Autor Thema: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)  (Gelesen 5083 mal)

Offline mohan

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 64
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #15 am: 21. August 2009, 12:28:47 »
Liebe Leserunde, liebe Iris,

die ersten drei Kapitel habe ich durch und schreibe kurz über meine Eindrücke. Eure vielen Beiträge muss ich erst noch in Ruhe durchlesen.

Übrigens sehr schön und sachte eingeflochten, die Verknüpfung der beiden Handlungsstränge um Varus und Annius.

Ja, die beiden Handlungsstränge sind mir auch gleich aufgefallen. Einer ist vollständig Fiktion, der zweite stark verwurzelt in der Historie.

Mir gefällt der thematische Dualismus, der in Annius angelegt ist und die beiden Erzählstränge verbindet: Privatperson und Soldat (Schreiber). Als Soldat wird er kurz vorgestellt; gleich darauf wirkt er als Privatperson im Würfelspiel um die ihm unbekannte Sklavin; schließlich werden mit seinem „Gewinn“ beide Ebenen zusammengeführt und es entsteht ein Konflikt (- wo soll er sie unterbringen?) Ich vermute, dass dieses Gestaltungsmuster auch im Weiteren für Konflikte sorgen wird und so Dynamik in die Erzählung bringt.

Auf den ersten Seiten wird Annius als Hauptfigur des ersten Erzählstrangs eingeführt. Varus und Arminius, die, Titel und Thema geben es vor, zwingend Hauptfiguren des zweiten Erzählstrangs sind, betreten zu Beginn kurz die Szene und werden beiläufig wahrgenommen.

Der Vorteil dieser Konstruktion in zwei Strängen liegt vermutlich darin, dass Iris so die Frage nach der Spannungserzeugung beantworten kann:

Für einen Autor bedeutet das, ein Spannungsaufbau à la "Schnitzeljagd" fällt schon mal flach; man muss Spannung anders erzeugen als über den Ablauf der Ereignisse.

Allerdings bin ich der Meinung, dass auch über den Ablauf der Ereignisse Spannung möglich ist. Zwar ist das „Ergebnis“ der Varus-Geschichte bekannt, daran brauchen wir keine dramaturgischen oder wie auch immer gearteten Erwartungen zu knüpfen. Was aber nur bedingt bis gar nicht bekannt ist, ist der Weg zum bösen Ende. Hier gibt es einige spekulative Spielräume - Entwürfe taktischer Kalküle; wird der Weg zum Ende zwingend, oder gibt es Entscheidungspunkte, an denen Handelnde eine Wahl treffen; wenn ja, welche und warum genau diese. Wo macht Varus warum welche Fehler…auch so eine äußerst interessante Frage. In der Fiktionalisierung des Unbekannten liegt für mich der große Reiz eines Romans über Varus, darin, wie Iris die historischen „Leerstellen“ auffüllt, um eine geschlossene und nachvollziehbare Geschichte zu erzählen.

Dazu gehört auch die Umsetzung des Spruchs: "Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.", z.B. im Gespräch, das Ceionus und Caelius über Varus, Arminius und Vertrauen führen. Dies finde ich reizvoll umgesetzt. In der Verschwörungsgeschichte werden zwar Zeichen sichtbar, aber Varus kann sie - zumindest in den ersten drei Kapiteln - nicht wirklich wahrnehmen, geschweige denn interpretieren. Wenn wir dies annehmen, gehen wir entweder von unserem heutigen Wissen um die historischen Ereignisse aus, oder aber wir erinnern uns an grundlegende Konstruktionsmerkmale von Thrillern.  Die Hinweise, die Varus und andere  erhalten, sind hochspekulativ, und die Interessen derer, die sie äußern, sind unklar.

Was mir nicht gefällt, sind Komposita aus verschiedenen Sprachräumen (zeitlich oder regional). Ein Begriff wie „Lagerpraefect“ wirkt auf mich in seiner Schreibweise seltsam. Ähnliches gilt für den Wechsel in der Bezeichnung von Dienstgraden - Gefreiter statt Beneficarius, ansonsten Centurio etc. Aber vielleicht geht es ja nur mir so.

Mit den Namen habe ich keine Probleme, außer: wie wird Thiudgif ausgesprochen? Klar, es ist immer leicht daneben, bei toten Sprachen nach dem Wortklang zu fragen. Aber vielleicht gibt es den Namen ja heute noch, auf Island beispielsweise.

Liebe Grüße,
mohan  :)
« Letzte Änderung: 21. August 2009, 13:03:47 von mohan »

Offline mohan

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 64
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #16 am: 21. August 2009, 12:44:12 »
Oh weh, ein Centurio namens Dieter... Damit könnte ich echt nicht umgehen!  :D ;D

Hat nicht Dieter Hallervorden in einem Sketch einen gespielt?  ;)

Offline mohan

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 64
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #17 am: 21. August 2009, 12:52:17 »
Das lateinische Zitat zu Beginn des Buches fand ich unglücklich gemacht, weil ich nie Latein gelernt habe. Zum Glück hab ich durch Zufall am Ende des Buches eines Übersetzung gefunden. Ich fände es allerdings besser, wenn die Übersetzung direkt unter dem Zitat oder auf der Rückseite abgedruckt wäre, damit man sie auch gleich sieht und nicht erst später oder gar nicht darauf stößt.

Das Coverdesign finde ich ausgezeichnet, aber im Inneren ist das Buch auch aus meiner Sicht formal verbesserungsfähig. Deiner Zitat-Kritik stimme ich zu, Platz wäre auf der Seite genug für die Übersetzung. Auch hätte ich das Personenverzeichnis lieber am Anfang gesehen, wie es in der Literatur recht verbreitet ist. Aber das ist natürlich keine Kritik an der Autorin.  :)

Offline apassionata

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 4967
  • die, die als Kind nie lesen konnte...
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #18 am: 21. August 2009, 13:51:00 »

Das lateinische Zitat zu Beginn des Buches fand ich unglücklich gemacht, weil ich nie Latein gelernt habe. Zum Glück hab ich durch Zufall am Ende des Buches eines Übersetzung gefunden. Ich fände es allerdings besser, wenn die Übersetzung direkt unter dem Zitat oder auf der Rückseite abgedruckt wäre, damit man sie auch gleich sieht und nicht erst später oder gar nicht darauf stößt.

Deiner Zitat-Kritik stimme ich zu, Platz wäre auf der Seite genug für die Übersetzung. Auch hätte ich das Personenverzeichnis lieber am Anfang gesehen, wie es in der Literatur recht verbreitet ist.

Hier stimme ich euch voll zu. Ich konnte ja zunächst auch erstmal nichts mit dem Zitat zu Beginn anfangen.
Personenverzeichnisse und Hinweise, und wie in diesem Fall, eine Übersetzung des Eingangzitates gehören für mich schon aus rein praktischen Gründen mit nach vorne ins Buch.

Auch Thiudgif gefällt mir als Charakter, besonders ihr Zwiespalt zwischen dem Wunsch, wieder zu ihrem Vater zurück zu kehren und dem Impuls, sich Annius anzuvertrauen und ihm zu schildern, was sie am Fluss gesehen hat. 

Schön, dass du es erwähnst.
Diese wankende Stimmung hat Iris hier wunderschön herüber gebracht, wie ich finde.

Ich muss ja gestehen, dass ich mit den historischen Fakten der Varusschlacht im Prinzip nicht vertraut bin.Daher werd ich dahingehend nachher noch was googeln müssen.

Nein, googeln werde ich jetzt nicht. Ich lasse mich dann eher von Iris’ Geschichte tragen und überraschen. Hier geht es mir dann doch eher wie Mobi:
also ich muss sagen, wir haben in der Schule nichts über die Varusschlacht gelernt. Und seitdem ich von der Leserunde hier wusste und überlegt habe, ob ich mitmache, habe ich Informationen über das Thema auch bewusst gemieden. Ich wusste zwar, dass es um Verrat geht, aber nicht wer wen verrät.
Gut, viele wissen es wahrscheinlich, aber mir persönlich wäre es lieber gewesen, wenn es nicht gleich so deutlich gewesen wäre.   

Denn ich kenne mich mit der Geschichte der Varus-Schlacht ebenfalls nicht aus und wollte auf diese Art ein wenig meinen eigenen Horizont erweitern.

Obwohl ich beide nicht mag, finde ich vorallem die Figuren Varus und Arminius interessant:

Interessant gezeichnet sind die beiden auf jeden Fall. Aber auch ich finde sie zumindest momentan beide doch recht überheblich.
Naja, Varus selbst ist ja schließlich auch der Statthalter. Der darf das.  ;D

Hier muss ich doch mal in den Ring springen! ;)

Es gibt einige nicht totzukriegende Vorurteile über "die alten Römer" und besonders ihren Umgang mit Sklaven. Ich könnte jetzt einen endlos langen Vortrag darüber halten, aber den erspare ich euch. Ich möchte auch kein Plädoyer "für" die Sklaverei halten, aber was man sich landauf landab darunter vorstellt, nämlich permanenter sexueller Missbrauch und unentwegte körperliche Misshandlungen hat mehr mit modernen Gruselphantasien zu tun als mit der Realität.

Schön, dass du unsere Sichtweisen hier ein wenig korrigierst. Ich denke mal, wir sind sicher alle ein wenig Gräueltaten geschädigt.  ;D  Bei den vielen Historischen Romanen und Krimies die wir so lesen.  ;D

Oh weh, ein Centurio namens Dieter... Damit könnte ich echt nicht umgehen!  :D ;D

Hat nicht Dieter Hallervorden in einem Sketch einen gespielt?  ;)

Oh ja. Ich sehe gerade das Bild vor mir.  ;D

Mir gefällt der thematische Dualismus, der in Annius angelegt ist und die beiden Erzählstränge verbindet: Privatperson und Soldat (Schreiber). Als Soldat wird er kurz vorgestellt; gleich darauf wirkt er als Privatperson im Würfelspiel um die ihm unbekannte Sklavin; schließlich werden mit seinem „Gewinn“ beide Ebenen zusammengeführt und es entsteht ein Konflikt (- wo soll er sie unterbringen?) Ich vermute, dass dieses Gestaltungsmuster auch im Weiteren für Konflikte sorgen wird und so Dynamik in die Erzählung bringt.

Das hast du aber jetzt sehr schön zum Ausdruck gebracht. Ich habe es ganz ähnlich empfunden und vor allem darf ich, glaube ich, hier doch ganz kurz erwähnen, dass Iris exakt diesem Dualismus der Person Annius treu bleibt. Also zumindest was die nächsten 2-3 Kapitel betrifft. Weiter bin ich nämlich auch noch nicht.

Liebe Leserundengrüssle
                                       Marion   :)
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline Tammy1982

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3185
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #19 am: 21. August 2009, 14:14:19 »
Hallo Ihr Lieben,

wow, hier ist ja schon was los!  :o ;D Bevor ich mich durch eure Beiträge arbeite, erstmal meine Gedanken zu dem Abschnitt!

Ich musste mich erstmal an diese ganzen römischen und germanischen Namen gewöhnen! An dieser Stelle muss ich gleich erwähnen, dass ich es super finde, dass es hinten ein Personenverzeichnis und ein Glossar gibt, beides habe ich jetzt schon öfters zu Rate gezogen und v. a. die Namen immer wieder nachgeschlagen, wer jetzt da wer ist. Das ist super! Auch die Karte vorne im Buch finde ich spitze und sehr hilfreich. So habe ich wenigstens eine kleine Orientierung, wo die jetzt hinwollen etc.! Super!

Von der Varusschlacht und Varus an sich habe ich bis dato noch nicht so viel gehört. Dass es um Verrat geht und Varus nicht so gut wegkommt, habe ich schon mitbekommen, auch wer hinter diesem Verrat wohl wirklich steckt. Aber ich bin gespannt, wie sich das alles noch entwickeln wird. Varus erscheint bis jetzt als jemand, der den Frieden dem Krieg vorzieht und wohl auch versucht gerechte Urteile zu fällen. Das finde ich bis jetzt sehr gut. Nur sein Zögling Arminius findet wohl diese Politik des Friedens nicht so gut und hat größere ehrgeizigere Ziele. Obwohl ich bis jetzt noch nicht abschätzen kann, ob in Arminius insgesamt einfach ein Hass gegen die Römer brodelt oder er nur mit der derzeitigen Politik nicht einverstanden ist. Sein Ausbruch bei dem Vorsprechen der Brukterer hat mir irgendwie gezeigt, dass er für ihn nichts Schlimmeres gibt, als wenn jemand sich unterwirft, als seinen Stolz zu verteidigen. Ja, Arminius scheint mir ein sehr stolzer Kerl zu sein, was dann wieder dagegen spricht, dass er überhaupt auf Seite der Römer stehen möchte. Sehr verzwickte Situation... Varus wird bereits von mehreren Seiten vor Arminius gewarnt, aber bis jetzt will er es noch nicht wahrhaben und ich fürchte, dass er auch die Warnung des Fürsten Segestes in den Wind schlagen wird...  :o

Der Schreiber Annius ist mir schon mal ganz sympathisch geworden. Dass er das Mädchen Thiudgif (diese Namen sind echt der Hammer - ich muss die ganze Zeit im Buch nachblättern, dass ich sie auch ja richtig schreibe...  :-[ ;)) aus den Fängen des Sklavenhändlers befreit, fand ich super von ihm! Ja, da scheint aber doch einiges zu brodeln: Egal wie unterwürfig sich die Barbaren auch zeigen, sie werden von den Römern bis aufs Letzte ausgenommen und dass dann die Frauen und Kinder versklavt werden, wenn das Geld nicht gezahlt werden kann, trägt bestimmt nicht zum Frieden bei...  :( Wenn ich so was lese, bin ich immer ganz froh, dass ich in dieser Zeit in diesem Land leben darf und nicht wann anders, wo ich am Ende auch noch als Sklavin geendet hätte, die ihrem Herrn zu Dienste sein muss...  :o

Aber zumindest für Thiudgif scheint sich jetzt alles mal ein bisschen besser zu entwickeln. Nur den Mord, den sie da beobachtet hat, könnte ihr noch gefährlich werden. Aber wer hat da wen umgebracht? Ich vermute ja ganz stark, dass da Arminius mit beteiligt war und sie einen "Petzer" aus den eigenen Reihen mundtot gemacht haben...  :o

Mit den militärischen Rängen und Begebenheiten tue ich mich im Moment noch ganz schön schwer, v. a. zu unterscheiden, wer jetzt welchen Rang hat und damit welches Recht, ist noch nicht so einfach, aber ich denke ich komme da auch noch rein.

Dass es eine Verschwörung gibt, ist klar, jetzt ist nur noch die Frage, wie die vorgestellten Personen darin verwickelt sind, damit umgehen und wie Thiudgif und Annius in die ganze Geschichte noch hinein passen...

Liebe Grüße
Tammy

Offline Tammy1982

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3185
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #20 am: 21. August 2009, 14:43:26 »
Hallo Ihr Lieben,

Das lateinische Zitat zu Beginn des Buches fand ich unglücklich gemacht, weil ich nie Latein gelernt habe. Zum Glück hab ich durch Zufall am Ende des Buches eines Übersetzung gefunden. Ich fände es allerdings besser, wenn die Übersetzung direkt unter dem Zitat oder auf der Rückseite abgedruckt wäre, damit man sie auch gleich sieht und nicht erst später oder gar nicht darauf stößt.
Deiner Zitat-Kritik stimme ich zu, Platz wäre auf der Seite genug für die Übersetzung. Auch hätte ich das Personenverzeichnis lieber am Anfang gesehen, wie es in der Literatur recht verbreitet ist.
Mh, ich habe fast vermutet, dass die Übersetzung des Zitates mit Absicht erst am Ende des Buches ist, damit der Leser erst nach Ende der Lektüre das Zitat übersetzt bekommt bzw. es vielleicht so einen Art Rahmen um den Gesamtroman bildet. Aber wenn das nicht so gedacht war, dann wäre die Übersetzung gleich mit dabei schon besser gewesen. Obwohl ich sagen muss, dass ich da jetzt schon doch auch von anderen Büchern vorgewarnt bin, dass Übersetzungen, Personenregister etc. sich erst am Ende finden, von daher linse ich schon immer vorsichtig ans Ende des Buches...  ;D

Auch Thiudgif gefällt mir als Charakter, besonders ihr Zwiespalt zwischen dem Wunsch, wieder zu ihrem Vater zurück zu kehren und dem Impuls, sich Annius anzuvertrauen und ihm zu schildern, was sie am Fluss gesehen hat.
Ja, diesen Zwiespalt fand ich auch sehr gut beschrieben. Gut hat mir auch gefallen, dass wir in einer Rückblende erfahren haben, wie es dazu kam, dass sie bei dem Sklavenhändler gelandet ist und warum sie stoisch alles über sich hat ergehen lassen! Auch ihre Gedanken, dass sie zuerst panische Angst vor Annius hat und dann schließlich sich beruhigt fühlt, wenn sie seine Schritte hört. Das finde ich sehr geschickt beschrieben und bringt die kleine Annäherung, die zwischen den beiden stattfindet richtig gut rüber!  8)

Ich muss ja gestehen, dass ich mit den historischen Fakten der Varusschlacht im Prinzip nicht vertraut bin.Daher werd ich dahingehend nachher noch was googeln müssen.
Nein, googeln werde ich jetzt nicht. Ich lasse mich dann eher von Iris’ Geschichte tragen und überraschen. Hier geht es mir dann doch eher wie Mobi:
also ich muss sagen, wir haben in der Schule nichts über die Varusschlacht gelernt. Und seitdem ich von der Leserunde hier wusste und überlegt habe, ob ich mitmache, habe ich Informationen über das Thema auch bewusst gemieden. Ich wusste zwar, dass es um Verrat geht, aber nicht wer wen verrät.
Gut, viele wissen es wahrscheinlich, aber mir persönlich wäre es lieber gewesen, wenn es nicht gleich so deutlich gewesen wäre.   
Denn ich kenne mich mit der Geschichte der Varus-Schlacht ebenfalls nicht aus und wollte auf diese Art ein wenig meinen eigenen Horizont erweitern.
Ja ihr Lieben, der Reihe der "Unwissenden" kann ich mich anschließen!  ;D Habe vorher auch noch nie was von der Varusschlacht gehört oder gelernt gehabt und lasse mich jetzt aber einfach von der Geschichte gefangen nehmen. Auch wenn man durch den Buchrücken etc. schon weiß, wie es wohl ausgehen wird, finde ich es trotzdem sehr spannend ieses "Wie könnte es gewesen sein" mit zu verfolgen. Das macht hier ja gerade den Reiz aus. Da Iris auch noch so schön den Vergleich mit der "Titanic" gebracht hat: Da weiß auch jeder, dass das Schiff untergehen wird und wieviele haben sich genau Leonardo DiCaprio und Kate Winslet auf dem sinkenden Schiff angesehen?  :P ;D Ja, ich natürlich auch!  ;)

Obwohl ich beide nicht mag, finde ich vorallem die Figuren Varus und Arminius interessant:
Interessant gezeichnet sind die beiden auf jeden Fall. Aber auch ich finde sie zumindest momentan beide doch recht überheblich.
Naja, Varus selbst ist ja schließlich auch der Statthalter. Der darf das.  ;D
;D
Arminius kommt mir im Moment v. a. sehr stolz vor. Also dieser übertriebene Stolz, den wir heute kaum noch nachvollziehen können, der aber doch auch heute noch in einigen Teile der Erde und auch früher sehr verbreitet war: Das Prinzip, dass es nichts schlimmeres gibt, als seinen Stolz zu verlieren. Also lieber sterben, als das und genau diesen Eindruck macht Arminius auf mich. Ich denke gerade deswegen sollte Varus ihn eigentlich nicht unterschätzen bzw. falsch einschätzen, aber Varus hängt ja an ihm fast wie an einem eigenen Sohn und da sieht man viele Fehler einfach nicht bzw. WILL sie gar nicht sehen...

Liebe Grüße
Tammy

Offline apassionata

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 4967
  • die, die als Kind nie lesen konnte...
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #21 am: 21. August 2009, 15:05:34 »
Dass er das Mädchen Thiudgif (diese Namen sind echt der Hammer - ich muss die ganze Zeit im Buch nachblättern, dass ich sie auch ja richtig schreibe...  :-[ ;)) ...

Da bist du nicht alleine.  ;)
Ich stelle mir übrigens auch ständig, wie mohan, die Frage, wie sich dieser Name denn wohl ausspricht.  ;D

Mh, ich habe fast vermutet, dass die Übersetzung des Zitates mit Absicht erst am Ende des Buches ist, damit der Leser erst nach Ende der Lektüre das Zitat übersetzt bekommt bzw. es vielleicht so einen Art Rahmen um den Gesamtroman bildet.   

Das mit dem Rahmen ist sicher keine schlechte Idee. Trotzdem stehe ich zu Beginn dann als Leser erst einmal alleine mit meinem Unverständnis da. Auf den hinteren Seiten zu blättern, hab ich mir fast abgewöhnt, da ich mir einmal auf diese Weise ein Ende ruiniert habe.  :(

Was Arminius' Stolz angeht, so liegst du hier sicher richtig. Es scheint hier tatsächlich eher sein Stolz zu sein, der uns hier so entgegenschlägt. Überheblich ist da dann doch eher  weniger die richtige Wortwahl.  ;)

"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline Imlammenien

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3040
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #22 am: 21. August 2009, 15:21:38 »
Oh weh, ein Centurio namens Dieter... Damit könnte ich echt nicht umgehen!  :D ;D

Hat nicht Dieter Hallervorden in einem Sketch einen gespielt?  ;)
Oh weh, jetzt habe ich auch noch Dieter Hallervorden vor Augen ("Eine Flasche Pommes, palimpalim"). Vielen Dank, mohan!  ;) ;D

Offline Imlammenien

  • Global Moderator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3040
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #23 am: 21. August 2009, 15:25:35 »
also ich muss sagen, wir haben in der Schule nichts über die Varusschlacht gelernt. Und seitdem ich von der Leserunde hier wusste und überlegt habe, ob ich mitmache, habe ich Informationen über das Thema auch bewusst gemieden. Ich wusste zwar, dass es um Verrat geht, aber nicht wer wen verrät.
Gut, viele wissen es wahrscheinlich, aber mir persönlich wäre es lieber gewesen, wenn es nicht gleich so deutlich gewesen wäre.   

Denn ich kenne mich mit der Geschichte der Varus-Schlacht ebenfalls nicht aus und wollte auf diese Art ein wenig meinen eigenen Horizont erweitern.

Dass ich in der Schule etwas darüber gelernt habe, wage ich zu bezweifeln. Aber ich habe Iris' "Cinna"-Trilogie gelesen und da wenigstens schon ein paar Infos aufgeschnappt.  ;D
Ansonsten halte ich es wie Marion und werde zunächst mal nicht googeln, sondern die (historische) Handlung anhand des Romans verfolgen und mich erst nach dem Ende der Lektüre weiter schlau machen. Und dann vielleicht sogar in Haltern das Römermuseum besuchen, denn die haben doch, soweit ich weiß, aktuelle eine Ausstellung zu Thema...

Offline mohan

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 64
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #24 am: 21. August 2009, 16:21:50 »
Ansonsten halte ich es wie Marion und werde zunächst mal nicht googeln, sondern die (historische) Handlung anhand des Romans verfolgen und mich erst nach dem Ende der Lektüre weiter schlau machen. Und dann vielleicht sogar in Haltern das Römermuseum besuchen, denn die haben doch, soweit ich weiß, aktuelle eine Ausstellung zu Thema...

Nicht nur in Haltern gibt es was zum Thema:

http://www.imperium-konflikt-mythos.de/

Offline Iris Kammerer

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 179
    • Iris Kammerer
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #25 am: 21. August 2009, 16:24:39 »
Hallo, ihr Lieben!

Um euch mit Thiudgif weiterzuhelfen (euch geht 's doch eigentlich genau wie Annius, oder?  ;) ):
-th- entspricht dem englischen -th- bzw. dem isländischen -Þ- und das nachgestellte -i- ist eine sogenannte Jotierung. quasi isländisch geschrieben: Þjudgif.
Was heute ein Zungenbrecher ist, wenn man es nicht gerade mit dem Englischen oder Isländischen hat, war damals eine ganz gewöhnliche Lautkombination für Germanen -- allerdings nicht für Römer!  ;D

Den Namen gibt es so heute natürlich nicht mehr. Es ist eine Rekonstruktion nach einer lateinischen Umschrift eines Namenseintrags aus dem frühen Mittelalter. Ein bisschen Spekulation, aber getreu den Regeln der Lautverschiebungen. ;)


Was die Reihenfolge der Dinge im Buch angeht, muss ich den Verlag und speziell meine Lektorin dort in Schutz nehmen: Sie haben alles in der Reihenfolge gedruckt, wie sie es bisher bei meinen Romanen gehandhabt haben. Und offen gestanden, hätte ich es auch nciht anders gewollt.

Ich persönlich liebe fremdsprachige Originalzitate. Und die Diskussion um die Frage "Personenregister vorne oder hinten" erlebe ich jetzt zum ersten Mal -- und das beim fünften Roman. Für das Glossar muss man schließlich auch nach hinten blättern. Ich habe die Zusatzinformationen eigentlich immer gerne gesammelt, und da wäre es ziemlich unpraktisch, vorne erst einmal 40 Seiten Glossar etc. blättern zu müssen, bevor der Roman anfängt.  ;)


Die "Komposita aus verschiedenen Sprachräumen" sind eine Konzession. Leser stolpern nun einmal über fremd(sprachig)e Wörter, und das macht einen Text schwerlesbar. Schon fremdsprachige Namen können vielen den Lesespaß völlig ruinieren.
Außerdem haben viele alte Begriffe wie z.B. das Wort "Präfekt" z.B. heute eine völlig andere Bedeutung als die römische Rangbezeichnung praefectus. Um das Miss- bzw. Fehlverständliche daran zu vermeiden, habe ich in solchen Fällen die alten Bezeichnungen "teileingedeutscht".
Wenn sich die Bedeutung zwischen lateinischer und einer neueren deutschsprachigen Bezeichnung deckten, habe ich letztere zumindest als Alternative genommen.
Da ich schon bei meinen drüheren Romanen so verfahren habe, blieb es auch dabei.
In einem Fach- oder Sachbuch kann man durchaus die Originalbezeichnungen z.B. kursiv gedruckt verwenden -- in einem Roman empfinde ich das als ziemlich manieriert.
Liebe Grüße,
    Iris
---------------------------------------------------------
Aktuelles Buch: Varus

Offline Mobi

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 441
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #26 am: 21. August 2009, 17:04:05 »
Hallo,

echt interessant, dass ihr auch so wenig über das Thema wusstet. Ich dachte schon, nur ich bin so uninformiert. Von der Ausstellung habe ich zwar mal ein Plakat gesehen, aber das war's auch schon.

Danke, Iris für die Erläuterung bezüglich der Aussprache, jetzt kann ich mir schon eher vorstellen, wie man ihn ausspricht.

Ich persönlich finde es nicht schlimm, wenn man Personenregister und Glossar trennt. Ich finde es auch praktischer, wenn das Personenregister vorne drin ist, dann übersieht man es nicht so leicht. Wobei ich dazusagen muss, dass ich mir das Personenregister oft sowieso nicht anschaue, weil ich mich da schon mal gespoilert habe.

LG, Mobi

Offline mohan

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 64
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #27 am: 21. August 2009, 17:05:10 »
Hallo, ihr Lieben!

Um euch mit Thiudgif weiterzuhelfen (euch geht 's doch eigentlich genau wie Annius, oder?  ;) ):
-th- entspricht dem englischen -th- bzw. dem isländischen -Þ- und das nachgestellte -i- ist eine sogenannte Jotierung. quasi isländisch geschrieben: Þjudgif.
Was heute ein Zungenbrecher ist, wenn man es nicht gerade mit dem Englischen oder Isländischen hat, war damals eine ganz gewöhnliche Lautkombination für Germanen -- allerdings nicht für Römer!  ;D

Den Namen gibt es so heute natürlich nicht mehr. Es ist eine Rekonstruktion nach einer lateinischen Umschrift eines Namenseintrags aus dem frühen Mittelalter. Ein bisschen Spekulation, aber getreu den Regeln der Lautverschiebungen. ;)

Vielen Dank für die Informationen.

Liebe Grüße,
mohan

Offline mohan

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 64
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #28 am: 21. August 2009, 17:09:43 »
Ich persönlich liebe fremdsprachige Originalzitate. Und die Diskussion um die Frage "Personenregister vorne oder hinten" erlebe ich jetzt zum ersten Mal -- und das beim fünften Roman. Für das Glossar muss man schließlich auch nach hinten blättern. Ich habe die Zusatzinformationen eigentlich immer gerne gesammelt, und da wäre es ziemlich unpraktisch, vorne erst einmal 40 Seiten Glossar etc. blättern zu müssen, bevor der Roman anfängt.  ;)

Dass diese Diskussion zum ersten Mal erlebt wird, bedeutet ja nicht, dass sie schlecht sein muss. Vielleicht sind in dieser Leserunde erstmals mehrere Lesende dabei, die es mögen, wenn das Personal zu Beginn genannt wird (wobei das Glossar hinten bleiben kann)? Meinerseits jedenfalls ist es keine Kritik am Roman. Es sind eher kleine kosmetische Fragen. Und wie die Fassade eines Buches geschminkt sein sollte, darüber gehen Meinungen naturgemäß sicher auseinander.


Offline mohan

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 64
Re: 01 - Anfang bis Kapitel III (Anfang - S.95)
« Antwort #29 am: 21. August 2009, 17:23:07 »
Liebe Iris,

zu folgendem Einwand möchte ich mich kurz kritisch, aber freundlich gesinnt äußern (auf die anonyme Distanz ist eine derartige Diskussion vielleicht etwas schwierig):

Die "Komposita aus verschiedenen Sprachräumen" sind eine Konzession. Leser stolpern nun einmal über fremd(sprachig)e Wörter, und das macht einen Text schwerlesbar. Schon fremdsprachige Namen können vielen den Lesespaß völlig ruinieren.
Außerdem haben viele alte Begriffe wie z.B. das Wort "Präfekt" z.B. heute eine völlig andere Bedeutung als die römische Rangbezeichnung praefectus. Um das Miss- bzw. Fehlverständliche daran zu vermeiden, habe ich in solchen Fällen die alten Bezeichnungen "teileingedeutscht".
Wenn sich die Bedeutung zwischen lateinischer und einer neueren deutschsprachigen Bezeichnung deckten, habe ich letztere zumindest als Alternative genommen.
Da ich schon bei meinen drüheren Romanen so verfahren habe, blieb es auch dabei.
In einem Fach- oder Sachbuch kann man durchaus die Originalbezeichnungen z.B. kursiv gedruckt verwenden -- in einem Roman empfinde ich das als ziemlich manieriert.

Natürlich gibt es für dieses Vorgehen eine Begründung. Ich kann die Argumentation aber nur bedingt nachvollziehen. Wer sich mit der damaligen Zeit nicht auskennt, kennt vermutlich auch die zeitspezifischen inhaltlichen Auffüllungen von Begriffen nicht. Zudem ist „Praefect“ auch ein Fremdwort. Kursivierungen würden mir grundsätzlich auch nicht gefallen, obwohl sie von manchen anderen Autoren in Romanen verwendet werden.

Die neuere deutschsprachige Bezeichnung für den „Praefectus castrorum“ ist der Lagerkommandant. Wurde dieser Begriff nicht gewählt, weil problematische semantische Schwingungen enthalten sein können? Dafür hätte ich allerdings Verständnis, kann es aber als Nicht-Deutscher nicht wirklich beurteilen.

Liebe Grüße,
mohan  :)