Autor Thema: 5 – Kapitel 13  (Gelesen 1301 mal)

Offline Breña

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #15 am: 31. Januar 2010, 18:17:25 »
Es war klar, dass die schönen Ereignisse aus dem vorherigen Abschnitt nicht so weitergeführt werden können, aber dieser letzte Abschnitt hatte es tatsächlich in sich! :o
Das Verhalten des Gebstetters angesichts des Todes seines eigenen Vaters hat mich sprachlos gemacht. Dass er ein grober Klotz ist stand ausser Frage, aber das ging eindeutig zu weit! Kaspanazes Entschluss, nach den sich überschlagenden Ereignissen den Hof zu verlassen, war eigentlich schon längst überfällig, und ich bin froh, dass er auf einem guten Hof untergekommen ist. Allerdings befürchte ich, dass es abgesehen von besorgten Freunden auch ein übles Nachspiel haben wird. Der Saubauer wird sowas nicht einfach mit sich machen lassen, und hat er nicht ausser dem Lohn und der neuen Kleidung auch noch Kaspanazes Paß?

Whiteheads eingestreuter Vortrag über die Sklaverei wirkte für mich etwas deplatziert. Außerdem betont er selbst, dass es erst wenige Jahre her ist, reflektiert die Ereignisse aber erstaunlich wissenschaftlich.


Zwiespältig sehe ich die Rolle des Doktors. Grundsätzlich hat er es ja gut gemeint mit Kaspanaze, daß er ihm einen Ausweg aus dem Dilemma des Lügen-Sollens aber nicht -Wollens gezeigt hat. Aber sollte er sich als Arzt nicht auch dafür interessieren, daß der Junge offensichtlich nicht gesund aussieht, wenn das schon Nicht-Medizinern auffällt? Wie vereinbart er das denn mit seinem hippokratischen Eid? Nein, nein, Herr Doktor, das war ungenügend.

Vielleicht wollte er kein Öl ins Feuer gießen? Er hatte ja genug damit zu tun die Situation um den Selbstmord zu entschärfen. Und auch wenn der Gebstetter unterwürfig buckelt, war dem Herrn Doktor der Weg des geringsten Widerstands wahrscheinlich der liebste. ::)

Aber was hat Frau Gründinger gemeint, wenn sie ihrem Mann Geschick zum Einrenken von irgendwelchen schwierigen Angelegenheiten bescheinigt? Da könnte sich noch ein Konflikt aufschaukeln. Wenn Gebstetter auf Antonia Gründinger trifft, habe ich aber eine Vermutung, wer gewinnt  ;D

Ich freue mich auf einen ordentlichen "Showdown", bei dem die Gebstetters in Schimpf und Schande untergehen und Kaspanaze mit Whitehead, den Gründigern und allen Verbündeten erhobenen Hauptes als Sieger hervor gehen. ;D

Wobei mich wundert, daß Kaspanaze so gar keine Vorstellung hat, was da zwischen Gebstetter und der Magd abläuft. Er kennt das doch von Tieren schließlich auch, seine Geschwister sind alle jünger, die Mutter schwanger, also wird er doch schon wissen, daß das bei Menschen nicht so viel anders ist, oder?

Der Bub ist erst neun Jahre alt. Wir dürfen die damalige Zeit nicht mit der heutigen Freizügigkeit vergleichen. Etwas wie ein "Aufklärungsgespräch" gab es im Regelfall - wenn überhaupt - im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Entgegen weit verbreiteter Meinung haben auch die meisten Bauernkinder bei den Tieren nichts mitbekommen, da der Eber oder der Stier der Gemeinde oder Genossenschaft gehörte und nicht im eigenen Stall stand.

Mich hat es auch gewundert. Nicht, weil heutzutage Kinder in seinem Alter Bescheid wissen, sondern eher, weil die elterliche Hütte recht klein ist und die Privatsphäre entsprechend geringer. Außerdem sind die Kinder in einer altersmäßig viel durchmischteren Gruppe zusammen, und die Älteren werden wohl Ahnung haben...

Viele Grüße
Breña
"It is not true that we have only one life to live; if we can read, we can live as many more lives and as many kinds of lives as we wish."  S.I. Hayakawa

Offline Sookie

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Re: 5 – Kapitel 13
« Antwort #16 am: 02. Februar 2010, 21:21:53 »
Ein verspätetes Hallo!

Ich habe das Buch jetzt zwar schon fertig, möchte hier aber noch etwas dazu schreiben.

Die Szene, als der Großvater sich erhängt hat, fand ich wirklich schlimm. Die Reaktion vom Gebstetter hat mich auch ehrlich überrascht. Irgendwie hatte ich trotz allem gedacht, dass er kein eiskalter Klotz ist. Anscheinend doch. Und ich muss gestehen: Trotz der Tragik fand ich die Stelle mit dem zu kleinen Sarg und der übermäßigen Blumendekoration richtig lustig.


Wobei mich wundert, daß Kaspanaze so gar keine Vorstellung hat, was da zwischen Gebstetter und der Magd abläuft. Er kennt das doch von Tieren schließlich auch, seine Geschwister sind alle jünger, die Mutter schwanger, also wird er doch schon wissen, daß das bei Menschen nicht so viel anders ist, oder?

Der Bub ist erst neun Jahre alt. Wir dürfen die damalige Zeit nicht mit der heutigen Freizügigkeit vergleichen. Etwas wie ein "Aufklärungsgespräch" gab es im Regelfall - wenn überhaupt - im Alter zwischen 12 und 14 Jahren. Entgegen weit verbreiteter Meinung haben auch die meisten Bauernkinder bei den Tieren nichts mitbekommen, da der Eber oder der Stier der Gemeinde oder Genossenschaft gehörte und nicht im eigenen Stall stand.

Mich hat es auch gewundert. Nicht, weil heutzutage Kinder in seinem Alter Bescheid wissen, sondern eher, weil die elterliche Hütte recht klein ist und die Privatsphäre entsprechend geringer. Außerdem sind die Kinder in einer altersmäßig viel durchmischteren Gruppe zusammen, und die Älteren werden wohl Ahnung haben...

Zuerst habe ich mich auch gewundert. Wir hatten den ersten Aufklärungsunterricht in der Schule mit 9. Aber dann hab ich mir überlegt, wieviel meine Oma in dem Alter davon wusste - nämlich gar nichts. Und meine Freunde und Freundinnen in den USA haben teilweise ebenfalls bis sie 16 oder älter sind keine Ahnung. Ich denke, wenn man davon überhaupt nichts weiß, dann deutet man auch Dinge anders, die für unsereins eindeutig wären. Deswegen kann ich mir schon vorstellen, dass er, selbst wenn er von den Eltern etwas mitgekriegt hätte, das gar nicht so interpretieren würde, weil er sich darauf eben überhaupt keinen Reim machen kann. Ob die Älteren etwas wussten...? Würden die mit den kleineren Kindern dann darüber reden?

Dass Kaspanaze von den Gebstetters wegläuft finde ich wirklich sehr mutig von ihm. Vor allem weil er ja nicht weiß, wohin. Aber nach all den Ereignissen auf dem Hof ist es ja eigentlich das Beste, was er tun konnte.  Ich habe allerdings auch, als er zu den Gründingers kam, nicht so ganz daran glauben wollen, dass er es da wirklich gut hat und dass dann alles ok ist. Irgendwie habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass noch etwas schief geht.

Lg,
Sookie