Dankeschön für das viele Lob.
Der einzige Smiley, der halbwegs so etwas wie eine Verbeugung macht, ist der hier

, aber nicht so richtig, wie ich mir das vorstelle. Immerhin passt er hervorragend zum Rockmusikthema.
Also nochmal:

an Euch alle!
Jetzt ist es aber soweit, ich habe zwei Versprechen einzulösen: Antworten geben und Fragen stellen.
Zuerst die Echos, äh, die Antworten: Was höre ich eigentlich privat am liebsten für Musik?
Hier zeichnete sich schon ziemlich früh für mich ab, dass ich die Leserunde ein wenig torpediere, wenn ich meine tatsächlichen Vorlieben offenbare, deshalb wollte ich Euch lieber erstmal in Ruhe das Buch lesen lassen. Rockmusik spielt nämlich gar nicht so eine große Rolle für mich. Ich finde zwar die
Stones der 70er großartig und Jimi Hendrix und
Led Zeppelin und überhaupt ziemlich viel älteres Zeug, aber in den 2000er-Jahren habe ich mir ziemlich genau zwei reinrassige Rockalben gekauft: "Era Vulgaris" von
Queens of the Stone Age, das ich superb finde, und ein Best-of-Album von Rob Zombie, weil ich seine Filme mag.
Nine Inch Nails sind natürlich toll, aber sind die noch Rock oder schon Abstraktion? Ansonsten liebe ich in den Rockgefilden eher so "schräge" Bands wie
Pavement oder
Broken Social Scene oder
Eels oder
Sigur Ros. Oder eben gleich Singer/Songwriter wie Sufjan Stevens oder Rufus Wainwright. Oder das größenwahnsinnige Spätwerk der
Beach Boys!
Ansonsten bei mir ganz, ganz wichtig: beinahe sämtliche Spielarten der sogenannten Black Musik - Blues, Funk, Soul, R'n'B, HipHop und zunehmend auch Jazz. Da gibt es unglaublich viel zu entdecken und zu lernen.
The Roots sind neben
Radiohead für mich die unverzichtbarste Band der Gegenwart. Von
GangStarr habe ich ebenfalls alles da. Von Kanye West und
G. Love & Special Sauce ebenfalls.
Auch wichtig: Dancefloorzeug. Electro, House, Big Beat. Ich habe alles von
Underworld, alles von den
Chemical Brothers, und Aphex Twin ist für mich der spannendste Einzelgänger der letzten 40 Jahre.
Und Ennio Morricone! Und Tom Waits! Und Chris Whitley! Und schwierige Frauen! Laura Nyro, Kate Bush, Björk, P. J. Harvey, Janelle Monae, Joan as Police Woman, Joanna Newsom! Und und und ...
(Tobias wird schwadronierend in einer Zwangjacke abgeführt ...)Der Musiker, den ich eingangs erwähnte, der mir die Augen darüber öffnete, wie Floyd Timmen aussehen und beschaffen sein soll, war Jeff Buckley. Als Jeff Buckley 1997 im Alter von nur 29 Jahren ertrank, war das der größte persönliche Verlust meines Lebens. Zu dem Zeitpunkt hatte ich HalbEngel schon geschrieben, aber veröffentlicht war es noch nicht.
Floyd ist aber nicht ausschließlich Jeff Buckley (obwohl ich es ziemlich unheimlich finde, dass man im Internet, wenn man Fotos von Jeff Buckley aufruft, eines sehen kann, das ihn mit einem einzigen gemalten Engelsflügel zeigt - und ich habe dieses Foto erst vor kurzem zum ersten Mal gesehen!) In Floyds Charakter sind darüberhinaus noch ein paar Interviews mit Mark Hollis eingeflossen, dem Kopf von
Talk Talk, und ebenfalls so ein sich einkapselnder, mittlerweile komplett zurückgezogener Eigenbrötler. Ich liebe Leute, die toll sind und sich dennoch rar machen können.
Und damit bin ich ja schon bei meinen drei Fragen an Euch angekommen, und bei meinen eigenen Antworten auf die ersten beiden dieser Fragen.
Es sind Fragen, wie sie Musikern oft gestellt werden:
1. Was war das eindrucksvollste Konzert Deines Lebens und warum?(Nimue hat das für sich schon beantwortet. Hexe ist aber ausdrücklich eingeladen, hier mitzumachen.)
Bei mir war es Jeff Buckley 1995 im LOFT in Berlin. Ich notierte hinterher in mein Tagebuch: "Und wenn der Tod jetzt kommt, dann ist das der Würde des Moments angemessen". Seltsam, dass ich Jeff Buckley intuitiv mit dem Tod in Verbindung brachte, nur falschherum. Zwei Jahre später war
er nicht mehr am Leben, ich dagegen krebse noch immer herum ...
2. Welches ist für Dich das wichtigste Album Deines Lebens und warum?Sehr schwere Frage, eigentlich nennt man immer mindestens "fünf Alben für die Insel". Und dennoch, wenn ich mich nur für ein einziges entscheiden müsste, würde ich "Spirit of Eden" von
Talk Talk nennen, vielleicht im Verbund mit dem Nachfolgeralbum "Laughing Stock". Weil ich niemals zuvor und niemals danach wieder erlebt habe, wie das Erwartbare umgedeutet wird in das Zeitlose, wie das Gängige sich auflöst und überführt wird in etwas, das jenseits von Konventionen in einem freien, sprituellen Raum leuchtet.
Und
3., extra für Loomis, etwas Kniffliges:
Von welchem "unverschämt talentierten jungen Schwarzen", der wie Prince singt, ist auf S. 180 die Rede? Tipp: das Buch entstand 1995, und derjenige hat jetzt auch schon seit zehn Jahren kein neues Album mehr vorgelegt, ich scheine solche Leute schon im vorhinein identifizieren und herauspicken zu können ...
Viel Spaß beim Beantworten!

Tobias