Hallihallo,
endlich bin ich auch mit Marie unterwegs in Berlin! Mir hat der Einstieg sehr gut gefallen - und wenn Papyrus hier von einer Buchperle spricht, möchte ich mich spontan anschliessen. Der Sprachstil trifft genau meinen Nerv, obwohl ich mit allzu vielen kurzen Sätzen normalerweise nicht so viel anfangen kann. Aber hier ist die Dosierung genau richtig und erzeugt einen harmonischen Lesefluss. Toll, Dagmar!

Auch die Atmosphäre finde ich sehr gelungen, obwohl wahrscheinlich ein Berliner hier noch wesentlich mehr Wiedererkennungseffekte hat als ich Südstaatlerin. Aber gewissen Ortsnamen sind sogar mir ein Begriff.
Zum Prolog: wie in den meisten Romanen mit Prolog hab ich auch hier den Eindruck eines spannenden Fragments, das seine Rätsel erst im Laufe der Handlung lüften wird. Ich nehme die Szene so zur Kenntnis und krame sie bei passender Gelegenheit wieder hervor - nicht ohne dieses raffinierte Element der summenden Fliege zu erwähnen, die hier eine Art Starthilfe leistet. Dressiert ist sie bestimmt nicht, höchstens in einem literarischen Sinne.

Der Rest des Abschnitts macht uns mit Marie vertraut, der Ich-Erzählerin, mit der ich mich sehr wohl fühle. Dieser Mix aus Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit, was ihren Beruf und ihr Auskommen betrifft, einerseits; andererseits aber auch die liebevolle Hinwendung zu anderen Menschen, die ihr am Herzen liegen, wie zum Beispiel ihr Opa oder auch Fritz, der für sie wohl so etwas wie eine schlechte Gewohnheit ist, die man einfach nicht ablegen kann. Besonders gut hat mir die Szene mit dem missglückten Heiratsantrag gefallen, die ist einfach nur genial.

Aber ich denke auch, für Fritz wirds das wohl gwesen sein, nachdem schon im ersten Abschnitt ein neuer Mann in Maries Leben tritt. Mal sehen, was da noch alles passiert...
Ansonsten habe ich noch kein typisches Krimigefühl; es gibt (noch) kein Verbrechen, keinen Täter, kein Opfer, keinen Ermittler. Dafür aber diese interessante Jagd nach den Groschenheften über Wanda von Brannburg - auch die haben jetzt noch kein Krimigefühl bei mir erzeugt, scheinen aber im Mittelpunkt der weiteren Handlung zu stehen. Eine sehr interessante Figur ist Rose von Reventlow - ich habe sie in Verdacht, ob sie nicht mit der Entstehung der Groschenromane zu tun hat, evt. sogar deren Autorin ist. Der Name Emil Eggert-Breslau könnte ja durchaus ein Pseudonym sein, denn sie hätte nach damaligen Gepflogenheiten wohl kaum ihren Namen unter den Titel setzen können oder dürfen...
Also, der Anfang ist gemacht, ich bin fasziniert und angezogen vor der Geschichte und natürlich gespannt, wie das alles weitergeht. Der grüne Chinese ist ja auch schon aufgetaucht und ich war überrascht, dass es eine Teesorte ist. Ich hätte da mit einer schillernden exotischen Figur gerechnet.... aber gut, ich lasse mich recht gern überraschen.

Viele liebe Grüße
Miramis