Leserundenarchiv > Christoph Marzi – Fabula

01 - bis Kapitel 2 (Seite 109)

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alltagswahn:
Hallo Christoph und hallo Leserunde!

Was hab ich den heutigen Tag entgegen gefiebert.
Alleine schon das Buch seit Freitag ansehen war schon schwierig. Es ist wieder sehr schön ausgefeilt aufgemacht. Alleine das Haus auf den Klippen, der Vogelschwarm im Hintergrund und der große Mond, herrlich. Sofort weiß man, da passiert was spannendes. Und die schöne Karte gibt Aufschluß wo es genau spielt.

So, aber ab heute darf ich ja lesen ;-). Das erste Kapitel hab ich im Zug auf der halbstündigen Fahrt zur Arbeit verschlungen, so interessant war es und vor allem soviele Eindrücke entstanden. Ich staune immer wieder über das große Talent von Christoph so interessante und geheimnisumwobene Charaktere zu erschaffen. Vielen Dank! Das macht Spaß!

Die kleinen Inhaltsangaben finde ich auch gelungen, sie machen erst recht neugierig. Erst recht, wenn noch ausdrücklich erwähnt wird, das es eine andere Reihenfolge geben kann.

Die Hauptfigur Colin Darcy ist sehr geheimnisvoll und interessant. Meine Sympathien hatte er sofort, spätestens als er die (für mich) nervige "Das-ist-nicht-nett"- Shila sitzen gelassen hat. Wer so konsequent seinen Hintergrund (Familie, Kindheit und Erinnerungen) verdrängt, muß einen hochinteressanten Grund haben. Seine Mutter Helen gibt er als solchen an. Über Helen möchte ich gerne mehr erfahren. Bis jetzt ist sie ja als "böse" (ihre Geschichten zur Strafe), unlustig (sie hasst die Lieder ihres Mannes) und verschroben charakterisiert. Verschroben insofern ihre fantastischen Geschichten, wie z.B. die der längsten Sturzgeburt. Hm, was die Dschinny wohl für eine Rolle spielt?

Das zweite Kapitel las sich in der Mittagspause nur so weg. Herrlicher Schreibstil, da kann man das Buch nicht aus der Hand legen.  Die Erinnerungen die Colin übermannen geben weitere Fragen auf? Kann man einfach so ne Geschichte erzählen und man hat keinen Mund mehr?
Was muß passiert sein, das der eigentlich doch gefühlvolle Geschichtenerzähler Colin so gefühlskalt wurde?
Warum fährt sein Bruder nach Hause, obwohl er es genauso hasst wie er, ohne ihm was zu sagen? Warum ist seine Mutter verschwunden? Warum hört Colin die ganze Zeit dieses eine Lied und sieht merkwürdige Vögel? Wer ist Livia? Was spielt Mrs. Robinson für eine Rolle?

Mein ersten (vllt unsortierten) Gedanken zum Abschnitt,
liebe Grüße
alltagswahn/Gloria

Murkxsi:
Hallo lieber Christoph Marzi, hallo lieber Mitleser!

Erstmal vorweg: Es ist das erste Mal, dass ich etwas von Christoph Marzi lese und bin dadurch natürlich vorteilsfrei in das erste Kapitel gestürzt. Ich musste mich in den ersten Seiten erst mal an seinen Schreibstil gewöhnen und etwas einlesen, da mein letztes Buch ein anderer Fantasy-Roman mit einem ganz anderen Schreibstil war.

Nach kurzem Einlesen und Vertrautmachen der Charaktere läuft es aber sehr gut.  Da ich die anderen Romane nicht kenne, war es für mich nicht ungewöhnlich, in der heutigen Zeit zu beginnen.

Die Art und Weise, wie Colin mit seinem Umfeld umgeht, empfand ich im ersten Moment auch weniger sympathisch. Doch das änderte sich spätestens bei der Szene, wo er seinem Bruder seinen Mund zurückerzählte. Dass erfundene Geschichten wahr werden können, hat mich ein wenig verschreckt. Eine fürchterliche Vorstellung, wenn es soetwas geben würde. Die Mutter kann ich so gar nicht einordnen und weckt eher negative Gefühle in mir. Sie wird mit Sicherheit wissen, was ihre erzählten Geschichten anrichten können. Wie kann man dann seinem Kind soetwas antun?

Die Idee, dass Hellen und Danny in einer der Geschichten verschwunden sind und der Vater vielleicht gar nicht tot ist, klingt für mich plausibel. Das wäre eine Möglichkeit.

Auf jeden Fall beginnt es langsam  interessant zu werden. Ich bin schon sehr gespannt darauf, was es mit diesen bunten Vögeln auf sich hat, die anscheinend eine wichtige Rolle spielen.

Die Aufmachung des Buches gefällt mir sehr gut. Auch der eingravierte Titel finde ich sehr schön und edel. Und die Karte ist sehr liebevoll gestaltet.

Ist das eigentlich ein Jugend-Fantasy-Roman? Von der Aufmachung des Buches würde ich darauf schließen, denn die Jugendbücher sind meistens wesentlich liebevoller gestaltet als die "Erwachsenen"-Bücher.

LG Murkxsi

Seychella:
Hallo zusammen!  :winken:

Das Cover ist wirklich wunderschön, und schickt meine Gedanken auf die Reise. Nach diesem ersten Leseabschnitt ist es mir aber auch etwas unheimlich, was passierte in den einzelnen Zimmern? Was für Geschichten, die real wurden, hat Ravenscraig schon gesehen?
Die Seiten fliegen nur so dahin, was nicht nur an der großen Schrift liegt. Das Buch hat Atmosphäre, ist von Rätseln und musikalischen Andeutungen geprägt. Nebenher schaue ich immer bei youtube, weil mir einige Titel nichts gesagt haben - ich aber doch mehr kenne, als ich angenommen habe.

Colin hat etwas besonderes, das mich zu ihm hinzieht. Ehrlich ohne Rücksicht auf Verluste. Sein gewähltes Leben ist traurig und einsam, erst recht nachdem er seinen einzigen Freund verloren hat. Er hat keinen wirklichen Halt, nichts wofür er zu kämpfen bereit ist. Noch nicht. Denn ich denke, in ihm steckt sehr viel. Was hat er durch den Kuss der Dschinni geschenkt bekommen? Es muss eine bestimmte Fähigkeit sein, vielleicht etwas das ihm hilft gegen seine Mutter zu bestehen. Die Gabe, Geschichten mit einem guten Ende zu erzählen und wahr werden zu lassen?

Zu seinem Bruder scheint er eine sehr innige Beziehung gehabt zu haben, was ist nur passiert das sie so entzweien konnte? Ihre Zuneigung zueinander hat ja nichts mit ihrer Mutter zu tun. Oder hat sie es geschafft, die beiden gegeneinander auszuspielen?
Seine Mutter ist für mich ein Rätsel, ihre Art der Strafe boshaft. Was ist das für eine Macht, die sie besitzt? Wer ist Helen Darcy wirklich, was für Ziele verfolgt sie?
Der Vater scheint dagegen recht normal zu sein, mit einer Vorliebe für beschwingte Lieder und Vögel. Und er liebt seine beiden Söhne, und verbringt mit ihnen "normale" Stunden abseits von Ravenscraig. An seinen Tod kann ich nicht so recht glauben, bin mir aber noch unsicher ob er geflohen ist - oder in einer von Helens Geschichten gefangen wurde.

Und dann sind da noch die bunten Vögel... Anfangs dachte ich, dass der Vater mit ihnen etwas zu tun hat. Einfach nur, weil er Vögel so gerne beobachtet hat. Aber das waren "normale" Vögel, und warum sollte er Colin seinen einzigen Halt in London nehmen wollen? Mal ganz davon ab, ob er zu so etwas überhaupt in der Lage ist. Bleiben also seine Mutter, sein Bruder - oder Mr. X.
Noch eine große Frage: Warum ist Danny freiwillig nach Ravenscraig zurückgekehrt? Was wollte er von ihrer Mutter - oder womit hat sie ihn hergelockt?

Die Beschreibung der Gegend, und vor allem des Winds und Wassers finde ich sehr gelungen. Ich höre die Wellen, rieche die salzige Luft - und möchte auch ans Meer.  So ist das. :-[

Ingroscha:
Hallo an Christoph und alle MitleserInnen :winken:

Christoph über dein early bird-Posting musste ich heute morgen schon gleich schmunzeln - was hat dich denn so früh aus dem Bett geworfen?  ;)  Ich freue mich sehr wieder Zeit für eine Leserunde zu haben, die von dir begleitet wird, an den Runden zu Lilith und Lumen konnte ich leider damals nicht teilnehmen.

Fabula - der Titel lässt erahnen, dass es ums 'fabulieren' geht, ums Geschichten erzählen, das was der Autor selbst auch so gerne tut. Ich habe absichtlich bisher keine weiteren Informationen, Klappentexte etc. zum Buch gelesen, um mich vollends überraschen lassen zu können. Von den zwei ersten Kapiteln wurde ich dann auch nicht enttäuscht. Sehr gut gefällt mir bereits eine Figur aus der 'Uralten Metropole-Trilogie' in Fabula wiederzufinden: Danny - dies dürfte Emilys Freund sein?

Christoph, man merkt diesem Roman wieder sehr deine Liebe zu Filmen, Musik und der Literatur an. Hast du dir deinen Hugh Chapman vorgestellt wie Hugh Jackman oder ist die Namensähnlichkeit Zufall? Die vielen genannten Musikstücke konnte ich mir bisher nicht anhören und das wird auch wohl so schnell nicht möglich sein aber sicher hast du auch hier wieder eine sehr genaue Auswahl getroffen. Auf S. 96 steht über Colin "Ja, er hatte gern gelesen, und ja, er hatte gern Geschichten erfunden." - das trifft doch auch sehr gut auf dich zu Christoph  :)  Ich mag diese Verarbeitung von bekannten Namen, Filmen etc. sehr - wie schön, dass sich das auch in Fabula wiederfindet.

Es heißt, Helen Darcy sei böse - ist sie das wirklich? Bisher kann ich das noch nicht so recht nachvollziehen. Ok, es scheint so als hätte sie dafür gesorgt, dass Danny eines Tages seinen Mund nicht mehr öffnen konnte aber war das vielleicht nur ein Ausrutscher? Ich lege mich sehr ungern mit meiner Meinung über Personen fest, ohne ausreichend viel über dieselben zu wissen und da wir Helen bisher noch nicht kennenlernen durften... halte ich mich da noch zurück.

Die Szene im Krankenhaus - Colins Geburt - und wie Colin sie erzählte, was er über sie denkt, erinnerte mich sehr an den Film 'Big Fish'. In diesem Film (bzw. Buch, da es sich um eine Buchverfilmung handelt), glaubt der Sohn nicht mehr an die vielen phantasievollen Geschichten, die sein Vater ihm immer erzählt hat. Er denkt, sein Vater hat ihn immer belogen. Das er damit nicht unbedingt recht hatte, zeigt sich später. So könnte ich es mir auch mit der Geschichte der Dschinni vorstellen. Die Söhne glauben nicht daran, die Mutter aber erzählt es immer wieder. Warum überhaupt hassen die Brüder ihr Mutter so sehr?

Ich werde gleich noch ein wenig weiterlesen und bin sehr gespannt auf die weitere Entwicklung...

Viel Spaß uns allen bei der Runde :winken:

Miramis:
Hallo zusammen, hallo Christoph, 

herzlich willkommen zu unserer gemeinsamen Leserunde auch von mir.:winken:

Ich bin mit Kapitel 1 fertig und mir gefällt es bis hierher ganz gut. Diese erste Einführung der Figuren erfolgt in einem lässigen Plauderton, mit dem ich mich recht schnell angefreundet habe. Im ersten Moment scheint es sich um eine ganz normale moderne Geschichte zu handeln, aber hier und da blitzen doch einige bizarre Begebenheiten auf (zum Beispiel der Vogel mit dem gelben Band), die auf eine rätselhafte und phantastische Entwicklung der Geschichte hindeuten.

Die Hauptfigur Colin ist ein interessanter Charakter, ziemlich introvertiert, und was mir besonders aufgefallen ist: in jeder Hinsicht gnadenlos ehrlich zu sich und seinen Mitmenschen. Hier vermute ich einen Zusammenhang mit den Lügenmärchen seiner Mutter, von denen er sich absolut distanzieren möchte und daher ins krasse Gegenteil verfällt - insbesondere im Umgang mit seiner Freundin ist mir das aufgefallen. Hier hätte er nämlich mit einer, hm, "kleinen Beschönigung" der Wahrheit manchen Schwierigkeiten aus dem Weg gehen können. ;D Aber so wie ich vermute, hat sich das Thema Shila nun erledigt.

Toll finde ich die vielen Anspielungen auf Filme und Musiktitel, da hatte ich teilweise ganz konkrete Bilder vor Augen. Zum Beispiel bei einem gewissen Professor für Chaostheorie namens Malcolm, da tauchte auch sofort das aufgerissene Maul eines T-Rex vor meinem inneren Auge auf.  ;D


--- Zitat von: Murkxsi am 21. November 2007, 21:42:08 ---Ist das eigentlich ein Jugend-Fantasy-Roman? Von der Aufmachung des Buches würde ich darauf schließen, denn die Jugendbücher sind meistens wesentlich liebevoller gestaltet als die "Erwachsenen"-Bücher.

--- Ende Zitat ---
Ja, diese Frage würde mich auch interessieren. Die Aufmachung spricht für Jugendbuch, aber beim Inhalt habe ich bei so mancher Formulierung gestutzt, zum Beispiel bei den geilsten Weibern von Prag und bei Shilas sexuellen Vorlieben. Christoph, an welche Zielgruppe hast du denn beim Schreiben gedacht?

Nun bin ich mal gespannt, was es mit Helen Darcys Verschwinden und mit Arthurs Tod auf sich hat.  :lesen:

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