Ich beginne meine Eindrücke einfach mal mit einem Zitat von Tobias zum letzten Leseabschnitt:
[...] weil ich etwas Bestimmtes herausfinden, einem Phänomen nachforschen wollte: Wie Musik einem die Kontrolle entzieht und eigenständig wird, wenn man sich ihr hingibt. Welche Kraft Musik hat, war mir schon vorher klar. Aber wie diese Kraft genau aussieht ... welche FARBEN und welches AROMA sie hat ... das in Worte fassen zu wollen ... das ist kompliziert ...
... und es ist Dir gelungen, manche Passagen dieser beiden Kapitel haben mich schier umgehauen. Ich wollte un-be-dingt die Musik hören, die Du in Worte gefasst hast, auch wenn jeder wahrscheinlich Anderes dazu im Kopf hat und konkrete Hörbeispiele den Zauber brechen würden. Interessant, dass Du Farbe und Aroma der Musik ansprichst, denn unabhängig von synästhetischer Wahrnehmung verbindet wahrscheinlich jeder auch andere Sinneseindrücke mit Musik. Umso faszinierender finde ich gelungene Beschreibungen, die mit dieser Verschmelzung spielen.
Die Verbundenheit Floyds zu seiner Musik wird mehr als deutlich, auch bei Utah, die mit komplett anderer Herangehensweise ebenso die Musik als Teil ihres Selbst anzusehen scheint. Karen mutiert rückblickend zu einer hysterischen Zicke, keine vorteilhafte Entwicklung.

Tobias, hattest Du für manche Protagonisten konkrete Personen vor Augen? Und gibst Du Floyd mit der 61er Les Paul ein echtes Schätzchen in die Hand oder hast Du Dir diesen "Mythos" um die blaue Gibson ausgedacht? (Hierbei hat mich nur stutzig gemacht, dass er die Gitarre zum fünfzehnten Geburtstag bekommt, obwohl er doch als bereits Fünfzehnjähriger zu Reggler kommt, oder?)
Um nochmal auf die Beschreibung der Musik zurückzukommen, oder besser auf's Musik machen: ich wünsche mir, solch experimentierfreudigen Musiker würden es tatsächlich in die Charts schaffen. So wie es klingt, brechen Floyd und Utah mit jeglichen Regeln der Radiotauglichkeit, da kann auch Marketing-Kalkül heutzutage nichts ausrichten. Andererseits ist mir Floyd fast zu viel musikalisches Wunderkind. Man kann viel anstellen mit einer Gitarre, allerdings benötigt man für gewisse Dinge trotzdem technische Hilfsmittel (etwa für das dauerhafte Klingen einer Seite, ohne den Anschlag zu hören). Den Konflikt angesichts der Post-Produktion fand ich übrigens gut, genauso diesen ganze Einblick in die Studioarbeit, sowas lese ich gerne. Ein Freund warf mir mal vor, das würde den Zauber zerstören, ich finde hingegen, es verstärkt ihn nur, wenn man feststellen kann, dass wenig an den Reglern gedreht wurde. (Noch deutlicher wird das natürlich bei Konzerten, wo man's idealerweise mit eigenen Augen sehen kann.

)
So, jetzt habe ich bestimmt was vergessen, ich habe keine Notizen gemacht. Egal. Übrigens kann ich während des Lesens keine Musik laufen lassen, jetzt gerade hingegen läuft
Mono - Hymn to the Immortal Wind.
Viele Grüße
Breña