Autor Thema: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53  (Gelesen 2638 mal)

Offline Leselotte

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #15 am: 10. Mai 2010, 13:30:58 »
Sie weilt wirklich schon zu lange bei Hofe und mittlerweile habe ich auch fast das Gefühl, dass sie sich in Versailles genauso glücklich fühlt wie in Crécy oder zumindest annähernd, weil es wird nicht mehr so betont.


Das glaube ich auch und wundere mich eigentlich, weil sie ja - außer dem König - nicht wirkliche Freunde hat..... Und dazu ja noch richtige Feinde, die damit auch nicht hintern Berg halten, dass sie sie nicht mögen....

Für mich wäre das nichts.... da zu leben, wo mich die meisten Leute gar nicht da haben wollen.... :( Für mich wirklich eine schreckliche Vorstellung und zeigt mir, wie sehr sie den König doch lieben muss....

Aber na ja, Veränderungen sind ja normal und ich erinner mich auch noch an den schönen Abschnitt, in dem es - sinngemäß hieß - das der Mensch sich an alles gewöhnt. An das Schöne etwas Schneller und an das Schlechte ein wenig langsamer, aber er gewöhnt sich an alles.  ::)

Wohl wahr...wohl wahr..... Manchmal bleibt einem auch nichts anderes übrig.....!!!
Liebe Grüße

Leselotte

Offline Claudia Z.

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #16 am: 10. Mai 2010, 13:57:12 »
Hallo liebe Leserunde,

hoffe, Ihr hattet auch alle ein schönes Wochenende ...


Der König will die eroberten Gebiete wieder zurück geben. Hier war ich überrascht. Nicht dass ich mich in dieser Epoche geschichtlich sehr gut auskennen würde, doch hatte ich zuvor noch nie davon gehört. Ich vertraue jetzt hier einfach mal auf Claudias Recherche. Allerdings kann ich hier beide Seiten der Argumentation gut verstehen - Volk und König. Schwierig hier richtig zu entscheiden.


Ich verstehe gut, dass du hier erstaunt warst - ich war es nämlich auch, als ich das erfahren habe. Es passte für mich überhaupt nicht in das Bild, das ich ursprünglich von Louis XV. hatte, aber es erklärt eben auch gut, warum dieser König solch ein umstrittener Monarch war.

 

Aber auch Jeannes Plan mit dem Vertauschen von Maurepas Botschaft war eine gelungene List.  :klatschen: So langsam weiss sie sich wirklich durchzusetzten. Auch ihre politisch-gesellschaftliche Meinung wird dem König immer wichtiger. Er hat in Jeanne nicht nur Geliebte und Freundin, sondern auch eine wirklich gute Beraterin und Anlaufstelle für Trost gefunden.

Die Szene mit der vertauschten Botschaft beweist, dass Jeanne endlich in Versailles angekommen ist. Sie beginnt ihre Feinde nun mit deren eigenen Waffen zu bekämpfen und ist dabei ziemlich erfolgreich.
Trotzdem habe ich immer ein ungutes Gefühl, wenn Jeanne über den König Einfluss auf das politische Geschehen nimmt. Dann denke ich immer: Mädel, pass bloß auf, das kann auf Dauer nicht gutgehen. Du kommst an diesem Hof noch unter die Räder.  :o

Ja und ja! Jeanne hat wirklich gelernt mit den Waffen des Hofes zu kämpfen! Das ist super! Sehr clever ihre List!  ;D Aber ich gebe dir auch Recht, dass es gefährlich ist, wenn sie über den König politisch Einfluss nimmt. Ihre Gegner legen ihr einfach alles zur Last und dass sie sie immer für ALLES verantwortlich machen, ist einfach furchtbar!  >:( :(

Ja, Jeanne hat inzwischen gelernt - oder vielmehr lernen müssen-  dass sie am Hof nur überleben kann, wenn sie ihre Feinde mit den gleichen Waffen schlägt. Ich fand diese Entwicklung von ihr, in die sie durch ihre Umgebung ja geradezu hineingetrieben wird,  immer sehr wichtig aufzuzeigen. Aber natürlich birgt diese Rolle auch viele Gefahren für sie ... :lesen:

Hmmmh... Ich habe da nochmals drüber nachgedacht. Vielleicht käme doch jemand in Frage, der Jeanne ihre Position streitig machen will und hofft, dass der König sie nicht mehr attraktiv finden könnte, wenn sie keine Kinder mehr bekommen darf, also auch nur noch eingeschränkt bzw. gar nicht mehr mit ihm schlafen könnte? Allerdings müsste das dann jemand sein, der den König und seine Gefühle für Jeanne gut genug kennt, um zu wissen, dass Louis Enthaltsamkeit einer gefährlichen Schwangerschaft vorziehen würde.
Oder es ist jemand, die hofft, auf diese Weise selbst an Louis heranzukommen. Frei nach dem Motto: Mit irgendjemand muss der König ja Sex haben... wenn nicht mehr mit der Pompadour, dann eben mit mir!  :-\ 

Interessante Überlegungen. Da ich aber mittlerweile weiß, wie es war, enthalte ich mir jetzt zu diesem Punkt meine Meinung um nichts zu verraten.  :)
Was wiederum heißt, dass die "Petze" noch entlarvt wird. Sehr gut! Ich bin gespannt.  :lesen:

Und ich schweige hier mal wieder.  ;) Obwohl ich wahnsinnig gerne noch einiges dazu sagen würde ... 


Na ja, die Jahre am Hofe haben sie eindeutig geprägt, aber wohl leider nicht ganz so positiv - für meinen Geschmack. Allerdings hat sie so immerhin bewiesen, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen ist, und die anderen sich endlich mal an sie gewöhnen sollten, wenn ihnen etwas an ihrem Leben in Versailles liegt.
Der "Reitunfall" war auch wirklich ein böses Spiel. Und mit wirklich weitreichenden Folgen ... 

Hier fiel mir jetzt ganz spontan der Ausdruck "Fressen oder gefressen werden" ein.  ;)
Jeanne ist sicher nicht von grundaus so. Doch wie hätte sich denn nun auch anders gegen einen Maurepas durchsetzten sollen? Gerade dieser geht doch verhältnismäßig hart um, fast über "Leichen". Da ist ihm doch ganz egal, ob es auch noch andere trifft, wie zum Beispiel Valerie oder ihr Vater.  :(

Ach ja, hart fand ich auch ihren Gedanken und ihre Verblüffung über das Volk. Denkt sie wirklich es ist WENIG was sie von Louis geschenkt bekommt?? Zwei (oder sinds schon drei?) weitere Schlösser/Landsitze (wie auch immer), obwohl sie in Versailles ein zu Hause hat? Plus die unzähligen anderen Geschenke? Sie hat während ihrer Zeit bei Hofe wirklich ein wenig den Blick für die Realität verloren. Wirklich schade!

Da gebe ich dir Recht!!!! Auf der einen Seite ist es wirklich schade, auf der anderen Seite sieht sie ja wirklich seit Jahren nur noch die Lebensweise am Hof.... man kann es ihr daher wahrscheinlich nicht verdenken....

Hart auf alle Fälle. Ich dachte es ebenso. Andererseits haben sich hier über die Jahre und das Leben am Hofe sicher ganz andere Massstäbe aufgetan.



Ich denke, dass das auch wirklich das Gefährliche an Versailles war - es war bestimmt kaum möglich, dort einen Bezug zum normalen Leben und dem Volk zu behalten. Auch für Jeanne nicht. Es gibt ja sogar Annahmen, dass die Revolution in Frankreich bestimmt nicht so leicht ausgebrochen wäre, hätte der König in Paris und nicht in Versailles seinen Hof gehabt. Andererseits darf man sicherlich nicht vergessen, dass die Menschen damals auch in der Überzeugung erzogen wurden, sich ihrem Stand gemäß repräsentieren zu müssen. Die Verpflichtung Schlösser, Diener, Kutschen, teuere Kleider und Schmuck zu haben, war bestimmt für viele nicht nur Luxus, sondern auch eine große Belastung. Viele Adlige waren deshalb ja enorm verschuldet. Was natürlich nicht bedeutet, dass diese Missachtung dem Volk gegenüber in irgendeiner Weise moralisch gerechtfertigt wäre!

S.494 dann wieder ein kleiner Hinweis darauf, dass Maurepas wirklich homosexuell veranlagt sein könnte: ""Dass sie andere Vorlieben pflegen, ist ja allseits bekannt, Monsieur de Maurepas," erwiederte die Stimme des Duc (Rihellieu) leichthin.""
Sogar ein ziemlich deutlicher Hinweis.  ;D Und es wundert mich gar nicht, dass es ausgerechnet der Du de Richelieu ist, der darüber mal wieder genauestens Bescheid weiß. Der Bursche scheint ohnehin außerordentlich gut informiert zu sein.

Also, es sei hier noch einmal erlaubt, auf einen weiteren kleine Hinweis aufmerksam zu machen, nämlich Kapital 8, S. 98 ... ;)
 

Offline apassionata

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #17 am: 10. Mai 2010, 14:44:26 »
Für mich wäre das nichts.... da zu leben, wo mich die meisten Leute gar nicht da haben wollen.... :( Für mich wirklich eine schreckliche Vorstellung und zeigt mir, wie sehr sie den König doch lieben muss.... 

Für mich auch nicht. Bleibt die Frage, ob Jeanne eigentlich letztendlich eine Wahl gehabt hätte. Schließlich dienten alles ganz uneingeschränkt dem König und sein Wunsch war Gesetz.

Ich verstehe gut, dass du hier erstaunt warst - ich war es nämlich auch, als ich das erfahren habe. Es passte für mich überhaupt nicht in das Bild, das ich ursprünglich von Louis XV. hatte, aber es erklärt eben auch gut, warum dieser König solch ein umstrittener Monarch war.

... und ich sehe diese Epoche nun auch wieder ein bisschen in einem anderen Bild.  :)
Richtig interessant, all diese politischen Verflechtungen. Dabei hast du zum Glück für meinen Geschmack genau richtig dosiert. Nicht zuviel, als das man überdrüssig würde oder es Längen gäbe und eben auch nicht zu wenig.  ;)

"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline Imlammenien

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #18 am: 10. Mai 2010, 16:52:36 »
Aber bisher scheint seine Liebe ja ungebrochen zu sein - immerhin ein Jahr ohne Geschlechtsverkehr. Ich war ganz schön erstaunt - sowas lässt schließlich auch heutzutage die besten Ehen zerbrechen ... (Wobei es heutzutage ja auch zahlreiche Mittel gibt, um eine Schwangerschaft zu verhindern, wenn sie lebensgefährlich sein könnte.)
Ein Jahr Ehe ohne Geschlechtsverkehr ist sicherlich hart. Aber selbst ohne Verhütung gäbe es da noch anderen Möglichkeiten, um den anderen zu befriedigen OHNE eine Schwangerschaft zu riskieren. Mich wundert ein wenig, dass Jeanne und Louis davon nicht Gebrauch machen...  :-\
Davon abgesehen glaube ich aber auch, dass das Jahr Enthaltsamkeit an sich weniger schlimm ist als die Tatsache, dass Louis und Jeanne nicht über die Gründe dafür gesprochen haben.  ::)

Offline Imlammenien

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #19 am: 10. Mai 2010, 17:00:44 »
Hmmmh... Ich habe da nochmals drüber nachgedacht. Vielleicht käme doch jemand in Frage, der Jeanne ihre Position streitig machen will und hofft, dass der König sie nicht mehr attraktiv finden könnte, wenn sie keine Kinder mehr bekommen darf, also auch nur noch eingeschränkt bzw. gar nicht mehr mit ihm schlafen könnte? Allerdings müsste das dann jemand sein, der den König und seine Gefühle für Jeanne gut genug kennt, um zu wissen, dass Louis Enthaltsamkeit einer gefährlichen Schwangerschaft vorziehen würde.
Oder es ist jemand, die hofft, auf diese Weise selbst an Louis heranzukommen. Frei nach dem Motto: Mit irgendjemand muss der König ja Sex haben... wenn nicht mehr mit der Pompadour, dann eben mit mir!  :-\ 

Interessante Überlegungen. Da ich aber mittlerweile weiß, wie es war, enthalte ich mir jetzt zu diesem Punkt meine Meinung um nichts zu verraten.  :)
Was wiederum heißt, dass die "Petze" noch entlarvt wird. Sehr gut! Ich bin gespannt.  :lesen:

Und ich schweige hier mal wieder.  ;) Obwohl ich wahnsinnig gerne noch einiges dazu sagen würde ... 
Vielleicht im nächsten Abschnitt?  ;)

Also, es sei hier noch einmal erlaubt, auf einen weiteren kleine Hinweis aufmerksam zu machen, nämlich Kapital 8, S. 98 ... ;)
Stimmt, hier taucht an sehr früher Stelle bereits ein Hinweis auf die sexuellen Neigungen des Comte auf. Das Gerücht, auf das sich Richelieu bezieht (wenn man überhaupt noch von einem Gerücht sprechen kann), ist also kein Neues.

Offline apassionata

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #20 am: 10. Mai 2010, 18:56:04 »
Aber bisher scheint seine Liebe ja ungebrochen zu sein - immerhin ein Jahr ohne Geschlechtsverkehr. Ich war ganz schön erstaunt - sowas lässt schließlich auch heutzutage die besten Ehen zerbrechen ... (Wobei es heutzutage ja auch zahlreiche Mittel gibt, um eine Schwangerschaft zu verhindern, wenn sie lebensgefährlich sein könnte.)
Ein Jahr Ehe ohne Geschlechtsverkehr ist sicherlich hart. Aber selbst ohne Verhütung gäbe es da noch anderen Möglichkeiten, um den anderen zu befriedigen OHNE eine Schwangerschaft zu riskieren. Mich wundert ein wenig, dass Jeanne und Louis davon nicht Gebrauch machen...  :-\
Davon abgesehen glaube ich aber auch, dass das Jahr Enthaltsamkeit an sich weniger schlimm ist als die Tatsache, dass Louis und Jeanne nicht über die Gründe dafür gesprochen haben.  ::)

Stimmt und mich wunderte es auch, dass der König sie immer einfach so stehen lässt. Ich kann mir hier nur vorstellen, dass Louis stets Angst hat sich nicht mehr bremsen zu können.  ;D
Claudia hat ja oft genug die aufkeimende Leidenschaft in seinen Augen erwähnt, wenn er Jeanne angesehen hat. Naja, und dann kommt natürlich auch noch vielleicht hinzu, dass die sexuellen Nuancen damals doch noch etwas anders waren als heute.

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Offline Avila

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #21 am: 10. Mai 2010, 19:16:14 »
Aber bisher scheint seine Liebe ja ungebrochen zu sein - immerhin ein Jahr ohne Geschlechtsverkehr. Ich war ganz schön erstaunt - sowas lässt schließlich auch heutzutage die besten Ehen zerbrechen ... (Wobei es heutzutage ja auch zahlreiche Mittel gibt, um eine Schwangerschaft zu verhindern, wenn sie lebensgefährlich sein könnte.)
Ein Jahr Ehe ohne Geschlechtsverkehr ist sicherlich hart. Aber selbst ohne Verhütung gäbe es da noch anderen Möglichkeiten, um den anderen zu befriedigen OHNE eine Schwangerschaft zu riskieren. Mich wundert ein wenig, dass Jeanne und Louis davon nicht Gebrauch machen...  :-\
Davon abgesehen glaube ich aber auch, dass das Jahr Enthaltsamkeit an sich weniger schlimm ist als die Tatsache, dass Louis und Jeanne nicht über die Gründe dafür gesprochen haben.  ::)

Stimmt und mich wunderte es auch, dass der König sie immer einfach so stehen lässt. Ich kann mir hier nur vorstellen, dass Louis stets Angst hat sich nicht mehr bremsen zu können.  ;D
Claudia hat ja oft genug die aufkeimende Leidenschaft in seinen Augen erwähnt, wenn er Jeanne angesehen hat. Naja, und dann kommt natürlich auch noch vielleicht hinzu, dass die sexuellen Nuancen damals doch noch etwas anders waren als heute.

Japp, den Gedanken hatte ich auch - vor allen Dingen wo wir doch in Frankreich sind ...  ;D
Louis Angst ist natürlich ... joa, keine Ahnung, ob berechtigt oder nicht, aber auf jeden Fall ist es wohl so. Männer sind halt kompliziert. ;)

Offline Avila

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #22 am: 10. Mai 2010, 19:18:20 »
Ich denke, dass das auch wirklich das Gefährliche an Versailles war - es war bestimmt kaum möglich, dort einen Bezug zum normalen Leben und dem Volk zu behalten. Auch für Jeanne nicht. Es gibt ja sogar Annahmen, dass die Revolution in Frankreich bestimmt nicht so leicht ausgebrochen wäre, hätte der König in Paris und nicht in Versailles seinen Hof gehabt. Andererseits darf man sicherlich nicht vergessen, dass die Menschen damals auch in der Überzeugung erzogen wurden, sich ihrem Stand gemäß repräsentieren zu müssen. Die Verpflichtung Schlösser, Diener, Kutschen, teuere Kleider und Schmuck zu haben, war bestimmt für viele nicht nur Luxus, sondern auch eine große Belastung. Viele Adlige waren deshalb ja enorm verschuldet. Was natürlich nicht bedeutet, dass diese Missachtung dem Volk gegenüber in irgendeiner Weise moralisch gerechtfertigt wäre!

Die "Strenge" mit der in Versailles in Prunk gelebt wird, hast du auch sehr gut rüber gebracht, finde ich. Man konnte es sich als Adliger wirklich einfach nicht "leisten", nicht in den kostbarsten Sachen aufzutauchen.

Offline Tammy1982

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #23 am: 10. Mai 2010, 23:40:23 »
Hallo Ihr Lieben,

Ich denke, dass das auch wirklich das Gefährliche an Versailles war - es war bestimmt kaum möglich, dort einen Bezug zum normalen Leben und dem Volk zu behalten. Auch für Jeanne nicht. Es gibt ja sogar Annahmen, dass die Revolution in Frankreich bestimmt nicht so leicht ausgebrochen wäre, hätte der König in Paris und nicht in Versailles seinen Hof gehabt. Andererseits darf man sicherlich nicht vergessen, dass die Menschen damals auch in der Überzeugung erzogen wurden, sich ihrem Stand gemäß repräsentieren zu müssen. Die Verpflichtung Schlösser, Diener, Kutschen, teuere Kleider und Schmuck zu haben, war bestimmt für viele nicht nur Luxus, sondern auch eine große Belastung. Viele Adlige waren deshalb ja enorm verschuldet. Was natürlich nicht bedeutet, dass diese Missachtung dem Volk gegenüber in irgendeiner Weise moralisch gerechtfertigt wäre!

Die "Strenge" mit der in Versailles in Prunk gelebt wird, hast du auch sehr gut rüber gebracht, finde ich. Man konnte es sich als Adliger wirklich einfach nicht "leisten", nicht in den kostbarsten Sachen aufzutauchen.

Es wird doch immer mehr ersichtlich, dass die französische Revolution nicht ohne Grund stattgefundent hat. Die ersten Warnzeichen der zunehmenden Unzufriedenheit des Volkes kommen ja schon hier sehr gut rüber und wenn sich das über Jahre hinweg aufbaut und nie dagegen vorgegangen wird, reicht ein kleiner Funke, um das Fass zum Explodieren zu bringen...

Aber bisher scheint seine Liebe ja ungebrochen zu sein - immerhin ein Jahr ohne Geschlechtsverkehr. Ich war ganz schön erstaunt - sowas lässt schließlich auch heutzutage die besten Ehen zerbrechen ... (Wobei es heutzutage ja auch zahlreiche Mittel gibt, um eine Schwangerschaft zu verhindern, wenn sie lebensgefährlich sein könnte.)
Ein Jahr Ehe ohne Geschlechtsverkehr ist sicherlich hart. Aber selbst ohne Verhütung gäbe es da noch anderen Möglichkeiten, um den anderen zu befriedigen OHNE eine Schwangerschaft zu riskieren. Mich wundert ein wenig, dass Jeanne und Louis davon nicht Gebrauch machen...  :-\
Davon abgesehen glaube ich aber auch, dass das Jahr Enthaltsamkeit an sich weniger schlimm ist als die Tatsache, dass Louis und Jeanne nicht über die Gründe dafür gesprochen haben.  ::)

Stimmt und mich wunderte es auch, dass der König sie immer einfach so stehen lässt. Ich kann mir hier nur vorstellen, dass Louis stets Angst hat sich nicht mehr bremsen zu können.  ;D
Claudia hat ja oft genug die aufkeimende Leidenschaft in seinen Augen erwähnt, wenn er Jeanne angesehen hat. Naja, und dann kommt natürlich auch noch vielleicht hinzu, dass die sexuellen Nuancen damals doch noch etwas anders waren als heute.

Japp, den Gedanken hatte ich auch - vor allen Dingen wo wir doch in Frankreich sind ...  ;D
Louis Angst ist natürlich ... joa, keine Ahnung, ob berechtigt oder nicht, aber auf jeden Fall ist es wohl so. Männer sind halt kompliziert. ;)

DAS habe ich mich ehrlich gesagt auch schon gefragt! Aber vielleicht galten ja alle anderen "Praktiken" als "unrein"?  :-\

Liebe Grüße
Tammy  :winken:

Offline apassionata

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #24 am: 11. Mai 2010, 09:16:09 »
DAS habe ich mich ehrlich gesagt auch schon gefragt! Aber vielleicht galten ja alle anderen "Praktiken" als "unrein"?  :-\

Immerhin galt und gilt natürlich immer noch der Beischlaf (scheußliches Wort) nur des Zweckes der Fortpflanzung.
Da lobe ich mir den französischen Begriff "faire l'amour" (Liebe machen).  ;D
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Offline Claudia Z.

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #25 am: 11. Mai 2010, 15:34:04 »
DAS habe ich mich ehrlich gesagt auch schon gefragt! Aber vielleicht galten ja alle anderen "Praktiken" als "unrein"?  :-\

Immerhin galt und gilt natürlich immer noch der Beischlaf (scheußliches Wort) nur des Zweckes der Fortpflanzung.
Da lobe ich mir den französischen Begriff "faire l'amour" (Liebe machen).  ;D

Also, natürlich hätten die beiden auch eine andere Sexualität praktizieren können, aber ich glaube, dass es ein Unterschied ist, ob man dazu nur vorübergehend gezwungen ist oder es - besonders in der damaligen Zeit - die langfristige Perspektive einer Beziehung ist bzw. war. Vor allem glaube ich aber, dass Louis ein Mensch war, der sehr von den persönlichen Verlusten, die er erleben musste, geprägt war und große Angst hatte, erneut einen Menschen, den er liebt, verlieren zu müssen. Durch seine katholische Erziehung hat er ja auch, zumindest phasenweise, immer wieder Schuldgefühle wegen seines Lebenswandels gehabt und sich daher indirekt auch für den Tod der Menschen, die er verloren hat, verantwortlich gefühlt. Ich denke, dass er Jeanne deshalb keinem Risiko ausgesetzt hätte und es für ihn, so wie er als Mann veranlagt war, leichter war, ganz auf eine Sexualität mit ihr zu verzichten und seine körperlichen Bedürfnisse außerhalb der Beziehung zu befriedigen.



Offline Claudia Z.

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #26 am: 11. Mai 2010, 15:48:07 »
Hmmmh... Ich habe da nochmals drüber nachgedacht. Vielleicht käme doch jemand in Frage, der Jeanne ihre Position streitig machen will und hofft, dass der König sie nicht mehr attraktiv finden könnte, wenn sie keine Kinder mehr bekommen darf, also auch nur noch eingeschränkt bzw. gar nicht mehr mit ihm schlafen könnte? Allerdings müsste das dann jemand sein, der den König und seine Gefühle für Jeanne gut genug kennt, um zu wissen, dass Louis Enthaltsamkeit einer gefährlichen Schwangerschaft vorziehen würde.
Oder es ist jemand, die hofft, auf diese Weise selbst an Louis heranzukommen. Frei nach dem Motto: Mit irgendjemand muss der König ja Sex haben... wenn nicht mehr mit der Pompadour, dann eben mit mir!  :-\ 

Interessante Überlegungen. Da ich aber mittlerweile weiß, wie es war, enthalte ich mir jetzt zu diesem Punkt meine Meinung um nichts zu verraten.  :)
Was wiederum heißt, dass die "Petze" noch entlarvt wird. Sehr gut! Ich bin gespannt.  :lesen:

Und ich schweige hier mal wieder.  ;) Obwohl ich wahnsinnig gerne noch einiges dazu sagen würde ... 
Vielleicht im nächsten Abschnitt?  ;)

Und schon ein bißchen hier unten  ... ;)
 

DAS habe ich mich ehrlich gesagt auch schon gefragt! Aber vielleicht galten ja alle anderen "Praktiken" als "unrein"?  :-\

Immerhin galt und gilt natürlich immer noch der Beischlaf (scheußliches Wort) nur des Zweckes der Fortpflanzung.
Da lobe ich mir den französischen Begriff "faire l'amour" (Liebe machen).  ;D

Also, natürlich hätten die beiden auch eine andere Sexualität praktizieren können, aber ich glaube, dass es ein Unterschied ist, ob man dazu nur vorübergehend gezwungen ist oder es - besonders in der damaligen Zeit - die langfristige Perspektive einer Beziehung ist bzw. war. Vor allem glaube ich aber, dass Louis ein Mensch war, der sehr von den persönlichen Verlusten, die er erleben musste, geprägt war und große Angst hatte, erneut einen Menschen, den er liebt, verlieren zu müssen. Durch seine katholische Erziehung hat er ja auch, zumindest phasenweise, immer wieder Schuldgefühle wegen seines Lebenswandels gehabt und sich daher indirekt auch für den Tod der Menschen, die er verloren hat, verantwortlich gefühlt. Ich denke, dass er Jeanne deshalb keinem Risiko ausgesetzt hätte und es für ihn, so wie er als Mann veranlagt war, leichter war, ganz auf eine Sexualität mit ihr zu verzichten und seine körperlichen Bedürfnisse außerhalb der Beziehung zu befriedigen.
« Letzte Änderung: 11. Mai 2010, 16:15:40 von Claudia Z. »

Offline apassionata

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #27 am: 11. Mai 2010, 17:11:36 »
Also, natürlich hätten die beiden auch eine andere Sexualität praktizieren können, aber ich glaube, dass es ein Unterschied ist, ob man dazu nur vorübergehend gezwungen ist oder es - besonders in der damaligen Zeit - die langfristige Perspektive einer Beziehung ist bzw. war. Vor allem glaube ich aber, dass Louis ein Mensch war, der sehr von den persönlichen Verlusten, die er erleben musste, geprägt war und große Angst hatte, erneut einen Menschen, den er liebt, verlieren zu müssen. Durch seine katholische Erziehung hat er ja auch, zumindest phasenweise, immer wieder Schuldgefühle wegen seines Lebenswandels gehabt und sich daher indirekt auch für den Tod der Menschen, die er verloren hat, verantwortlich gefühlt. Ich denke, dass er Jeanne deshalb keinem Risiko ausgesetzt hätte und es für ihn, so wie er als Mann veranlagt war, leichter war, ganz auf eine Sexualität mit ihr zu verzichten und seine körperlichen Bedürfnisse außerhalb der Beziehung zu befriedigen.

Klingt plausibel.  :)
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline Claudia Z.

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #28 am: 11. Mai 2010, 18:25:10 »
 
Also, natürlich hätten die beiden auch eine andere Sexualität praktizieren können, aber ich glaube, dass es ein Unterschied ist, ob man dazu nur vorübergehend gezwungen ist oder es - besonders in der damaligen Zeit - die langfristige Perspektive einer Beziehung ist bzw. war. Vor allem glaube ich aber, dass Louis ein Mensch war, der sehr von den persönlichen Verlusten, die er erleben musste, geprägt war und große Angst hatte, erneut einen Menschen, den er liebt, verlieren zu müssen. Durch seine katholische Erziehung hat er ja auch, zumindest phasenweise, immer wieder Schuldgefühle wegen seines Lebenswandels gehabt und sich daher indirekt auch für den Tod der Menschen, die er verloren hat, verantwortlich gefühlt. Ich denke, dass er Jeanne deshalb keinem Risiko ausgesetzt hätte und es für ihn, so wie er als Mann veranlagt war, leichter war, ganz auf eine Sexualität mit ihr zu verzichten und seine körperlichen Bedürfnisse außerhalb der Beziehung zu befriedigen.

Klingt plausibel.  :)

Na, ich habe alle Eure Überlegungen natürlich auch gehabt, aber es gab dann doch so viele Informationen und Hinweise, die mir Louis Verhalten so am plausibelsten und am psychologisch wahrscheinlichsten erscheinen ließen. :)
Ups ... und jetzt sehe ich gerade, dass ich weiter oben doppelt gepostet habe, als ich noch etwas eingefügt habe.  ???

Offline Imlammenien

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Re: 06 - Kapitel 46 bis einschließlich Kapitel 53
« Antwort #29 am: 11. Mai 2010, 18:58:07 »
Okay, Louis versucht Jeanne zu schützen, indem er sich sexuell anderweitig "entspannt". Das kann ich nachvollziehen - auch wenn mir seine Art und Weise, wie er das Jeanne gegenüber vertritt, persönlich nicht sonderlich gut gefällt.
Aber seine Haltung gegenüber den Frauen, die er an Jeannes Stelle für seine Bedürfnisse benutzt (und diesen Ausdruck verwende ich hier bewusst!), bringt er auch wenig bzw. keinen Respekt entgegen. Sie dienen seiner sexuellen Entspannung und werden dann "entsorgt" (und ev. zuvor noch von ihm geschwängert). Fein und rücksichtsvoll sieht da für mich doch anders aus!  >:(  ::)