der Ehemann, ist er der Täter?
- Wo ist der Papagei Flaubert?
Madame Bovary beging Selbstmord. Dagegen spricht bei unserer Madame Bovary das Tatwerkzeug, ein Messer und der Fluchtversuch des Opfers.
Gregor Reuschlin halte ich nicht für den Täter. Ich kaufe ihm seine Geschichte ab, er nutzte die Gelegenheit , Geld zu klauen. Vielleicht spielt er ein bisschen mehr verwirrt als er ist und ist auch nicht der netteste Lover (nicht mal für einen One-Night-Stand) , aber unschuldig am Tod des Opfers.
Der Krimi spielt in eiskalten Winter, Januar in Heidelberg. Den Winter musste ich mir, in der Sonne draußen lesend, immer wieder vor Augen führen….
Das wird mich allerdings nicht abhalten, genau dort morgen weiterzu :lesen:
Das war´s als Erstes. Nun warte ich auf eure Leseindrücke
Bis dahin :winken:
lesegrete
Annabas:
Hallo miteinander,
so, den ersten Abschnitt habe ich nun auch gelesen.
Ich finde die Geschichte bisher sehr authentisch. Die Polizisten wirken echt und ihr Gehabe erinnert mich teilweise an meine Kollegen im Büro. Auch da gibt es Konkurrenzkämpfe, alte Hasen und junge Haie - das hat mir den Einstieg in die Geschichte sehr erleichtert. Es ist nämlich auch mein erstes Buch um Alexander Gerlach und ich hatte insgeheim etwas befürchtet, dass mir wichtige Angaben fehlen, die eben in den vorangegangenen Büchern stehen. Aber bisher komme ich sehr gut mit.
Zur griechischen Hochzeit, die erst dann gelungen ist, wenn die Polizei kommen muss: Ich kenne einen ähnlichen Spruch, "eine Hochzeit ist erst dann zu Ende, wenn der Sanitäter da war". ;)
Ein schönes Detail war für mich, dass Bücher erwähnt werden, die in den Wohnungen zu finden sind. Da schlägt mein Leserherz natürlich gleich höher. Bei Frau Hasenkamp hätte ich wegen "Döblin, Brecht, Grass, Muschg" auch auf eine Lehrerin getippt, doch "Anita Bovarys" Lektüre kann ich nicht so richtig einordnen. Mal sehen, was da noch kommt.
Übrigens finde ich die Namen "Bovary" und "Papagei Flaubert" ganz witzig. (Blöd nur, dass ich "Madame Bovary" bis jetzt immer noch nicht gelesen habe, obwohl ich das schon seit Ewigkeiten will. Naja, vielleicht gibt dieses Buch mir endlich den nötigen Schubs?)
Jetzt bin ich mal gespannt, wer "Anita Bovary" wirklich ist.
Grüße von Annabas :winken:
Annabas:
--- Zitat von: lesegrete am 22. April 2011, 19:43:09 ---Der erste Satz eines Textes hat immer eine ganz besondere Bedeutung. (...)
Ich fühlte mich gleich mitten unter den Polizeibeamten und den jungen, pickeligen Burschen, der
nicht nur in seine Uniform, sondern auch in seinen Beruf wohl noch hineinwachsen muss, sah ich bildlich vor mir.
--- Ende Zitat ---
Ja, ich hatte den "Buben" ebenfalls vor Augen. Den Einstieg finde ich sehr gelungen, da passt alles.
--- Zitat von: lesegrete am 22. April 2011, 19:43:09 ---hat eine Geliebte, Theresa, die gleichzeitig die Frau seines Vorgesetzten ist
--- Ende Zitat ---
Wenn er sich da mal nicht die Finger verbrennt - das ist eine sehr riskante Verbindung, Rotarier hin oder her.
--- Zitat von: lesegrete am 22. April 2011, 19:43:09 ---Gregor Reuschlin halte ich nicht für den Täter.
--- Ende Zitat ---
Glaube ich auch nicht, das wäre doch viel zu einfach.
Natürlich spekuliere ich auch über das Buch "Madame Bovary" (habe inzwischen die Inhaltsangabe bei Wikipedia gelesen) und über die Zusammenhänge mit unserer Anita Bovary. Bisher sehe ich nur, dass beide irgendein Doppelleben führten. Aber da kommt sicher noch mehr dazu.
So, jetzt bin ich gespannt auf die weiteren Eindrücke.
Grüße von Annabas :winken:
starone:
Hallo liebe Mitleser und lieber Wolfgang,
über den Inhalt, hat Lesegrete ja schon klasse geschrieben und ich denke mir, mehr braucht es da auch nicht. ;)
Besonders gut gefällt mir , die interessanten Beschreibungen der Wohnung, wer ..was in seiner Wohnung hat :), denn meistens geschied, dass doch recht nebensächlich und nur den Tatort des Verbrechens betreffend.
Somit läßt uns Wolfgang, als Leser automatisch, auch gleich im 1.Teil mitraten und unsere Schlüsse ziehen, gute Taktik, finde ich. :)
Hier wird gut beschrieben, ebenso wie die Personen selber :), auch das ein übergeordneter Beamten,Kriminalrat... :) sich in das Geschehen einmischt, finde ich interessant und ich bin gespannt, wie es den Fall weiter bringen wird..
Ob, dass wirklich eine gute Sache ist, für die anderen die auch am Fall mitwirken soll oder wollen, ich weiss nicht ;D
Ich glaube, es macht , aber den besonderen Reiz, gerade dieses Buches aus. 8)
Auch diese ganzen Verflechtungen haben mit und zwischen den Beamten schon was interessantes an sich.
Bin gespannt auf mehr :)
LG..starone... :winken: :lesen:
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