Den Abschnitt habe ich schon vor ein paar Tagen beendet, aber nicht genug Zeit im Internet-Café gehabt, um auch dies zu posten. Jetzt muß ich mal sehen, was ich mit meinen Notizen hier noch anfangen kann

Bei der Charakterisierung von Krimhild habe ich mich gefragt, ob zwischen ihrer Vernachlässigung durch den Vater nach der anfänglichen Ausnahmestellung, die sie bei ihm hatte, und ihrer Eitelkeit ein Zusammenhang besteht. Dieses Weib ist ja einfach nur unerträglich, damit paßt sie aber hervorragend zu Siegfried, jedenfalls so, wie er hier eingeführt wird: verwöhnt, etwas dämlich, überheblich - die Liste vergleichbarer Adjektive ließe sich noch fortsetzen. Leid getan hat es mir um Mime. Unter dessen Einfluß hätte aus Jung-Siegfried vielleicht noch etwas Anständiges werden können, wobei ich mir lieber nicht vorstelle, was er ohne diese Zeit mit Mime geworden wäre. Ich denke, Sigismund hat mit der Beseitigung Mimes einen Fehler begangen, auch weil bei einer längeren Ausbildung Siegfried wohl nicht (jedenfalls nicht so) in Worms gelandet wäre.
Meine Vermutung zu den kursiven
Erinnerungen hat sich hier verfestigt. Maßstab ist dabei für mich Giselhers Alter, der hier als junger Mann auftritt und damit deutlich älter als in der Zeit ist, von der Bryndt noch berichtet. Da Giselher laut Stammbaum aber nur 23 wird, dürfte bis zu seinem Tod nicht mehr viel Zeit vergehen.
Bryndts Bericht über seine eigene Familie und wie er sie verlor hat mich schon traurig gestimmt. Und auch seine Beschreibung, was einen Skalden ausmacht, fand ich sehr interessant. Ich habe mich schon gefragt, wie man so überhaupt leben kann:
Mein seltsames Leben, das darin besteht, die Geschichten anderer Menschen zu hören, zulernen und weiterzuerzählen.
Ich bin gesichtslos, eigenschaftslos, der Skalde, der ewige Erzähler. Ich bin das Gedächtnis so vieler Menschen, ganzer Volksstämme an Lebenden und Toten, die sich auf meine Erinnerung verlassen. (...) Wer wird sich an mich erinnern? Wer wird sich an den Erzähler erinnern, wenn er zu erzählen aufhört? Wird sich jemand an mein Lachen erinnern, meine Stimme?
Diese Fragen halte ich für durchaus berechtigt. Bryndt übt als Skalde eine wichtige Funktion für die Gemeinschaft aus, in der er lebt. Aber was bekommt er von der Gemeinschaft dafür? Nicht, daß alles immer aufgerechnet werden muß, es geht ja auch nicht unbedingt um materielle Gegenwerte - obwohl ich weiß, daß es in nordischen Gesellschaften nicht unüblich war, daß ein Fürst einen Skalden für ein schmeichelhaftes, gelungenes Lied über sich mit Gold belohnte, weil die Weiterverbreitung eines solchen Liedes seinen Ruhm mehrte.
Die Vorstellungen, die in Worms über die Nordleute herrschen, sind eher vage und wirr. Ich nehme nicht an, daß diese sich genau so bestätigen werden. Nach der bisherigen Schilderung der Familiengeschichte kann ich mir nicht gut vorstellen, wie Gunther und Brynhild miteinander umgehen können sollen. Das muß einfach in einer Katastrophe enden.
Schönen Gruß,
Aldawen