Hallo zusammen,
ein langer Dienstag, an dem wirklich viel passiert. Ich leg gleich mal los:
Bei der Vorstellung, dass die alten Kameraden nun das Auto selbst lenken und bedienen, beschlich mich schon ein etwas ungutes Gefühl, muss ich zugeben. Naja, die Technik hat sich seit damals ja doch nicht nur ein kleines bisschen verändert...
Und dann stoßen sie ausgerechnet auf Skinheads, die sie für Russen halten. Wie originell...

Auch über "Russisch im Feld" hab ich mich köstlich amüsiert.

Einer davon ist Konrads Urenkel - das ist ja ein Ding! Die erste Begegnung zwischen Konrad und seiner Frau Gretel fand ich reichlich bizarr. Die tun echt so, als wäre nichts gewesen und wären nicht 60 Jahre, die sie getrennt voneinander gelebt haben. Ein Wunder, dass sie nicht nochmal geheiratet hat! Aber irgendwie fühlt sich das Ganze auch ein bisschen gut an, wenigstens einer unserer Helden hat seine Heimat wieder und scheint "aufgeräumt" zu sein. Das mit der Kapitulation werden sie ihm schon noch beibringen, denke ich...
Irre auch, dass die Bunkertruppe dann ausgerechnet auf einer Versammlung von Neonazis landet und dort voll gut ankommt - wie sollen die Oldies denn jemals begreifen, was läuft, wenn sich Deutschland fast komplett nach ihren Vorstellungen präsentiert? Hin und wieder kommt ihnen zwar das eine oder andere komisch vor, aber im großen und ganzen ist der große Kulturschock bisher ausgeblieben. Ich finde es sehr spannend, dieses Bild von Deutschland durch ihre Augen zu betrachten. Unglaublich... aber richtig gut macht, Hans!

Unterdessen gibts die erste Begegnung zwischen Evelyn und Benny, da hat ja wohl unter der Dusche voll der Blitz eingeschlagen bei den beiden!

Sehr witzig, die Szene aus beiden Perspektiven serviert zu bekommen; das hat mir gut gefallen.
Über den Verfassungsschutz kann man auch nur den Kopf schütteln - sehr schön, was hier recht raffiniert angedeutet wird. Schon eine ganze eigene Firma, dieser Haufen....
Eine interessante Wendung scheint sich aus der möglichen Verbindung Fritz von Jagemann und Wolf Jäger zu ergeben; ich dachte sehr bald daran, dass die beiden eigentlich Brüder sein könnten, und mein Verdacht scheint sich im Laufe der Abschnitts zu bestätigen - zumindest sind auch schon andere Leute (Figuren) auf den Gedanken gekommen. Das wäre ja ein Ding; der hochdekorierte Staatssekretär, der alles im Kampf gegen die Neo-Nazis unternimmt, und dann kommt da plötzlich ein peinlicher Bruder ans Tageslicht, der noch auf dem Stand von 1945 ist und noch an den Endsieg glaubt. Das wärs dann wohl mit der Karriere des Herrn Jäger. Kein Wunder, dass die ganze Geschichte plötzlich auf kleiner Flamme gekocht wird und die vorgesehene Sensationsberichterstattung plötzlich ausbleibt.
Es ist wohl kaume eine Überraschung, dass Evelyn in der ganzen Angelegenheit null Durchblick hat. Sie lässt sich ganz schön einlullen - bis jetzt jedenfalls. Und spielt die Marionette für den Herrn Jäger. Der wiederum bringt ganz interessante Theorien in Sachen Kriegszustand aufs Tablett und nimmt dies zum Anlass, die Bunkeroldies zum Abschuss freizugeben. Wie gemein! Nur damit sein Bruder aus dem Verkehr ist! Und Evelyn fällt voll darauf herein... ich hoffe, sie kommt noch dahinter, was für einen hinterlistigen Machtmensch sie da als Geliebten hat. Auch wenn er der einzige ist, der an ihren Geburtstag denkt, aber von Uneigennützigkeit kann ich da keine Spur erkennen. Übrigens auch witzig, wie Schiller hier zum Trottel gemacht wird.
Was mich nach wie vor fasziniert, sind die Aufzeichnungen von Fritz, der vom Alltag im Bunker erzählt und dabei recht unbedarft erscheint. Mir geht es da ein bisschen wie Benny, mir ist er nicht so unsympathisch, wie er eigentlich sein sollte. Sein fast schon naiver Blick auf das tägliche Geschehen, seine Entrüstung über Gerüchte, dass Kriegsgefangene erschossen werden und sein treue Verehrung für Liesbeth... hm, das macht es mir schon einigermaßen schwer, in ihm den bösen Nazi zu sehen. Hans, ich nehme mal an, dieser Effekt war so geplant und gewollt von dir, dass die Leser in Bezug auf Fritz so zwiegespalten sind? Ich finde das jedenfalls sehr gelungen und mir hat Fritz schon einiges Grübeln verursacht.
Ein interessantes Detail, das mir noch aufgefallen ist: Fritz datiert seine aktuellen Aufzeichnungen mit "II" - für Tag 2, wie ich annehme. Naja, die tatsächliche Jahreszahl weiß er vielleicht nicht mehr so ganz genau...
Viele liebe Grüße
Miramis