Besser spät als nie....
Rezi:
Hauptfigur Hiob spielt ein Spiel mit etwas bzw. jemandem, den man, um nicht in die Tiefen einer vielbändigen Erklärung einzutauchen, kurzerhand als den Teufel bezeichnen könnte. Es ist Hiobs Aufgabe die Welt vom Bösen zu befreien und für jeden Erfolg bekommt er Punkte, wobei eine bestimmte Anzahl Punkte für den Sieg notwendige ist. Sein Verhalten ist dabei ganz gewiss nicht korrekt oder gut und es ist ein wenig wie in einem Western, wo man Gut und Böse nur an der Hutfarbe unterscheiden kann und nicht an ihren Handlungen.
Der erste Band, Frauenmörder fällt alleine durch seine Aufmachung aus dem Rahmen, da die Kapitel teilweise in unterschiedlichen Schrifttypen gesetzt sind oder Effekte eingebaut sind, wie das Abstürzen von Buchstaben aus ihrer Zeile etc., die Gestaltungen erinnern mich daran, wie Schriftgröße, -Farbe, -Typ… in Comics genutzt werden, um den Inhalt zu verstärken. So ist das Buch optisch immer wieder überraschend und war wahrscheinlich ein Albtraum für den Setzer...
Inhaltlich wird der Leser in die Welt Hiobs eingeführt und man sollte den Aufkleber „Explicit Lyrics“, der auf der Vorderseite prangt, nicht als übertrieben ansehen. Tatsächlich war bereits die erste Seite des ersten Kapitels so ziemlich das ekelhafteste, perverseste und schrecklichste was ich jemals zwischen zwei Buchdeckeln vorgefunden habe. Dass ich das Buch im weiteren Verlauf trotz aller Niederungen nie wieder so fürchterlich gefunden habe, lässt mich allerdings überlegen, ob ich nun beim Lesen abgestumpft bin oder ob die Geschichte wirklich etwas zurückhaltender wird. Etwas für schwache Nerven oder Mägen ist nämlich auch der Rest nicht. Dabei sind die Beschreibungen auch in anderen Belangen sehr intensiv und so manches Mal finden sich Neuschöpfungen Meißners, die mich eine Zeile ein zweites Mal lesen lassen, um sie in ihrer ganzen Wortgewalt auf mich einwirken zu lassen. Er beweist ein wirklich unglaubliches Gespür für Sprache und ihren ausdrucksstärksten Einsatz. Aus dieser Kombination ergibt sich eine zugleich mitreißende und tief beeindruckende Lektüre, deren versteckte Vergleiche, Metaphern und Anspielungen genügend Stoffe für eine Wiederholung der Lektüre bieten. Hiobs Geschichte ist natürlich lange noch nicht zu Ende, er hat gerade mal 10% der notwendigen Punkte für den Sieg und so wird der zweite Band sicherlich bald seinen Weg zu mir finden.
und noch meine Eindrücke zur Leserunde:
Das Buch bot uns leider nur begrenzten Diskussionsstoff, was zum einen an stark unterschiedlichen Lesetempi lag, zum anderen auch einfach daran, dass das offensichtliche Geschehen von praktisch allen gleich beurteilt wurde. Zum Abschluss der Leserunde bot Tobias zwar noch einige interessant klingende Diskussionsansätze, die zuvor von uns Lesern scheinbar allesamt nicht entdeckt wurden, wie zum Beispiel Vergleiche mit Dante, aber es fehlte wohl allen das Vermögen die entsprechenden Anspielungen im Buch selber zu erkennen oder zumindest der notwendige Hintergrund, um daraus eine erwähnenswerte Theorie zu entwickeln. Es war aber mit Sicherheit interessant, einiges über Tobias Herangehensweise an den Stoff und die Geschichte zu erfahren.