Leserundenarchiv > Elmar Bereuter – Die Schwabenkinder
2 – Kapitel 7 und 8
Aldawen:
Hier könnt Ihr zu den Kapitel 7 und 8 schreiben.
Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.
Breña:
Hallo,
den zweiten Teil habe ich gemütlich auf der Sofa eingekuschelt gelesen, auch wenn das Erzählte nicht zum Wohlfühlen einlädt.
Die Sprache empfinde ich nun nicht mehr als gewöhnungsbedürftig, im Gegenteil hilft sie mir direkt in der Geschichte abzutauchen. Weiterhin finde ich aber den sachlichen Erzählton auffällig und dabei gleichzeitig die Tatsache, dass mir das Schicksal der Kinder wortwörtlich den Griff zur Schokolade verleidet.
Der Weg nach Ravensburg ist wirklich nicht ohne, und Hansjakob kann zu recht behaupten, dass jedes Kind, das diesen Weg zurückgelegt hat, wohl mit ein paar lächerlichen Gänsen fertig wird. Schön fand ich dabei den Zusammenhalt der Kinder und die Hilfsbereitschaft, die ihnen entgegengebracht wird, auch wenn die Helfenden selbst kaum etwas haben. Hansjakob war mir mit seiner militärisch strengen und trotzdem fürsorglichen Art sehr sympathisch.
Leider fand ich das Unglück bei Kaspanaze zu dick aufgetragen - die neuen Schuhe verursachen Blasen, er wird unterwegs krank, bleibt auf dem Markt bis zuletzt übrig und erwischt dann auch noch ausgerechnet den Bauern, der unterwegs von Alois als das größte aller Übel dargestellt wird.
Das Auftauchen von Peter Whitehead war hoffentlich nicht sein erstes und letztes Eingreifen ins Geschehen, denn ich kann mir vorstellen, dass der Amerikaner, der die Sache so deutlich beim Namen nennt, für die ein oder andere Wendung innerhalb der Geschichte gut sein kann.
Nun bin ich gespannt, wie es Kaspanaze (nun wissen wir auch, wie es zu diesem seltsamen Namen kam) bei "seinem Saubauern" ergehen wird.
Viele Grüße
Breña
Aldawen:
--- Zitat von: Breña am 17. Januar 2010, 18:34:50 ---und dabei gleichzeitig die Tatsache, dass mir das Schicksal der Kinder wortwörtlich den Griff zur Schokolade verleidet.
--- Ende Zitat ---
Dem kann ich mich nur anschließen. Von den Entbehrungen der Kinder auf dem Weg zu lesen, reizt nicht zum gleichzeitigen Verzehr von solchen Luxusprodukten.
--- Zitat von: Breña am 17. Januar 2010, 18:34:50 ---Schön fand ich dabei den Zusammenhalt der Kinder und die Hilfsbereitschaft, die ihnen entgegengebracht wird, auch wenn die Helfenden selbst kaum etwas haben.
--- Ende Zitat ---
Das hat mir auch beides sehr gut gefallen. Unter den Kindern kann ich es auch gut nachvollziehen, schließlich kennen sie sich untereinander, einige sind schon älter und haben schon Erfahrung als Schwabengänger, daher fühlen sie wohl auch eine gewisse Verantwortung den Kleineren gegenüber, zumal es teilweise ja auch die eigenen Geschwister sind. Bemerkenswerter fand ich die Hilfsbereitschaft der Leute am Weg. Sie sind es natürlich gewöhnt, daß zweimal im Jahr Kinderscharen bei ihnen vorbeiziehen, aber das erklärt ja nicht die Unterstützung, die sie geben. Vielmehr zeigt sich hier ein Muster, daß ich auch aus anderen Zusammenhängen kenne: Je weniger Leute haben, desto größer ist die Bereitschaft zu teilen. Das wurde im ersten Abschnitt ja auch schon über Kaspanazes Mutter gesagt, die keinen Bettler einfach so von der Tür scheucht.
--- Zitat von: Breña am 17. Januar 2010, 18:34:50 ---Hansjakob war mir mit seiner militärisch strengen und trotzdem fürsorglichen Art sehr sympathisch.
--- Ende Zitat ---
Unbedingt, und natürlich hat er es richtig angefangen, daß er gleich seine Autorität hergestellt hat. Einer muß schließlich die Führung haben, und wer anders als ein Erwachsener sollte das in diesem Zusammenhang sein.
--- Zitat von: Breña am 17. Januar 2010, 18:34:50 ---Leider fand ich das Unglück bei Kaspanaze zu dick aufgetragen - die neuen Schuhe verursachen Blasen, er wird unterwegs krank, bleibt auf dem Markt bis zuletzt übrig und erwischt dann auch noch ausgerechnet den Bauern, der unterwegs von Alois als das größte aller Übel dargestellt wird.
--- Ende Zitat ---
Zumindest die letzten beiden Punkte hatte ich fast schon erwartet, denn sonst wäre es vermutlich eher ein Friede-Freude-Eierkuchen-Roman, und den hätte Elmar nicht schreiben müssen. Hier zeigt sich auch gut der Kontrast zwischen den vergleichsweise reichen Bauern und sonstigen Dienstherren und den armen Leuten entlang der Wegstrecke. Letztere haben die Kinder ohne großes Jammern so gut es ging verpflegt und im Stall oder sonstwo schlafen lassen. Es wäre ihnen nie in den Sinn gekommen, sie abzuweisen. In Ravensburg sind bestimmte Leute, so wie Gebstetter, bekannt dafür, daß sie die Kinder nicht gut behandeln, aber man zuckt höchstens mal die Schultern darüber und mischt sich ansonsten lieber nicht ein. Diesen Gegensatz fand ich sehr auffällig und das läßt mich für Kaspanaze wirklich das Schlimmste befürchten.
--- Zitat von: Breña am 17. Januar 2010, 18:34:50 ---Das Auftauchen von Peter Whitehead war hoffentlich nicht sein erstes und letztes Eingreifen ins Geschehen, denn ich kann mir vorstellen, dass der Amerikaner, der die Sache so deutlich beim Namen nennt, für die ein oder andere Wendung innerhalb der Geschichte gut sein kann.
--- Ende Zitat ---
Zumindest hat er den Vorteil, kein Einheimischer zu sein, sich also ohne weiteres mit bestimmten Leuten anlegen zu können, weil er keine langfristigen Interessen dort hat und nicht dauerhaft dort leben muß. Vielleicht spielt ja auch Bentele noch eine Rolle, bei dem scheint Alois es ja nicht so schlecht getroffen zu haben. Und Bentele scheint Gebstetter nicht sonderlich zu mögen ...
Schönen Gruß,
Aldawen
nerolaan:
Guten Abend!
So, eben habe ich gemütlich ins Bett gekuschelt den zweiten Abschnitt gelesen und mich beschlich doch ernsthaft das schlechte Gewissen: den heißen Tee habe ich nicht getrunken und auch die Schokolade hab ich links liegen gelassen. Es kam mir "falsch" vor, mich hier gemütlich hinzulegen, während die Kinder durch die Kälte laufen, frieren und hungern. :(
Dieser Abschnitt ging mir trotz allem wesentlich leichter von der Hand und ehe ich mich versah, hatte ich ihn auch schon durch.
Es ist schon komisch, da liest man von den doch nicht zu unterschätzenden Problemen dieser Kinder und ist dennoch fasziniert und kann nicht aufhören zu lesen - schade, dass ich noch Lernen muss.
Was mich aber sehr berührt hat war, wie die Leute auf dem Reiseweg den Kindern immer wieder halfen, obwohl die selbst nicht viel hatten. Das fand ich richtig schön :)
Was mich aber jetzt doch wunderte, war das im ersten Abschnitt nichts erklärt wurde, aber in diesem dann doch gleich zwei Begriffe mit Klammern erklärt wurden: S. 69 bellen = weinen und S.97 Gumpen.
Elmar, wie kam es dazu, dass gerade diese Begriffe erklärt wurden und andere z.B. nicht?
Das Kaspanze ausgerechnet an den Bauern gerät, vor dem Alois ihn gewarnt hat, war ja fast klar und dennoch musste ich schon heftig schlucken.
Ich will - glaube ich - eigentlich gar nicht wissen, was der Saubauer mit ihm macht. Aber ich hab noch eine Hoffnung: der Amerikaner, der sich einmischte. Der wird hoffentlich nicht diesen einen Gastauftritt gehabt haben.
nerolaan:
--- Zitat von: Aldawen am 17. Januar 2010, 19:08:25 ---Vielmehr zeigt sich hier ein Muster, daß ich auch aus anderen Zusammenhängen kenne: Je weniger Leute haben, desto größer ist die Bereitschaft zu teilen. Das wurde im ersten Abschnitt ja auch schon über Kaspanazes Mutter gesagt, die keinen Bettler einfach so von der Tür scheucht.
--- Ende Zitat ---
Da hast du recht und ich muss sagen, dass mich dieses Verhalten wirklich beeindruckt.
--- Zitat von: Breña am 17. Januar 2010, 18:34:50 ---Leider fand ich das Unglück bei Kaspanaze zu dick aufgetragen - die neuen Schuhe verursachen Blasen, er wird unterwegs krank, bleibt auf dem Markt bis zuletzt übrig und erwischt dann auch noch ausgerechnet den Bauern, der unterwegs von Alois als das größte aller Übel dargestellt wird.
--- Ende Zitat ---
Mhm, das kann ich jetzt nicht so sagen. Die Blasen (und ich kenne das, ich laufe mir selbst nich Blasen in Schuhen, die ich schon ein zweites Jahr trage) waren für mich eine logische Folge der neuen Schuhe, die ihn drückten und das er dann durch den Schnee barfuß läuft, weil die Füße schmerzen musste für mich fast konsequenterweise eine Erkältung nach sich ziehen.
Da das Ganze aber jetzt nicht auch noch "ausgeschlachtet" wurde (im Sinne von: Kaspanze konnte tagelang nicht weitergehen oder so), war es für mich ok und hat mich nicht gestört.
--- Zitat von: Aldawen am 17. Januar 2010, 19:08:25 ---Zumindest hat er den Vorteil, kein Einheimischer zu sein, sich also ohne weiteres mit bestimmten Leuten anlegen zu können, weil er keine langfristigen Interessen dort hat und nicht dauerhaft dort leben muß. Vielleicht spielt ja auch Bentele noch eine Rolle, bei dem scheint Alois es ja nicht so schlecht getroffen zu haben. Und Bentele scheint Gebstetter nicht sonderlich zu mögen ...
--- Ende Zitat ---
Das stimm und ich hoffe, dass er doch den Vorteil nutzen wird und Kaspanze helfen wird. Auch von Bentele erwarte ich vielleicht doch noch das ein oder andere, da er ja Kaspanze auch angeboten hat, ihn zu besuchen und auch ein wenig Hunger mitzubringen.
Ich bin wirklich gespannt, wie es weitergeht.
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