Leserundenarchiv > Gina Mayer – Das Lied meiner Schwester
05 - Seite 233 bis Seite 312
Gina:
Die Therapie mit elektrischen Stromstößen war in den 30ern und vor allem 40ern der letzte Schrei. Da waren aber ausnahmsweise nicht die Nazis schuld, das haben die anderen Nationen mit der gleichen Begeisterung mitgetragen und durchgeführt.
--- Zitat von: Papyrus am 14. August 2010, 20:26:46 ---Von Clemens steckt wohl mehr in uns, als uns allen lieb ist. Würde sich unsereins verhalten wie Leopold? Oder nicht doch eher wie Clemens? Sich wie das Fähnchen im Wind halten. Bei vielen käme doch das Argument: "Du musst auch an die Familie denken."
--- Ende Zitat ---
Das glaube ich auch. Sehr schön geschrieben, Papyrus. Aber das wir uns gut verstehen, haben wir ja schon bei den "Zitronen im Mondschein" gemerkt.
Die Gruppe der Bekennenden Kirche wird bestimmt bei vielen Lesungen für Diskussionsstoff sorgen. Weil die einzelnen Mitglieder - wie Papyrus vorhin auch schrieb - ja keine hehren Widerstandskämpfer sind, sondern ein bunt zusammengewürfelter Haufen mit ganz unterschiedlichen, teilweise recht selbstsüchtigen Motiven. Es ist zum Weinen, wie wenige Christen - auch in den Bekennenden Gemeinden - gegen die Judenverfolgung protestiert haben oder sie überhaupt zur Kenntnis nahmen. Dietrich Bonhoeffer stand da recht allein da. Leider.
Liebe Grüße
Gina
Sille:
--- Zitat von: Papyrus am 14. August 2010, 20:26:46 ---
--- Zitat von: Sille am 12. August 2010, 15:12:24 ---Leute, lest mal schneller ich komm mir so einsam vor hier ... :winken:
--- Ende Zitat ---
ich eile ja schon ;D
--- Ende Zitat ---
Danke!! :-*
Ja, bei Frau Erle sind wir uns einig :winken:
Und wegen der Widerstandstruppe: Ihr habt ja recht, aber ich bin schon froh über jeden, der nicht blind mit dem Strom schwimmt - warum auch immer ...
dubh:
Hallo zusammen,
in diesem Abschnitt gab es einige Wendungen, die mich ernsthaft überrascht haben: beispielsweise die Freundschaft zwischen Leopold, dem modernen Musiker, und Johannes, dem Kirchenmusiker. Dabei stellt sich aber heraus, dass Johannes auch in der Jazzmusik einigermaßen bewandert ist. Was ich wirklich schade finde, ist die Tatsache, dass Orlanda und Anna sich - trotz der Freundschaft ihrer Ehemänner - nicht verstehen, ja, sogar neuerdings richtig streiten. Orlandas und Leopolds Hochzeit hat mich natürlich auch überrascht - vor allen Dingen nach den Briefen, die sich Clemens und Orlanda schreiben! Da scheint doch noch ein gewisses Interesse von Orlanda an Clemens zu sein (umgekehrt ist es ja offensichtlich)... Doch wäre verrät diese Unterschwelligkeiten an die Nazis? Göbbels scheint ja gut informiert zu sein.
Clemens verhält sich weiterhin opportunistisch, obwohl er merkt, wie sehr er als Aushängeschild ausgenutzt wird. Und dann 'versteckt' er sich auch noch hinter der Aussage, dass es ihn noch härter treffen würde - wenn er sich falsch verhielte. Die Konsequenz seines Verzichts auf die Amerika-Reise würde aber wiederum Orlanda zu spüren bekommen! Es wird immer die anderen zuerst treffen, ja, und für ihn wäre der Fall besonders tief - aber er muss doch ahnen, dass andere Menschen die Konsequenzen ihres kritischen Handelns noch viel drastischer zu spüren bekommen, oder? Jedenfalls will er dieses Mal jemanden wirklich ernsthaft schützen (nicht so wie die arme Fritzi) und beugt sich der Erpressung durch den Reichspropagandaminister. Trotzdem habe ich kein Mitleid mit ihm, weil er seinen Rückzieher gegenüber Orlanda nicht erklären kann.
Anna wird zu einer Widerstandsgruppe eingeladen! Ob es dafür einen bestimmten Grund gibt? Ich bin gespannt - natürlich auch, wie sie sich entscheiden wird!
Leopold versinkt immer mehr in Frustration - verständlich, er, der gerne den Lebemann gegeben hat und nun auf alle Annehmlichkeiten seines früheren Erfolgs verzichten muss. Da kann sich Orlanda doch besser mit ihrer jetzigen Rolle engagieren. Sie scheint eindeutig erwachsener, realistischer zu sein.
Und Fritzi? Schade, dass wir dieses Mal relativ wenig von ihr lesen... Sie hat Scholten also wirklich geheiratet und hat wohl keine schlechte Wahl mit ihm getroffen. Wobei es sicherlich keine Liebeshochzeit von ihrer Seite aus war - dazu hängt sie noch zu sehr an Clemens.
Anna verhält sich - mal wieder - sehr unglücklich: obwohl sie mit ihrem Mann doch eher die Richtung des (inneren) Widerstands gegenüber den Machthabern gewählt hat, vertraut sie weiterhin "ihrem" Dr. Müller. Ich fürchte, dass sie mit der Erwähnung der Krankheit von Schwester Irmgards Mutter Unglück über diese bringt. Noch dazu erwähnt sie leichtsinnigerweise die Krankheit ihrer eigenen Mutter! Obwohl sie um die Meinung des Doktors zum Thema Erbkrankheiten eigentlich bescheid wissen müsste... Warum nur hält sie so große Stücke auf den Arzt?
Liebe Grüße
dubh
dubh:
--- Zitat von: Gina am 14. August 2010, 22:06:26 ---Die Gruppe der Bekennenden Kirche wird bestimmt bei vielen Lesungen für Diskussionsstoff sorgen. Weil die einzelnen Mitglieder - wie Papyrus vorhin auch schrieb - ja keine hehren Widerstandskämpfer sind, sondern ein bunt zusammengewürfelter Haufen mit ganz unterschiedlichen, teilweise recht selbstsüchtigen Motiven. Es ist zum Weinen, wie wenige Christen - auch in den Bekennenden Gemeinden - gegen die Judenverfolgung protestiert haben oder sie überhaupt zur Kenntnis nahmen. Dietrich Bonhoeffer stand da recht allein da. Leider.
--- Ende Zitat ---
Was auch an der Situation Herrn Blaus sehr deutlich wird: die Schuld wird nicht (nur) bei den Nazis gesucht, sondern auch den Juden gegeben. Im Fall von Herrn Blau, weil er sie verantwortlich dafür macht, dass ihn die Nazis so schlecht behandeln... Pervers, oder? Naja, Antisemitismus war nun leider auch in der Kirche weit verbreitet.
Liebe Grüße
dubh
Gina:
--- Zitat von: dubh am 15. August 2010, 14:28:17 --- Warum nur hält sie so große Stücke auf den Arzt?
--- Ende Zitat ---
Weil er so ein guter Chirurg und Chef ist. Und weil sie ihre Arbeit im OP so sehr liebt. Und weil sie so viel weniger über die politischen Zusammenhänge und Folgen des Naziregimes weiß als wir heute - siebzig Jahre später.
--- Zitat von: dubh am 15. August 2010, 14:28:17 ---Dabei stellt sich aber heraus, dass Johannes auch in der Jazzmusik einigermaßen bewandert ist.
--- Ende Zitat ---
Das begeistert mich so an der Musikszene des frühen 20sten Jahrhunderts: Die neue Verbindung zwischen ernster Musik und modernen Musikrichtungen wie Jazz oder Swing. Viele "neuen" Komponisten haben sich vom Jazz inspirieren lasse und Jazz-Elemente und -Instrumente in ihre Stücke eingebaut. Das musste natürlich auch mein Leopold mitmachen ...
Liebe Grüße
Gina
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