Leserundenarchiv > Iris Kammerer – Der Pfaffenkönig
Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)
Thrakonia:
Hier ist Platz für Eure Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.
In den Beiträgen in diesem Thread sollten Spoiler vermieden werden! Danke!
sillesoeren:
Ich kann schon jetzt einen Kommentar zum Thema Leserundenfazit abgeben:
Diese Leserunde ist klasse! Viele Leser mit kontroversen Ansichten, dazu eine Autorin, die uns aufs Feinste mit Details und Hintergründen versorgt. Toll!
Thrakonia:
Hallo!
Leserundenfazit:
Wie sillesoren schon sagt (ohne zu Lachen ;) ) war es eine sehr angeregte, diskussionsreiche und informative Leserunde.
Mein erster Dank gilt Iris Kammerer, für ein ausgesprochen farbiges Bild einer mir bis jetzt eher dunklen Welt des tiefen Mittelalters. Durch ihre ausführlichen, hoch informativen und fundierten Kommentare wurde das Lesen des Buches zu einem Erlebnis - wie eine Reise mit Reiseleiter und Handbuch in eine andere - fremde Zeit.
Danke auch an meine mitlesenden Leserundenmitglieder (was für eine Formulierung :-[ ) für eure zahlreichen Kommentare und den guten Umgangston, eure Aufrichtigkeit, eure interessanten Ansichten und Auslegungsweisen - diese haben die Leserunde zu einer sehr angenehmen "Reisegemeinschaft" gemacht.
Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere noch ein eigenes Leserundnfazit abgeben könnte.
Lieben Dank und liebe Grüße
Kathrin
Meine Rezension zum Buch folgt wie immer etwas später.
Erendis:
Zum Buch:
"Der Pfaffenkönig" vermittelte mir ein sehr anschauliches und lebendiges Bild von der Zeit, in der Heinrich Raspe und seine Zeitgenossen lebten. Die Sprache des Buches ist sehr altertümlich gehalten und die lateinischen Einschübe, welche man im hinteren Teil des Buches in deutscher Übersetzung nachlesen kann, tragen zusätzlich zum mittelalterlichen Flair dieses Buches bei. Das Buch wirkt somit sehr authentisch und wirklichkeitsgetreu und ich nehme der Autorin ohne zu Zögern ab, dass die im Buch geschilderten Ereignisse sich so und nicht anders zugetragen haben könnten.
Aufgrund der teils enormen Zeitsprünge zwischen den einzelnen Kapiteln musste ich mich erst einmal ein wenig einlesen, doch nach diesen Anfangsschwierigkeiten in den ersten Kapiteln ließ sich das Buch für mich schnell und flüssig und natürlich auch mit Genuß lesen.
Die Figur des Heinrich Raspe wurde für mich im Laufe des Buches immer interessanter, seine Handlungen immer nachvollziehbarer und so manches mal litt ich mit ihm, wie er sterbenskrank im Bett lag und seine Lebensbeichte vollzog. Die heilige Elisabeth ist ebenfalls ein sehr faszinierender und interessanter Charakter, auch wenn der Leser ihre Handlungsweisen und ihr Verhalten nicht immer nachvollziehen kann. Auch interessante Nebenfiguren wie beispielsweise der Beichtvater Wigo, der Heinrich verhasste Magister Konrad und Heinrichs Bruder Konrad tragen zum Reiz der Geschichte bei und machen das Buch noch interessanter.
Der Schluss des Buches ist meiner Meinung nach sehr gelungen und sorgt für eine geeignete Abrundung der Geschichte. Ich beendete die Lektüre zufrieden, in der Gewissheit, ein sehr lehrreiches und oftmals spannendes Buch über eine interessante Persönlichkeit des Mittelalters gelesen zu haben.
Zur Leserunde:
Mein besonderer Dank geht an Iris Kammerer für die engagierte Begleitung der Leserunde und die vielen, vielen interessanten Zusatzinformationen, welche die Lektüre des Buches für mich ungemein bereichert haben. Außerdem korrigierte sie das düstere Bild, dass sich viele vom Mittelalter gemacht hatten und vermittelte einen umfassenden Eindruck von dieser Zeit. Da diese Epoche auf mich eine gewaltige Faszination ausübt, freute mich dies natürlich ganz besonders. :)
Ebenso geht mein Dank an alle Mitleserinnen für die interessanten Diskussionen und den informativen Meinungsaustausch.
Es war eine sehr interessante Leserunde, aus der ich viel neues Allgemeinwissen rund um das Mittelalter mitnehme und die mir viel Spaß gemacht hat.
Ganz vielen Dank und einen lieben Gruß.
Heimfinderin:
Dann will ich auch mal:
Zum Buch
Das Buch erzählt von Heinrich Raspe, der sich, auf dem Sterbebett liegend, an sein Leben zurückerinnert. Diese Erinnerungen werden episodenhaft erzählt und scheinen ihm nach und nach in den Sinn zu kommen, wie man sich das gut bei einer kranken Person vorstellen kann. Das Gefühl, neben dieser Person zu sitzen und ihm bei seinen Erinnerungen zuzuhören, ist gut zu spüren und wirkt authentisch.
Mit dieser Erzählweise wurde ich aber leider nicht so warm, denn das Gefühl neben einem Fremden zu sitzen und viele Lücken in seinen Erzählungen nicht zu erfahren und zu verstehen, ergaben teilweise ein Gefühl von Ausgeschlossenheit. Erlebnisse, die dem Kranken natürlich klar sind, aber nicht erzählt wurden, hätte ich oft gerne auch erfahren. So waren Situationen gerade noch schwierig und man fragte sich, wie sie gelöst werden würden, und im nächsten Moment war das Problem keines mehr und man fragte sich, warum, ohne es aber zu erfahren. Mit Spannung erwartete Aktionen kamen nicht, wurden nur als vollendet erwähnt. Das Lesen war dadurch oft mühsam, fehlende Jahreszahlen zu den einzelnen Sprüngen verstärkten das noch, da man oft erst mit der Zeit herausfand, dass mittlerweile einige Zeit vergangen ist und nicht nur der nächste Tag begonnen hatte.
Gefühlsmäßig ergab sich bei mir dadurch eine gewisse Distanz beim Lesen, ich beobachtete mehr, als dass ich mich „dabei“ fühlte. Dadurch fehlte mir die Nähe zum Geschehen und zu den Personen, die ich gerne beim Lesen erfahre, und das hinderte mich, in die Geschichte einzutauchen, was mein bevorzugtes „Lesegefühl“ ist.
Andererseits bot das Buch ein gutes Bild des Mittelalters, auch durch die angepasste Sprache und die lateinischen Einschübe wirkte die Zeit echt. Sehr ausführlich recherchiert wurde das Mittelalter in der Geschichte dargestellt und besonders durch die vielen zusätzlichen Informationen der Autorin wurde das Lesen des Buches zu einer sehr lehrreichen Zeit. Die einzelnen Erinnerungen waren für sich schön und flüssig erzählt und gerade deshalb hätte ich gerne die Geschichte durchgängiger gelesen.
Trotzdem war es mal eine interessante Leseerfahrung und wenn ich jetzt am Ende des Buches einen Blick auf Heinrich zurückwerfe, sehe ich ihn vor mir im Bett liegen mit all seinen Erinnerungen. Das was er uns von seinen Erinnerungen mitteilen wollte und konnte, hat er getan und nun hat er seinen Frieden gefunden.
Zur Leserunde
Diese Leserunde war eine sehr informative und interessante Runde und es wurde viel diskutiert. Sehr bereichernd waren die vielen Zusatzinformationen, die Iris uns geliefert hat. Sie trugen sehr viel zum Verständnis der Zeit bei und haben einige Vorurteile zum Mittelalter korrigiert. Ich habe viel Neues gelernt und danke Iris sehr für ihr Engagement und ihre tolle Begleitung. Ebenso danke ich allen, die mitgelesen haben für den regen Austausch. Es macht immer wieder Spaß ein Buch mit anderen zusammen zu lesen.
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