Autor Thema: 5 – Kapitel 13  (Gelesen 673 mal)

Offline Aldawen

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5 – Kapitel 13
« am: 14. Januar 2010, 22:37:51 »
Hier könnt Ihr zum Kapitel 13  schreiben.

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Kinywa ni jumba la maneno.
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Offline Aldawen

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #1 am: 22. Januar 2010, 22:18:34 »
Hui, dieses Kapitel hatte es ja wirklich in sich! Da muß ich erstmal durchatmen. Gebstetters gönnen Kaspanaze nicht mal die Prozession mit allem drum und dran. Kein Wunder, wenn man sich derartig aufführt und immer daran denken muß, daß durch bloßes Aussprechen der Wahrheit das eigene Ansehen beschädigt wird, dann muß man ja auch paranoid werden.

Kaspanaze und Vinzenz entwickeln sich zu einem tollen Team, der eine verdreht den Hahn, der andere überschüttet die Bäuerin mit Heu  :D  Naja, Ludmillas Zeit auf dem Hof ist ja wohl vorbei. Wobei mich wundert, daß Kaspanaze so gar keine Vorstellung hat, was da zwischen Gebstetter und der Magd abläuft. Er kennt das doch von Tieren schließlich auch, seine Geschwister sind alle jünger, die Mutter schwanger, also wird er doch schon wissen, daß das bei Menschen nicht so viel anders ist, oder?   ???

Die Krönung ist aber wirklich das Verhalten der Gebstetters rund um den Tod des Großvaters. Der Junge ist eh völlig durcheinander, weil man ja nun schließlich nicht alle Tage erhängte Leute im Wald rumhängen sieht, und wenn er dann mit Pastor spricht, der ja zumindest einigermaßen unverdächtig im Hinblick aufs Weitertratschen sein sollte, dann regen sie sich auch noch. Sollen sie sich halt anständig benehmen und den eigenen Vater nicht mit so ungebührlicher Eile unter die Erde bringen wollen, dann fällt auch das Gerede aus. Zwiespältig sehe ich die Rolle des Doktors. Grundsätzlich hat er es ja gut gemeint mit Kaspanaze, daß er ihm einen Ausweg aus dem Dilemma des Lügen-Sollens aber nicht -Wollens gezeigt hat. Aber sollte er sich als Arzt nicht auch dafür interessieren, daß der Junge offensichtlich nicht gesund aussieht, wenn das schon Nicht-Medizinern auffällt? Wie vereinbart er das denn mit seinem hippokratischen Eid? Nein, nein, Herr Doktor, das war ungenügend. Die Reaktion der Gebstetters zeigt dann aber endgültig, daß sie nicht mehr zurechnungsfähig sind   :o  Sie können ja von Glück sagen, daß Vinzenz Kaspanaze noch rechtzeitig vorm Ertrinken aus dem Trog gezerrt hat. Die Leiche des Hütejungen hätten sie wohl schwerlich erklären können und da hätte wohl auch der Doktor nicht mehr mit sich reden lassen. Kaspanazes Reaktion war daher höchst verständlich. Ich habe mich ganz ordentlich erschrocken, als er anfing mit dem Feuer herumzuspielen, aber daß Abfackeln vielleicht doch nicht die beste Lösung ist, hat er ja noch selbst eingesehen. Da beweist er für seine neun Jahre eine erstaunliche Reife, auch wenn er es vor allem Vinzenz und Priska zuliebe unterläßt.

Nun hat er also neue Unterkunft gefunden. Die Gründingers scheinen ja nette Leute zu sein, auch wenn sie entschieden zu viel redet. Ihr Mann scheint aber im Laufe der Jahre Taktiken entwickelt zu haben, das Gröbste zu unterbinden  :D  Problematisch ist natürlich, daß niemand weiß, wo Kaspanaze abgeblieben ist. Whitehead wird sich vermutlich Sorgen machen und vielleicht sogar nach ihm fahnden. Ob sich die Polizei dafür interessiert? Eher nicht. Und Gebstetters können unter diesen Umständen womöglich noch den Lohn einbehalten, zumindest nehme ich an, daß sie das versuchen werden. Ob Gebstetter wieder einen Tobsuchtsanfall bekommt und Kaspanaze wiederhaben will? Aber was hat Frau Gründinger gemeint, wenn sie ihrem Mann Geschick zum Einrenken von irgendwelchen schwierigen Angelegenheiten bescheinigt? Da könnte sich noch ein Konflikt aufschaukeln. Wenn Gebstetter auf Antonia Gründinger trifft, habe ich aber eine Vermutung, wer gewinnt  ;D

Schönen Gruß,
Aldawen
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Offline nerolaan

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #2 am: 22. Januar 2010, 23:31:06 »
Hallo zusammen,

ich habe diesen Abschnitt eben gelesen und mir wäre fast der Atem gestockt...  :o

Hui, dieses Kapitel hatte es ja wirklich in sich! Da muß ich erstmal durchatmen. Gebstetters gönnen Kaspanaze nicht mal die Prozession mit allem drum und dran. Kein Wunder, wenn man sich derartig aufführt und immer daran denken muß, daß durch bloßes Aussprechen der Wahrheit das eigene Ansehen beschädigt wird, dann muß man ja auch paranoid werden.

Ja, das wundert mich: das die einfach nicht einsehen, dass sie durch ihr Verhalten noch mehr Grund zum Tratschen geben, als es Kaspanze je hätte machen können. Das schlimmste für mich ist aber immernoch, dass die einfach mit allem durchkommen!  >:(

Wobei mich wundert, daß Kaspanaze so gar keine Vorstellung hat, was da zwischen Gebstetter und der Magd abläuft. Er kennt das doch von Tieren schließlich auch, seine Geschwister sind alle jünger, die Mutter schwanger, also wird er doch schon wissen, daß das bei Menschen nicht so viel anders ist, oder?

Das hat mich auch ein wenig gewundert. Anderseits: er ist erst neun und bei ihm zu Hause sind Affären mit der Magd ja nicht an der Tagesordnung und wer weiß, was man ihm über die Schwangerschaft seiner Mutter beigebracht hat..?  :-\ Ich denke, dass es doch realistisch ist, dass er es nicht weiß.

Die Krönung ist aber wirklich das Verhalten der Gebstetters rund um den Tod des Großvaters. Der Junge ist eh völlig durcheinander, weil man ja nun schließlich nicht alle Tage erhängte Leute im Wald rumhängen sieht, und wenn er dann mit Pastor spricht, der ja zumindest einigermaßen unverdächtig im Hinblick aufs Weitertratschen sein sollte, dann regen sie sich auch noch. Sollen sie sich halt anständig benehmen und den eigenen Vater nicht mit so ungebührlicher Eile unter die Erde bringen wollen, dann fällt auch das Gerede aus. Zwiespältig sehe ich die Rolle des Doktors. Grundsätzlich hat er es ja gut gemeint mit Kaspanaze, daß er ihm einen Ausweg aus dem Dilemma des Lügen-Sollens aber nicht -Wollens gezeigt hat. Aber sollte er sich als Arzt nicht auch dafür interessieren, daß der Junge offensichtlich nicht gesund aussieht, wenn das schon Nicht-Medizinern auffällt? Wie vereinbart er das denn mit seinem hippokratischen Eid? Nein, nein, Herr Doktor, das war ungenügend. Die Reaktion der Gebstetters zeigt dann aber endgültig, daß sie nicht mehr zurechnungsfähig sind   :o  Sie können ja von Glück sagen, daß Vinzenz Kaspanaze noch rechtzeitig vorm Ertrinken aus dem Trog gezerrt hat. Die Leiche des Hütejungen hätten sie wohl schwerlich erklären können und da hätte wohl auch der Doktor nicht mehr mit sich reden lassen. Kaspanazes Reaktion war daher höchst verständlich. Ich habe mich ganz ordentlich erschrocken, als er anfing mit dem Feuer herumzuspielen, aber daß Abfackeln vielleicht doch nicht die beste Lösung ist, hat er ja noch selbst eingesehen. Da beweist er für seine neun Jahre eine erstaunliche Reife, auch wenn er es vor allem Vinzenz und Priska zuliebe unterläßt.

Ja, das sehe ich wie du. Das Verhalten des Artzes konnte ich auch nur schwer nachvollziehen. Andererseits wird es sich wohl bei ihm änhlich wie mit dem Pfarrer verhalten: sich einmischen heißt evt. den Frieden der Gemeinde zu brechen.
Das Kaspanze übrigens abhaut hat mich nicht gewundert. Im Gegenteil: mich wundert es, dass er so lange dann doch gewartet hat.

Aber was hat Frau Gründinger gemeint, wenn sie ihrem Mann Geschick zum Einrenken von irgendwelchen schwierigen Angelegenheiten bescheinigt?

Das hab ich auch nicht verstanden.  ??? Ich hoffe nur, dass Kaspanze es bei den Gründingern gut hat und nicht wieder zurück muss...aber da schwant mir ja noch irgendwie böses, denn es wäre zu einfach, wenn er jetzt einfach da bleiben könnte.  :(

Offline yanni

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #3 am: 23. Januar 2010, 16:02:02 »
Zwar hat Kaspanaze einen freien Tag beim Blutritt, muss sich dafür vom Gebstetter wieder allhand gefallen lassen.
Und dann fängt schon das Heuen an und Kaspanaze kommt kaum mehr zum Schlafen. Dass der Gebstetter ihm da nicht frei geben will, kann ich sogar verstehen. Whitehead, der doch eigentlich auch aus einer bäuerlichen Familie stammt, sollte eigentlich wissen, dass zu dieser Zeit alles hinten anstehen muss. Glücklicherweise ist  Johanna da, um ihn vor weiteren Maßnahmen abzuhalten.

Dass Kaspanaze nichts mit dem Gerede zwischen dem Gebstetter und der Ludmilla anfangen konnte, fand ich schon glaubwürdig.
Er konnte ja auch noch keinen Zusammenhang zwischen den dicken Bauch der Mutter und dem neuen Geschwisterchen herstellen. Daheim haben sie nur eine kleine Landwirtschaft, so dass er vielleicht nie dabei war, wenn die Kühe oder Schweine zum Decken gebracht wurden.

Ganz schrecklich fand ich die Szene mit dem Großvater. Als der Schuh hinter ihm landete, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass sich der Alte da aufgehängt hat.  :o  So ein Erhängter ist kein schöner Anblick und muss für so einen kleinen Kerl ein fürchterliches Trauma sein.
Wie roh der Gebstetter mit der Situation umgeht. Sogar den Doktor will er bestechen. Warum der letztendlich einwilligte weiß ich immer noch nicht sicher. Ich hoffe aus dem gleichen Grund, wie meiner Meinung nach der Pastor auch. Damit der alte Gebstetter ein ordentliches Begräbnis bekommt wie er es verdient hat.

Ja, das sehe ich wie du. Das Verhalten des Artzes konnte ich auch nur schwer nachvollziehen. Andererseits wird es sich wohl bei ihm änhlich wie mit dem Pfarrer verhalten: sich einmischen heißt evt. den Frieden der Gemeinde zu brechen.

Mich wundert da nur, dass keiner, auch nicht der Arzt, auf die Idee kommen dieser Kommission mal einen Tipp zu geben. Ich hab nun eigentlich keine rechte Ahnung wofür die zuständig ist, aber da der Gebstetter so eine Angst davor hat und sie immer im Zusammenhang mit den Schwabenkindern auftaucht, nehme ich an, dass sie da etwas unternehmen könnte.
Ich denke, wenn statt dem Hansjakob der örtliche Pfarrer wieder mitgegangen wäre ins Schwabenland, dann hätte der eventuell dafür gesorgt, dass keines seiner Kinder an so einen Schinder vermittelt worden wäre. Mit der Zeit lernt man diese Typen ja kennen.

Die Gewissensnot des Kaspanaze treibt es dann auf die Spitze. Sein Gespräch mit dem Pfarrer lässt die Gebstetters völlig durchdrehen und wenn der Vinzenz nicht rechtzeitig gekommen wäre, hätte der Junge die Sache wahrscheinlich nicht überlebt.
Dass er darauf hin das Weite sucht ist doch ganz normal. Als er das Stroh anzündete, bekam ich schon einen Schreck. Zum Glück hat sich sein Verstand früh genug wieder eingeschaltet, weil er die Kuh und dem Vinzenz nichts antun wollte. Wenn die beiden nicht gewesen wäre, ich weiß nicht ...

Endlich wird es für ihn besser. Bei den Gründingers scheint er es viel besser zu haben, auch wenn dort noch mehr Arbeit zu tun ist. Die beiden scheinen freundliche Leute zu sein. Nur sein Gehör muss er lernen abzuschalten.  ;)
Vielleicht kann der Gründinger ihm sogar sein Häs und seinen Lohn noch beschaffen.


Offline Aldawen

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #4 am: 23. Januar 2010, 16:15:20 »
Whitehead, der doch eigentlich auch aus einer bäuerlichen Familie stammt, sollte eigentlich wissen, dass zu dieser Zeit alles hinten anstehen muss. Glücklicherweise ist  Johanna da, um ihn vor weiteren Maßnahmen abzuhalten.

Naja, aber das ist ein Tag, an dem doch wohl wirklich alle aus der Umgebung bei der Prozession sind. Und nur Kaspanaze soll Kühe hüten? Das wäre ja nun auch nicht richtig, schon gar nicht, wenn es für die Schwabengeher quasi ein verbriefter Frei-Tag ist.

Mich wundert da nur, dass keiner, auch nicht der Arzt, auf die Idee kommen dieser Kommission mal einen Tipp zu geben. Ich hab nun eigentlich keine rechte Ahnung wofür die zuständig ist, aber da der Gebstetter so eine Angst davor hat und sie immer im Zusammenhang mit den Schwabenkindern auftaucht, nehme ich an, dass sie da etwas unternehmen könnte.

Ja, das ist schon erstaunlich, stimmt.
 
Ich denke, wenn statt dem Hansjakob der örtliche Pfarrer wieder mitgegangen wäre ins Schwabenland, dann hätte der eventuell dafür gesorgt, dass keines seiner Kinder an so einen Schinder vermittelt worden wäre. Mit der Zeit lernt man diese Typen ja kennen.

Ach, ich weiß nicht, ob der örtlicher Pfarrer als Begleiter besser gewesen wäre. Das hat Alois im Jahr zuvor ja auch nicht davor bewahrt, beim Gebstetter zu landen ...

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Offline yanni

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #5 am: 23. Januar 2010, 16:40:25 »
Whitehead, der doch eigentlich auch aus einer bäuerlichen Familie stammt, sollte eigentlich wissen, dass zu dieser Zeit alles hinten anstehen muss. Glücklicherweise ist  Johanna da, um ihn vor weiteren Maßnahmen abzuhalten.

Naja, aber das ist ein Tag, an dem doch wohl wirklich alle aus der Umgebung bei der Prozession sind. Und nur Kaspanaze soll Kühe hüten? Das wäre ja nun auch nicht richtig, schon gar nicht, wenn es für die Schwabengeher quasi ein verbriefter Frei-Tag ist.

Da ging es nicht um die Prozession, die war schon vorher. Das war der Sonntag, an dem Whitehead und Johanna dann mit Kaspanaze beim Kühe hüten waren. An dem Tag war auch die Sache zwischen dem Gebstetter und der Ludmilla.


Ich denke, wenn statt dem Hansjakob der örtliche Pfarrer wieder mitgegangen wäre ins Schwabenland, dann hätte der eventuell dafür gesorgt, dass keines seiner Kinder an so einen Schinder vermittelt worden wäre. Mit der Zeit lernt man diese Typen ja kennen.

Ach, ich weiß nicht, ob der örtlicher Pfarrer als Begleiter besser gewesen wäre. Das hat Alois im Jahr zuvor ja auch nicht davor bewahrt, beim Gebstetter zu landen ...

Es könnte doch sein, dass der Gebstetter damals zum ersten Mal ein Kind aus diesem Dorf hatte. Wenn der Hansjakob gewußt hätte, was der Gebstetter für einer ist, hätte er dem Handel sicher nicht zugestimmt. Es war ja sogar sein eigener Neffe, darauf hat er den Bauern extra noch hingewiesen.

Offline Elmar

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #6 am: 23. Januar 2010, 20:04:49 »
Hallo zusammen,

ich habe diesen Abschnitt eben gelesen und mir wäre fast der Atem gestockt...  :o

Hui, dieses Kapitel hatte es ja wirklich in sich! Da muß ich erstmal durchatmen. Gebstetters gönnen Kaspanaze nicht mal die Prozession mit allem drum und dran. Kein Wunder, wenn man sich derartig aufführt und immer daran denken muß, daß durch bloßes Aussprechen der Wahrheit das eigene Ansehen beschädigt wird, dann muß man ja auch paranoid werden.

Ja, das wundert mich: das die einfach nicht einsehen, dass sie durch ihr Verhalten noch mehr Grund zum Tratschen geben, als es Kaspanze je hätte machen können. Das schlimmste für mich ist aber immernoch, dass die einfach mit allem durchkommen!  >:(

Wobei mich wundert, daß Kaspanaze so gar keine Vorstellung hat, was da zwischen Gebstetter und der Magd abläuft. Er kennt das doch von Tieren schließlich auch, seine Geschwister sind alle jünger, die Mutter schwanger, also wird er doch schon wissen, daß das bei Menschen nicht so viel anders ist, oder?

Das hat mich auch ein wenig gewundert. Anderseits: er ist erst neun und bei ihm zu Hause sind Affären mit der Magd ja nicht an der Tagesordnung und wer weiß, was man ihm über die Schwangerschaft seiner Mutter beigebracht hat..?  :-\ Ich denke, dass es doch realistisch ist, dass er es nicht weiß.

Der Bub ist erst neun Jahre alt. Wir dürfen die damalige Zeit nicht mit der heutigen Freizügigkeit vergleichen. Etwas wie ein "Aufklärungsgespräch" gab es im Regelfall - wenn überhaupt - im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Entgegen weit verbreiteter Meinung haben auch die meisten Bauernkinder bei den Tieren nichts mitbekommen, da der Eber oder der Stier der Gemeinde oder Genossenschaft gehörte und nicht im eigenen Stall stand.

Die Krönung ist aber wirklich das Verhalten der Gebstetters rund um den Tod des Großvaters. Der Junge ist eh völlig durcheinander, weil man ja nun schließlich nicht alle Tage erhängte Leute im Wald rumhängen sieht, und wenn er dann mit Pastor spricht, der ja zumindest einigermaßen unverdächtig im Hinblick aufs Weitertratschen sein sollte, dann regen sie sich auch noch. Sollen sie sich halt anständig benehmen und den eigenen Vater nicht mit so ungebührlicher Eile unter die Erde bringen wollen, dann fällt auch das Gerede aus. Zwiespältig sehe ich die Rolle des Doktors. Grundsätzlich hat er es ja gut gemeint mit Kaspanaze, daß er ihm einen Ausweg aus dem Dilemma des Lügen-Sollens aber nicht -Wollens gezeigt hat. Aber sollte er sich als Arzt nicht auch dafür interessieren, daß der Junge offensichtlich nicht gesund aussieht, wenn das schon Nicht-Medizinern auffällt? Wie vereinbart er das denn mit seinem hippokratischen Eid? Nein, nein, Herr Doktor, das war ungenügend. Die Reaktion der Gebstetters zeigt dann aber endgültig, daß sie nicht mehr zurechnungsfähig sind   :o  Sie können ja von Glück sagen, daß Vinzenz Kaspanaze noch rechtzeitig vorm Ertrinken aus dem Trog gezerrt hat. Die Leiche des Hütejungen hätten sie wohl schwerlich erklären können und da hätte wohl auch der Doktor nicht mehr mit sich reden lassen. Kaspanazes Reaktion war daher höchst verständlich. Ich habe mich ganz ordentlich erschrocken, als er anfing mit dem Feuer herumzuspielen, aber daß Abfackeln vielleicht doch nicht die beste Lösung ist, hat er ja noch selbst eingesehen. Da beweist er für seine neun Jahre eine erstaunliche Reife, auch wenn er es vor allem Vinzenz und Priska zuliebe unterläßt.

Ja, das sehe ich wie du. Das Verhalten des Artzes konnte ich auch nur schwer nachvollziehen. Andererseits wird es sich wohl bei ihm änhlich wie mit dem Pfarrer verhalten: sich einmischen heißt evt. den Frieden der Gemeinde zu brechen.
Das Kaspanze übrigens abhaut hat mich nicht gewundert. Im Gegenteil: mich wundert es, dass er so lange dann doch gewartet hat.

Aber was hat Frau Gründinger gemeint, wenn sie ihrem Mann Geschick zum Einrenken von irgendwelchen schwierigen Angelegenheiten bescheinigt?

Einrenken = diplomatisch zum Besseren wenden.

Das hab ich auch nicht verstanden.  ??? Ich hoffe nur, dass Kaspanze es bei den Gründingern gut hat und nicht wieder zurück muss...aber da schwant mir ja noch irgendwie böses, denn es wäre zu einfach, wenn er jetzt einfach da bleiben könnte.  :(

Offline Elmar

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #7 am: 23. Januar 2010, 20:13:32 »
Whitehead, der doch eigentlich auch aus einer bäuerlichen Familie stammt, sollte eigentlich wissen, dass zu dieser Zeit alles hinten anstehen muss. Glücklicherweise ist  Johanna da, um ihn vor weiteren Maßnahmen abzuhalten.

Naja, aber das ist ein Tag, an dem doch wohl wirklich alle aus der Umgebung bei der Prozession sind. Und nur Kaspanaze soll Kühe hüten? Das wäre ja nun auch nicht richtig, schon gar nicht, wenn es für die Schwabengeher quasi ein verbriefter Frei-Tag ist.

Mich wundert da nur, dass keiner, auch nicht der Arzt, auf die Idee kommen dieser Kommission mal einen Tipp zu geben. Ich hab nun eigentlich keine rechte Ahnung wofür die zuständig ist, aber da der Gebstetter so eine Angst davor hat und sie immer im Zusammenhang mit den Schwabenkindern auftaucht, nehme ich an, dass sie da etwas unternehmen könnte.

Ja, das ist schon erstaunlich, stimmt.

Der Witz ist, dass es diese angebliche Kommission in Wirklichkeit gar nicht gibt, sondern nur eine "Erfindung" von Whitehead ist, um den Gebstetter einzuschüchtern.
 
Ich denke, wenn statt dem Hansjakob der örtliche Pfarrer wieder mitgegangen wäre ins Schwabenland, dann hätte der eventuell dafür gesorgt, dass keines seiner Kinder an so einen Schinder vermittelt worden wäre. Mit der Zeit lernt man diese Typen ja kennen.

Ach, ich weiß nicht, ob der örtlicher Pfarrer als Begleiter besser gewesen wäre. Das hat Alois im Jahr zuvor ja auch nicht davor bewahrt, beim Gebstetter zu landen ...



Offline Aldawen

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #8 am: 23. Januar 2010, 20:17:49 »
Aber was hat Frau Gründinger gemeint, wenn sie ihrem Mann Geschick zum Einrenken von irgendwelchen schwierigen Angelegenheiten bescheinigt?

Einrenken = diplomatisch zum Besseren wenden.

Der Begriff ist schon klar, ich hatte zu dem Zeitpunkt nur vermutet, Jörg Gründinger hätte mit solchen Situationen vielleicht schon Erfahrung oder etwas ähnliches. Das blieb ja hier doch noch etwas in der Schwebe.

Der Witz ist, dass es diese angebliche Kommission in Wirklichkeit gar nicht gibt, sondern nur eine "Erfindung" von Whitehead ist, um den Gebstetter einzuschüchtern.

Also nur gut geblufft von Whitehead? Das finde ich ja genial  :D  Pokert der auch?   ;D
Kinywa ni jumba la maneno.
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Offline Saltanah

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #9 am: 24. Januar 2010, 13:30:05 »
Von einem "Blutritt" hatte ich noch nie gehört. Da musste ich erst mal googeln. Ebenso interessierte mich die "größte Basilika in Deutschland". Wow, die sieht wirklich beeindruckend aus!

Ansonsten kann ich euch nur zustimmen: In diesem Kapitel passiert wirklich sehr viel. Es scheint mir das zentrale Kapitel des ganzen Buches zu sein.
Wie sich Kaspanazes Situation immer weiter verschlimmert ist wirklich gut geschildert. Nach dem Blutritt die Heuernte mit ihrem wahnsinnigen Arbeitsaufwand, dann der Tod des Hahnes, der Kaspanaze schon ziemlich mitnimmt (und der durchaus dafür mitverantwortlich sein könnte, dass er sich das Stall anstecken noch mal anders überlegt, denke ich).
Dann der Tod des Großvaters, der Kaspanaze natürlich vollends verstört. Einen Erhängten möchte auch ich lieber nicht finden. Gebstetters versuchte Vertuschung der Todesursache kann ich verstehen, wenn es ihnen auch wohl weniger darum geht, dem Großvater ein anständiges Begräbnis zu ermöglichen, als ihnen selbst die Schande eines Selbstmördergrabes zu ersparen. Unmöglich ist natürlich die Art und Weise, wie sie dies vertuschen wollen und was sie Kaspanaze damit auferlegen. Dass sie durchdrehen, als Kaspanaze dann zur Beichte geht, ist schon verständlich. Es ist schon klar, dass die Tatsache, dass ein kleiner Junge, der dies eigentlich noch nicht darf, zur Beichte geht, die Zungen nur noch eifriger klatschen lässt: Was hat der Kleine wohl zu beichten? Die Antwort liegt nahe.

Dass das Ganze dann schließlich so weit eskaliert, dass Kaspanaze nur durch das Eingreifen von Vinzenz überlebt, hatte ich trotz allem nicht erwartet. Ich dachte, der Gebstetter hätte sich noch so weit unter Kontrolle, dass er eine Handlung, die seinen eigenen Ruin mit sich führen würde, doch ließe.
Dass Kaspanaze dann abhaut, ist verständlich, dass er sich noch einmal richtig rächen und den Stall anstecken will, ebenfalls. Hier sehe ich die Bedeutung des Todes des Hahnes. "Das hatte ich nicht gewollt", denkt er ungefähr, nachdem der Gebstetter den Hahn totgetreten hatte. Kaspanaze lernt hier, dass Handlungen auch ungewollte Folgen haben können und denkt im entscheidenden Moment ein klein wenig weiter.Vinzenz und Priska wollte er ja nichts antun!

Die im Klappentext groß angekündigte "abenteuerliche Flucht" von der ich vorher angenommen hatte, sie stünde im Zentrum des Buches, ging dann ziemlich schnell vorbei. Mit den Gründingers scheint er es ja besser getroffen zu haben. Bleibt die Frage, wie Whitehead auf Kaspanazes Verschwinden reagieren wird.

Offline nerolaan

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #10 am: 24. Januar 2010, 20:57:14 »
Der Witz ist, dass es diese angebliche Kommission in Wirklichkeit gar nicht gibt, sondern nur eine "Erfindung" von Whitehead ist, um den Gebstetter einzuschüchtern.

Also nur gut geblufft von Whitehead? Das finde ich ja genial  :D  Pokert der auch?   ;D

Das hatte ich auch erst im Nachwort gelesen.  Aber Whitehead wusste eben, wie man den Gebstetter einschüchtert. Und ehrlich? Der Gebstetter ist für mich ein grobschlächtiuger, aber nicht grade vor Intelligenz strotzender Kerl - kein Wunder also, dass er es eben auch nicht besser wusste  ;D

Die im Klappentext groß angekündigte "abenteuerliche Flucht" von der ich vorher angenommen hatte, sie stünde im Zentrum des Buches, ging dann ziemlich schnell vorbei. Mit den Gründingers scheint er es ja besser getroffen zu haben. Bleibt die Frage, wie Whitehead auf Kaspanazes Verschwinden reagieren wird.

Da hat mich auch irritiert. Aber es ist ja leider nicht der erste Klappentext, der etwas vespricht, was das Buch nicht hält  ;)

Offline Papyrus

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #11 am: 24. Januar 2010, 22:27:00 »
Puh, was für ein Kapitel. Ich konnte das Buch nicht mehr zur Seite legen. Was ein Mensch alles ertragen muss / kann ist einfach unbeschreiblich.
Dass den kleinen Kaspananze der Leichenfund so mit nimmt ist mehr als verständlich. Es wäre wohl nicht viel anders gewesen, wenn sich der Mann nicht erhängt hätte, sondern eines natürlichen Todes gestorben wäre. Wie viele Leichen hat der Junge denn wohl schon gesehen? Und keiner da, mit dem er Reden kann.
Fast slapstickreif fand ich die Aktion vom Gebstetter und dem zu kleinen Sarg  :D für seinen Vater.
Und als man noch munkelte, dass es aussah als würde der Kopf des Toten aus einem Blumenkübel raus gucken  ;D

Jetzt ist auch nicht der Hund gestorben, aber der Hahn musste dran glauben. Auch hier kann ich nachvollziehen, wie sich der Junge die Schuld gibt.
Die Lektion, dass eine Tat immer Konsequenzen hat, hat er jetzt wohl auf traurige Art gelernt.

Die im Klappentext groß angekündigte "abenteuerliche Flucht" von der ich vorher angenommen hatte, sie stünde im Zentrum des Buches, ging dann ziemlich schnell vorbei. Mit den Gründingers scheint er es ja besser getroffen zu haben. Bleibt die Frage, wie Whitehead auf Kaspanazes Verschwinden reagieren wird.

Da hat mich auch irritiert. Aber es ist ja leider nicht der erste Klappentext, der etwas vespricht, was das Buch nicht hält  ;)
Ich hatte aufgrund des Klappentextes auch mit einer längeren Flucht gerechnet. Aber noch ist die Geschichte nicht zu Ende. So ein Happy End bei den Gründingers geht mir einfach zu schnell
Lesende Grüße
Papyrus

Offline Murkxsi

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #12 am: 25. Januar 2010, 10:14:20 »
Das war wirklich ein hammerhartes Kapitel: der tote Hahn, der erhängte Großvater, der fast ertrunkene Kaspanaze......  :o

Ich hatte es befürchtet, dass es noch ganz Dicke kommt, mit dem Selbstmord des Großvaters hatte ich allerdings nicht gerechnet. Aber es war vorauszusehen, als er zu seiner Frau sagte, dass sie es doch gut hätte, sie würde nichts mitbekommen.

Fast slapstickreif fand ich die Aktion vom Gebstetter und dem zu kleinen Sarg  :D für seinen Vater.
Und als man noch munkelte, dass es aussah als würde der Kopf des Toten aus einem Blumenkübel raus gucken  ;D

Wenn es nicht so tragisch wäre, wäre es wirklich ein guter Sketch.  Leider bleibt einem da das Lachen regelrecht im Halse stecken. Wie gefühlskalt muss man sein, den eigenen Vater - auch nach dem Tod - so zu behandeln. Er hätte sich besser auf dem Marktplatz erhängen sollen, dann hätten wenigstens ALLE gewusst, was wirklich bei Gebstetter so abgeht.

Der Rat des Doktors zur Beichte zu gehen, fand ich nicht sehr clever, ich glaube allerdings, dass er dem Jungen nur helfen wollte. Leider kam es dann ja noch faustdick für den Jungen.

Der Klappentext hat in mir auch etwas ganz anderes assoziiert und ich habe die ganze Zeit schon auf eine abenteuerliche Flucht gewartet. Das einzige abenteuerliche war dann wohl die Begegnung mit den Wildschweinen.  Ich finde es immer sehr gefährlich, solche ungenauen Klappentexte zu schreiben, weil der Leser mit falschen Erwartungen an ein Buch herangeht und es dadurch negativer bewertet wird, als es eigentlich ist. Ob sich die Verlage darüber nicht im Klaren sind?  ???

LG Murkxsi

Offline Saltanah

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #13 am: 25. Januar 2010, 12:42:12 »
Der Klappentext hat in mir auch etwas ganz anderes assoziiert und ich habe die ganze Zeit schon auf eine abenteuerliche Flucht gewartet. Das einzige abenteuerliche war dann wohl die Begegnung mit den Wildschweinen.  Ich finde es immer sehr gefährlich, solche ungenauen Klappentexte zu schreiben, weil der Leser mit falschen Erwartungen an ein Buch herangeht und es dadurch negativer bewertet wird, als es eigentlich ist.

Ich war allerdings froh, dass die Flucht so schnell und unspektakulär ablief. Ich hatte schon überlegt, gerade wegen der im Klappentext so betonten Fluchtepisode das Buch nicht zu kaufen. Mich interessierte das Thema der Schwabenkinder und ich fürchtete, das wäre nur der Aufhänger für eine Abenteuergeschichte. Zum Glück war es dann doch ganz anders!

Offline Murkxsi

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #14 am: 26. Januar 2010, 09:34:24 »
Der Klappentext hat in mir auch etwas ganz anderes assoziiert und ich habe die ganze Zeit schon auf eine abenteuerliche Flucht gewartet. Das einzige abenteuerliche war dann wohl die Begegnung mit den Wildschweinen.  Ich finde es immer sehr gefährlich, solche ungenauen Klappentexte zu schreiben, weil der Leser mit falschen Erwartungen an ein Buch herangeht und es dadurch negativer bewertet wird, als es eigentlich ist.

Ich war allerdings froh, dass die Flucht so schnell und unspektakulär ablief. Ich hatte schon überlegt, gerade wegen der im Klappentext so betonten Fluchtepisode das Buch nicht zu kaufen. Mich interessierte das Thema der Schwabenkinder und ich fürchtete, das wäre nur der Aufhänger für eine Abenteuergeschichte. Zum Glück war es dann doch ganz anders!

GENAU DAS MEINE ICH!
Und es wäre für das Buch wirklich schade gewesen, wenn es dadurch weniger Leser bekommen würde. Eine Abenteuergeschichte hätte mir persönlich auch nicht gefallen (jedenfalls nicht zu diesem Thema) und ich hatte ebenfalls die Befürchtung, dass da die Schwabenkinder auf diese Art "verheizt" werden würde. Glücklicherweise war dem nicht so.

LG Murkxsi