Leserundenarchiv > Horst Eckert – Königsallee
Leserundenfazit, Rezensionen etc. (ohne Spoiler)
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sandhofer:
Hier ist Platz für die Rezensionen und Meinungen (zur Leserunde allgemein), die Ihr vielleicht nach der Leserunde schreiben wollt. Es wäre schön, wenn sich hier möglichst viele beteiligen - zumindest ein Fazit zur Leserunde (auch eines vom Autor) ist immer interessant.
Bitte beachtet, dass in diesem Thread keine Spoiler stehen sollten! Danke!
Miramis:
Meine Meinung:
Die Königsallee, Düsseldorfs Prachtstraße Nummer 1, leiht diesem Kriminalroman von Horst Eckert ihren Namen; und genau wie so manche Dame mit ihren hohen Absätzen auf dem historischen Pflaster ins Straucheln kommt, so stolpern auch die Hauptfiguren dieses Romans über ihre eigenen Machenschaften.
Mit einer hochexplosiven Mischung haben wir es hier zu tun: Kunstraub, organisierte Kriminalität, korrupte Polizeibeamte und gekaufte Politiker werden zu einer dichten und spannungsgeladenen Handlung verwoben, die von Anfang an durch den schnörkellosen Schreibstil vorangetrieben wird. Auf Schwarz-Weiß-Malerei hat der Autor dabei verzichtet - jeder hat hier seine eigenen kleinen, schmutzigen Geheimnisse, die nach und nach ans Licht kommen. Das dabei einige Klischees bedient werden, ist unvermeidlich, passt nach meinem Empfinden aber sehr gut ins Gesamtbild.
Bis alle Verbrechen aufgedeckt sind, erfährt die Geschichte einige überraschende Wendungen, so dass ich am Ende verblüfft zugeben musste, dass ich mit meinen Spekulationen sehr oft auf dem Holzweg war. Der fulminante Schluss bringt auch eine gehörige Portion Action mit ins Spiel, und am Ende ist keinesfalls alles in Butter.
Auch deswegen hat mir die "Königsallee" sehr gut gefallen und ich empfehle den Krimi gerne als abwechslungsreiche, spannende und unterhaltsame Lektüre weiter. Horst Eckert hat wieder einmal bewiesen, dass gute Krimis nicht zwingend aus den USA, Skandinavien oder Venedig kommen müssen - auch aus der Feder deutscher Krimiautoren gibt es einiges an lesenswerten Büchern.
Vielen Dank an Horst Eckert für seine Begleitung dieser Leserunde! Ich bin natürlich noch weiter mit dabei und werde noch ein bisschen mitdiskutieren, wenn es sich ergibt. :)
HoldenCaulfield:
Meine Meinung:
Ein eher nüchterner und sachlicher Ton begleitet die Handlung, die der Leser mit Spannung verfolgen kann. Das sollte aber nicht davon abhalten "Königsallee" in die Hand zu nehmen und zu lesen.
Die Handlung kommt recht gut voran, der Stil liest sich flüssig und die verschiedenen Handlunsstränge verknüpfen sich lamgsam zu einem interessanten Gesamtbild.
Viele der Figuren sind eher unsympatisch gezeichnet aber gerade das macht sie so realistisch. Eckerts Figuren haben Ecken und Kanten- gerade auch die ermittelnden Polizisten sind keine Saubermänner sondern haben durchaus auch so ihre Leichen im Keller. Zusammen mit der Handlung, die Bezüge zur realen Welt nimmt, tragen die Figuren zu einer Geschichte bei die sehr real wirkt. Fast bekommt man ein wenig Angst wie real!
Horst Eckert hat einen spannenden Krimi geschrieben der für ein paar angenehme Stunden wunderbar geeignet ist!
Auch von mir noch einen Herzlichen Dank an Horst Eckert für die Begleitung der Leserunde! Ich werd mich natürlich nicht still und heimlich aus der Runde verabschieden sondern sicher auch noch den ein oder anderen Kommentar besteuern.
Grüße
sandhofer:
Hallo zusammen!
Nun auch mein Fazit:
Die Leserunde war angenehm, wenn auch etwas zu ruhig für meinen Geschmack. Das mag daran liegen, dass das Buch allzu spannend war, um sich lange mit Spekulationen aufzuhalten - für mich, der ich ungern in Krimis über den Ausgang spekuliere sowieso. Das Buch war für mich eine Umsetzung in Krimiform des alten Satzes von Sartre: "L'enfer - c'est les autres" (Die Hölle sind die andern). Jeder macht hier jedem das Leben sauer, nicht nur die Verbrecher den Polizisten, auch die Verbrecher untereinander, die Polizisten untereinander, die PolizistInnen und ihre PartnerInnen etc. etc.
Der Krimi ist, soweit ich das als Laie beurteilen kann, sauber konstruiert, gut (auch sprachlich gut) erzählt, und wie schon gesagt, sehr spannend. Es ist nicht das Milieu, von dem (und die Art Buch, die) ich täglich zu lesen wünschte. Düsseldorf als Metapher für das, was schlecht laufen kann in einer Demokratie?
Jedenfalls bereue ich es nicht, das Buch gelesen zu haben. Vielen Dank an den Autor für die gute Begleitung!
Grüsse
sandhofer
dubh:
Hallo zusammen,
vorweg möchte ich mich nochmal bei allen entschuldigen, dass ich die Leserunde leider hinten an gehinkt bin... In den letzten Wochen standen bei mir durch eine EDV-Umstellung und die dazugehörigen Schulungen sehr viele Überstunden an und abends flimmerte mein Hirn immer noch, so dass ich noch nicht einmal mehr lesewillig war.
Das lag aber gewiss nicht an Euch oder dem Buch - soviel vorweg!
Von daher ein großes Dankschön an Euch - einige lesen meinen Senf ja durchaus auch noch sehr genau mit -, ich hab mit viel Interesse Eure Kommentare und Vermutungen gelesen!
Und natürlich vielen Dank, Herr Eckert! Wie auch bei 617 Grad Celsius haben sie uns toll begleitet. Hoffentlich hatten Sie auch ein bißchen Spaß mit unseren Spekulationen...
Zum Buch selbst:
Wie schon bei bei meinem ersten Krimi von Horst Eckert 617 Grad Celsius bin ich sehr angetan. Die Idee, einen Krimi mit wechselnden Hauptfiguren aber wiederauftauchenden von einzelnen Charakteren aus früheren Büchern gefällt mir ausgesprochen gut. So hat man zwar diesmal von Ela Bach, Anna Winkler und Chef Engel nicht sonderlich viel mitbekommen, aber irgendwie freut man sich trotzdem über alte Bekannte und vor allem einen anderen Realitätsbezug.
Königsallee ist eigentlich ein sehr düsterer Krimi - geradezu beängstigend wieviel Filz und Betrügereien innerhalb von Polizei und Politik möglich sind... Aber genau dies ist die Stärke des Buches: auch wenn man hofft, dass im echten Leben nicht alles ganz so komprimiert ausfällt, so wirkt dennoch alles erschreckend realistisch! Die Charaktere sind glaubhaft geschildert, ihre Bestrebungen oder auch ihre Ängste sind nicht aus der Luft gegriffen, im Gegenteil, sie sind nachvollziehbar - auch wenn man gerade die Scheißtypen natürlich nicht wirklich versteht.
Außerdem finde ich einen reinen Polizeikrimi (Oder wie sagt man dazu? Jedenfalls ein Krimi, in dem die Polizeiarbeit absolut im Vordergrund steht) sehr interessant: zwar werden private Erlebnisse nicht völlig ausgeblendet, dennoch steht die tatsächliche Ermittlungsarbeit (wie zum Beispiel die KK-Sitzungen, unterschiedliche Teams, die beteiligt sind, die "Laufarbeit" hinter jedem einzelnen Detail, die Verhöre, ...) absolut im Vordergrund.
Zum Aufbau des Buches kann ich nur sagen, dass mir die verschiedenen Stränge, die sich langsam verdichten und oft in knappen Kapiteln daherkommen, extrem gut gefallen - ebenso wie die gute Sprache Horst Eckerts, die in Krimis leider nicht allzu häufig ist. Neben der sehr guten Spannung ist besonders der Showdown noch erwähnenswert: hier wird einem klar, wie sehr man mit seinen Vermutungen daneben liegen kann... Im vorletzten Teil überschlägt sich die Handlung noch einmal und präsentiert dem Leser (oder zumindest mir) ein nicht erwartetes Ende, das ebenso gelungen wie auch bitter ist.
Liebe Grüße
dubh
PS. Sandhofers Frage ist die, die mir auch im Kopf herum spukt:
--- Zitat ---Düsseldorf als Metapher für das, was schlecht laufen kann in einer Demokratie?
--- Ende Zitat ---
... und der sich noch eine andere anschließt: Wie können Macht und/oder Gelegenheit Menschen so von ihrer Spur abbringen, dass sie ihre eigenen Überzeugungen über Bord werfen? (Wobei diese Frage eher rhetorischer Art ist. ;))
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