Oha - mysteriös und spannend geht es weiter!

Ich muss gestehen, der zweite Leseabschnitt hat mich stellenweise etwas verwirrt - das letzte Buch, das ich gelesen habe, war so gänzlich anders ("Der Übergang" von Justin Cronin ^^), und da fällt es mir etwas schwer, in diese surreale Welt einzutauchen.
Also rollen wir das ganze Mal von vorne auf...
Sehr gut hat mir der Anfang von Kapitel 4 gefallen, weil er ziemlich genau das in Worte gefasst hat, was ich über Sallie denke (und warum ich sie eben NICHT für naiv halte

):
"Wenn einer der Bewohner des Hauses Sallie gefragt hätte, ob sie zufrieden sei und ob es ihr denn wirklich genüge, ein Küchenmädchen zu sein, hätte sie wahrscheinlich sehr erstaunt auf diese Frage reagiert. Jeder im Haus war, was er war. (...) Jeder tat das, wozu er bestimmt war, ohne neidisch auf den anderen zu schauen."
Auch dass Sallie sich nicht vorstellen kann, was die "Welt" sein soll, finde ich keineswegs naiv - versucht mal, einem Blinden die Farbe Rot zu erklären.

Man darf nicht vergessen, dass die Gute Sallie ja wohl mal schlichtweg keinerlei Bildung bekommen hat. Sie wurde als Küchenmädchen erzogen, und weiß eben all das, was man als Küchenmädchen wissen muss. Nicht mehr und nicht weniger. Und sie lebt schon ihr ganzes Leben im Herrenhaus, hat nie etwas anderes gesehen - ich frage mich, ob sie schon jemals aus einem Fenster
hinaus geschaut hat. Allerdings glaube ich fast, dass das gar nicht geht. Wahrscheinlich sieht man aus jedem Fenster immer nur wieder einen anderen Teil des Hauses, oder einen Garten.
Sallies Überlegung, dass Sommersprossen eigentlich besser Sonnenflecken heißen sollten, fand ich ulkig.

Und irgendwo hat sie mit ihrem Gedankengang ja sogar Recht.

Dass der mürrische Gärtner vielleicht auch mit den Katzen sprechen kann, ist mir auch schon in den Sinn gekommen. Könnte ich mir zumindest gut vorstellen.

Und es würde dazu passen, dass Luan sagt, er würde ihm gelegentlich helfen.

Tja.
Und dann dieser Graue Herr...
Kaum dass er aufgetaucht war, hatte ich Ben als Verdächtigen für die Rolle des Nebelkönigs gestrichen und ihn an seine Stelle gesetzt.

Es gibt aber wirklich zu viele mysteriöse Gestalten hier.

Als dann die Stelle kam, an der stand, dass die Katzenkönigin den Nebelkönig in einer Burg für alle Zeiten eingesperrt hat, war für mich absolut klar, dass es sich dabei um das Herrenhaus handelt. Das passte einfach zu gut!

Das Buch, das Sallie dann von dem Grauen Herren bekommt (irgendwie springt mir da immer das störende Bild der Grauen Herren aus Momo vor's Auge ^^), erzählt also letztendlich die selbe Geschichte, nur aus einer anderen Perspektive.
Ziemlich cool.
Und ich muss sagen, ich bin mittlerweile am überlegen, ob es überhaupt die "Guten" und die "Bösen" gibt.
Alle Figuren, die bisher aufgetaucht sind - Uhl, Redzep, Kaltrina, der Apotheker - sind mir auf ihre Art und Weise sehr sympathisch (ja, auch Korben - ich mag den Kerl, und ich glaube partout nicht, dass er was Übles im Schilde führt, auch wenn er vielleicht nicht unbedingt ein Heiliger ist

).
Aber Uhl kann Redzep nicht ausstehen, Redzep kann Korben nicht ausstehen, ebenso wie Kaltrina darüber pikiert ist, dass er sie General nennt.
Letztendlich denke ich, es geht hier nicht wirklich um Gut und Böse, sondern um persönliche Zwistigkeiten.
Was ich vom Nebelkönig halten soll, weiß ich allerdings nach wie vor nicht so genau.
Der Prolog wirkte auf mich schon so, als sei er "echt", also nicht eine geschönte oder veränderte Variante irgendeiner Geschichte, sondern die tatsächlich "reale" Version. Die kursiven Parts sind sicherlich mit Vorsicht zu genießen, aber die Szene, in der der Drache von seinem Ziehsohn getötet wird, ist denke ich schon tatsächlich so passiert. Und das war ja nun wirklich eine nicht unbedingt nette Aktion.

Insofern klingt die erste Variante, die Sallie von dieser Geschichte hört, natürlich erstmal glaubwürdiger.
Allerdings hat auch die andere Version, die sie in dem Buch liest, das der Graue Herr ihr gibt, durchaus plausible Ansätze, und klingt für mich ehrlich gesagt sogar realistischer und logischer.
In seiner jetzigen Situation in seinem komischen Nebelturm wirkt der Nebelkönig auf mich aber eigentlich nur bemitleidenswert. Seine Gefühlsschwankungen, dass er zunächst genervt, dann nett, und plötzlich wütend wird, haben sicherlich einfach etwas damit zu tun, dass er seit einer halben Ewigkeit da in diesem Nichts herumhängt.
Irgendwie tat er mir da wirklich leid.
Vielleicht ist er ja letztendlich nur das Opfer irgendeiner bösen Intrige?
Jedenfalls weigere ich mich noch so ein bisschen, den Nebelkönig als den "Bösen" und die Katzenkönigin als die "Gute" zu sehen.

Oh, und Korben sagt also, er braucht eine Aushilfe...
Ich vermute ja, dass er Sallie noch eine ganze Woche krank geschrieben hat, ist ein wenig übertrieben - vielleicht will er dafür sorgen, dass sie mehr Zeit hat, um sich mit der ganzen Nebelkönig-Katzenkönigin-Sache zu befassen. Dass er sie als Aushilfe nehmen könnte, halte ich auch für realistisch.
Und dann diese Sarah-Sache...
Ich denke langsam auch, dass Sallie auf irgendeine Art und Weise die Katzenkönigin ist.
Das würde definitiv erklären, warum sie sich mit Kaltrina und Luan unterhalten kann.
Das würde auch diesen kurzen, seltsamen Wortwechsel zwischen ihr und Korben erklären:
"So viel Blut überall", sagte sie mit schwacher Stimme. "Wir müssen dafür sorgen, dass das für immer aufhört, Rabe."
"Das müssen wir, Sarah."
Das klingt nämlich wie so eine Art Rückfall in alte Zeiten - vielleicht hat sie genau das schon einmal zu ihm gesagt, als der Nebelkönig seine Schreckensherrschaft ausgeübt hat?
Allerdings - wenn Sallie die Katzenkönigin ist, dann ist die Katzenkönigin doch nicht böse.

Zumindest jetzt nicht, vielleicht war sie es früher mal.
Hat Sallie eigentlich irgendwann mal was über ihre Kindheit gesagt?
Okay, man hat ihr gesagt, ihre Mutter sei ein Küchenmädchen gewesen.
Aber es startet, als sie selbst schon Küchenmädchen ist. Seit wann sie das macht, wird nirgends erwähnt.
Vielleicht hat die Katzenkönigin sich einfach so lange ausgeruht, dass sie ihr Gedächtnis verloren hat?
Vielleicht hat Sallie Redzep deshalb vergessen?
Und Redzep nennt sie deshalb Königin?
Was sein "Volk" angeht...
Da sehe ich verschiedene Möglichkeiten:
1. Es ist tatsächlich da, Sallie kann die Leute nur nicht sehen.
2. Sein ganzes Volk ist tot, und nur noch so ein paar rastlose Seelen spuken da unten herum - vielleicht kann Redzep die ja sogar sehen und mit ihnen sprechen.
3. Es waren tatsächlich Ratten in dem leeren dunklen Raum - nur hat Sallie die auf dem Boden nicht gesehen.

Sooo...
Hm...
Ich denke, das war alles, was mir so an Gedanken durch den Kopf gepurzelt ist.

Jedenfalls bin ich sehr gespannt, wie es weitergeht, aber das muss wohl bis morgen früh im Zug warten - ich muss nämlich um 5 Uhr aufstehen und daher jetzt schleunigst mal ins Bett.
