Autor Thema: 1 – Kapitel 1 bis 6  (Gelesen 1464 mal)

Offline Elmar

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Re: 1 – Kapitel 1 bis 6
« Antwort #15 am: 20. Januar 2010, 17:57:07 »
Sowohl der Verlag als auch ich haben aus den Fehlern gelernt. Bei meinem  letzten "Wälder-Roman" "Felder's Traum" gibt es nun ein Glossar. Bei den "Schwabenkindern" denke ich aber - und das wurde mir auch vielfach bestätigt- gehen die Auflösungen aus dem Zusammenhang hervor.

Ja, es stimmt schon, dass das meiste mehr oder weniger genau aus dem Zusammenhang hervorgeht. Nur hätte ich es eben gerne genau gewusst.

Der Bregenzerwälder Dialekt zählt zu den ältesten noch gesprochenen Mundarten mit einem bis heute noch wohl einzigartigen erhaltenen und umgangssprachlich gepflegten  Wortschatz. Vielfach weicht auch die Satzstellung vollkommen ab, was der in Schriftdeutsch übertragenen  Sprache eine oftmals eigenwillige Färbung gibt. So hoffe ich jedenfalls.   

Für meinen Geschmack dürfte die Sprache gerne noch ein wenig dialektaler sein. Aber auch so erfreue ich mich an den Abweichungen zum Standardhochdeutsch.

Mit der Sprache musste ich einen "Mittelwert" finden, da es ansonsten möglicherweise ein "Insiderbuch" für einen regionalen Raum geworden wäre.

Ja.  Sowohl mein Vater (*1908)  als auch meine Mutter (*1914)  waren Schwabenkinder.  Ich wohne in einem kleinen Dorf am Bodensee in Oberschwaben. Während der Begriff  "Schwabenkinder"  in meiner Heimat Vorarlberg jedem Kind geläufig ist, musste ich feststellen, dass er hier völlig unbekannt war, obwohl noch bis in die 50er-Jahre Kinder aus Vorarlberg nachweislich  hier im Sommer gearbeitet haben. Mir ging es nun einfach darum, dieses Kapitel nicht einfach in Vergessenheit geraten zu lassen, zumal die letzten noch lebenden Zeitzeugen in schon fast biblischen Alter waren.  Es war eigentlich gerade noch der letzte Zipfel, den ich noch "erwischt"  habe...

Das Buch ist also auch Aufarbeitung der Familiengeschichte. Ich finde es toll, dass du diese in Vergessenheit geratenen Lebensbedingungen durch deinen Roman einem größeren Publikum ins Gedächtnis zurückrufst, bzw. viele (mich z. B.) erstmals damit bekannt machst.
Noch eine Frage habe ich in diesem Zusammenhang: Weshalb hast du deine Geschichte noch einige Generationen weiter in der Vergangenheit angesiedelt, wenn doch noch deine Eltern selbst entsprechende Erfahrungen machten?

Dieses Zeitfenster hat mehrere Gründe. Der wichtigste ist die Berücksichtigung der Verkehrsverhältnisse.  Damals gab es in den von mir angeführten Gebieten beispielsweise  noch keine Eisenbahn, Die Straßen waren meist nur Karrenwege  und wer zu Fuß ging, nahm den kürzesten Weg über die Berge.

Die Milch einer frisch gekälberten Kuh ist zur allgemeinen Milchverarbeitung  nicht geeignet, da sie von der Konsistenz her verändert ist.  Die Produktion ist auf die Ernährung des Kalbes umgestellt.  Die gelbe, so genannte  "Biestmilch"  ist anfangs oft noch von Blutfäden durchzogen und wurde früher nur in der Familie meist in gestockter Form gegessen. Ich denke heute noch mit Schaudern daran.

Ah ja; ich hatte aus dem Ausdruck „eine Zeit lang“ in meinem Kopf „eine lange Zeit“ gemacht. Der Teufel liegt im Detail.

Das war ursprünglich so geplant. Die Sau hat aber unplanmäßig das Zeitliche gesegnet und damit die Pläne über den Haufen geworfen...

Der Heugeschirrmacher hat tatsächlich für seine Arbeit im Sommer eine Bezahlung nicht in einigen Monaten, sondern erst im Herbst des folgenden Jahres akzeptiert? Der hat es doch sicher auch nicht so dicke, dass er seinen Schuldnern eine so lange Frist einräumen kann.Der Kaspar hat da jedenfalls Glück, dass er nicht an mich geraten ist. So lange hätte ich sicher nicht auf meinen Lohn warten wollen. ;)

Die "Bezahlung" erfolgte damals oft in Naturalien. Bargeld brauchte man für den Krämer, den Fiskus und den Geldleiher. Auch mein Kommunionanzug wurde von meiner Mutter noch mit Eiern abgegolten.

Offline nerolaan

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Re: 1 – Kapitel 1 bis 6
« Antwort #16 am: 21. Januar 2010, 11:01:50 »
Die "Bezahlung" erfolgte damals oft in Naturalien. Bargeld brauchte man für den Krämer, den Fiskus und den Geldleiher. Auch mein Kommunionanzug wurde von meiner Mutter noch mit Eiern abgegolten.

"Krass", wenn ich das mal so sagen darf. Das ist ja eigentlich auch noch nicht so lange her..mhm, kann ich mir kaum vorstellen.