Hallo Breña,
freut mich, dass das Buch Dich mit einem guten Gefühl zurücklässt

Ich weiß, was Du mit "Zartbitter" meinst; ein so glückliches glückliches Ende habe ich auch noch nie geschrieben und werde es so schnell wahrscheinlich auch nicht mehr. Für diese Geschichte, die von vornherein als romantisches Verwirrspiel geplant war, hätte ich mir aber kein anderes Ende denken können. Über den Epilog haben wir ja schon gesprochen; das ist sicher die pessimistischste, un-magischste Variante, die das Buch anbietet, und in der die Namen der Figuren auch zu
telling names werden; Justine die Aufrechte, die wartet, und Gaspard der Narr, der es einfach versiebt und nicht wiederkommt (einziger Hoffnungsschimmer wieder: der Konjunktiv

-- und dass gefühlt irgendwie doch alle Wirklichkeiten nebeneinander existieren).
Céleste ist defintiv die große Verliererin der Geschiche, aber gerade deshalb gehört sie zu den Figuren, die mich nicht richtig loslassen (ja, meine Figuren sind ziemlich real für mich

) Zu Justine & Gaspard werde ich kein Wort mehr schreiben, denn, wie Du richtig sagst, man weiß ja nicht, was aus ihnen wird, und eigentlich kann alles, was man da noch anfügt, es nicht besser machen. Bei Céleste drängt es mich schon, noch mehr über sie zu erfahren (deswegen kommt sie auch in zwei Kurzgeschichten noch vor, allerdings nur als Nebenperson. Vielleicht kehre ich irgendwann noch mal zu ihr zurück).
Was mir allerdings noch unklar ist, ist ob Blanche dieses Eingreifen der Société vorausgeahnt hat, also genau dieses. Konnte sie ahnen/ wissen, dass eine Zeitschleife entstehen wird? Oder hat sie nur geahnt, dass ihr gottgleicher Schöpfungsakt Unmut in irgendeiner Form heraufbeschwören wird? Und damit komme ich auch zurück auf meine Frage, ob der Teufel allein die Société darstellt, oder ob sie vielleicht aus ihm und Gott gemeinsam besteht und letzterer sich nur vornehm zurück hält. Er müsste sich doch viel mehr auf die Füße getreten fühlen, da Blanche sich seine Fähigkeiten zu eigen macht, im Gegensatz zum Teufel, der "nur" eifersüchtig hinnehmen muss, dass sie etwas kann, was er nicht kann. Oder vertritt der Schöpfer den Standpunkt, dass der übereifrige Widersacher es schon regeln wird?
Das hier sind die beiden "großen Fragen", richtig?
Zu 1): Dass eine Zeitschleife entstehen und alles genau so kommen würde, wie es kam, hat Blanche meines Erachtens nicht gewusst. Sie hat gewusst, dass sie einen Zauber wirkt, der im Idealfall so funktioniert:
- sie reicht Ravi den verzauberten Apfel und er isst
- sie fällt für eine Nacht in Schlaf (vielleicht - ich glaube, ich hab das nie so formuliert, mir aber so vorgestellt - um ihm einen letzten kleinen Teil ihrer Lebensenergie abzugeben)
- Ravi weckt sie am nächsten Tag mit einem Kuss, und die Wandlung ist vollzogen, das Band zwischen ihnen gelöst.
Es war also unvermeidlich, dass sie eine gewisse Anzahl Stunden völlig hilflos und nicht ganz auf dieser Welt sein würde, und es war damit zu rechnen, dass das Direktorat in dieser Zeitspanne herauszufinden probiert, was sie gemacht hat und wie. Sie wusste, dass es für Ravi schwierig, und für sie beide sehr gefährlich werden würde. Aber was für eine Waffe das Direktorat letztlich gegen sie auffahren würde; nein, ich glaube, wenn sie das gewusst hätte, hätte sie Ravi eine etwas konkretere Hilfestellung gegeben.
Zu 2) Es war frech genug, den Teufel (oder eine Variante von ihm?) in die Geschichte einzubauen. Von Gott wollte ich dann doch lieber die Finger lassen. Ist fast eine Konvention (wenn man an "Angel Heart", "Die Hexen von Eastwick" oder "Im Auftrag des Teufels denkt". Der einzige Film, der mir spontant einfällt, in dem beide auftreten, ist "Time Bandits" :-)) Aber du hast natürlich recht, wenn ich A sage, muss ich auch B sagen. Teufel ohne Gott ist Quatsch. Ich würde mich dann aber auf die alte Art herausreden wollen, dass Gott den Menschen ihren freien Willen gegeben hat und sich nicht einmischt; ob jetzt der eine oder andere Homunkulus, freier Geist oder was auch immer herumläuft, macht dann auch keinen großen Unterschied mehr für ihn; Barneby et al scheinen ja auch schon das Geheimnis der Unsterblichkeit geknackt zu haben.
Von Hemigway-Experten habe ich bisher wenig Feedback bekommen; ich bin aber zuversichtlich, dass ich Hemingway zumindest an diesem einen Tag seines Lebens relativ glaubhaft abgebildet habe ;-) Was immer er auch in Wahrheit an diesem ersten Sonntag Abend seiner Trennung gemacht hat.
Ich hoffe, ich habe alle Deine Fragen beantwortet, wenn nicht, schubs mich nochmal!