Autor Thema: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens (S.139-216)  (Gelesen 2537 mal)

Offline Bianca

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 374
Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens (S.139-216)
« am: 23. März 2007, 16:20:34 »
Hier könnt Ihr zu den Seiten 139-216 schreiben. Spoilermarkierungen sind aufgrund der Seitenbeschränkung nicht vorgesehen.
« Letzte Änderung: 23. März 2007, 16:25:21 von Bianca »
Liebe Grüße,

Bianca

Offline Kathrin

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 360
Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens (S.139-216)
« Antwort #1 am: 29. März 2007, 20:25:53 »
So, dann will ich hier gleich mal weitermachen, ich hab erstmal nur noch heute und morgen zum posten, danach bin ich ja beim skifahren und wohl eher abgeschnitten von der Internet-Welt. Mal schauen, ob ich nicht doch im Internet-Cafe nen freien PC irgendwann finde. Aber zu diesem und vor allem zum nächsten Abschnitt, muss ich was loswerden...

Hm, die Sache mit Dankwart und Hagen hat sich für mich immer noch nicht aufgeklärt, aber gerade bei Hagens Krankheit, wo Dankwart so oft bei ihm ist und Hagen dann irgendwann aufwacht und einfach nur "Dankwart" sagt...das bestätigt mir meinen Verdacht, dass sie sich schon länger kennen. Diese noch ungeklärte Sache ist auch so ein Grund, warum ich das Buch nicht aus der Hand legen kann.

So, und jetzt ist auch der andere Nibelungenheld aufgetaucht, Siegfried, der alte Aufschneider  :D. Dass Bryndt da ziemlich vernichtend über Siegfried urteilt, kann ich ihm aus dem was ich weiß nicht verübeln, na und so wie er seinen Vater Hagen verehrt, da ist natürlich so ein "Held" wie Siegfried, über den solche Gerüchte im Umlauf sind, schon jemand, der Hagen auch den Rang beim Volk oder den Soldaten ablaufen könnte. Ein starker, junger Held, der schon allerlei Abenteuer erlebt haben soll...der zieht bestimmt so manchen Bewunderer zu sich. Interessant übrigens, dass Siegfried blond sein soll. Für mich sieht er irgendwie aus wie dieser komische Herkules-Darsteller aus der TV-Serie. Gab's es mal eine Verfilmung über das Thema mit einem eher dunkelhaarigen Siegfried...ich kann ihn mir blond echt nicht vorstellen, aber egal.

Ach und wie schön, dass Hagen mit Gunther unter drei Augen sprechen will  :D

So, und jetzt muss ich aber schnell in den nächsten Abschnitt...mich juckt es in den Fingern, ich muss das jetzt loswerden  :D

viele grüße
kathrin


Sehr gut gefällt mir übrigens auch  das immer wiederkehrende Bild der Götter, die sich langweilen und aus Langeweile alles durcheinanderwirbeln. Das ist nett, ich mag solche Bilder.

Offline Viola Alvarez

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 71
Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens (S.139-216)
« Antwort #2 am: 29. März 2007, 20:31:24 »
. Ein starker, junger Held, der schon allerlei Abenteuer erlebt haben soll...der zieht bestimmt so manchen Bewunderer zu sich. Interessant übrigens, dass Siegfried blond sein soll. Für mich sieht er irgendwie aus wie dieser komische Herkules-Darsteller aus der TV-Serie. Gab's es mal eine Verfilmung über das Thema mit einem eher dunkelhaarigen Siegfried...ich kann ihn mir blond echt nicht vorstellen, aber egal.

Es war Benno Führmann, der durch eine fragwürdige Verfilung Uli Edels siegfriedete.  Damit war er übrigens der einzg dunkelhaarige Siegfried, nach Uwe Beyer und anderen blonden Helden.
Siegfried ist eine Figur, die ich hier gerne mal diskutieren würde, wenn sich mehr bis hierher vorgelesen haben. Das fände ich sehr spannend.

Viola Alvarez

Aldawen

  • Gast
Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens (S.139-216)
« Antwort #3 am: 31. März 2007, 18:28:11 »
Den Abschnitt habe ich schon vor ein paar Tagen beendet, aber nicht genug Zeit im Internet-Café gehabt, um auch dies zu posten. Jetzt muß ich mal sehen, was ich mit meinen Notizen hier noch anfangen kann  ;D

Bei der Charakterisierung von Krimhild habe ich mich gefragt, ob zwischen ihrer Vernachlässigung durch den Vater nach der anfänglichen Ausnahmestellung, die sie bei ihm hatte, und ihrer Eitelkeit ein Zusammenhang besteht. Dieses Weib ist ja einfach nur unerträglich, damit paßt sie aber hervorragend zu Siegfried, jedenfalls so, wie er hier eingeführt wird: verwöhnt, etwas dämlich, überheblich - die Liste vergleichbarer Adjektive ließe sich noch fortsetzen. Leid getan hat es mir um Mime. Unter dessen Einfluß hätte aus Jung-Siegfried vielleicht noch etwas Anständiges werden können, wobei ich mir lieber nicht vorstelle, was er ohne diese Zeit mit Mime geworden wäre. Ich denke, Sigismund hat mit der Beseitigung Mimes einen Fehler begangen, auch weil bei einer längeren Ausbildung Siegfried wohl nicht (jedenfalls nicht so) in Worms gelandet wäre.

Meine Vermutung zu den kursiven Erinnerungen hat sich hier verfestigt. Maßstab ist dabei für mich Giselhers Alter, der hier als junger Mann auftritt und damit deutlich älter als in der Zeit ist, von der Bryndt noch berichtet. Da Giselher laut Stammbaum aber nur 23 wird, dürfte bis zu seinem Tod nicht mehr viel Zeit vergehen.

Bryndts Bericht über seine eigene Familie und wie er sie verlor hat mich schon traurig gestimmt. Und auch seine Beschreibung, was einen Skalden ausmacht, fand ich sehr interessant. Ich habe mich schon gefragt, wie man so überhaupt leben kann:

Zitat von: S. 152
Mein seltsames Leben, das darin besteht, die Geschichten anderer Menschen zu hören, zulernen und weiterzuerzählen.

Zitat von: S. 154
Ich bin gesichtslos, eigenschaftslos, der Skalde, der ewige Erzähler. Ich bin das Gedächtnis so vieler Menschen, ganzer Volksstämme an Lebenden und Toten, die sich auf meine Erinnerung verlassen. (...) Wer wird sich an mich erinnern? Wer wird sich an den Erzähler erinnern, wenn er zu erzählen aufhört? Wird sich jemand an mein Lachen erinnern, meine Stimme?

Diese Fragen halte ich für durchaus berechtigt. Bryndt übt als Skalde eine wichtige Funktion für die Gemeinschaft aus, in der er lebt. Aber was bekommt er von der Gemeinschaft dafür? Nicht, daß alles immer aufgerechnet werden muß, es geht ja auch nicht unbedingt um materielle Gegenwerte - obwohl ich weiß, daß es in nordischen Gesellschaften nicht unüblich war, daß ein Fürst einen Skalden für ein schmeichelhaftes, gelungenes Lied über sich mit Gold belohnte, weil die Weiterverbreitung eines solchen Liedes seinen Ruhm mehrte.

Die Vorstellungen, die in Worms über die Nordleute herrschen, sind eher vage und wirr. Ich nehme nicht an, daß diese sich genau so bestätigen werden. Nach der bisherigen Schilderung der Familiengeschichte kann ich mir nicht gut vorstellen, wie Gunther und Brynhild miteinander umgehen können sollen. Das muß einfach in einer Katastrophe enden.

Schönen Gruß,
Aldawen

Offline Viola Alvarez

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 71
Krimhild
« Antwort #4 am: 31. März 2007, 19:56:33 »
Ich halte Krimhild für eine der wichtigsten Figuren des Nibelungenstoffes. Es ist m.E. zu sehr vernachlässigt worden, warum es zwei Krimhilden gibt.
Die eine ist Siegfrieds sanfte, süße Frau, die andere die mordende Furie.
Anscheinend scheint vielen die Motivation der Gattenrache als ausreichend.
Ich habe diese Facette des väterlichen Verrats  hinzugefügt, um ein Frauenschicksal zu illustrieren, von dem man vielleicht nicht so häufig liest.
Ignoriert zu werden - wie geht ein Mensch damit um?
Ignoriert zu werden, nachdem man so wichtig war?

Das ist für mich eine spannende Frage gewesen.

Viola Alvarez

Offline Bianca

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 374
Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens (S.139-216)
« Antwort #5 am: 01. April 2007, 18:27:34 »
Hallo!

Zitat von: Kathrin
Interessant übrigens, dass Siegfried blond sein soll.

Für mich ist Siegfried in der Vorstellung schon immer blond gewesen, blond mit blauen Augen  :D.

Zitat von: Aldawen
Bei der Charakterisierung von Krimhild habe ich mich gefragt, ob zwischen ihrer Vernachlässigung durch den Vater nach der anfänglichen Ausnahmestellung, die sie bei ihm hatte, und ihrer Eitelkeit ein Zusammenhang besteht.

Da wage ich keine Vermutung, aber ich frage mich ernsthaft, wie eine Frau unter diesen Bedingungen anders als absolut unerträglich werden soll?!? Weggesperrt, nur weibliche Unterhaltung, einzige Beschäftigung ist die Handarbeit, der Kopf ist überhaupt nicht gefragt. Die Frauen werden sich wohl auf die Dinge konzentriert haben, die ihnen zur Verfügung standen. Vermutlich war auch so manche extrem fromme Frau dabei, genau wie Handarbeitsgenies (Krimhild selbst z.B.)etc.etc....sie hatten ja nichts anderes.

Zitat von: Aldawen
Leid getan hat es mir um Mime.

Mir auch, aber ganz besonders deshalb, weil Siegfried jetzt nicht weiter zu retten war...Vermutlich hätte alles eine andere Wendung genommen, wenn Siegfrieds Ausbildung vollendet worden wäre.

Liebe Grüße
Bianca




Liebe Grüße,

Bianca

Offline Viola Alvarez

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 71
Der Archetyp des Helden
« Antwort #6 am: 02. April 2007, 09:27:01 »
Ist das nicht interessant, dass wir von Siegfried wirklich die archetypische Vorstellung des strahlenden Helden/ einer Lichtgestalt haben.

Ich frage mich die ganze Zeit, warum?
Was macht den Helden eigentlich aus?

Herzliche Grüße,

Viola Alvarez

Aldawen

  • Gast
Re: Der Archetyp des Helden
« Antwort #7 am: 02. April 2007, 10:43:10 »
Hallo,

Ist das nicht interessant, dass wir von Siegfried wirklich die archetypische Vorstellung des strahlenden Helden/ einer Lichtgestalt haben.

in den "klassischen" Erzählungen der Nibelungen wird er jedenfalls so dargestellt. Ich bin nicht mehr sicher, wie ich es empfunden habe, als ich die Geschichten das erste Mal gelesen habe, aber ich bin mir ziemlich sicher, daß mich die Perfektion an diesem Siegfried gestört hat. Mein Interesse galt schon früh ambivalenteren Charakteren, und in diesem speziellen Fall hat auch Wolfgang Hohlbein mit seinem Hagen von Tronje genau in die Kerbe gehauen, die bei mir schon vorhanden war. Wenn ich mich recht entsinne, ist dort ja Siegfried der Auslöser des Chaos, weil er sich zwischen Krimhild und Brünhild nicht entscheiden kann und Hagen ist derjenige, der die Entwicklung ahnt, aber zu spät die Konsequenz daraus zieht - nämlich Siegfried zu beseitigen. Das schien mir einfach "realistischer", soweit man das von solchen teil-mythologischen Figuren sagen kann. Aus diesem Hintergrund ist übrigens auch mein Interesse an Deinem Buch entstanden, weil ich solche Perspektivwechsel bei bekannten Stoffen einfach spannend finde  :)

Schönen Gruß,
Aldawen



Offline Liandra

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 43
Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens (S.139-216)
« Antwort #8 am: 02. April 2007, 12:16:41 »
Wie Gere Frau Uote die Nachricht von Siegfrieds Plänen beibringen muss, hat mich sehr berührt. Wie sie dann erzählt, dass sie 17 Tage in dem Karren ausharren musste, war schrecklich zu lesen!

Und Gunther hat sich ja einiges getraut, als er nicht auf Hagen hören wollte und Siegfried auf die Reise schicken wollte. Plötzlich erinnert sich Gunther an seinen Machtstatus - und fährt damit ganz schön ein.    ;D
"Hagen, so hab ich das doch nicht gemeint ... Das ist mir bloß so rausgerutscht!"

Mir ist es auch wie Aldawen und Bianca gegangen  :winken: - dieser Mime hat mir auch gefallen, schade, dass er nicht mehr Zeit hatte!

LG
Liandra

Offline Viola Alvarez

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 71
Nochmal Blond
« Antwort #9 am: 03. April 2007, 09:43:38 »
Nicht dass es zur Diskriminierung der Blonden ausartet, aber ich glaube, dass Siegfried zwar als Groß und Stark und alles andere im Original beschrieben wird - aber nicht als blond. ( Lasse mich ggf auch gerne korrigieren.) ich habe eher die Vermutung, dasses das Bedürfnis nach Archetypischer Helligkeit, Unschuld, Unverdorbenheit ist, das uns die Blond-Vorstellung eingibt - eben wie das weiße Pferd. ( Vgl. Joseph Campbell, "Hero with a Thousand Faces").

Nun soll's aber auch gut sein. Ist vielleicht auch eine Geschmacksfrage.

Viola Alvarez

Offline Olima

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 393
Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens (S.139-216)
« Antwort #10 am: 03. April 2007, 20:42:55 »
Kann es sein, dass Siegfried im dritten Reich zum zweifelhaften Ideal gemacht wurde.
Mir geht es wie Bianca.

Zitat von: Kathrin
Interessant übrigens, dass Siegfried blond sein soll.

Für mich ist Siegfried in der Vorstellung schon immer blond gewesen, blond mit blauen Augen  :D.

ps. Mein 1954 geborener Göttergatte heißt auch Siegfried und er war als Kind faßt schon weißblond  ;)

Offline Sansa

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 98
Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens (S.139-216)
« Antwort #11 am: 04. April 2007, 13:25:46 »
Siegfried war für mich auch immer blond. Aber manchmal lösen auch Namen oder Buchstaben solche Assoziationen bei mir aus. Namen, in denen das "i" betont wird, haben für mich irgendwie immer eine Verbindung zu blond. Keine Ahnung wo das wohl herkommt  ???

Siegfried und Krimhild scheinen charakterlich ja zusammenzupassen wie die Faust aufs Auge. Beide sind sehr von sich eingenommen und nur schwer erträglich. Allerdings muß ich sagen, dass ich (noch?) keine Antipathien gegen beide hege, was sicher an der Beschreibung ihrer Kindheit liegt. Man hat sicherlich gewisse Anlagen in sich, aber man wird ja auch viel von seiner Umwelt geprägt - und da hatten es beide schwer. Krimhild sicher schwerer als Siegfried in ihrem Weggesperrtsein. Und beider Väter waren ja nun auch nicht wirkliche Vorbilder in Sachen Edelmut, Tapferkeit, Ehrlichkeit, etc. Es ist wirklich schade um Mime gewesen, aber wenigstens hat er Siegfried ansatzweise ändern können. Daran kann man erkennen, wie kurzsichtig Sigismund ist, kurzsichtig und dumm. Es wäre übrigens recht anstrengend für mich, die Szenen an Sigismunds Hof zu lesen - ich kann soviel geballte Naivität und Dummheit nur schwer ertragen. Aber die Beziehung zwischen Sigismund und seiner zweiten Frau war dafür wieder angenehm humorvoll beschrieben.

Die Szene mit Siegfried und Krimhilds Wandbehang - das war ja vielleicht peinlich  :o Ich habe mich richtig fremdgeschämt.

Dass Gunther allerdings so dreist ist, sich in einer so wichtigen Sache wie die Gesandschaft in die Nordlande über Hagen hinwegzusetzen, hätte ich ihm nicht zugetraut. Er zieht Hagen bei so viel banaleren Dingen zu Rate - und dann sowas. Das ist so dumm, das man es gar nicht beschreiben kann. In dem Moment hat Gunther bei mir verspielt.

So, und als nächstes werde ich dann wohl Brynhild treffen...
« Letzte Änderung: 04. April 2007, 13:47:37 von Sansa »

Offline Kara

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 186
    • Ann-Kathrin Karschnick
Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens (S.139-216)
« Antwort #12 am: 04. April 2007, 16:40:41 »
Hallo,

Busfahrt heute morgen war erfolgreich. Habe den Abschnitt fertig gelesen. Also mir gefällt Siegfried nicht. Er hatte sofort was antisympathisches, als seine Kindheit beschrieben wurde. Auf der anderen Seite tut er mir leid, denn sein Vater macht alles, um ihn glücklich zu machen, was natürlich falsch ist. Wieso können Eltern nicht ihre Kinder so erziehen, wie sie selbst erzogen wurden? Der Vater wurde doch sicher nicht so erzogen? Warum wird Mime eigentlich getötet? Der Vater muss doch gesehen haben, dass sein Sohn vernünftiger geworden ist, während der Zeit in der Schmiede.

Das Krimhild sich sofort in Siegfried verliebt, verstehe ich nicht. Klar, er macht ihr Komplimente über ihre Schönheit, aber diese peinliche Szene dazu. Das müsste doch jede Frau verscheuchen. Außerdem hatte ich bis jetzt die Vermutung, dass Krimhild so eitel war, niemanden neben sich zu dulden, den anderen ebenfalls als schön bezeichnen würden. Man erkennt an dieser Szene auch sehr gut, wie weltfremd Krimhild ist, wenn sie auf den ersten Mann reinfällt, der ihr den Hof macht.

Hagen ist wieder gesund und er hegt ebenfalls nicht gerade Sympathien für Siegfried. Außerdem führt die Erzählung langsam auf die Geschichte zwischen Hagen und Brynhild zu, aus dem Bryndt entsteht und er sein eigenes Leben beschreiben kann. Schließlich wird nun Siegfried in den Norden geschickt, um dort Waffen zu besorgen. Was ich allerdings ihm irgendwie nicht zutrauen würde, schließlich sind alle anderen Geschichten von ihm ausgedacht.

Jetzt sehen wir mal, wie es weitergeht.
Rettet die Erde, sie ist der einzige Planet mit Schokolade

Offline Viola Alvarez

  • Autor/in
  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 71
Jeder ist der Richtige,...
« Antwort #13 am: 05. April 2007, 09:47:56 »
...sagte Effi Briest, die ist ja wesentlich freier und später erzogen worden als Krimhild, aber für Frauen gab es die Idee eines Selbstbestimmten Daseins einfach nicht, auch wenn wir das rückwärtig gern lesen und projizieren.
Krimhild verliebt sich in Siegfried, weil er sie "sieht". Der erste Mann seit Gibich, der das tut.
Dass er sie dabei kein bisschen "Wahrnimmt", liegt natürlich daran, dass Siegfried Siegfried ist. Er kann nicht.
Er hatte eine Chance zulernen ( Mime), diese Chance hat nicht lang genug gedauert.
Tragisch... ich finde es wichtiger zu fragen, ob ich verstehen kann, wie jemand ist, als zu fragen, ob ich jemanden mag.
Im Leben und im Lesen.

Viele Grüße,

Viola Alvarez

Offline Seychella

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 3023
    • Fantastische Bücherwelt
Re: Viola Alvarez - Die Nebel des Morgens (S.139-216)
« Antwort #14 am: 08. April 2007, 17:11:26 »
Siegfried kommt nun ins Spiel, er scheint ja nicht nur güldenes Haar sondern auch ein sehr einnehmendes Wesen zu haben. Mit seinem Auftreten, seiner Energie und seiner Art scheint er viele Leute einfach um den Finger wickeln zu können. Etwas, was ich bisher nur bei Frauen beobachten konnte. Ich stelle mir ihn insgesamt sehr blass vor: sehr helle Haut, hellblondes Haar und wässrige Augen. Ich stand ihm relativ neutral gegenüber, bis zu dieser peinlichen Szene als Saumküsser.  :-[

Um Mime tat es mir leid, ich hätte gern mehr über ihn erfahren - und habe sogar an ein Treffen zwischen Mime und Hagen gedacht. Das wäre sicher interessant gewesen. Mir tut es um ihn als Person leid, aber auch etwas um Siegfried. Um seine ihm genommene Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln und "erwachsen" zu werden.

Zurück zur peinlichen Saumküsser-Szene: Krimhild scheint von dem heulenden und saumküssenden Siegfried ja angetan zu sein. Ich stelle mir aber vor, dass das vor allem daran liegt, wie er sie bewundert und überhaupt wahrnimmt. Sie muss ja einen Knacks wegkriegen, erst der Augapfel ihres Vaters zu sein - und dann grundlos weggesperrt, nur mit Frauen als Gesellschaft, als einzige Beschäftigung und Lebensinhalt nur das Sticken und ihr Glaube. Da könnte sie durchaus so naiv sein und sich in den erstbesten verlieben, der nett zu ihr ist.

Und Gunther! Was hat ihn nur geritten, in einer so wichtigen Sache nicht auf Hagen zu hören? Da muss den Göttern aber sehr langweilig gewesen sein! Ihm tat es danach ja gleich wieder leid, aber Hagens Reaktion darauf fand ich einfach nur klasse.  ;D
Sympathiemäßig bin ich immer noch bei Hagen, allerdings machen mich die Geheimnisse so langsam ganz kribbelig. Vor allem die 3-Tage-Abwesenheit. Aber vom Buch ist ja auch noch viel übrig...

Mein Verdacht in Bezug auf denjenigen, der von Bryndt vergessen wurde, erhärtet sich immer mehr. Ist es wirklich so einfach? Auf diese Figur und seine Gründe bin ich immer mehr gespannt. Aber noch mehr auf Brynhild und den Norden.