Autor Thema: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)  (Gelesen 4196 mal)

Offline gheron

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #15 am: 02. Juni 2007, 19:10:27 »
Hallo, Olima,

Zitat
was bedeutet "zu Paaren treiben" in der "Kriegessprache" ?

Das bedeutet, eine feindliche Truppe so zusammenschlagen, dass sie keiner planmäßigen Absetzbewegung mehr fähig ist, sondern ihr Heil in wilder Flucht sucht, bei der nicht mehr als nur ein paar wenige Männer zusammenbleiben. Nach einer solchen Flucht dauert es oft Tage oder Wochen, bis sich ein Heer wieder gesammelt hat. Während dieser Zeit hat der Sieger der Schlacht freie Hand.

Zitat
Was wäre denn Euer Lieblingstitel gewesen?

Die Marketenderin! Das hätte unserer Ansicht nach gut zur Wanderhure gepasst.

Gheron :winken:


Offline Flor

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #16 am: 02. Juni 2007, 20:07:52 »
Was wäre denn Euer Lieblingstitel gewesen?


Das hätte ich jetzt auch gefragt ;D.

Oh, ich sehe gerade Gheron hat schon geantwortet, dass geht aber schnell.

Allerdings müssen ja unsere Hauptakteure wieder neu vorgestellt werden und auch an die Handlung des ersten Buches angeknüpft werden, vielleicht wirkt der Einstieg deshalb auch etwas gemächlicher.


Ja, genau das meinte ich. Aber das muss ja bei einem 2. Teil auch sein und trotzdem habe ich gestern ja lieber noch mal ein bisschen in der Wanderhure gelesen.

Zu den Hussiten:
Da macht es schon einen Unterschied, ob man Verständnis für die Ideale eines einzigen Mannes wie Jan Hus hat, oder von Rebellen hört, die sich gegen den König erhoben haben.

Ich hatte auch vor diesem Roman noch nicht wirklich von diesen Kriegen gehört ;). Okay, ich denke es gab  da mal etwas im Geschichtsuntericht, aber der ist ja schon lange her :D.
Ich habe erstmal ein bisschen bei Wikipedia nachgelesen.
Und es ist ja leider immer so, da wird ein Mann und seine Ideale genommen und unter seinen Namen versuchen Rebellen Ihre eigenen Ziele durchzusetzten. Obwohl ich noch nicht so genau weiß was für Ziele das jetzt im einzelnen waren. Ich wollte nicht alles nachlesen, ich denke da wird noch einiges im Roman erklärt.

Offline gheron

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #17 am: 02. Juni 2007, 20:26:34 »
Hallo, Flor,

Zitat
Ich wollte nicht alles nachlesen, ich denke da wird noch einiges im Roman erklärt.

Es wird auf jeden Fall gezeigt, wie es in diesem Krieg zuging. Die Hussitenkriege nahmen in etlichen Teilen Mitteleuropas die Gräuel des Dreißigjährigen Krieges voraus.

Gheron

Offline *Sternenstauner*

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #18 am: 03. Juni 2007, 17:27:26 »
Hallo,

ich habe im Studium ein bisschen was über die Geschehnisse im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gelernt, wusste über die Hussitenkriege im Speziellen aber auch nicht sonderlich viel. Daher fand ich die Informationen zum historischen Hintergrund ab Seite 587 als kleine Einstiegshilfe auch sehr gut.

Den Anfang fand ich insgesamt betrachtet - im Vergleich zum dramatischen Beginn der Wanderhure - ebenfalls gemächlicher, aber dennoch interessant. Es gibt erstmal eine kleine Wiedereinführung der Personen, einen Überblick, was in den letzten 10 Jahren (mehr oder weniger) passiert ist und dann geht es auch gleich los mit der Handlung. Hat mir gut gefallen. :winken:

hertzi

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #19 am: 04. Juni 2007, 09:22:50 »

Den Anfang fand ich insgesamt betrachtet - im Vergleich zum dramatischen Beginn der Wanderhure - ebenfalls gemächlicher, aber dennoch interessant. Es gibt erstmal eine kleine Wiedereinführung der Personen, einen Überblick, was in den letzten 10 Jahren (mehr oder weniger) passiert ist und dann geht es auch gleich los mit der Handlung. Hat mir gut gefallen. :winken:

Das hat mir auch sehr gut gefallen, und den Einstieg in die Kastellanin doch etwas erleichtert.  ;) Marie hat sich seit der Wanderhure etwas verändert. (Naja immerhin sind auch 10 Jahre vergangen  ;D) Sie ist etwas häuslicher und nicht mehr ganz so verbissen und zielstrebig geworden. Was ich einerseits sehr schade finde. Aber vielleicht kommt das noch.
Grüße Anja

Offline apassionata

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #20 am: 04. Juni 2007, 14:38:41 »
Sie ist etwas häuslicher und nicht mehr ganz so verbissen und zielstrebig geworden. Was ich einerseits sehr schade finde. Aber vielleicht kommt das noch.
Grüße Anja

Anja, das kommt noch.  ;)
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Karthause

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #21 am: 04. Juni 2007, 23:09:56 »
Hallo liebe Mitleser!

Nun bin ich auch mit den ersten 65 Seiten durch.

Eigentlich war ich erstaunt, dass in der "Zwischenzeit" von der Wanderhure zur Kastellanin schon 10 Jahre vergangen waren. Marie war im ersten Teil für mich immer eine sehr positiv besetzte Figur. Dieses Gefühl hatte ich auch sofort in diesem Buch wieder. Schade, dass es noch keine Kinder gab. Mit 33 Jahren ist sie ja zu der damaligen Zeit in einem Alter, in dem die biologische Uhr lauter tickt. Wenn ich aber vom Klappentext ausgehe, sollte da ja noch etwas passieren.  ;) (besser gesagt passiert sein)

Michel wird es sicher nicht leicht haben. Er wird als Wirtbursche bezeichnet, ich habe mir hier noch die freundlichste Bezeichnung gesucht, weil ich ihn mag. Seine Reaktion als er den Wein ausschenkte fand ich allerdings klasse. Ein Wirt verkauft den Wein natürlich. Aber in dem schlechten Verhältnis insbesondere zu Falko von Hettenheim und den ihm nahestehenden Ritter liegt für die nächsten Kapitel sicher noch viel Zündstoff.


Schön zu lesen, das es auch Hiltrud und ihrer Familie so gut geht und sie noch regen Kontakt mit ihrer Weggefährtin und Freundin Marie
unterhält.
Hier hat mir die Antwort an die Tochter sehr gut gefallen :"Nun wir sind von Markt zu Markt gezogen und haben dort unsere Waren feilgeboten.;D
Clever gemacht, da nicht gelogen. Sie scheint eine tolle Mutter zu sein.


Ja, das war wirklich die beste aller Antworten.

Gestern habe ich gelacht, als eine Bekannte mir erzählte, ihr neues Pferd hieße Franziska, ;D, aber Häschen toppt alles. Herrlich. Da ich auch nicht reiten kann und vor Pferden mordsmäßigen Respekt habe, da die so groß sind, ist mir Marie's nicht-reiten-können sehr sympathisch. Aber das hat mir auch schon in der Wanderhure gefallen, die Protagonisten sind nicht sie Superhelden. Sie haben auch ihre Schwächen.

Falko ist wirklich ein Antiheld. So war es wohl auch geplant. Ich wüsste nicht, was mir an ihm sympatisch sein sollte. Ich hätte nichts dagegen, wenn er auf den nächsten Seiten vom Gaul stürzen und sich einen Splitterbruch im Oberschenkel zuziehen würde. So müsste er im Hinterland bleiben und könnte keine Ränke schmieden. Die erwarte ich nämlich von ihm.

Eine Frage habe ich aber noch: Ist Würzwein so etwas wie Glühwein?

Nun schnell noch ein paar Seiten lesen, ich habe schließlich Nachholebedarf. :winken:

Offline apassionata

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #22 am: 05. Juni 2007, 06:49:29 »

Eine Frage habe ich aber noch: Ist Würzwein so etwas wie Glühwein?



Zumindest stelle ich es mir so vor.
Irgendwo (da bist du wahrscheinlich noch nicht durch) wird noch beschrieben wie Hiltrud einen Wein
mit einem glühenden Kamimhaken erhitzt und Kräuter zu gibt.  ;)

Das ist unter anderem das, was ich in diesem Buch auch so toll finde. Früher oder später
wird eigentlich alles irgendwie erklärt.

Grüssle
       Marion  :winken:
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Offline gheron

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #23 am: 05. Juni 2007, 10:32:27 »
Zitat
Zitat von Karthause:
Eine Frage habe ich aber noch: Ist Würzwein so etwas wie Glühwein?

So ín etwa kann man es sagen. Nur wurden damals auch Zutaten verwendet, die wir heute nicht mehr nehmen würden. Im Winter wurde übrigens auch gewürztes Bier getrunken, das auch aus allen möglichen Ingredienzien zusammengemischt wurde. Das Zeug sollte ja nicht nur aufwärmen, sondern auch Kraft geben.

Gheron :winken:

Karthause

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #24 am: 05. Juni 2007, 19:09:57 »
Danke, für eure prompten Antworten.

Warmes, gewürztes Bier kenne ich von meinen Großeltern noch. Hat Opa im Winter ab und an getrunken. Ich habe aber keine Ahnung was sie an Gewürzen dran getan hat. Aber Bier ist eh nicht mein Ding.

hertzi

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #25 am: 06. Juni 2007, 11:07:39 »
So seit gestern bin ich nun auch mit dem ersten teil fertig und habe mir ein paar Gedanken dazu notiert.Die Vergewaltigungszene auf Seite 55 ging mir sehr nahe. Kann ich mir das tatsächlich so vorstellen, das jede "freilaufende" Frau als Freiwild angesehen wurde? Mich hat es direkt geschüttelt...Dieser Falko von Hettenheim kommt mir sehr brutal rüber. Und sowas ist adlig! Umso mutiger war es von Michel da einzugreifen. Obwohl jetzt eine umso größere kluft zwischen den beiden herrscht. Im weiteren Verlauf ist mir dann aufgefallen, das die eigene Landsleute ( habe ich das richtig verstanden?) den vorbeiziehenden Rittern im Feindesland ein feuchtes Grab wünschten. Die Bauern kann ich verstehen, wenn man jedesmal Angst um seine Frau haben musste...Aber die Stimmung im eigenen Land hebt das natürlich nicht.
Beim Aufbau des Lagers dann sieht man auch schon hier die zweigeteilte Truppe. (S. 57) Michel hat es aufgrund seines Standes sehr schwer.Alles in allem habe ich diesen Teil mit einem äußerst unguten Gefühl, was diesen Falko von Hettenstein betrifft, abgeschlossen. Könnte mir vorstellen, das auf Michel noch einiges zukommt, und hoffe, das er vorsichtig ist.

Grüßle Anja

Offline *Sternenstauner*

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #26 am: 06. Juni 2007, 23:26:09 »
Michel[...]Seine Reaktion als er den Wein ausschenkte fand ich allerdings klasse. Ein Wirt verkauft den Wein natürlich.
Die Szene hat mir auch sehr gut gefallen. Allerdings ist natürlich zu befürchten, dass die Reaktion den Hass der Ritter nur noch mehr schürt. Ich denke aber, dass Michel es ihnen sowieso nicht recht machen kann, von daher dürfte ein bisschen mehr Ärger den Bock auch nicht fett machen. ;)

@ hertzi
Frauen schienen wirklich Freiwild gewesen zu sein. Vergewaltigungen standen scheinbar an der Tagesordnung. :( Zumindest habe ich diesen Eindruck gewonnen.

Karthause

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #27 am: 08. Juni 2007, 12:14:52 »
@Sternenstauner

Eine Frau sagt halt immer ja und wenn sie nein sagt, meint sie zumindest ja. Das muss wohl die vorherrschende Meinung bei der Masse der Männern damals gewesen sein.  >:(

Offline apassionata

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #28 am: 09. Juni 2007, 08:25:09 »
@ hertzi
Frauen schienen wirklich Freiwild gewesen zu sein. Vergewaltigungen standen scheinbar an der Tagesordnung. :( Zumindest habe ich diesen Eindruck gewonnen.

Na was haben wir für ein Glück im Jetzt und Hier geboren worden zu sein.   8)
"Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandelt." Mahatma Gandhi

Offline gheron

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Re: (1) Iny Lorentz – Die Kastellanin (Anfang bis Seite 65)
« Antwort #29 am: 09. Juni 2007, 19:08:41 »
Es gab in jenen Zeiten durchaus Versuche, das Zusammenleben der Leute mit Gesetzen zu regeln. Doch waren Gesetze nur so gut wie die Leute, die sie durchsetzen sollten. Außerdem waren die Amtsbezirke dieser Vögte und Amtleute begrenzt, und viele Herrschaften besaßen ihr eigenes Recht. Die Gesetze waren, wo sie angewendet wurden, auch alles andere als gerecht. So hätte Falko von Hettenheim sich von dem Vorwurf, die Ziegenhirtin vergewaltigt zu haben, mit ein paar Münzen freikaufen können, wenn es überhaupt zu einer Anklage gekommen wäre. Ein Ziegenhirte, der ein adeliges Mädchen vergewaltigt hat, wäre hingegen auf übelste Art und Weise ums Leben gebracht worden.
Lange Zeit wurde die Durchsetzung von Strafen gegen Gesetzesbrecher auch als Privatsache angesehen. Der Geschädigte konnte zwar vom Gericht seiner Heimat ein Urteil gegen seinen Schädiger erwirken, war aber selbst dafür verantwortlich, es zu vollstrecken oder den anderen wenigstens zu fangen und dem Gericht auszuliefern. Wenn er dazu nicht in der Lage war, sah er in die Röhre.

Erst in späteren Zeiten sorgten die Landesfürsten dafür, dass wenigstens die Blutsgerichtsbarkeit in ihre Hände kam. Das niedere Recht bis hin zu Leibstrafen blieb bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts sehr oft in der Hand der Gutsherrn und adeligen Landbesitzer.  Die konnten mit ihren Leuten quasi machen was sie wollten. Nur direkt erschlagen sollten sie diese nicht. Immerhin fanden es die Adeligen eines Gebietes im 17. Jahrhundert nicht gut, dass einer der Ihren straffrei geblieben war, nachdem er einen seiner Bauern getötet hatte. Die Herrschaften hätten ihm wenigstens eine Geldstrafe vergönnt.

Zum Umgang mit Untertanen ist noch zu sagen, dass einer der deutschen Duodezfürsten einen Schornsteinfeger con Dach geschossen hat, um seiner derzeitigen Mätresse seine Treffsicherheit zu beweisen. Der Witwe des Schornsteinfegers schenkte er anschließend allergnädigst eine Hand von Gulden.

Im Allgemeinen ist zu sagen, dass einem vernünftigen Burg- oder Gutsherrn klar sein musste, dass er seine Bauern und Knechte nicht zu sehr schinden durfte, wenn er sie nicht zur Rebellion oder Flucht treiben wollte. Allerdings ist Vernunft kein Gut, dass man vom Händler kaufen konnte oder kann. Aus diesem Grund kam es immer wieder zu schlimmen Taten.

Liebe Grüße
Gheron :winken: