Autor Thema: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178  (Gelesen 573 mal)

Offline Miramis

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03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« am: 13. November 2009, 22:08:29 »
Hier könnt ihr von Seite 119 (ab Textabschnitt "25. August 1909") bis einschliesslich Seite 178 posten.

Offline dubh

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Re: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« Antwort #1 am: 18. November 2009, 00:14:17 »
Hallo zusammen,

kann ich hier Klage einreichen? Vor lauter Spannung bin ich in der Badewanne fast gänzlich verschrumpelt! >:( ;D

Eigentlich kann ich zu diesem Abschnitt gar nicht viel schreiben, da ich unbedingt weiterlesen will und sich unzählige Fragen und Spekulationen in meinem Hirn angesammelt haben...

Wanda wird quasi halb entführt. Was planen ihr Onkel und ihre Tante nur? Hansen ist jedenfalls ein sehr sympathischer Kerl, der nach dem Abseilungsakt hier gleich seine nächste große Szene bekommt: er rettet Wanda und die Angestellten des Havelschlößchens vor Einbrechern oder was auch immer. Doch wo stecken Gustav und seine Frau Emmy eigentlich die ganze Zeit? Warum sind sie nie da, wo sie sein wollten? Hansen scheint mir inzwischen mehr als ein bloßer Angestellter zu sein. Vielleicht eine Art Verwalter? Kurzzeitig kam mir sogar die Möglichkeit, er könne irgendwie verwandt (mit Gustav und Emmy) sein, in den Sinn... Aber das ist vermutlich zu viel des Guten! Auf jeden Fall scheinen die Besitzer des Schlößchens ganz schönes Vertrauen in ihn zu haben. Doch warum hat Emmy Wanda beim Abendessen kurz zuvor in Bezug auf den neuen Wohnsitz im Unklaren gelassen bzw. belogen? Was gibt es dort für ein Geheimnis, warum die ganzen Koffer, die Hansen unbedingt mitnehmen muss? Außerdem erwecken die klaren Angaben Gustavs am Telefon irgendwie den Anschein, dass er wusste, was passieren würde...
Wanda und Hansen entkommen also unversehrt, aber ich werde den Verdacht nicht los, dass Otto, Wandas Vater, hinter dem Anschlag stecken könnte! Warum sonst reagiert er (S. 135 ff.) so am Telefon? Von wegen "Was? Gäste? Das geht nicht!" nachdem er seine Tochter zuvor ziemlich deutlich zum Nachhausekommen aufgefordert hat...

Und dann die Kutschenfahrt im Trotteltrab! Ich ahnte das Ziel schon als die Rede von einem Umweg des betrunkenen Kutschers nach Berlin Mitte war! Die Wohnung in der Oranienburger Straße - die Wohnung Rose von Reventlows also... Und die beiden Wohungseigentümer sind wieder nicht da, auch nicht am nächsten Morgen. Ob ihnen etwas zugestoßen ist?
Wanda braucht allerdings erstaunlich lange, bis sie bemerkt in wessen Wohnung sie da gelandet ist - obwohl, sie ist natürlich sehr arglos und bemerkt erst jetzt langsam, dass sie auch von ihrem Onkel und ihrer Tante lange nicht alles erfahren hat. Dazu kommt das Telefonat mit von Dohna! Was in aller Welt hat ihr Vater sich denn da einfallen lassen? Hat er Wanda abgeschrieben und deshalb die Reise mit Emmy vorgelogen? Das deutet ja noch stärker auf eine Verwicklung mit dem Anschlag hin! Unfassbar, der Mann scheint über Leichen zu gehen... Doch nach wie vor habe ich keinen blassen Schimmer, wofür!

Wanda freundet sich langsam aber sicher mit Justus Hansen an! Oder steckt sogar noch mehr dahinter? ;) Sehr sympathisch finde ich sie nach wie vor - sie wird erwachsen, begreift einiges über die Rückständigkeit ihres bisherigen Lebens - Schritt für Schritt, so dass es stets glaubhaft ist. Doch was mich ehrlich erschreckte, war, dass sie doch schon 28 Jahre alt ist! Für damalige Zeiten eher ungewöhnlich, dass sie noch nicht unter der Haube ist. Und auch hier hat mich eine Szene (S. 171) kurz stutzig gemacht: sie betrachtet die Bilder in der Wohnung, unter anderem den Corinth, den wir schon von Rose von Reventlow kennen und überlegt kurz, dass sie Ähnlichkeiten mit dem Mädchen, das gemalt wurde, hat. Könnte sie es nicht wirklich sein? Wie alt sind eigentlich Emmy und Gustav? Einziger Hinweis, den ich bemerkt habe, ist, dass Gustav jünger als Wandas Vater ist. Da Onkel und Tante aber ausgesprochen liebevoll mit Wanda umgehen und auch eigens Zimmer für sie eingerichtet haben, kam mir kurz der Gedanke, ob vielleicht die beiden ihre leiblichen Eltern sein könnten... Okay, vermutlich ein bißchen viel der Spekulation, aber irgendwie irritiert mich das Verhältnis der drei ein wenig. Auch, weil Wanda ja eindeutig im Rettungsplan Gustavs vorkommt oder aber Emmy sie gerne mit nach Amerika mitnehmen möchte (und das hörte sich weniger wie eine Reise, die wenige Wochen dauert, an)...

Ob die vielen Lilien eigentlich eine Bedeutung haben? Vielleicht eine Art Wappenblume oder so ähnlich?

Liebe Grüße
dubh

PS. Marie und ihren Opa habe ich ganz vergessen! Vermutlich weil ich über die Sexszene mit Fritz ungefähr so schockiert war wei hinterher über seinen Abschuß erleichtert... Aber dann wankt sie ja kurzzeitig nochmal - ich hoffe bloß, dass sie bei ihrer Entscheidung bleibt und den Leberwurst-Trottel vor der Tür lässt und lieber Linus küsst! ;D
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Offline Papyrus

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Re: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« Antwort #2 am: 18. November 2009, 09:09:06 »
Ich bin noch nicht ganz durch komme aber wohl irgendwie später zur Arbeit als sonst (ein Hoch auf die Gleitzeit), da ich den Teil um Wanda erst lesen musste. Man ist das spannend!

Jetzt sind für mich alle Zweifel beseitigt, Rose wohnt in dem Schloss von Gustav und Emmy.
In was wird Wanda da nun hineingezogen. Gustav und Emmy beschwören sie -aus geheimnisvoller Ferne- unbedingt in ihrem Schloss zu bleiben, und Wandas Vater drängt sie umgehend nach Hause zu kommen. Dann tauchen plötzlich noch ganz viele Männer auf und dringen in das Schloss in Berlin ein  :o

Aufgefallen ist mir aber der moderne Haushalt von Emmy und Gustav: sie haben ein Telefon, elektrisches Licht und Hansen nennt seinen Vorgesetzten beim Vornamen, dazu geht die ganze Dienerschaft recht locker mit Wanda und wohl auch den "Herrschaften" um. Eine steife Obrigkeit scheint es in diesem Haus nicht zu geben. Dies erscheint mir für diese Zeit sehr ungewöhnlich.
Dazu noch die moderne zeitgenössische Malerei im Salon.

Heute abend lese ich dann hoffentlich den Rest von diesem Abschnitt, die Arbeit ruft  ;D
Lesende Grüße
Papyrus

Offline dubh

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Re: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« Antwort #3 am: 18. November 2009, 10:42:48 »
Aufgefallen ist mir aber der moderne Haushalt von Emmy und Gustav: sie haben ein Telefon, elektrisches Licht und Hansen nennt seinen Vorgesetzten beim Vornamen, dazu geht die ganze Dienerschaft recht locker mit Wanda und wohl auch den "Herrschaften" um. Eine steife Obrigkeit scheint es in diesem Haus nicht zu geben. Dies erscheint mir für diese Zeit sehr ungewöhnlich.
Dazu noch die moderne zeitgenössische Malerei im Salon.

Die Wohnung in der Oranienburger Straße würde ich zu gerne sehen! Und sie scheint ja auch in Rose von Reventlows Besitz durchaus noch den Charme der vergangenen Zeit zu besitzen - vermutlich weitestgehend unverändert. Was mir aber nicht aus dem Kopf geht, ist die Sache mit der älteren Dame und dem Besitzrecht des Hauses. Sie hat keine Urkunde oder einen Kaufvertrag gefunden, bittet ja Marie um eine nochmalige, gründliche Suche. Ist Rose von Reventlow vielleicht kein direkte Nachfahrin von Emmy und Gustav, sondern derer, die sich der Wohnung vielleicht bemächtigt haben? Hm, spannend, spannend.

Liebe Grüße
dubh
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Offline SheRaven

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Re: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« Antwort #4 am: 20. November 2009, 19:51:16 »
Mannomann, ist das spannend! Eigentlich will ich viel lieber weiterlesen als hier zu posten, denn ich habe genauso viele imaginäre Fragezeichen vor meinem inneren Auge wie Wanda!
Ich will wissen, was mit Onkel Gustav und Tante Emmy los ist, wo die beiden sind, warum sie da sind wo sind und warum sie Wanda unbedingt bei sich, bzw. in Hansens Obhut wissen wollen.
Justus Hansen und Wanda - das aus den beiden ein Paar wird glaube ich, seit irgendwo in diesem Abschnitt erwähnt wurde, dass Hansen ein junger Mann ist und er sich immer mehr von dem Typus  "treuer Diener" entfernt.  Denn einfach nur ein normaler Bediensteter scheint er nicht zu sein.

aber ich werde den Verdacht nicht los, dass Otto, Wandas Vater, hinter dem Anschlag stecken könnte! Warum sonst reagiert er (S. 135 ff.) so am Telefon? Von wegen "Was? Gäste? Das geht nicht!" nachdem er seine Tochter zuvor ziemlich deutlich zum Nachhausekommen aufgefordert hat...

Dazu kommt das Telefonat mit von Dohna! Was in aller Welt hat ihr Vater sich denn da einfallen lassen? Hat er Wanda abgeschrieben und deshalb die Reise mit Emmy vorgelogen? Das deutet ja noch stärker auf eine Verwicklung mit dem Anschlag hin! Unfassbar, der Mann scheint über Leichen zu gehen... Doch nach wie vor habe ich keinen blassen Schimmer, wofür!

Wandas Vater scheint wirklich gewusst, oder zumindest geahnt zu haben, dass seine Tochter in dem Schlösschen in Gefahr ist. Allerdings glaube ich nicht, dass er mit dem Anschlag / Überfall wirklich  etwas zu tun hat. Auch weiß er vermutlich mehr über seinen Bruder Gustav und seine Schwägerin Emmy, die für Wanda einfach nur Tante und Onkel sind. Ich vermute Wandas Vater erstmal noch bei den "Guten".
Vielleicht hat der Anschlag etwas mit dem toten amerikanischen Anwalt zu tun?

Die Aussage von von Dohna erkläre ich mir so, dass Wandas Vater vor von Dohna nicht frei sprechen konnte und ihm aus irgendwelchen Gründen nicht mitteilen wollte, dass sich seine Tochter in dem Schlösschen befindet und so die Ausrede mit Wiesbaden erfunden hat.

Und nun will ich endlich wissen wie es weitergeht!  8)
Liebe Grüße
SheRaven

Offline Dagmar S.

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Re: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« Antwort #5 am: 21. November 2009, 00:11:11 »

Hallo, ihr lieben,

jetzt muss ich doch mal was fragen. Was habt ihr nur gegen Wandas Vater? Gut, ich gebe zu, er benimmt sich ein bisschen seltsam. Aber denkt ihr wirklich, er könnte Wanda etwas antun (lassen)? Er liebt seine Tochter, er bewundert sie. Er ist ziemlich erstaunt über ihre Fähigkeiten. Für ihn ist Wanda so eine Art Sohn II.Klasse. Also lieber Wanda als Tochter als gar keinen Sohn.   
Und vielleicht ist er gerade mächtig überfordert durch alles, was gerade so auf ihn einstürmt? Vielleicht kann er nicht alles deuten und lässt sich von den falschen Leuten benutzen? So könnte es ja auch sein. - Aber vielleicht seid ihr anderer Meinung und wollt euch nicht davon abbringen lassen. Na gut, dann hab ich es wenigstens versucht.

Noch was ganz anderes: Ich freue mich wirklich, dass ihr die Beschreibung des Schlösschens und der Berliner Wohnung so richtig genießen könnt. Die habe ich ganz nach meinem Geschmack eingerichtet (wenn ich damals gelebt hätte). Beim Schreiben war mir immer ganz wichtig, dass der Raum "mitspielt", die Einrichtung, die Architektur, die Lilien an den Wänden, bis hin zum Geschirr, das auf den Tischen steht. Alles zusammen ist mehr als nur eine Kulisse, sondern es beschreibt eben auch die Personen, die darin leben. Und manchmal sind hier auch wichtige Indizien versteckt. (Der grüne Chinese!)

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend
Dagmar

 

   

Offline Papyrus

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Re: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« Antwort #6 am: 21. November 2009, 00:30:56 »
Jetzt habe ich den restlichen Abschnitt endlich beendet, es geht ja wirklich hoch her bei Marie und Wanda.

Marie entscheidet sich tatsächlich gegen Fritz? Sehr schön, aber sollte er sich tatsächlich Sorgen um ihr nächtliches Fernbleiben gemacht haben? Was schickt er sie auch nachts zur Apotheke. Selber Schuld, Fritz. Opa ging ja sehr ruhig mit Maries Entscheidung um, ich habe mit einer gröberen Reaktion gegen Fritz gerechnet.

Jetzt sind für mich alle Zweifel beseitigt, Rose wohnt in dem Schloss von Gustav und Emmy.
Da war ich wohl auf dem Holzweg, betreten Hansen und Wanda doch wohl jetzt erst in Berlin die Wohnung, die Rose nun bewohnt, aber die ganzen Lilien und Bilder, da muss man ja durcheinander kommen  :)
Es ist aber wirklich alles sehr mysteriös. Onkel und Tante sind immer noch nicht da, Hansen wird als Herr angesprochen und tappt mit Marie im Dunkeln.
Und was für eine Fotografie hat Wanda so verschreckt? Und wieso trinkt Rose den gleichen grünen Chinesen wie Wanda gut 100 Jahre zuvor? Zufall?

Warum erzählt Wandas Vater sie sei unterwegs nach Wiesbaden? In was bitte ist die Familie da verstrickt? Ich weiß zur Zeit nicht, wer auf welcher Seite steht. Geheimnisvoll verhält sich der Vater genauso wie der Onkel  ::)

Und Wanda ist tatsächlich schon 28 Jahre alt? Ich hatte sie mir jünger vorgestellt.

Wanda freundet sich langsam aber sicher mit Justus Hansen an! Oder steckt sogar noch mehr dahinter? ;) Sehr sympathisch finde ich sie nach wie vor - sie wird erwachsen, begreift einiges über die Rückständigkeit ihres bisherigen Lebens -
Ja, Hansen und Wanda. Ich glaub die beiden mögen sich sehr...
An der Rückständigkeit ihres bisherigen Lebens ist ihr Vater ja nicht ganz unschuldig, scheint er doch etwas gegen die modernen Dinge zu haben.

PS. Marie und ihren Opa habe ich ganz vergessen! Vermutlich weil ich über die Sexszene mit Fritz ungefähr so schockiert war
Och, hat doch nur 5 Minuten gedauert  ;D
Lesende Grüße
Papyrus

Offline Elfe

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Re: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« Antwort #7 am: 22. November 2009, 18:32:55 »

Hallo, ihr lieben,

jetzt muss ich doch mal was fragen. Was habt ihr nur gegen Wandas Vater? Gut, ich gebe zu, er benimmt sich ein bisschen seltsam. Aber denkt ihr wirklich, er könnte Wanda etwas antun (lassen)?

   

Ja, doch ich finde schon, dass Wandas Vater sich am Telefon äußerst seltsam verhält. Er verlangt so energisch, dass sie "sofort " dach Hause kommt. Dies wirkt, besonders im Hinblick auf den sich so fast unmittelbar nachfolgenden Überfall auf das Schloss, schon mehr als dubios. Dazu kommt noch, dass er sehr eigenartig auf Wandas kleine Lüge reagiert, dass Emmy eine kleine Gesellschaft gibt: "Was? Gäste? Das geht nicht!" - Weiß er, dass sie gar nicht anwesend ist? Weiß er, was dort in den nächsten Stunden geschehen wird? Er will ihr nicht schaden, nein, im Gegenteil, er will sie aus der sich anbahnenden Katastrophe raus halten.
Unverständlich aber auch, warum er gegenüber Dohna vorgibt, sie sei mit Emmy nach Wiesbaden gereist.

Interessant finde ich, dass Wanda, so selbständig sie auch entscheiden möchte, sich doch immer noch wie eine "höhere Tochter" verhält. Sie wehrt sich nicht, bzw. hinterfragt gar nicht, warum sie in das Schloß Havelhöhe gebracht wird.

Schön finde ich auch, wie hier die Unterschiede in den gesellschaftlichen Gepflogenheiten der beiden Schlösser geschildert werden. Steif und an den Konventionen ausgerichtet in Branndenburg ( "nie vor dem Personal"). Hier wird auch noch als Strafe eine stundenweise Verbannung ins Nähzimmer praktiziert, zum Nähen von Weißwäsche.

Auf Havelöhe dagegen eher modern, der Chauffeur sitzt mit am Esstisch. Verwunderlich aber auch, dass Hansen seinen Brötchengeber duzt und dass er bei der Flucht mit der Sicherstellung von Koffern mit wertvollem Inhalt betraut wurde.

Auffällig auch, dass Hansen bei deren Flucht nach Berlin, wo die Koffer hin gebracht werden sollen, Wanda inzwischen auch beim Vornamen  nennt. Auffällig auch, dass er die Wohnung von Gustav und Emmy kennt, von der sonst niemand weiß, und in der Hansen als "der junge Herr Hansen" bekannt ist.
Auffällig weiter, dass Wanda Justus zu ihrem eigenen Erstaunen plötzlich "Justus" nennt, ihn duzt und, elektrisiert durch zufällige Berührungen, ihn mit einem mal nicht mehr als Personal, sondern als Mann wahrnimmt.

Am Ende dieser Seiten hat sich die Frage nach dem Verbleib von Gustav und Emmy nur noch verstärkt. Die Spannung steigt.

Dagmar, ich finde es immer wieder schön, wie du über Dinge schreibst, die für unsere Zeit selbstverständlich sind,die aber damals als neumodische Erfindungen erst ihren Weg in den Alltag finden mussten (Automobile- die Tin Lizzy, Telefon- Wandas erster Umgang mit einem Telefon), oder aber auch die Probleme, die beim An-und Ausziehen der Rückwärtig geknöpften Damenblusen entstehen. Köstlich!!!



Grüßchen
Elfe

Offline SheRaven

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Re: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« Antwort #8 am: 22. November 2009, 21:07:48 »

Interessant finde ich, dass Wanda, so selbständig sie auch entscheiden möchte, sich doch immer noch wie eine "höhere Tochter" verhält. Sie wehrt sich nicht, bzw. hinterfragt gar nicht, warum sie in das Schloß Havelhöhe gebracht wird.


Wanda verhält sich so, wie sie es gelernt hat.  Wenn sie sich jetzt auf einmal total selbstständig verhalten würde, wäre das in meinen Augen unglaubwürdig. Denn auch wenn der Wunsch nach Selbstständigkeit bei ihr groß ist, hat sie sie doch noch nie kennen gelernt. Eigenständigkeit muss sie erst lernen - der Wille ist da.
Liebe Grüße
SheRaven

Offline Elfe

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Re: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« Antwort #9 am: 23. November 2009, 00:36:42 »

Interessant finde ich, dass Wanda, so selbständig sie auch entscheiden möchte, sich doch immer noch wie eine "höhere Tochter" verhält. Sie wehrt sich nicht, bzw. hinterfragt gar nicht, warum sie in das Schloß Havelhöhe gebracht wird.


Wanda verhält sich so, wie sie es gelernt hat.  Wenn sie sich jetzt auf einmal total selbstständig verhalten würde, wäre das in meinen Augen unglaubwürdig. Denn auch wenn der Wunsch nach Selbstständigkeit bei ihr groß ist, hat sie sie doch noch nie kennen gelernt. Eigenständigkeit muss sie erst lernen - der Wille ist da.

Bei der Selbständigkeit im Bezug auf den von ihr gewählten Lebensstil mag das ja zutreffen, aber was hindert sie groß dran eine Frage zu stellen? Zumal die Anwort ja nicht von ihrem Vater käme, vor dem sie allergrößten Respekt hat. Im Gegenteil, sie erlebt Havelhöhe ja als ganz anders. Außerdem reagiert sie doch sehr schnell auf Justus , sie nähert sich ihm, obwohl er nicht ihres Standes ist, es ist also nicht nur der Wille da, sondern auch die Fähigkeit. Und diese simple Frage hätte ich ihr absolut zugetraut.
Grüßchen
Elfe

Offline dubh

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Re: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« Antwort #10 am: 23. November 2009, 22:47:19 »
Ja, doch ich finde schon, dass Wandas Vater sich am Telefon äußerst seltsam verhält. Er verlangt so energisch, dass sie "sofort " dach Hause kommt. Dies wirkt, besonders im Hinblick auf den sich so fast unmittelbar nachfolgenden Überfall auf das Schloss, schon mehr als dubios. Dazu kommt noch, dass er sehr eigenartig auf Wandas kleine Lüge reagiert, dass Emmy eine kleine Gesellschaft gibt: "Was? Gäste? Das geht nicht!"

Also ich hatte auch das starke Gefühl, dass der Vater Wandas sehr wohl ahnt oder sogar weiß, was sich in den kommenden Stunden im Havelschlößchen (und vielleicht auch anderswo ;)) abspielt und deshalb so erschreckt! Sicherlich will er nicht, dass seine Tochter zu Schaden kommt, aber bei anderen Personen nimmt er das wohl billigend in Kauf, oder wie? Und er unternimmt ja nun auch nicht wirklich etwas um seine Erbin vom Ort des Geschehens zu entfernen... Hm, ich weiß nicht.

Zitat
Schön finde ich auch, wie hier die Unterschiede in den gesellschaftlichen Gepflogenheiten der beiden Schlösser geschildert werden. Steif und an den Konventionen ausgerichtet in Branndenburg ( "nie vor dem Personal").

Ja, Gustav und Emmy sind schon sehr modern und fortschrittlich - Wandas Eltern hingegen das glatte Gegenteil. Vermutlich kommt da Dagmars Einwand zum tragen: Otto und seine Frau haben Angst vor Veränderungen, Angst vor technischen Neuerungen...

Zitat
Auf Havelöhe dagegen eher modern, der Chauffeur sitzt mit am Esstisch. Verwunderlich aber auch, dass Hansen seinen Brötchengeber duzt und dass er bei der Flucht mit der Sicherstellung von Koffern mit wertvollem Inhalt betraut wurde.

Auffällig auch, dass Hansen bei deren Flucht nach Berlin, wo die Koffer hin gebracht werden sollen, Wanda inzwischen auch beim Vornamen  nennt. Auffällig auch, dass er die Wohnung von Gustav und Emmy kennt, von der sonst niemand weiß, und in der Hansen als "der junge Herr Hansen" bekannt ist.

Vielleicht steckt hinter Justus Hansen ja doch mehr als der Chauffeur und Privatsekretär von Gustav und Emmy...


Liebe Grüße
dubh
Menschen sind senkrechte Schweine. Edgar Allan Poe

Offline Miramis

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Re: 03 - Der grüne Chinese - Seite 119 bis Seite 178
« Antwort #11 am: 13. Januar 2010, 18:43:07 »
Dieser Abschnitt ist ganz schön actionreich. Wanda wird aus dem Kunstunterricht herausgeholt und ab da geht es mächtig zur Sache. Hansen ist offenbar doch ein wenig mehr als nur Chauffeur, so eine Art Privatsekretär. Wanda führt das erste Telefonat ihres Lebens, das fand ich eine tolle Szene. Das Schloss gefällt mir ausnehmend gut - nicht so ein unübersehbarer Prunkbau wie in Branndenburg, sondern klein, aber fein, und mit den modernsten Mitteln dieser Zeit ausgestattet. Dass es in die Luft geht, tat mir unendlich leid.... :(

Wenigstens konnten sich Wanda und Hansen retten - traurig genug, dass nicht alle vom Personal überleben. Oh je, da wird die junge unbedarfte Baronesse aber ganz schön plötzlich von widrigen Ereignissen überrollt - ob sie dem standhält? Sie scheint ja eine recht robuste Person zu sein, auch wenn ihr Ängste ganz gut rüberkommen. Was wohl in Emmys Koffer verborgen ist?

Das war mir auch sehr schnell klar, dass die Wohnung in Berlin, in der Wanda und Hansen landen, die gleiche Wohnung ist, in der nun Rose von Reventlow residiert. Eine tolle Verknüpfung, auf die ich mir aber noch keinen Reim machen konnte.

Marie und Fritz, diese Szene hat mir ein paar Schmunzler entlockt - was ist das nur für eine seltsame Konstellation. Die beiden passen doch überhaupt nicht zusammen. Hihi, auf dem Weg zur Apotheke läuft sie Linus in die Arme, wie genial. Da ist der Fritz gleich mal abgehakt - und morgens werden Tatsachen geschaffen.  ;D Recht so.