Autor Thema: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?  (Gelesen 3824 mal)

Offline nimue

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3885
    • Literaturschock
Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« am: 19. Juni 2006, 14:01:19 »
Hallo,

mich würde mal interessieren, was ihr (natürlich nicht nur die Autor/inn(en)) über die Möglichkeit der bezahlten Rezensionen denkt. Auf diversen Internetseiten kann man inzwischen für das eigene Buch Rezensionen bestellen. Dafür muss nun nicht nur ein Exemplar eingeschickt werden, so wie es mit den Rezensionen auf Literaturschock.de gehalten wird, sondern da wird auch ordentlich in die Tasche gegriffen.

Die Gebühren für eine Rezension belaufen sich auf ab 120 EUR für eine bestimmte Anzahl Seiten - jede weitere Buchseite kostet dann einen Aufpreis. Dafür erhält man das Recht, die Rezension für Werbezwecke zu verwenden - denn eine positive Rezension wird garantiert. Sollte andererseits ein Buch negativ rezensiert werden, wird es überhaupt nicht besprochen und die Gebühren fallen auch nicht an.

Ich muss ja ganz ehrlich sagen: Das halte ich für eine ganz freche Abzockerei! Andererseits würde mich natürlich interessieren, ob ihr darin wirklich eine gute Werbemöglichkeit seht? Würde so etwas für euch in Frage kommen?

Wie ernst nimmt man eine Rezension, die entweder positiv ist oder unter den Tisch gefallen lassen wir? Und wie ernst werden solche Rezensenten genommen?

Liebe Grüße
nimue
« Letzte Änderung: 20. Juni 2006, 13:22:14 von nimue »
Wenn Du keinen Menschen töten kannst - gut; kannst Du kein Vieh und keine Vögel töten - noch besser; keine Fische und Insekten - noch besser. Bemüh Dich, soweit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht. Tu, was Du mit Deinen Kräften zustande bringst. Darauf kommt alles an. (Leo Tolstoi)

Offline Galadriel43

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 84
  • Literatur- und Rockoma
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #1 am: 19. Juni 2006, 15:34:37 »
Hallo

Ich bin ja nun nur eine Leserin, aber ich finde solche Angebote schlichtweg das Letzte. Wie soll ich mir ein Bild über ein Buch machen, wenn ich auf gekaufte Rezensionen stoße? :o

Nein, danke, da bleibe ich lieber bei den Rezis im Literaturschock! Erstens weiß ich da, dass die auch ehrlich gemeint sind und zweitens kann ich bei einigen Rezensenten gut abschätzen, ob das besprochene Buch in mein "Jagdschema" fällt oder nicht. ;)
Liebe Grüsse
Galadriel

Offline HoldenCaulfield

  • Käferprinzessin
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 669
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #2 am: 19. Juni 2006, 16:40:00 »
Ich kann mich da nur Galadriel anschließen! Solch eine Rezension ist meiner Meinung nach nicht objektiv (da bezahlt) und da es viele Leute gibt die sich an rezensionen durchaus orientieren auch irgendwie verar**** am Leser. Ich finde ein guter Autor hat es doch gar nicht nötig sich seine Rezensionen zu kaufen...
Memento Mori

Offline Jaqui

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 1397
  • Bücherzwerg
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #3 am: 19. Juni 2006, 17:48:34 »
Also, wenn Autoren es nötig haben sich Rezensionen zu kaufen, dann zweifeln sie doch indirekt an ihrem eigenen Produkt.  Ich bin von so etwas nicht sehr begeistert. Immerhin orientiere mich ja auch an Rezensionen. Abgesehen davon bin ich überzeugt davon, dass man so etwas merkt, wenn Rezensionen nur geheuchelt werden.

Katrin

Offline Maren

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 396
    • http://www.marenfrank-literatur.de/
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #4 am: 19. Juni 2006, 18:55:45 »
Da halte ich gar nichts von. Zumal die ja auch noch ne positive Rezi garantieren; da kann man sich ja auch selbst eine schreiben; ist billiger ;)

Ne, ernsthaft, Rezension soll ja auch Kritik beinhalten, das kann ganz positive Kritik im Sinne von "sehr gutes Buch" bis hin zu negativer: "Finegr weg" oder "nur für Freunde von Genre X geeignet" sein.


Offline nimue

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3885
    • Literaturschock
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #5 am: 19. Juni 2006, 19:07:08 »
Hallihallo,

ich verstehe denn Sinn dahinter auch nicht so richtig. Vor allem, weil ich auch negative Kritik für sehr wichtig halte. Was kann ein Autor (Autorinnen natürlich wie immer eingeschlossen  ;) ) mit purer Bauchpinselei anfangen? Man lernt doch immer mehr, wenn auch erwähnt wird, was nicht gut gefallen hat. Und Kritik kann ja auch nur sein, dass man von vielen Namen verwirrt war, dass eine Karte fehlte, dass die Kapitelüberschriften nicht gelungen waren und und und. Da haben die Autoren immerhin eine Chance, sich darüber Gedanken zu machen und das evtl. beim nächsten Mal zu ändern.

Liebe Grüße
nimue
Wenn Du keinen Menschen töten kannst - gut; kannst Du kein Vieh und keine Vögel töten - noch besser; keine Fische und Insekten - noch besser. Bemüh Dich, soweit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht. Tu, was Du mit Deinen Kräften zustande bringst. Darauf kommt alles an. (Leo Tolstoi)

Offline Tirah

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 318
    • Eniria
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #6 am: 19. Juni 2006, 19:33:47 »
Eine sonderbare Idee, aber den "Gedanken" verstehe ich schon:
Der Rezensent verdient sich was dazu und bekommt auch noch ein Buch geschenkt (hm...vielleicht sollte ich das auch mal machen?  ;D).
Und der Autor kann eine Liste mit positiven Rezis vorweisen (je nachdem, wie oft er sowas machen läßt): "Schaut her, diesen vielen Leuten hat mein Buch aber gefallen!".
Nur funktioniert der Trick natürlich nicht lange, denn solche Seiten werden sich schnell rumsprechen und die Rezis sind dann völlig wertlos.
viele Grüße
Tirah

Offline Nicole

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 83
    • Website
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #7 am: 19. Juni 2006, 19:45:45 »
Hallo!

Ich persönlich halte davon auch nichts. Als Leser suche ich mir meine Bücher allerdings niemals nach Rezensionen aus, sondern nach Autor und Interesse oder Empfehlungen von Menschen deren Leseurteil ich schätze.

Solche "Gefälligkeiten" sind jedoch nicht ungewöhnlich. Unbezahlt gehen sie auch in die Richtung "Schreibst du mir ne gute Rezi, schreib ich dir ne gute Rezi!" - das praktizieren auch angloamerikanische Bestsellerautoren untereinander. Das Geschäft ist hart, der Markt voll - ich denke, niemand sollte diese Praktiken übel nehmen, wenn auch nicht unbedingt gut heißen.

NACHTRAG:

Andererseits frage ich mich, welche Autoren es nötig haben für ihre Rezensionen zu bezahlen. Das klingt für mich eher wie eine seltsame Geschäftspraktik, die am Ende keinem etwas bringt - ähnlich Druckkostenzuschussverlagen. Gibt es bestimmte Beispiele dieser Websiten, Nimue?


Beste Grüße, Nicole
« Letzte Änderung: 19. Juni 2006, 20:41:14 von Nicole »
+++ Das Memorial +++

Offline nimue

  • Administrator
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3885
    • Literaturschock
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #8 am: 19. Juni 2006, 21:24:36 »
Hallihallo,

Andererseits frage ich mich, welche Autoren es nötig haben für ihre Rezensionen zu bezahlen. Das klingt für mich eher wie eine seltsame Geschäftspraktik, die am Ende keinem etwas bringt - ähnlich Druckkostenzuschussverlagen. Gibt es bestimmte Beispiele dieser Websiten, Nimue?

Da ich nicht gerne für solche Webseiten Werbung machen will: Gib mal bei Google das Suchwort "Rezensionsauftrag" ein  :winken:

Liebe Grüße
nimue
Wenn Du keinen Menschen töten kannst - gut; kannst Du kein Vieh und keine Vögel töten - noch besser; keine Fische und Insekten - noch besser. Bemüh Dich, soweit wie möglich zu kommen. Grüble nicht, was möglich ist und was nicht. Tu, was Du mit Deinen Kräften zustande bringst. Darauf kommt alles an. (Leo Tolstoi)

Offline Nicole

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 83
    • Website
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #9 am: 20. Juni 2006, 06:33:53 »
Hallihallo,

Andererseits frage ich mich, welche Autoren es nötig haben für ihre Rezensionen zu bezahlen. Das klingt für mich eher wie eine seltsame Geschäftspraktik, die am Ende keinem etwas bringt - ähnlich Druckkostenzuschussverlagen. Gibt es bestimmte Beispiele dieser Websiten, Nimue?

Da ich nicht gerne für solche Webseiten Werbung machen will: Gib mal bei Google das Suchwort "Rezensionsauftrag" ein  :winken:

Liebe Grüße
nimue

Verstehe, nimue.
Nun: Die erste Adresse bei google ist eindeutig, klar. Okay. Wobei daraus nicht hervorgeht, welche Verlage oder Autoren dies in Anspruch nehmen. Und dort auch steht, dass der normale kostenlose Rezensionsweg ebenfalls praktiziert wird.
Vielleicht spart es Verlag und Autor Geld, wenn sie die Reziexemplare an so eine Adresse schicken, anstatt an hundert verschiedene Rezensenten, von denen nur drei rezensieren? Andererseits ... ich bin nicht überzeugt, dass dies die gängige Praxis ist. Mir hat noch kein Verlag Geld geboten, damit ich seine Autoren interviewe. Ist auch nicht nötig.

Rezensionsauftrag ist aber nicht gleich Rezensionsauftrag. Spreche ich mit einem Verlag, weil ich einen Autor interviewen möchte oder seine Bücher besprechen, erhalte ich in dem Moment, in dem mir der Verlag ein Rezensionsexemplar sendet, auch eine Art Auftrag. Bzw. tritt der Verlag direkt an mich heran, ebenso. Dafür erhalte ich zwar "nur" das oder die Bücher als Leistung und eine gute Rezension wird nicht durch höhere Bezahlung erzwungen, ein Auftrag ist es aber dennoch.

Dies zur Rettung freier Journalisten und Rezensenten, der Verlage und Autoren!  :winken:
« Letzte Änderung: 20. Juni 2006, 06:41:52 von Nicole »
+++ Das Memorial +++

Offline Nicole

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 83
    • Website
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #10 am: 20. Juni 2006, 07:38:44 »
Hi!

Ein weiterer Nachtrag zum Thema: die von Nimue gemeinte Seite gehört einem Druckkostenzuschussverlag an. Ich bezweifle somit, das irgendein ein Publikumsverlag oder seriöser Kleinverlag sich dort eine Rezi gegen Bezahlung schreiben lässt.

Gruß, Nicole
+++ Das Memorial +++

Offline peti

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 13
    • Homepage von Petra Last
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #11 am: 03. Juli 2006, 10:40:55 »
Hallo miteinander!

Ich wußte gar nicht, daß man sich gute Rezensionen kaufen kann ...

Andererseits - was habe ich als Autor von einer guten (aber unehrlichen) Rezension? Klar, vielleicht kauft der eine oder andere dadurch mein Buch. Aber - er kauft garantiert auch nur das eine, denn danach ist er zweifelsohne von meiner Schreibe bedient, wenn diese nicht hält, was die Rezension verspricht.

Als völlig unbekannter Autor ist es sicher schwierig, überhaupt eine Rezension zu bekommen und ich glaube schon, daß man sich dann sehr freut, wenn Freunde und Bekannte eine nette Leserrezi bei Amazon verfassen. Schlimmstenfalls ist man so verzweifelt, daß man sich selbst eine gute Rezi schreibt ;-). Nur sehr peinlich, wenn es auffliegt ...

Ich kann nicht beurteilen, ob diese kostenpflichtigen Rezi-Schreiber mit den DKZ-Verlagen zusammenarbeiten, könnte es mir aber vorstellen. So bekommt der Autor obwohl der Verlag eigentlich keine eigene Vertriebsschiene besitzt, das Gefühl, als würde etwas für die Vermarktung getan werden (auch wenn er selbst noch einmal zusätzlich dafür bezahlen muß), und der Verlag (oder ein Subunternehmer) verdient noch einmal an einer Leistung, für die  eigentlich er zuständig wäre. 

Es gibt sicher genügend Autoren (auch schon bekanntere), die sich die Werbung für ihre Bücher auch selbst etwas kosten lassen (z.B.  über Werbeagenturen), kann mir aber nicht vorstellen, daß bezahlte Rezensionen einen sehr effektiven Schritt in diese Richtung  bedeuten. Selbst wenn man bei Amazon (oder auf seiner HP, denn man darf die Rezi ja weiterverwenden) eine Rezi stehen hat - was bringt es einem, wenn einen keiner kennt, ergo auch niemand auf das  Buch bei Amazon oder auf meiner HP klickt? Irgendwie - nichts, oder?

Ich persönlich freue mich über jede gute Rezi meiner Bücher, die ich irgendwo entdecken kann. Und ich könnte mich wirklich nur sehr schwer darüber freuen, wenn ich wüßte, daß ich dafür bezahlt habe. So aber weiß ich, daß jede Rezi (egal ob gut oder schlecht - über die schlechte freue ich mich natürlich weniger  ;)), einen Leser bedeutet, der dieses Buch gelesen hat.

Ciao
peti



Wie der Himmel auf Erden - Bertelsmann Club Premiere, Juni 2006

Offline Vandam

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 124
  • Altes Verlagswesen
    • Tiergeschichten.de
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #12 am: 03. Juli 2006, 11:28:47 »
Ich schreibe Buchbesprechungen aus Spaß an der Freude. Und gestehe, als es mal arg viele hintereinander waren, hatte ich auch schon die Idee, Mensch, wenn du dafür Kohle verlangen würdest, das würde sich lohnen. An krimineller Energie mangelt es mir nicht, aber es bleibt meist bei der Theorie. Meine Rezis sind nach wie vor gratis.

Ich wette, bei amazon & co. schreiben sich auch viele Autoren die Rezis selber. Das nicht nett. Aber noch wesentlich übler finde ich Vernichtungsfeldzüge gegen Konkurrenten, indem man denen schlechte Besprechungen reindonnert. Alles schon miterlebt.
No ice in paradise!

Offline resca

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 48
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #13 am: 03. Juli 2006, 13:58:37 »
Ich lese und staune  ???

Habe ja noch nie gehört, dass man sich "gute" Rezis kaufen kann! Ist schade, denn was bringt's den Lesern? Wie schon oben erwähnt, spätestens nach dem ersten Buch, merkt der Leser doch dass die Rezi nicht "echt" ist. Somit bin ich dem 2. Buch gegenüber dann total voreingenommen und lese es erst gar nicht mehr. Somit also Eigentor für den Autor. Natürlich mag niemand, wenn sein Werk zerrissen wird, aber kommt es denn tatsächlich besser beim Leser an durch gekaufte Rezis? Ausnahmslose positive Kritiken machen mich nämlich immer sehr stutzig und negative Kritiken kommen auf diesem Wege ja gar nicht mehr zustande. Klar, eine neg. Rezi wird nicht verkauft aber wer (mit einem minimum an Hirn) schreibt dann noch welche die nur ansatzweise kritisch sind?! Und dass sich Autoren gegenseitig bei amazon bewerten läuft auf das Gleiche hinaus. Wie du mir, so ich dir. Habe mir schon lange abgewöhnt dort welche zu lesen. Dann lobe ich mir doch Literaturschock!

@Nimue: Du weisst schon, wieviel Geld dir da entgeht?  ;)
LG, resca

Offline Bernard

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 581
  • Books feed your mind.
    • Autorenseite Robert Corvus
Re: Absahnen in der Literaturkritik: Bezahlte Rezensionen?
« Antwort #14 am: 07. Juli 2006, 11:39:08 »
Hallo!

Bezahlte Rezensionen finde ich indiskutabel.

Alles Gute,

Bernard