Autor Thema: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)  (Gelesen 5270 mal)

Offline Iris Kammerer

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #30 am: 21. August 2009, 17:48:21 »
Hallo, mohan!

Die neuere deutschsprachige Bezeichnung für den „Praefectus castrorum“ ist der Lagerkommandant. Wurde dieser Begriff nicht gewählt, weil problematische semantische Schwingungen enthalten sein können? Dafür hätte ich allerdings Verständnis, kann es aber als Nicht-Deutscher nicht wirklich beurteilen.
Der praefectus castrorum ist -- militärisch gesehen! -- schlichtweg kein Lagerkommandant, die Aufgabenbereiche decken sich nur teilweise. Das schafft falsche Konnotationen bei Lesern, die davon ein bisschen was verstehen. Deshalb mag ich solche faulen Übersetzungsvorschläge in Lexika auch gar nicht: Es wird schlichtweg etwas Falsches suggeriert.
Wenn im Roman ein als Lagerkommandant bezeichneter praefectus castrorum etwas täte, was ein heutiger Lagerkommandant nun mal nicht darf oder kann oder muss, dann wird es der Autorin angelastet, Mist zu erzählen.  ;)

Ich bin regelmäßig total genervt, wenn ich englische historische Romane lese, die in der Antike spielen und in denen von "generals", "commanders" und "sergeants" die Rede ist. Natürlich muss man gewissermaßen immer auf einen Sprachstand rekurrieren, der mit der Entstehung der (neuhoch)deutschen Schriftsprache im 16./17. Jh. aufkam. D.h. ganz antik (oder ganz mittelalterlich) kann man nie schreiben. Aber diese Modernismen sorgen erfahrungsgemäß für mehr Verwirrung als jedes Kunstwort.  :)
Liebe Grüße,
    Iris
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Offline Imlammenien

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #31 am: 21. August 2009, 18:24:11 »
Ich persönlich liebe fremdsprachige Originalzitate. Und die Diskussion um die Frage "Personenregister vorne oder hinten" erlebe ich jetzt zum ersten Mal -- und das beim fünften Roman. Für das Glossar muss man schließlich auch nach hinten blättern. Ich habe die Zusatzinformationen eigentlich immer gerne gesammelt, und da wäre es ziemlich unpraktisch, vorne erst einmal 40 Seiten Glossar etc. blättern zu müssen, bevor der Roman anfängt.  ;)

Dramatisch finde ich es jetzt nicht, dass das Personenregister hinten ist. Zumindest nicht, nachdem ich es einmal entdeckt hatte.  ;D
Bei deinen übrigen Romanen habe ich auf dieses "Zusatzfeature" wohl nicht zurückgreifen müssen, denn ich kann mich nicht einmal mehr erinnern, dass sich das Register im hinteren Teil des Buches befunden hätte.
Das Glossar im hinteren Teil finde ich passend. Vorne, das siehst du genau wie ich, würde es doch eher stören.

Aber wie gesagt, wo nun das Register ist, ist Geschmackssache. Ob ich nach vorne oder nach hinten blättere, ist prinzipiell egal - wenn ich weiß, dass es überhaupt Sinn hat  nach Aufklärung auf den ersten bzw. letzten Seiten zu suchen. 
Und ich habe einfach das Gefühl, dass das Personenregister im vorderen Teil des Buches weniger leicht übersehen wird. :)

Geez,
Imlammenien

Offline mohan

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #32 am: 21. August 2009, 19:29:08 »
Hallo, mohan!

Die neuere deutschsprachige Bezeichnung für den „Praefectus castrorum“ ist der Lagerkommandant. Wurde dieser Begriff nicht gewählt, weil problematische semantische Schwingungen enthalten sein können? Dafür hätte ich allerdings Verständnis, kann es aber als Nicht-Deutscher nicht wirklich beurteilen.
Der praefectus castrorum ist -- militärisch gesehen! -- schlichtweg kein Lagerkommandant, die Aufgabenbereiche decken sich nur teilweise. Das schafft falsche Konnotationen bei Lesern, die davon ein bisschen was verstehen. Deshalb mag ich solche faulen Übersetzungsvorschläge in Lexika auch gar nicht: Es wird schlichtweg etwas Falsches suggeriert.
Wenn im Roman ein als Lagerkommandant bezeichneter praefectus castrorum etwas täte, was ein heutiger Lagerkommandant nun mal nicht darf oder kann oder muss, dann wird es der Autorin angelastet, Mist zu erzählen.  ;)

Ich bin regelmäßig total genervt, wenn ich englische historische Romane lese, die in der Antike spielen und in denen von "generals", "commanders" und "sergeants" die Rede ist. Natürlich muss man gewissermaßen immer auf einen Sprachstand rekurrieren, der mit der Entstehung der (neuhoch)deutschen Schriftsprache im 16./17. Jh. aufkam. D.h. ganz antik (oder ganz mittelalterlich) kann man nie schreiben. Aber diese Modernismen sorgen erfahrungsgemäß für mehr Verwirrung als jedes Kunstwort.  :)


Verwirrt bin ich in der Tat, will aber auch nicht wild darauf herumreiten. Ich verstehe es einfach nicht. Im Lateinunterricht habe ich den "Praefectus castrorum" in dieser Bedeutung kennengelernt und ihn noch so im Gedächtnis, weil es erst wenige Jahre her ist. Schaue ich im Netz nach, geben ihn die deutschen und internationalen Wikipedia-Einträge so aus, außerdem verschiedene akademische Lexika. Im Druck z.B. übersetzt und erklärt Robert Grosse so in seiner Römischen Militärgeschichte. Das soll nicht heißen, dass ich die obige Erklärung in Frage stellen will.
Da ich in diesen Dingen mich nicht auskenne, werde ich sie im Weiteren nur zur Kenntnis nehmen. Es irritiert mich sonst nur noch mehr. Schließlich ist dies mein erster historischer Roman, weshalb ich zu den englischen historischen Romanen gar nichts sagen kann.

Offline Iris Kammerer

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #33 am: 21. August 2009, 20:40:39 »
Hallo, mohan!

Verwirrung hin oder her :) -- dass ich mich entschieden habe, nicht die üblichen Wikipedia-, Georges-, Stowasser- und Langenscheidt-Vorschläge zu nehmen, entsprang keiner Laune, sondern ist Ergebnis langer Überlegungen, wie ich die falschen Konnotationen und Missverständnisse vermeiden kann, ohne manieristische Kursivsetzungen einzusetzen, und einigen Gesprächen auch mit meinen damaligen Lektorinnen. Ich hab das Fach mal richtig studiert und schau auch heute lieber in die Originalquellen und arbeite mich in den aktuellen Forschungsstand ein, anstatt mich auf Sachbücher und Wörterbücher zu verlassen.

Lexikoneinträge sind immer Konzessionen, speziell wenn es um Übersetzungen geht. Und sobald es um Lexika geht, die in der Schule benutzt werden, wird es ganz schlimm. Es ist eine der großen verwirrenden Erfahrungen, die man in den ersten Semestern eines Studium (früher?) macht(e), dass  plötzlich nichts mehr so klar und eindeutig ist, wie man als Abiturient zu wissen glaubte.  :)

"Kommandant" gilt gemeinhin als ein derart schwammiger Begriff, dass er blind eingesetzt wird, wo nichts anderes zu passen scheint. Tatsächlich bedeutet "Kommandant" "Befehlshaber" (= "der, der kommandiert"); es stammt noch aus dem Französischen ("commander"), wo es aus dem früh-romanischen (d.h. einer aus dem Volkslateinischen und Resten der gallischen Volkssprache entstandenen Sprache) hergeleitet worden war. Die ursprüngliche Bedeutung commandare bzw. commendare (= cum + manus + dare) lautet "Weisung geben, befehlen". Es handelt sich von Anfang an um einen Rang, der nichts mehr mit der Rangstruktur des römischen Heeres zu tun hat.

Wenn "Kommandant" allerdings "Befehlshaber" bedeutet, dann haut die Übersetzung "Lagerkommandant" nicht hin; denn der praefectus castrorum ist erst dann Befehlshaber der Legion, zu der er gehört, wenn sowohl der legatus legionis (der eigentliche "commander") und der tribunus laticlavius (senatorischer Tribun, der eigentliche "lieutenant commander", d.h. der stellvertretende Kommandant) nicht zur Verfügung stehen. Tatsächlich ist ein praefectus castrotum  Verwaltungschef und Quartiermeister in einer Person. Dafür gibt es im Deutschen ohnehin keine Entsprechung.

Grosses Werk wird selbstverständlich als Kompendium noch an der Uni genutzt, ist allerdings mit Vorsicht zu genießen und in weiten Teilen auch überholt. Es stammt immerhin von 1920, und seitdem hat sich viel getan. Außerdem behandelt es (Titel: Römische Militärgeschichte von Gallienus bis zum Beginn der byzantinischen Tehmenverfassung - Link zu GoogleBooks) die Zustände zwischen dem 4. und dem 7. Jh. n. Chr.  Das ist eine ganze Weile nach Varus. :)

Nichts für ungut...  :)
« Letzte Änderung: 21. August 2009, 20:42:33 von Iris Kammerer »
Liebe Grüße,
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Offline Yklamyley

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #34 am: 22. August 2009, 15:08:22 »
Auf ins Getümmel!  8)

Hallo liebe Leserunde und liebe Iris!

Ich melde mich leider erst jetzt, da mir der Einstieg in das Buch zunächst nicht ganz leicht gefallen ist! So in der Mitte des 2. Kapitels hat sich dieser Umstand allerdings schlagartig geändert und ich bin doch noch in der Geschichte gelandet, so sehr, dass ich jetzt lieber weiterlesen würde als hier zu posten  :D

Zur Frage der Originalzitate: Ich habe, bevor ich überhaupt nachgesehen habe, ob es irgendwo eine Übersetzung gibt (denn wenn sie nicht darunter steht, suche ich natürlich nicht danach  :-\ ), das Zitat selber versucht zu übersetzen. Vier Jahre (nahezu) Lateinabstinenz sind zwar stark zu spüren, aber immerhin habe ich verstanden, dass Varus ein kluger Mann aus nobler Familie war  ;)  Ich kann da Iris nur zustimmen:
Ich persönlich liebe fremdsprachige Originalzitate.
Auch wenn ich die Sprache gar nicht verstehe, stacheln mich solche Zitate vielleicht an, etwas über den Zitierten herauszufinden, eine Übersetzung zu suchen, etc.  Besser kann man sich doch nicht bilden  ;)

Ad Personenregister: Ich meide derartige Register generell, egal ob sie hinten oder vorne stehen. Zu oft ist es mir schon passiert, dass gegebene Informationen weit über meinen Informationsstand hinausreichten. Mein Personenregister wird, wenn von Nöten, selbst erstellt, und dann während des Lesens mit Wissenswertem gespeist.

Zu den Namen: Herzlichen Dank für die ausführliche Erläuterung rund um den Namen Thiudgif!  :-* Ich bin, sofern ich nicht weiß, an welche Ausspracheregeln ich mich halten soll, in solchen Fällen sehr nachlässig und wähle die für mich wohlklingendste Form. Bei Thuidgif war das gar nicht so leicht, der Name ist weder für meine Ohren noch Augen wirklich schön, die armen Germanen  :D
Mit den Römern dagegen hatte ich keine Probleme, 6 Jahre Latein  haben da doch ganz eindeutig Spuren hinterlassen...
Nur eine Frage: Nachdem Rufus "der Rothaarige" ist, schätze ich, dass Rufilla dasselbe bedeutet, oder? (Ich hoffe, dass ich das nicht einfach überlesen hab... :-[)

Ad Varusschlacht:  Wie oben erwähnt hatte ich ja lange, lange Jahre Latein, demzufolge kenne ich natürlich sowohl die Varusschlacht als auch ihren Ausgang. Wen wir damals übersetzt haben, weiß ich nicht mehr so genau, entweder Sueton oder Tacitus. Um das etwas verstaubte Wissen wieder aufzufrischen, habe ich ebenfalls den Wikipedia - Artikel gelesen, rate aber jedem, der sich nicht mehr allzu ausführlich daran erinnern kann oder nichts über die Ereignisse weiß, davon ab. Namen, die einst nur bloße Namen waren, haben sich jetzt mit der Vorstellung einer Figur gefüllt und so hat ihr Schicksal jetzt auch eine andere Bedeutung als sonst, wo diese "Nebencharaktere" nie Gestalt und Farbe besessen haben.  :(

Zu den Bezeichnungen der militärischen Ränge: Ich verstehe die Argumentation zwar, mir wären die rein lateinischen Begriffe aber lieber gewesen. Ein Leser, der sich damit nicht auskennt, kann sich ja ohne weiteres informieren. Auf die Faulheit des Lesers sollte man keine Rücksicht nehmen müssen... Der "Lagerpraefect" stört mich dabei gar nicht so, nur der "Gefreite" klingt jedesmal falsch. Für den "Soldaten" hat sich außerdem doch "Legionär" eingebürgert, das würde jeder verstehen und meiner Meinung nach ist die Bezeichnung viel passender, da der Begriff bei mir als Leser eine andere Vorstellung erzeugt...

Einen mir bekannten Satz Senecas konnte ich auch entdecken
Zitat
"Ich werde kein Urteil fällen, ohne die andere Seite gehört zu haben", verkündete er.
=> "Audiatur et altera pars"
Manche derartigen lateinischen Wendungen habe ich immer noch im Ohr, auch das "Redde legiones!"  ;)


Also dann, auf bald!  :)
 

Man ruft einen Namen am Halbengelsee: / "Yklamyley! Yklamyley!
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Offline apassionata

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #35 am: 22. August 2009, 15:32:00 »
Da die Frage nach Annius' Alter aufkam:
Bei Lesungen muss ich die wichtigsten Figuren ja vorstellen. Über Annius z.B. erzähle ich, dass er der Sohn eines wohlhabenden Weinhändlers aus Tarraco (h. Tarragona) ist, der sich als junger Bursch von 16, 17 Jahren mit seinem Vater überwarf und dann dem Lockruf der Armee nach Freiheit und Abenteuer nicht widerstehen konnte.  Seine Dienstzeit auf dem Balkan verlief zunächst ruhig bis zum Pannonischen Aufstand (6 - 9 n.Chr.). In den auf beiden Seiten mit äußerster Härte geführten Kämpfen wurde er schließlich schwer verletzt und war nicht mehr feldtauglich; allerdings hat ihm die Verletzung eine Beförderung eingebracht, und da er als Händlersohn Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt hat, ermöglichte ihm das den Stabsdienst.
Er hat 18 von den üblichen 20 festen Dienstjahren (zzgl. 5 Jahren Veteranendienstzeit) abgeleistet, d.h. bei einem Rekrutierungsalter von 17 Jahren ist er jetzt Mitte 30.

Wollte nur eben noch ganz kurz vermelden, dass ich mich mit dem von dir angeführten Alten des Annius, nun auch beim Lesen viel wohler fühle.
Keine Ahnung weshalb ich ihn mir zuerst um einiges älter vorgestellt hatte. Vielleicht dachte ich an einen alten, verstaubten Schreiber.  ::) Doch dies passte natürlich nicht ins Bild. Nun aber hab ich meinen "Frieden" mit meinen Fantasiebildern im Kopfkino machen können.  ;)
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Offline Iris Kammerer

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #36 am: 22. August 2009, 16:19:10 »
Hallo, Yklamyley!

Nur eine Frage: Nachdem Rufus "der Rothaarige" ist, schätze ich, dass Rufilla dasselbe bedeutet, oder? (Ich hoffe, dass ich das nicht einfach überlesen hab... :-[)
Stimmt! Genau genommen heißt es so etwas wie "Rotschöpfchen", die Verniedlichung ist bei Mädchen (man beachte: Mäd-chen!) häufig: Lucilla, Priscilla, Iulilla, Livilla ...  :)

Zitat
Namen, die einst nur bloße Namen waren, haben sich jetzt mit der Vorstellung einer Figur gefüllt und so hat ihr Schicksal jetzt auch eine andere Bedeutung als sonst, wo diese "Nebencharaktere" nie Gestalt und Farbe besessen haben.  :(
So war es eigentlich auch gedacht ...


Zitat
Ich verstehe die Argumentation zwar, mir wären die rein lateinischen Begriffe aber lieber gewesen. Ein Leser, der sich damit nicht auskennt, kann sich ja ohne weiteres informieren.  Auf die Faulheit des Lesers sollte man keine Rücksicht nehmen müssen...
Das Problem war weniger Rücksichtnahme auf "faule Leser"  :o, sondern mehr das Problem, dass man Wörter in Sätzen gelegentlich deklinieren muss -- und das kann im Deutschen bei auf -us auslautenden Wörtern ziemlich hölzern klingen. Speziell im Plural: was dann? Nehme ich den lateinischen Plural, steht der Nichtlateiner auf dem Schlauch; zerdeutsche ich es, wird es tw. echt albern: "Beneficariusse", "Praefectusse".  :D


Zitat
Der "Lagerpraefect" stört mich dabei gar nicht so, nur der "Gefreite" klingt jedesmal falsch.
Immunis (=Nichtdienstler, d.h. vom Schanzdienst Befreiter) heißt allerdings schon vom Wort her nichts anderes und beschreibt genau den gleichen Dienstgrad. Und wieder hätte ich das Problem mit dem Plural: "Immunes" oder "Immunisse"?  ;)


Zitat
Für den "Soldaten" hat sich außerdem doch "Legionär" eingebürgert, das würde jeder verstehen und meiner Meinung nach ist die Bezeichnung viel passender, da der Begriff bei mir als Leser eine andere Vorstellung erzeugt...
Die grundsätzliche Bezeichnung für Soldat lautet allerdings miles, das dem zur Legion gehörigen  Soldaten beigegebene Adjektiv legionarius wird in der lateinischen Literatur nicht oft gebraucht, eigentlich nur, wenn Soldaten ausdrücklich als (milites) legionarii, d.h. Legionssoldaten, von (milites) auxiliares, d.h. Hilfstruppensoldaten, unterschieden werden müssen. Da übernehme ich eigentlich nur den damaligen Sprachgebrauch.
Dass Soldat sprachlich gesehen "besoldet" heißt, stört dabei nicht, da zur Kaiserzeit alle Soldaten Sold bezogen (das Wort leitet sich übrigens von einer römischen Goldwährung namens Solidus ab, die von Konstantin I. eingeführt wurde und noch im MA verwendet wurde -- > Wikpedia-Artikel).

Zitat
Einen mir bekannten Satz Senecas konnte ich auch entdecken
Zitat
"Ich werde kein Urteil fällen, ohne die andere Seite gehört zu haben", verkündete er.
=> "Audiatur et altera pars"
In dieser Form ist der Satz allerdings aus der Antike nicht überliefert. Bei Seneca steht:
qui statuit aliquid parte inaudita altera,
aequum licet statuerit, haud aequus fuit.
  (Medea 199)
("Wer etwas bestimmt, ohne dass die andere Seite gehört wurde, / mag er auch gerecht bestimmen -- er ist nicht gerecht.")

Nichtsdestotrotz spiegelt sich dieser Rechtsgrundsatz seit der Republik in der römischen Gerichtsbarkeit: Richter mussten sich vor der Urteilsbildung alle an der Sache Beteiligten anhören. Natürlich gab es unter bestimmten politischen Umständen und vor allem in der Kaiserzeit Prozesse, in denen diese Regel ignoriert wurde (speziell Prozesse de maiestate, d.h. wegen Majestätsverletzung/Unbotmäßigkeit), aber die wurden zumindest in gebildeteren Kreisen als Schauprozesse kritisiert.
Liebe Grüße,
    Iris
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Offline nerolaan

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #37 am: 22. August 2009, 23:35:23 »
Um euch mit Thiudgif weiterzuhelfen (euch geht 's doch eigentlich genau wie Annius, oder?  ;) ):
-th- entspricht dem englischen -th- bzw. dem isländischen -Þ- und das nachgestellte -i- ist eine sogenannte Jotierung. quasi isländisch geschrieben: Þjudgif.
Was heute ein Zungenbrecher ist, wenn man es nicht gerade mit dem Englischen oder Isländischen hat, war damals eine ganz gewöhnliche Lautkombination für Germanen -- allerdings nicht für Römer!  ;D

Woah, die Aussprache ist aber selbst für geübte Anglisten (die Altenglisch lernen müssen) auch nicht gerade leicht...ich verknote mir hier grade ein wenig die Zunge  :D

Offline Imlammenien

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #38 am: 23. August 2009, 10:48:44 »
Um euch mit Thiudgif weiterzuhelfen (euch geht 's doch eigentlich genau wie Annius, oder?  ;) ):
-th- entspricht dem englischen -th- bzw. dem isländischen -Þ- und das nachgestellte -i- ist eine sogenannte Jotierung. quasi isländisch geschrieben: Þjudgif.
Was heute ein Zungenbrecher ist, wenn man es nicht gerade mit dem Englischen oder Isländischen hat, war damals eine ganz gewöhnliche Lautkombination für Germanen -- allerdings nicht für Römer!  ;D

Woah, die Aussprache ist aber selbst für geübte Anglisten (die Altenglisch lernen müssen) auch nicht gerade leicht...ich verknote mir hier grade ein wenig die Zunge  :D

Womit wir dann wohl alle mit Annius mitfühlen können. Und ihm gar nicht mehr soooo böse sind, dass er das Mädchen Rufilla nennt...  ;)

Offline apassionata

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #39 am: 23. August 2009, 11:09:17 »
Um euch mit Thiudgif weiterzuhelfen (euch geht 's doch eigentlich genau wie Annius, oder?  ;) ):
-th- entspricht dem englischen -th- bzw. dem isländischen -Þ- und das nachgestellte -i- ist eine sogenannte Jotierung. quasi isländisch geschrieben: Þjudgif.
Was heute ein Zungenbrecher ist, wenn man es nicht gerade mit dem Englischen oder Isländischen hat, war damals eine ganz gewöhnliche Lautkombination für Germanen -- allerdings nicht für Römer!  ;D

Woah, die Aussprache ist aber selbst für geübte Anglisten (die Altenglisch lernen müssen) auch nicht gerade leicht...ich verknote mir hier grade ein wenig die Zunge  :D

Womit wir dann wohl alle mit Annius mitfühlen können. Und ihm gar nicht mehr soooo böse sind, dass er das Mädchen Rufilla nennt...  ;)

Stimmt.  ;D
Ich breche mir auch gerade die Zunge...
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline nerolaan

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #40 am: 23. August 2009, 12:49:34 »
Sollte ich mal jemanden von dem Buch erzählen, werd ich sie wohl auch Rufilla nennen  ;)

Offline Imlammenien

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #41 am: 23. August 2009, 16:03:51 »
Sollte ich mal jemanden von dem Buch erzählen, werd ich sie wohl auch Rufilla nennen  ;)
Besser ist das!  :D ;D

Offline Iris Kammerer

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #42 am: 23. August 2009, 16:11:38 »
Ich hab eigentlich keine Probleme damit. Schließlich muss ich ja Lesungen bestreiten.  :)

Die Leute sind immer viel erstaunter, wenn ich alle -C- in den römischen Namen als -K- ausspreche.  ;)
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Offline Yklamyley

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #43 am: 23. August 2009, 16:26:34 »
Hallo zusammen!  :)

Zitat
Ich verstehe die Argumentation zwar, mir wären die rein lateinischen Begriffe aber lieber gewesen. Ein Leser, der sich damit nicht auskennt, kann sich ja ohne weiteres informieren.  Auf die Faulheit des Lesers sollte man keine Rücksicht nehmen müssen...
Das Problem war weniger Rücksichtnahme auf "faule Leser"  :o, sondern mehr das Problem, dass man Wörter in Sätzen gelegentlich deklinieren muss -- und das kann im Deutschen bei auf -us auslautenden Wörtern ziemlich hölzern klingen. Speziell im Plural: was dann? Nehme ich den lateinischen Plural, steht der Nichtlateiner auf dem Schlauch; zerdeutsche ich es, wird es tw. echt albern: "Beneficariusse", "Praefectusse".  :D
Mich zumindest würde ein lateinischer Plural nicht stören und ich denke, dass auch Nichtlateiner dies verstehen könnten. Aber natürlich liegt die Entscheidung da bei dir! Oder aber mischt sich das Lektorat in eine derartige Entscheidung auch ein?

Zitat
Der "Lagerpraefect" stört mich dabei gar nicht so, nur der "Gefreite" klingt jedesmal falsch.
Immunis (=Nichtdienstler, d.h. vom Schanzdienst Befreiter) heißt allerdings schon vom Wort her nichts anderes und beschreibt genau den gleichen Dienstgrad. Und wieder hätte ich das Problem mit dem Plural: "Immunes" oder "Immunisse"?  ;)
Ich gebe zu, in meiner Leserkarriere nur eine sehr beschränkte Auswahl an historischen Romanen über das alte Rom gelesen zu haben (dafür sehr viel Asterix  ;)). "Gefreite" kamen meiner Ansicht nach nicht darin vor, bzw. weiß ich allerdings nicht, warum sie nicht vorkamen.  ??? Diese strikte Teilung in Legionäre, die Schanzdienst leisten mussten, und jene, die es nicht mussten, war wahrscheinlich nicht immer von Nöten. Wiederum gefiele mir aber auch hier der Ausdruck "Immunis" + lateinischem Plural mit eventueller Erklärung im Text oder in Anhang. Aber meine Vorlieben teilen sicher nicht alle  ;)

Zitat
Für den "Soldaten" hat sich außerdem doch "Legionär" eingebürgert, das würde jeder verstehen und meiner Meinung nach ist die Bezeichnung viel passender, da der Begriff bei mir als Leser eine andere Vorstellung erzeugt...
Die grundsätzliche Bezeichnung für Soldat lautet allerdings miles, das dem zur Legion gehörigen  Soldaten beigegebene Adjektiv legionarius wird in der lateinischen Literatur nicht oft gebraucht, eigentlich nur, wenn Soldaten ausdrücklich als (milites) legionarii, d.h. Legionssoldaten, von (milites) auxiliares, d.h. Hilfstruppensoldaten, unterschieden werden müssen. Da übernehme ich eigentlich nur den damaligen Sprachgebrauch.
Dass Soldat sprachlich gesehen "besoldet" heißt, stört dabei nicht, da zur Kaiserzeit alle Soldaten Sold bezogen (das Wort leitet sich übrigens von einer römischen Goldwährung namens Solidus ab, die von Konstantin I. eingeführt wurde und noch im MA verwendet wurde -- > Wikpedia-Artikel).
Wow, was du alles weißt! Interessante Ausführungen! Mein Sprachempfinden ordnet "Soldat" jedoch immer noch einem neuzeitlichen Kämpfer mit Schusswaffen zu, alles mit einfachen Stöcken und Spießen wäre demnach ein Krieger, und der römische "Soldat" ist für mich eben der "Legionär". Vermutlich ist dies eine Angewohnheit, die nur schwer abzulegen ist.   ::)

Zitat
Einen mir bekannten Satz Senecas konnte ich auch entdecken
Zitat
"Ich werde kein Urteil fällen, ohne die andere Seite gehört zu haben", verkündete er.
=> "Audiatur et altera pars"
In dieser Form ist der Satz allerdings aus der Antike nicht überliefert. Bei Seneca steht:
qui statuit aliquid parte inaudita altera,
aequum licet statuerit, haud aequus fuit.
  (Medea 199)
("Wer etwas bestimmt, ohne dass die andere Seite gehört wurde, / mag er auch gerecht bestimmen -- er ist nicht gerecht.")

Nichtsdestotrotz spiegelt sich dieser Rechtsgrundsatz seit der Republik in der römischen Gerichtsbarkeit: Richter mussten sich vor der Urteilsbildung alle an der Sache Beteiligten anhören. Natürlich gab es unter bestimmten politischen Umständen und vor allem in der Kaiserzeit Prozesse, in denen diese Regel ignoriert wurde (speziell Prozesse de maiestate, d.h. wegen Majestätsverletzung/Unbotmäßigkeit), aber die wurden zumindest in gebildeteren Kreisen als Schauprozesse kritisiert.
Man lernt nie aus!  ;) Deine Fachkenntnis ist toll und es ist schön, dass du alles immer so ausführlich erklärst! Ich war schon stolz auf mein bloßes "Audiatur et altera pars"  ;)

Ich hab eigentlich keine Probleme damit. Schließlich muss ich ja Lesungen bestreiten.  :)

Die Leute sind immer viel erstaunter, wenn ich alle -C- in den römischen Namen als -K- ausspreche.  ;)
Wir haben das im Lateinunterricht ebenfalls so praktiziert. Ich bin immer wieder erstaunt, wenn manche das anders aussprechen..  ;D  Bloß in Eigennamen war dies anders: So ist "Cicero" "Tsitsero" und nicht "Kikero", "Circe" ist "Tsirtse" und nicht "Kirke"... Anscheinend gibt es auch Unterschiede in der wissenschaftlich rekonstruierten Aussprache und derjenigen in der Schule: Deutsche Aussprache des Lateinischen
 ??? Also das "c" ist ein "k", wissenschaftlich gesehen, nur was ist dann mit den oben genannten Eigennamen?
« Letzte Änderung: 23. August 2009, 19:29:26 von Yklamyley »
Man ruft einen Namen am Halbengelsee: / "Yklamyley! Yklamyley!
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"Weshalb? Hat denn eines Gedichts sie entbunden?"
"Nein, besser: Sie hat ihren Namen erfunden!" (Tobias O. Naheanrilke, 7. 1. 2011)

Offline Iris Kammerer

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Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #44 am: 23. August 2009, 16:32:26 »
Hallo, Yklamyley!

??? Also das "c" ist ein "k", wissenschaftlich gesehen, nur was ist dann mit den oben genannten Eigennahmen?
Also ... mir passiert es dauernd, dass ich Caesar als Kaisar vorlese ...  :-[

Im Studium war Cicero Kikero und Circe tatsächlich Kirke (zumal die im Griechischen eh Kirke geschrieben wird  :) ).
Liebe Grüße,
    Iris
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