Hallo, Sternenstauner,
da in euren Romanen ja sehr viele historische Informationen enthalten sind, würde mich interessieren, wie bei euch das Verhältnis Recherche <-> Schreibvorgang aussieht, also wie lange ihr in etwa recherchiert, bis ihr mit dem Schreiben anfangt und wieviel Zeit dies dann in Anspruch nimmt.
Iny hat einmal in einem Interview gesagt, ich würde so zwischen 15 und 20 Sachbücher pro Roman "verbrauchen". Davon kann ich etwa die Hälfte auch für weitere Projekte verwenden, der Rest ist speziell für diesen einen Roman besorgt worden. Ich beginne mit den Recherchen etwa ein Jahr, bevor ich den Roman anfange. Nach Möglichkeit suchen wir in der Zeit auch die Gegenden an, in der der Roman spielen soll und sehen uns die Schauplätze an. Außerdem arbeite ich gerne mit DVDs und Bildbänden, um die Gegebenheiten während des Schreibens immer vor Augen zu haben, und natürlich durchforste ich auch das Internet nach interessanten Seiten.
Ich dürfte etwa 30% der Zeit für die Recherche aufbringen, und 70% für das Schreiben, Überarbeiten und Kontrolllesen bei Iny.
War es von Anfang an geplant, aus der Wanderhure eine Trilogie zu machen
Die Wanderhure war von uns als Einzelroman geplant und geschrieben worden. An eine Fortsetzung hat von uns keiner gedacht. Aber es ist halt so, dass der Autor denkt, der Verlag aber lenkt. Ich erinnere mich noch gut an jenen Freitag, als bei mir in der Firma das Telefon geklingelt hat und Iny am anderen Ende der Leutung war. Unsere Agentin hatte sie angerufen und sie gebeten, dass einer von uns noch an diesem Tag in die Agentur kommen sollte. Da ich früher Feierabend hatte als Iny, machte ich mich auf die Socken. Kurz darauf kam der Schock meines Autorenlebens. Der Verlag hatte bis dorthin gerade die Kastratin angekauft und ihm lag die Wanderhure zur Prüfung vor. Nun erklärte mir unsere Agentin, dass Knaur den Roman ebenso ankaufen würde wie die Goldhändlerin, an der wir gerade gearbeitet haben, wenn ... je, wenn wir bis zum Montag, sprich also innerhalb von drei Tagen ein Exposé für eine Fortsetzung der Wanderhure einreichen würden.
Da Marie für uns geistig abgeschlossen war, stand ich da wie der berühmte Ochs vorm Berg, und sagte, dass können wir nicht. Ich wurde mit dem aufmunternden Satz "Versuch's wenigstens" verabschiedet und wankte zur U-Bahn. Vier Stationen weiter flammte es plötzlich in meinen Gedanken auf und als ich nach Hause kam, konnte ich zu Iny sagen. "Der Verlag will eine Fortsetzung der Marie und ich habe auch schon eine Idee dafür!". Das Expesé war dann auch rechtzeitig fertig.
Ich bin immernoch der Ansicht, dass man uns von Verlagsseite absichtlich unter Druck setzen wolle, um zu sehen, wie wir hier reagieren.
Bei der Kastellanin haben wir auf Anraten unserer Agentin einen losen Faden gelassen, um gegebenenfalls einen dritten Marie-Roman schreiben zu können, der dann ja auch von Verlag gewünscht wurde.
Gheron
